Flexibler Energieverbrauch

BMWi will unangekündigt Strom abschalten

Das Bundeswirtschaftsministerium plant ein Modell der unangekündigten Netzeingriffe, um eine Netzüberlastung zu verhindern. Verbraucherschutzverbände lehnen das entschieden ab.

Künftig könnten Netzbetreiber den Stromverbrauch von flexiblen Energieverbrauchern wie Elektrofahrzeugen oder Wärmepumpen willkürlich begrenzen. Das zumindest sieht ein Model des Bundeswirtschaftsministeriums vor. „Das ist keine gute Nachricht für private Verbraucher, denn Strom ohne Unterbrechungen ist bisher die Norm“, kritisiert Thomas Engelke vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Der Geschäftsführer des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (bne) Robert Busch ergänzt: „Wir brauchen intelligente marktliche Steuerungen statt Zwangsbewirtschaftung“. bne und vzbv lehnen den Vorschlag daher ab und fordern in ihrer heute veröffentlichten Stellungnahme Alternativlösungen.

"Flexibilität ja, aber nicht so"

Beide Verbände stimmen zu, dass nachfrageseitige Flexibilität für eine kostengünstige Integration erneuerbarer Energien wichtig ist. Zudem muss eine Überlastung der Netze vermieden werden, die droht, wenn viele Verbraucher am Feierabend zur selben Zeit ihr E-Fahrzeug laden wollen. Die Herausforderung ist laut bne und vzbv, ein Modell zu entwickeln, das diese beiden Zielvorgaben kundenfreundlich, kosteneffizient und mit möglichst geringem regulatorischem Aufwand umsetzt. „Der aktuell diskutierte Vorschlag zeigt, wie es nicht geht: Verbraucherbedürfnisse werden zurückgestellt und die wettbewerbliche Nutzung flexibler Lasten wird eingeschränkt. Alternativen wurden nur unzureichend geprüft“, kritisiert Busch.

"Kein Stückwerk bei der Netzentgeltsystematik!"

Außerdem schlägt das Modell Änderungen der Netzentgelte für Klein- und Privatverbraucher vor. Eine Reform der Netzentgelte, ebenso wie der Umlagen und Abgaben, ist zwar dringend nötig. Das diskutierte Modell lässt jedoch wichtige Anforderungen an die Netzentgeltsystematik, wie z.B. die Einbindung von Eigenversorgern, weitestgehend unberücksichtigt und gehen für private Verbraucher in die falsche Richtung. bne und vzbv präferieren einen wettbewerblichen Mechanismus, der das Optimierungspotential von flexiblen Energieverbrauchseinrichtungen aktiviert. „Wir brauchen eine Übergangslösung, damit auch kurzfristig sämtliche neu entstehende Ladepunkte innerhalb kurzer Zeit an das Netz angeschlossen werden können“, unterstreicht Busch.

Die Stellungnahme können Sie hier abrufen.

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Diskussionen zum Artikel

von Andreas Gerner

Wem verdanken wir´s ?

Unter anderem den selbst ernannten Natur- und Landschaftsschützern, die einige dringend nötige Pumpspeicherkraftwerke trotz nur relativ geringer Eingriffe (Ein Speichersee kann auch als Aufwertung gesehen werden, wenn die Scheuklappen ab sind.) verhindert haben.

von Werner Kriegl

toller Weg!

Vom Hochindustriestandort zum Entwicklungsland mit Strom nach dem Zufallsprinzip! Und wenn ich dann sehe, daß neben Elektroautos immer mehr "umweltfreundliche" Stromheizungen verbaut werden - sorry, nennt man jetzt Wärmepumpe - dann frage ich mich, wie das zukünftig in einer dunklen, ... mehr anzeigen

von Eric Krause

Bischen intensiver mit der Thematik befassen

Hallo Herr Kriegl, solche Kommentare sind nicht besonders schlau und damit stellen Sie sich nur als der dumme Mensch da, der sie garantiert nicht sind. Befassen Sie sich doch bitte mal mit den Begriffen "Virtuelles Kraftwerk" und der Technologie des Blockchain. Sehr schnell werden Sie ... mehr anzeigen

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