Viele Hürden hemmen den Einbau von BHKW

Die Strom- und Wärmeerzeugung aus kleinen Blockheizkraftwerken (kurz: „Mini-KWK“) geht langsam, aber stetig voran. Seit Juli 2012 sind über 6900 neue BHKW auf Basis von Erdöl oder Erdgas ans Netz gegangen. Es gibt dabei aber viele Hürden, wie die Tagung "Mini-KWK" gestern in Berlin zeigte.

Die Strom- und Wärmeerzeugung aus kleinen Blockheizkraftwerken (kurz: „Mini-KWK“) geht langsam, aber stetig voran. Seit Inkrafttreten der neuen Fördersätze im Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) im Juli 2012 sind über 6900 neue Blockheizkraftwerke (BHKW) auf Basis von Erdöl oder Erdgas ans Netz gegangen. „In der Leistungsklasse bis 50 Kilowatt (kW) waren es 6266 Maschinen“, berichtete Markus Gailfuß vom BHKW-Infozentrum Rastatt gestern auf der Tagung „Mini-KWK – Energie effizient nutzen“ in Berlin.
Neben der Förderung im KWKG trägt auch die Investitionsförderung nach dem Mini-KWK-Impulsprogramm zu dem Aufschwung bei. Mit dem Programm fördert die Bundesregierung Anlagen bis 20 kW Leistung (Informationen: www.mini-kwk-impulsprogramm.de). Seit Neustart des Programms im April 2012 hat das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) über 7700 Anträge registriert und 5200 Zuwendungsbescheide erteilt.

Die vorherige Bundesregierung hatte das Ziel formuliert, bis zum Jahr 2020 einen Anteil von KWK-Strom an der Gesamtstromerzeugung von 25 % zu erreichen. „Heute liegt dieser bei etwa 17 %“, erläutert Dr. Heidrun Schalle vom Bundesumweltministerium.
An dem 25 %-Ziel will auch die neue Bundesregierung festhalten. Das hat zumindest die Arbeitsgruppe Energie bei den Koalitionsverhandlungen vorgeschlagen. Die Regierung will auch eine Potenzialanalyse erstellen und daraufhin die Rahmenbedingungen für KWK in Deutschland abklopfen. Das KWKG soll dann schon im nächsten Jahr überprüft und angepasst werden.

Für den Wohnungsmarkt sind gerade kleine BHKW unter 3 kW interessant, die Strom und Wärme selbst verbrauchen. „Aber diese BHKW sind derzeit noch zu teuer, wir brauchen eine Massenmarkt und sinkende Preise“, fordert Dr. Horst Meixner, BHKW-Experte beim Dienstleister Hessenenergie.

Bei einer Umfrage der Tagungsteilnehmer stellte sich heraus, dass die meisten den hohen Verwaltungsaufwand und bürokratische Hürden als die größten Hemmschuhe für den weiteren KWK-Ausbau sehen. Ebenfalls sehen sie hohe Investitionskosten und die Förderstruktur als Hindernis. Auch die mangelnde Qualifizierung von Handwerkern steht dem Einbau von BHKW häufig entgegen. Rund 80 % der Heizungstechniker kennen nur Öl- und Gasheizungen und beraten daher nicht zum Einbau eines BHKW, meint Ulrich Sattler, für das Mini-KWK-Impulsprogramm zuständiger Abteilungsleiter beim BAFA: „Dabei wäre der Austausch des Heizkessels viel günstiger als eine energetische Sanierung, die bei älteren Häusern schnell 60.000 bis 80.000 € kosten kann.“ Bei 17 Mio. Heizungen, die älter als 15 Jahre sind, sieht Sattler noch erheblichen Sanierungsbedarf. Darum hält er eine Abwrackprämie als Anreiz für die Heizungsmodernisierung für sinnvoll. Hinrich Neumann