Dramatische Zahlen aus den Ländern

So stark ist der deutsche Wald geschädigt! Premium

top agrar hat bei den Bundesländern und Landesforsten nachgefragt, wie groß die Waldschäden in ihren Zuständigkeitsbereichen sind. Die Zahlen sind alarmierend.

Durch Dürre und Borkenkäferbefall ist der deutsche Wald schwer geschädigt. Am 25. September findet der nationale Waldgipfel von Bund und Ländern statt, der die Hilfsprogramme für den Wald festsetzen soll.

Auf Anfrage von top agrar online teilt der Verband „AGDW – Die Waldeigentümer“ der 2 Mio. private und körperschaftliche Waldbesitzer vertritt mit, dass eine Aneinanderreihung von Wetterextremen zu dieser Katastrophe im Wald geführt habe. 2019 seien rund 110.000 ha Wald vertrocknet. Zusammen mit den Dürreschäden aus dem letzten Jahr wäre so etwa 70 Mio. Festmeter Schadholz angefallen. Allein die Aufarbeitungskosten schätzt der Verband auf rund 2,1 Mrd. Euro; die Kosten für die Wiederbewaldung auf etwa 660 Mio. Euro. Daher will der AGDW beim Waldgipfel 2,3 Mrd. Euro Hilfe vom Bund für die Aufarbeitung und Wiederbewaldung fordern.

Betroffen von der Krise seien alle Baumarten – Laub- wie Nadelbäume (Fichten, Buchen, Kiefern, Eichen, Eschen etc.). Große Schäden werden u.a. aus folgenden Regionen gemeldet:

  • Teutoburger Wald (Niedersachsen): Trockenheit und Borkenkäfer
  • Thüringer Wald: Trockenheit und Borkenkäfer v.a. Fichten auf derzeit 1.300 ha Fläche kahlgefressen, zudem Buchen auf 14.000 ha vertrocknet
  • Nationalpark Harz (Niedersachsen/Sachsen-Anhalt): Trockenheit und Borkenkäfer v.a. Fichte
  • Solling (Niedersachsen): Borkenkäfer v.a. Fichte
  • Region Bamberg (Bayern): Trockenheit, v.a. Fichte, Kiefer, Buche
  • Nationalpark Hainich (Thüringen): Borkenkäfer besonders auf Fichte, Buche vertrocknet, Eschentriebsterben im Vormarsch und auch die Rußrindenkrankheit
  • Bleilochtalsperre und in der Nähe von Neundorf im Saale-Orla-Kreis (Thüringen): Borkenkäferbefall
  • Ober- und Unterfranken, Oberpfalz, Niederbayern und Mittelfranken (Bayern): Trockenheit und Borkenkäferbefall
  • Nationalpark Schwarzwald (Baden-Württemberg): Borkenkäfer
  • oberes Schmelztal (Nordrhein-Westfalen): bereits 6000 Fichten, die vom Borkenkäfer befallen sind, gefällt worden

Über 13 Mio. Kubikmeter Holz dazugekommen!

Auch dem Bundesagrarministerium liegen genauere Schätzungen vor. Gegenüber top agrar sagte eine Sprecherin, die seit Anfang 2019 hinzugekommene Schadenholzmenge durch Sturm und Borkenkäfer sei auf über 13 Millionen m³ gestiegen. Der Nadelholzanteil liegt über 90 %. Die Länder erwarten im Verlauf des Jahres weitere 22 Mio. m³ (Nadelholzanteil > 90 %). Nach dieser ersten Schätzung fiele 2019 mit über 35 Mio. m³ Kalamitätsholz mehr Kalamitätsholz an als im Jahr 2018.

