Wasserstoff

Neues Standbein für die Windkraft

Nicht nur für Windmüller an der Westküste Schleswig-Holsteins mit ihrem Überangebot an Grünstrom bietet die Wasserstoffproduktion wirtschaftliche Potenziale, zeigt eine Studie.

Die Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energieträgern zur Herstellung von Wasserstoff ist die Chance für eine klimafreundliche Wärme- und Treibstoffversorgung. Besonders für Windkraftanlagenbetreiber an der Westküste Schleswig-Holsteins mit ihrem Überangebot an Grünstrom bietet die Wasserstoffproduktion wirtschaftliche Potenziale. Das ergab eine Studie der Firma IPP ESN Power Engineering aus Kiel, die der Kreistag Nordfriesland zusammen mit der Netzwerkagentur Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein (EE.SH) in Auftrag gegeben hatte.

Neues Geschäftsmodell

„Die Herstellung von Wasserstoff per Elektrolyse mit Hilfe von Windstrom kann sich zu einem neuen Geschäftsmodell für Windparkbetreiber entwickeln“, erklärt EE.SH-Projektmanagerin Sina Clorius. Sie verweist auf Änderungen im Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG), das jetzt keine feste Förderung für den eingespeisten Windstrom mehr vorsieht. Jürgen Meereis, Physiker bei IPP ESN und Projektleiter der Studie, nennt ein Beispiel: „Alle Abfallsammelfahrzeuge in Schleswig-Holstein könnten mit Elektrolyse-Wasserstoff aus dem Strom von etwa einem Drittel der Windenergieanlagen betrieben werden, die im Jahr 2020 aus der EEG-Förderung fallen.“ Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen mahnt jedoch: „So lange man keinen Preis für die Klimaschäden bei der Verwendung fossiler Rohstoffe bezahlt, ist grüner Wasserstoff nicht wettbewerbsfähig.“

Deutlich weniger CO₂-Emissionen

Laut Studie steht der CO₂-Emission von 16 Kilogramm auf 100 Kilometer bei einem Benzin-PKW 1 Kilogramm pro 100 Kilometer bei Wasserstoff aus Grünstrom gegenüber. Wo keine chemische Industrie den Wasserstoff als Grundstoff für ihre Produkte verbrauchen kann, bietet sich deshalb an, das Gas als Treibstoff für Pkw, Lkw, Busse, Triebwagen der Bahn, Fähren oder Abfallsammelfahrzeuge zu verwenden.

Die Studie errechnet unter anderem den aktuellen und perspektivischen Förderbedarf für wasserstoffgestützte Mobilität, unter der Annahme, dass sich fossile Brennstoffe verteuern und alternative Technologien wegen höherer Stückzahlen günstiger werden. Triebwagen fahren dann bereits ab einem Wasserstoff-Herstellungspreis von 5,4 Euro pro Kilogramm wirtschaftlich. Derzeit liegt der Preis je nach Voraussetzungen zwischen 6 und 9 Euro pro Kilogramm. Brennstoffzellen-Busse sind zurzeit noch dreimal so teuer wie Diesel-Busse. Günstiger wären Busse mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor, von denen erste Prototypen 2020 vorgestellt werden sollen.

Die Studie errechnet – ohne adäquate CO₂-Bepreisung – auch in einigen Jahren weiterhin einen Förderbedarf für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, gibt jedoch zu bedenken, dass eine EU-Richtlinie ab 2025 verbindliche Anteile für Fahrzeuge mit klimaneutralen Antrieben in den Fuhrparks der öffentlichen Hand und öffentlicher Unternehmen vorschreibt.

Die Wasserstoff-Potenzialstudie steht unter www.ee-sh.de zum Download zur Verfügung.

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Bundeswirtschaftsminister Altmaier will bis Ende August ein Konzept vorlegen, um mit „grünen“ Gasen Erdgas im Verkehr, in der Industrie und in Gebäuden zu ersetzen.


Diskussionen zum Artikel

von Jens Geveke

Wasserstoff ins Erdgasnetz !

Wir haben eine prima Infrastruktur, um grünen Wasserstoff zu nutzen: Das Erdgasnetz !! Wasserstoff kann begrenzt (8-10%) dort eingemischt werden, darüber hinaus muss es mit CO2 zu CH4 verbunden werden. Sicherlich noch ein energetischer Schritt, der u.U. aber auch in Biogasanlagen ... mehr anzeigen

von Erwin Schmidbauer

Echt jetzt?

Vor ca. 25 Jahren kam das erste Brennstoffzellen Auto als Projektstudie an die Öffentlichtkeit. Mittlerweile tritt Wasserstoff immer noch auf der Stelle. Es bleibt für mich sehr zweifelhaft, ob Wasserstoff mit seinen Umwandlungsverlusten wirklich der bessere Weg ist - zumindest für ... mehr anzeigen

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