Waldschäden

Durchdachte Waldwende statt Aktionismus gefordert

Umweltschützer und Kritiker der aktuellen Forstpolitik fordern eine Waldwende mit Nutzungseinschränkungen. Reine Aufforstprogramme samt Fördermitteln halten sie für Aktionismus ohne Weitblick.

Angesichts der aktuellen Waldkrise fordert eine Gruppe von Waldexperten, Forstpraktikern, Waldbesitzern und Umweltverbänden in einem offenen Brief an Bundesagrarministerin Julia Klöckner eine Abkehr von der konventionellen Forstwirtschaft. „Wir fordern die staatliche Forstwirtschaft auf, anstelle teurem Aktionismus endlich eine sachkundige Fehleranalyse des eigenen Wirkens vorzunehmen und dabei alle Akteure mit einzubeziehen. Gefordert werden eine konsequente Abkehr von der Plantagenwirtschaft und eine radikale Hinwendung zu einem Management, das den Wald als Ökosystem und nicht mehr länger als Holzfabrik behandelt“, heißt es in dem Brief.

Mitunterzeichner Wilhelm Bode, ehemaliger Leiter der saarländischen Forstverwaltung und Autor des Buchs „Waldwende“ betont: „Wir brauchen endlich eine Waldwende, die die natürlichen Produktionskräfte des Waldes stärkt und nicht weiter schwächt. Darum ist zunächst ist die Forstwirtschaft selbst gefragt, betriebliche Stressoren zurückzunehmen und bei der Wiederbewaldung auf die Natur zu setzen.“

Der Waldökologe und Naturschutzwissenschaftler Prof. Pierre Ibisch sagt: „Die derzeitige Waldkrise in Deutschland ist nicht allein eine Folge des Klimawandels - auch die Art der Waldbewirtschaftung trägt eine erhebliche Mitverantwortung. Es gibt zu viele struktur- und artenarme Wälder, die durch zu viele Wege zerschnitten wurden. Waldböden werden zu intensiv befahren, und vielerorts ist das Waldinnenklima durch Auflichtung und zu starke Holzentnahme geschädigt“. Kritisiert wird zudem der Plan, die aktuellen Waldschäden aktionistisch durch rasche Beräumung geschädigter Bäume und Aufforstung anzugehen.

Mit-Initiator und Waldschützer Norbert Panek betont: „Wir brauchen endlich Ruhepausen für den Wald in Deutschland, der jahrhundertelang ausgebeutet wurde. Wir brauchen ein neues, ökologisch orientiertes Konzept für den zukünftigen Wald, - keinen hektischen „Waldumbau“, sondern schlicht Waldentwicklung – hin zu mehr Naturnähe, die dem Wald als Ökosystem den notwendigen Spielraum belässt, selbstregulierend auf die sich abzeichnenden Umweltveränderungen reagieren zu können.“

Hilfen aus Steuergeld für die Waldbesitzer seien gerechtfertigt – aber nur, wenn sie genutzt würden, einen zukunftsfähigen Wald aufzubauen, meint László Maraz, Koordinator der AG Wald des Forum Umwelt und Entwicklung. Definitiv sei geboten Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten und zu vermeiden. „Es wäre Steuergeldverschwendung, jetzt Millionen von Bäumen zu pflanzen, wenn diese vom Wild gefressen werden wie bisher. Eine waldverträgliche Verringerung des Wildbestandes ist dringender als je zuvor“.

Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören neben Wissenschaftlern Forstexperten mit jahrzehntelanger Erfahrung, Chefs von Umweltverbänden wie etwa Deutscher Naturschutzring, Greenpeace, NABU, Naturfreunde und die Deutsche Umweltstiftung, Vertreter von Bürgerinitiativen und Autoren wie Franz Alt oder Peter Wohlleben.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Wilhelm Grimm

Da sind sie wieder,

die ganzen wohllebenden alten Experten, auf die gestandene Forstbeamte verzichten können.

von Torsten Kremershof

Enteignung ???

Für mich klingt das nach schwerem Eingriff in das Eigentums - Recht . Oder DDR 4.0 ! . Der Wald in Deutschland ist genau wie Acker oder das Grünland eine Kultur Landschaft ! Der Wald sieht heute so aus wie er aussieht , weil nach dem 2. Weltkrieg Bauholz dringend gebraucht wurde um Deutschland wieder aufzubauen . Desweiteren , müssen wir Land und Forstwirte von der Bewirtschaftung leben können . Genau wie beim Acker oder dem Grünland . Das alles mag in der heutigen Wohlstands und Spassgesellschaft vielen Bürgern altbacken vorkommen . Heute lebt man ja ganz gut als YouTuber oder von Bitcoins . Das wiederum kommt uns Land und Forstwirten sagen wir Mal ein wenig surreal vor . Auch das man von allen Seiten versucht den Klimawandel uns in die Schuhe zu schieben . Man hat manchmal das Gefühl das die Land und Forstwirtschaft das für die Gesellschaft ist , was die Juden im dritten Reich waren . Nämlich die Wurzel allen Übels für die Populisten . Also liebe Gesellschaft . Nach meiner Meinung wird der Versuch die Bauern und Waldbauern über den Klima- Umwelt , Tierschutz , ......zu enteignen genau so wenig funktionieren wie es im Dritten Reich mit den Juden , oder auch unter den Kommunisten in der DDR funktioniert hat . Und wer beim Klimawandel die Ursache mit den Auswirkungen verwechselt der wird ebenfalls gewaltig Schiffbruch erleiden . Also , schön weiter mit dem Flugzeug oder dem Kreuzfahrtschiff durch die Gegend reisen, Plastikschrott aus China Versandkosten Frei bei Amazon bestellen . Der Schuldige am Klimawandel ist ja jetzt gefunden : Der Bauer und der Waldbauer !!!

von Hans Nagl

Zum Nachdenken.

Da hat der Opa vor 100 Jahren Bäume gepflanzt hat aber damals nicht gewusst das der Enkel 3 mal im Jahr nach Mallorca im Urlaub fliegt. Und jetzt ist doch der Opa schuld oder ?????

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