Durch die schadensbedingen Einschläge sind Kulturflächen entstanden und entstehen noch weiterhin. Zudem seien Pflanzungen, Kulturen und Naturverjüngungen vertrocknet, auch wenn sie schon mehrere Jahre alt waren. Im Privat- und Körperschaftswald sind nach BMEL-Angaben rund 76.000 ha Kulturen zu bepflanzen, im Staatswald rund 38.000 ha (in Summe 114.000 ha).

top agrar hat in den Ländern nachgefragt:

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Thüringen: Schäden dramatisch!

Die Schäden in Thüringen sind „dramatisch“, berichtete Dr. Horst Sproßmann von ThüringenForst in Erfurt. Von der Dürre geschädigt seien sämtliche Baumarten. Besonders betroffen seien die unteren und mittleren Lagen bis etwa 600 m.

Die Fichte ist laut Sproßmann mit 40 % Hauptbaumart, in den unteren und mittleren Lagen durch Trockenheit und Borkenkäfer aber „flächig dramatisch gefährdet“. In ganz Thüringen müsse davon ausgegangen werden, dass diese Baumart flächig aus dem Waldbild verschwindet. Die Waldschutzexperten prognostizieren bis Ende 2019 einen Gesamtanfall Borkenkäferholz von rund 3 Mio. Festmetern. Zur Dimension: Der plangemäße Gesamtjahreseinschlag aller Baumarten aller Waldbesitzarten in Thüringen liegt seit Jahren gleichbleibend bei etwa 2,4 Mio. Festmetern.

Ein völlig neues Phänomen sind laut ThüringenForst die Trocknisschäden an der Buche, mit rund 20 % wichtigste Laubholzbaumart im Freistaat. Speziell in Nordthüringen und Nordwestthüringen, aktuell auch in West- und Südthüringen seien insbesondere Altbuchen und mittelalte Buchen abgängig (geschätzt: 650.000 Festmeter). Innerhalb weniger Monate starben bzw. sterben diese Exemplare ab, so die Förster. Auch der Buchennationalpark Hainich, UNESCO Weltnaturerbe, sei akut vom Altbuchensterben erfasst.

In den Kamm- und Höhenlagen von Thüringer Wald, Ostthüringer Schiefergebirge und Südharz seien die Waldbestände dagegen noch relativ vital, da es dort mehr Niederschlag gab. Auch hier würden die Förster aber eine starke Ausdehnung des Borkenkäfers feststellen.

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Hessen: Borkenkäfer wütet im Norden

„Wir haben im Staatswald des Landes Hessen aktuell rund 1,8 Millionen Kubikmeter Schadholz aufgearbeitet und bereits über 500.000 Kubikmeter noch stehendes Käferholz erfasst“, schildert André Schulenberg vom Hessenforst.

Nordhessen sei extrem betroffen, was Schäden durch Borkenkäfer anbelangt. Hier würden ganze Waldkomplexe vernichtet. „In Mittel und Südhessen ist der Fichtenanteil niedriger, dort bestimmen Schäden an Kiefer (Diplodia-Triebsterben) und Buchen (Komplexkrankheit) in bisher unbekannten Ausmaßen das Schadgeschehen.“ Besonders geschädigt seien Fichte und Lärche gefolgt von Kiefer und Buche.

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Bayern: Vor allem die Fichte stirbt

Trockenheit und Schadinsekten machen auch den Bäumen in Bayern zu schaffen. Besonders betroffen sind Fichte, Kiefer, Buche, Esche und Eiche (bezogen auf Festmeter, in dieser Reihenfolge). Bei der Fichte hätten noch Sturm und Schneebruch/-druck eine wesentliche Rolle gespielt, teilt das Landwirtschaftsministerium aus München mit.

Die größte Schadholzmenge mit rund 3,1 Millionen Festmeter sei bei der Fichte angefallen (davon 900.000 Festmeter in Niederbayern, 700.000 Festmeter in Oberbayern und 450.000 Festmeter in Oberfranken). Zudem fielen ca. 640.000 Festmeter Kiefern-Schadholz an (davon in Mittelfranken 340.000 Festmeter, in der Oberpfalz 85.000 Festmeter und in ...

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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