Natur- und Klimaschutz

Naturschutz und Windbranche wollen schnellere Genehmigungen

Umweltminister Lies überreicht einen Förderbescheid für ein Kooperationsprojekt vom Landesverband Erneuerbaren Energien und NABU Niedersachsen.

Auf dem Branchentag Erneuerbare Energien überreichte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies am Mittwoch (2. September) dem Naturschutzbund (NABU) und dem Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) einen Förderbescheid für das Projekt „Integrative Genehmigungspraxis“.

In dem auf zwei Jahre angelegten Gemeinschaftsprojekt wollen LEE und NABU gemeinsam einen Leitfaden entwickeln, der bisherige Hemmnisse in den Genehmigungsverfahren für Windenergieanlagen identifiziert und Lösungsansätze aufzeigt. Dafür sollen in zwei niedersächsischen Pilotlandkreisen die Genehmigungsverfahren kommunikativ begleitet werden.

Konflikt zwischen Arten- und Klimaschutz

Hintergrund ist, dass der Ausbau der Windkraft in Niedersachsen nur schleppend verläuft. Vor allem die langen Genehmigungszeiten bereiten der Branche Sorgen, aber auch der Widerstand der Bevölkerung vor Ort führt häufig zu langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen. Dabei kommt es nicht selten zu schweren Kontroversen beim Artenschutz. „Das Pilotprojekt soll den Dialog zwischen Windkraftbetreibern, kommunalen Entscheidungsträgern, Umweltverbänden und der Bevölkerung erproben. Unser gemeinsames Ziel ist es, im Spannungsfeld von Arten-, Umwelt und Klimaschutz die sozialverträgliche Beschleunigung von Genehmigungsprozessen für EE-Anlagenzubau zu erreichen und Hemmnisse zu beseitigen“, sagt Dr. Peter Best, Mitglied des NABU-Landesvorstand.

Marie Kollenrott, stellvertretende LEE-Geschäftsführerin, ergänzt: “NABU und LEE sind sich in der Sache einig: Wir müssen gemeinsam alles tun, damit das Klima effektiv geschützt wird, dazu gehört auch eine stark beschleunigte, einhundertprozentige Energiewende. Wir wollen verhindern, dass Artenschutz und Energiewende gegeneinander ausgespielt werden.“

Ökostromlücke droht

Wird die Windkraft nicht ausgebaut, besteht für die Niedersachsen laut LEE die Gefahr einer negativen Energiebilanz. Zahlreiche Anlagen laufen mit Ende des Jahres aus der 20-jährigen EEG-Förderung. So wurden in Niedersachsen im 1. Halbjahr 2020 lediglich 23 Anlagen mit einer Leistung von 75 MegaWatt in Betrieb genommen. 2019 verzeichnete Niedersachsen einen Zubau von 51 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 170 MegaWatt. Gleichzeitig würde Deutschland und Niedersachsen das größte Artensterben der Menschheitsgeschichte erleben. Somit bestehe die schwierige Aufgabe darin, beide Belange zueinander zu bringen. Das soll mit dem Projekt jetzt gelöst werden.

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Deutschland will seinen Ökoanteil bei Strom bis 2030 von derzeit 38 auf 65 % erhöhen. „Das schaffen wir niemals, außer wir starten bei der Windenergie in einer Kraftanstrengung durch", sagt Olaf...

Das Bundeswirtschaftsministerium hat 2019 einen 18-Punkte-Plan vorgelegt, um die Flaute beim Windkraftausbau zu beseitigen. Die Bundesregierung nimmt zur Umsetzung jetzt Stellung.

Angesichts des schwachen Zubaus von netto nur 90 neuen Windenergieanlagen im 1. Halbjahr drängt der Bundesverband Windenergie darauf, bestehende Flächen effizient zu nutzen.


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