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Schmutzkampagne: Tierrechtler verurteilen Hähnchenmast für Lidl

Es hat etwas von Erpressung: Weil Lidl der Masthuhninitiative von Tierrechtsvereinen nicht beitreten will, kommt nun eine Schmutzkampagne. Tierrechtler haben Videos kranker Hähnchen gesammelt.

Lesezeit: 4 Minuten

Tierschutzorganisationen haben Undercover-Aufnahmen aus dem Hähnchenstall eines niedersächsischen Lidl-Lieferanten veröffentlicht. Sie sollen zeigen, dass die Haltungsbedingungen nicht gut sind und die Tiere unter einem zu starken Wachstum leiden.

Die Aufnahmen sollen aus dem Sommer 2022 stammen. Das Fleisch werde für Produkte der Lidl-Eigenmarken "Metzgerfrisch" und "Grillmeister" verarbeitet, heißt es. Die Kritiker beklagen zudem, dass Lidl zwar an der "Initiative Tierwohl" teilnimmt, aber wenig in Sachen Tierwohl unternehme.

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„Solche skandalösen Zustände sind Normalität in der konventionellen Tierhaltung. Es ist einkalkuliert, dass rund 5 % der Tiere schon vor der Schlachtung sterben“, äußerten sich die Tierrechtler am Dienstag. Und Mahi Klosterhalfen, Präsident der Albert Schweitzer Stiftung, meint, Lidl mache sich unglaubwürdig. "Lidls Hühnerfleisch aus 'Stallhaltung Plus' kommt von Qualzucht-Hühnern aus trostlosen Massenställen.“ Er fordert Lidl auf, Verantwortung zu übernehmen und der privaten Tierschutz-Aktion „Europäische Masthuhn-Initiative“ beizutreten. Diese hatte die Stiftung selbst ins Leben gerufen. Aldi sei bereits dabei.

Lidl beharre dagegen nur auf dem "Haltungsform"-System und plane bis 2026 lediglich, den Anteil von Premiumfleisch der Stufen 3 und 4 auf 30 % zu erhöhen. Das sieht die Albert Schweitzer Stiftung als Versuch, günstig um das Thema Tierschutz herumzukommen.

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Antwort von Lidl

Gesamtes Frischgeflügelsortiment ist mindestens Haltungsform 2

Auf Anfrage von top agrar stellt Lidl klar:

"Lidl spricht sich in aller Deutlichkeit gegen Tierquälerei aus. Wir nehmen jegliche Vorwürfe sehr ernst. Um diesen nachzugehen, stehen wir mit dem Lieferanten, der neben uns auch viele weitere Marktteilnehmer in Deutschland beliefert, in Kontakt. Wir haben umgehend um eine Stellungnahme gebeten und eine unabhängige Prüfung durch externe Sachverständige veranlasst.

Parallel stoßen wir unsere internen Prozesse an, um die Vorwürfe zu überprüfen und die Situation aufzuklären. Auf Basis der Ergebnisse dieser Prüfung behalten wir uns weitere Schritte vor.

Lidl setzt sich seit Jahren für die Weiterentwicklung von Tierwohlstandards ein und wird dies auch weiterhin tun. Nachdem Lidl in Deutschland im Jahr 2018 den Haltungskompass etabliert und damit die Grundlage für die einfache Kennzeichnung von Haltungssystemen bei tierischen Erzeugnissen gelegt hatte, können Kunden transparent erkennen, aus welcher Haltung ein tierisches Produkt stammt.

Tierwohl ist ein Kernthema in den gesellschaftlichen und politischen Debatten um die Zukunft der Landwirtschaft – diese Diskussionen unterstützen wir aktiv. Unser gesamtes Frischgeflügelsortiment ist mindestens auf Haltungsform 2 umgestellt und entspricht damit mindestens den Kriterien der Initiative Tierwohl.

Darüber hinaus arbeiten wir Schritt für Schritt daran, unseren Kunden vermehrt Produkte aus verbesserten Tierhaltungsstandards, beispielsweise mit Kennzeichnungen wie dem EU-Bio-Siegel anzubieten. Langfristig werden wir unser Frischgeflügel vollständig auf die Haltungsstufen 3 und 4 umstellen.

Unser Ziel, den Anteil an Frischgeflügel in den Stufen 3 und 4 der Haltungsformkennzeichnung auf 20 % auszubauen, haben wir bereits 2021 erreicht. In der Haltungsform 3 verwendet Lidl in Deutschland Produkte mit dem Tierschutzlabel "Für Mehr Tierschutz" des Deutschen Tierschutzbundes, das die Vorgaben an langsam wachsende Rassen des European Chicken Commitment (ECC) erfüllt und beim Platzangebot über die Forderung des ECC hinausgeht.

Wir verfolgen die Diskussion um das European Chicken Commitment daher intensiv und unterstützen das Ziel der Initiative, das Tierwohl in der Geflügelhaltung zu verbessern. Uns ist dabei jedoch wichtig, dass wir diesen Weg mit Blick auf die jeweiligen Besonderheiten im Markt gehen und die Komplexität des Themas in seiner gesamten Bandbreite – von den Landwirten bis hin zum Kunden – berücksichtigt wird.

In Gesprächen mit Vertretern des European Chicken Commitment wurde deutlich, dass sich die global einheitlichen Kriterien der Initiative oft nicht ausreichend mit den unterschiedlichen strukturellen Rahmenbedingungen in Deutschland vereinbaren lassen. Die Weiterentwicklung des Tierwohls muss im nationalen Kontext erfolgen und nationale Gegebenheiten, wie zum Beispiel baurechtliche Vorgaben und daraus resultierende Zeitachsen zum Um- und Neubau von Ställen oder gegebenenfalls staatliche Förderprogramme für Stallbauten sowie existierende Tierwohl-Initiativen und Kennzeichnungssysteme, berücksichtigen.

Ein Beispiel solcher nationalen Besonderheiten ist die bestehende Klassifizierung und Kennzeichnung der Haltungsformen bei Lidl in Deutschland. Aufgrund dieser etablierten Kriterien und Mindestanforderungen würden die Erzeugnisse nach den Vorgaben des ECC weiterhin unter Haltungsform 2 vermarktet werden.

Wir sehen ausdrücklich auch die Notwendigkeit einer Transformation der Nutztierhaltung und werden daher weiter intensiv daran arbeiten, unser Sortiment in Zusammenarbeit mit unseren Partnern und Lieferanten entlang der gesamten Lieferkette und mit Blick auf die nationalen Kundenbedürfnisse tierwohlgerechter zu gestalten. So können wir realistische Maßnahmen und Mindestziele für uns und unsere Lieferanten definieren und diese Schritt für Schritt in unserem Sortiment umsetzen. Vor diesem Hintergrund prüfen wir mit unseren Partnern weitere Verbesserungsmöglichkeiten in der Nutztierhaltung.

Für weitere Gespräche mit Vertretern des European Chicken Commitment stehen wir jedoch weiterhin zur Verfügung. Bedauerlicherweise wurden sie 2021 einseitig von Vertretern des European Chicken Commitment beendet. Wir werden aktiv den weiteren Austausch mit Vertretern des ECC suchen.

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