Energiewende

Windräder stehen still, Uran und Erdgas werden verbraucht

Ein Beispiel aus Bayern zeigt die Defizite der aktuellen Energieversorgung: Klimaschonender Windstrom wird nicht genutzt, die Strompreise sinken ins Negative.

An Feiertagen mit viel Wind und Sonneneinstrahlung zeigt sich immer häufiger, dass der rechtliche Rahmen des Energiesystems nicht zu den fluktuierenden Stromquellen passt. Ein Beispiel ist der Ostermontag 2020. „Der Wind bläst gut. Zusammen mit Bioenergie, Geothermie, Solar und Wasserkraft könnten uns heute die Windräder alleine versorgen“, sagt Raimund Kamm, Vorsitzender des Forums „Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.“ und des Landesverbandes Erneuerbare Energien (LEE Bayern). Stattdessen produziert das Atomkraftwerk Gundremmingen kaum gedrosselt weiter. Denn die Atomanlagen lassen sich kaum drosseln. „Auch wird in Nahwärmenetzen weiter Erdgas verheizt anstatt nahezu kostenlosen Windstrom zu nutzen“, kritisiert Kamm. Schuld hieran sei das vom Bundeswirtschaftsminister nicht reformierte „SAU-System“. „SAU“ steht dabei für „Steuern, Abgaben, Umlagen.“

Strompreis wird "negativ"

Die hohe Stromproduktion sorgt bei dem feiertagsbedingtem, geringen Verbrauch dafür, dass der Preis an der Strombörse ins Negative sinkt. „Dies wird sich erst mit dem überfälligen Abschalten der letzten AKW Ende 2021 (Brokdorf, Grohnde, Gundremmingen) und 2022 (Lingen, Neckarwestheim, Ohu) ändern“, sagt Kamm.

Doch dann bleibe ein weiteres Problem: Solar- und Windstrom werde vergeudet, anstatt ihn zeitweise in der Wärmeerzeugung zu nutzen. Dies zeige das Beispiel der am Lech liegenden Gemeinde Fuchstal. „Auch dort werden am heutigen Ostermontag tagsüber die vier Windkraftwerke wegen der negativen Strompreise (nicht wegen der Netzengpässe) stark gedrosselt“, erklärt Kamm. Die Bemühungen der örtlichen Windkraftbetreiber, in solchen Situationen den sonst vergeudeten Windstrom zur Heizung mittels günstiger Tauchsiedertechnik im Nahwärmenetz zu nutzen, werde durch das System der staatlichen Steuern, Abgaben und Umlagen verhindert. Denn dafür müssten die Betreiber EEG-Umlage und Stromsteuer zahlen, zusammen über 8 Cent je Kilowattstunde. „Dagegen kostet das aus Russland gelieferte umweltschädliche und mit weniger Abgaben belastete Erdgas nur rund 6 Cent je Kilowattstunde“, unterstreicht Kamm.

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Diskussionen zum Artikel

von Gerhard Steffek

@Herr Geveke -

das wir von den fossilen Brennstoffen wegkommen müssen, da bin ich voll bei ihnen. Aber bitte mit Hirn und Verstand und das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Uns und der Welt hilft es nichts, wenn wir unsere Wirtschaft mit Vollgas an die Wand fahren. Hamburg Mohrburg ist so ein ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

gewaltige Fehlpeilung!

Es ist doch schon erschreckend, wieviel hysterischer Irrsinn mittlerweile in diesem Lande herrscht. Egal wohin man schaut. Sei es die Migration, der Umweltschutz, die Artenvielfalt oder wie hier die Energiewende. Sicherlich muß man was tun, daß ist immer der Fall. Aber mit der Hysterie ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

China investiert übrigens in Erneuerbare weit mehr,

als in Kohle und Atom zusammen. Und in keinem Land der Welt stehen mehr WKA, als in China.

von Rudolf Rößle

Unerhört

kompliziert sind die Regeltechniken, wenn eine Firma sich selbst mit Eigenstrom versorgen will und unterschiedliche regenerative Energien dazu erzeugen will. Man könnte einfach nur die Differenz zwischen Abgabe und Aufnahme verrechnen, von denen es gewünscht wird. Zudem gibt es gar ... mehr anzeigen

von Jens Geveke

Klar, dass die Kommentare jetzt so kommen...(wenn der Wind nicht weht...)

Darum geht es doch in diesem Artikel: Die Energiewende wird ausgebremst, weil wir in Zeiten von hohem Wind- oder Solarangebot die Energie nicht transformieren können/dürfen. Das wird durch die entsprechenden Abgaben einfah komplett ausgebremst. Die Enrgiewende wird aber nur mit ... mehr anzeigen

von Otto Klapfenberger

Wirtschaftlich

darstellen lässt dich Ihr Vorschlag ganz einfach nicht. Zu den höheren Kosten der PV Anlage und WkA kommen zusätzlich noch kosten für die Elektrolyse zu H2, plus Wirkungsgradverluste. Achja, die Industrie kauft Strom für etwa ct/kwh, also wer soll die hohen Kosten bezahlen? Wenn ... mehr anzeigen

von Otto Klapfenberger

Immerhin

Wird in diesem Artikel mit keiner Silbe erwähnt wo der Strom herkommen soll, wenn keine Sonne scheint, kein Wind weht, Atom- und Kohlekraftwerke angeschaltet sind? Achso stimmt, wenn die anderen (Länder) keinen übrig haben, Kerze anzünden und per Hand melken.

von Martin Bosse

Noch viel Entwicklung notwendig

Unter smart.de kann die Zusammensetzung der Stromerzeugung und den Verbrauch sehen. Heute ist jede Menge windstrom vorhanden, aber es gibt sehr viele Zeiten da machen die erneuerbaren nur ca20% aus. Biogas wird so gut wie gar nicht abgeriegelt. Wie die Abschaltung der Kernkraftwerke in 21 ... mehr anzeigen

von Jürgen Langreder

Gute Lobbyarbeit

Die vier großen machen eine gute Arbeit im Wirtschaftsministerium

von Gerhard Steffek

EEG-Umlage

Das ganze Theater wurde auf die Spitze getrieben mit Wirtschaftsminister Gabriel. Dieser hatte als "Wahlkampfhilfe" für die rote Hannelore anno dazumal bei der damaligen Landtagswahl in NRW die entsprechenden Gesetze zu Gunsten der großen Energieerzeuger gezimmert. Denn damals fielen ... mehr anzeigen

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