Waldbesitzer wollen Geld

Heereman: "Krise des Waldes von der Politik zu spät erkannt"

"Wer einen neuen Wald wünscht, muss die Leistungen den Eigentümern auch finanziell honorieren“, betont NRW-Waldbauernverband Heereman. Er fordert weniger Bürokratie und eine Honorierung der Leistungen

Der Wald in Deutschland und mit ihm die Waldbauern befinden sich nach den Worten des Vorsitzenden vom Waldbauernverband Nordrhein-Westfalen, Dr. Philipp Freiherr Heereman, nach wie vor in der Krise.

Die Waldbesitzer seien dankbar für die bisherige staatliche Unterstützung, von einem angemessenen Krisenmanagement der Politik könne jedoch nicht die Rede sein, erklärte der zuvor in seinem Amt bestätigte Heereman kürzlich auf dem Waldbauerntag in Werl.

Die Krise sei leider viel zu spät als solche erkannt und es sei zu langsam und zu bürokratisch reagiert worden. Im Ergebnis seien 48 % der Fichtenbestände zerstört und viele Laubholzbestände geschädigt, stellte der Verbandsvorsitzende fest.

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Dr. Philipp Freiherr Heereman (Bildquelle: Pressebild)

Einkommensalternativen zum Holzverkauf notwendig

Damit Waldbesitzer, der Wald und die Waldfunktionen eine Zukunft hätten, müssten neue Wälder mit vielen verschiedenen Baumarten etabliert werden. Um das leisten zu können, brauche es aber Einkommensalternativen zum Holzverkauf, denn bis zur ersten Holzernte dauere es mindestens 30 Jahre.

„Solange können unsere Waldbauern ihre Luft aber nicht anhalten. Wer einen neuen Wald wünscht - und das ist ein existenzieller Wunsch - muss die Leistungen des Waldes den Waldeigentümern honorieren“, betonte Heereman. Hier gehe es nicht um eine Subvention, sondern um das Auswerfen eines Rettungsrings und um eine längst überfällige Honorierung der Waldleistungen, die die Waldbesitzer der Gesellschaft seit Jahrzehnten unentgeltlich zur Verfügung stellten.

Zusätzlich könnten Standorte für Windkraftanlagen im Wald helfen, die Einkommenslücke der Waldbaufamilien zu schließen. Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser erklärte, dass sie eine Vergütung der Ökosystemleistungen des Waldes unterstütze.

Nicht zu kompliziert machen

Ursula heinen-Esser

Ursula Heinen-Esser (Bildquelle: picture alliance/dpa | Oliver Berg)

Wichtig ist es der Ministerin dabei, dass die geplante Honorierung der Klimaschutzleistung des Waldes aus dem Energie- und Klimafonds (EKF) finanziert wird, denn die Verursacher des Klimawandels beziehungsweise des Kohlendioxids sollten dafür aufkommen.

Alle Landwirtschaftsminister und Bundestagsabgeordneten, unabhängig welcher Couleur, stünden bisher hinter diesem Vorschlag, erklärte Heinen-Esser. Sie schaue daher optimistisch auf die neue Legislaturperiode des Bundestages. Gleichzeitig müsse man hoffen beziehungsweise sich dafür einsetzen, dass es nicht zu kompliziert werde. Vorschläge aus dem Bundesumweltministerium ließen dies befürchten.

Die CDU-Politikerin appellierte zugleich an die Waldbesitzer, nicht aufzugeben. „Wir sind stolz darauf, dass wir in Nordrhein-Westfalen den größten Privatwaldanteil haben. Bitte wenden Sie sich bei Schwierigkeiten an das Ministerium, an den Landesbetrieb oder die Abgeordneten“, so Heinen-Esser.

„Mischung, Mischung, Mischung“

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Prof. Andreas W. Bitter (Bildquelle: picture alliance / SZ Photo | Metodi Popow)

Der geschäftsführende Direktor des Instituts für Forstökonomie und Forsteinrichtung der Technischen Universität (TU) Dresden, Prof. Andreas W. Bitter, zeigte anhand der Schadflächen- und Verjüngungssituation in den deutschen Wäldern auf, dass es zwar in Zukunft nicht mehr den Brotbaum „Fichte“ geben werde, es aber weiterhin Nadelholz als „Brotbaum“ der Forstwirtschaft geben müsse.

Der Grund dafür seien die besonderen Eigenschaften von Nadelholz für den Holzbau und andere Nutzungen, aber auch besonders für den Klimaschutz. Es sei jedoch dringend ein Strategiewechsel erforderlich, so Bitter.

Waldbesitzer sollten bei der Wiederbewaldung auf „Mischung, Mischung, Mischung“ setzen. Dabei wäre es gut, wenn jeder Waldbesitzer anders als seine Parzellennachbarn agieren würde. Nur so könne die Vielfalt, die gebraucht werde, um klimastabile Wälder zu erzielen, auch erreicht werden.

Bitter warnte außerdem davor, sich für die Zukunftswälder an der potentiellen natürlichen Vegetation bei der Baumartenwahl zu orientieren. Aufgrund des Klimawandels veränderten sich die Standortfaktoren langfristig, so dass das bisher eingesetzte Baumartenspektrum entsprechend erweitert werden müsse.


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