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BayWa in Insolvenzgefahr Ernte 2024 GAP-Vereinfachungen

topplus Dramatische Zahlen aus den Ländern

So stark ist der deutsche Wald geschädigt!

top agrar hat bei den Bundesländern und Landesforsten nachgefragt, wie groß die Waldschäden in ihren Zuständigkeitsbereichen sind. Die Zahlen sind alarmierend.

Lesezeit: 14 Minuten

Durch Dürre und Borkenkäferbefall ist der deutsche Wald schwer geschädigt. Am 25. September findet der nationale Waldgipfel von Bund und Ländern statt, der die Hilfsprogramme für den Wald festsetzen soll.

Auf Anfrage von top agrar online teilt der Verband „AGDW – Die Waldeigentümer“ der 2 Mio. private und körperschaftliche Waldbesitzer vertritt mit, dass eine Aneinanderreihung von Wetterextremen zu dieser Katastrophe im Wald geführt habe. 2019 seien rund 110.000 ha Wald vertrocknet. Zusammen mit den Dürreschäden aus dem letzten Jahr wäre so etwa 70 Mio. Festmeter Schadholz angefallen. Allein die Aufarbeitungskosten schätzt der Verband auf rund 2,1 Mrd. Euro; die Kosten für die Wiederbewaldung auf etwa 660 Mio. Euro. Daher will der AGDW beim Waldgipfel 2,3 Mrd. Euro Hilfe vom Bund für die Aufarbeitung und Wiederbewaldung fordern.

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Betroffen von der Krise seien alle Baumarten – Laub- wie Nadelbäume (Fichten, Buchen, Kiefern, Eichen, Eschen etc.). Große Schäden werden u.a. aus folgenden Regionen gemeldet:

  • Teutoburger Wald (Niedersachsen): Trockenheit und Borkenkäfer
  • Thüringer Wald: Trockenheit und Borkenkäfer v.a. Fichten auf derzeit 1.300 ha Fläche kahlgefressen, zudem Buchen auf 14.000 ha vertrocknet
  • Nationalpark Harz (Niedersachsen/Sachsen-Anhalt): Trockenheit und Borkenkäfer v.a. Fichte
  • Solling (Niedersachsen): Borkenkäfer v.a. Fichte
  • Region Bamberg (Bayern): Trockenheit, v.a. Fichte, Kiefer, Buche
  • Nationalpark Hainich (Thüringen): Borkenkäfer besonders auf Fichte, Buche vertrocknet, Eschentriebsterben im Vormarsch und auch die Rußrindenkrankheit
  • Bleilochtalsperre und in der Nähe von Neundorf im Saale-Orla-Kreis (Thüringen): Borkenkäferbefall
  • Ober- und Unterfranken, Oberpfalz, Niederbayern und Mittelfranken (Bayern): Trockenheit und Borkenkäferbefall
  • Nationalpark Schwarzwald (Baden-Württemberg): Borkenkäfer
  • oberes Schmelztal (Nordrhein-Westfalen): bereits 6000 Fichten, die vom Borkenkäfer befallen sind, gefällt worden

Über 13 Mio. Kubikmeter Holz dazugekommen!

Auch dem Bundesagrarministerium liegen genauere Schätzungen vor. Gegenüber top agrar sagte eine Sprecherin, die seit Anfang 2019 hinzugekommene Schadenholzmenge durch Sturm und Borkenkäfer sei auf über 13 Millionen m³ gestiegen. Der Nadelholzanteil liegt über 90 %. Die Länder erwarten im Verlauf des Jahres weitere 22 Mio. m³ (Nadelholzanteil > 90 %). Nach dieser ersten Schätzung fiele 2019 mit über 35 Mio. m³ Kalamitätsholz mehr Kalamitätsholz an als im Jahr 2018.

Durch die schadensbedingen Einschläge sind Kulturflächen entstanden und entstehen noch weiterhin. Zudem seien Pflanzungen, Kulturen und Naturverjüngungen vertrocknet, auch wenn sie schon mehrere Jahre alt waren. Im Privat- und Körperschaftswald sind nach BMEL-Angaben rund 76.000 ha Kulturen zu bepflanzen, im Staatswald rund 38.000 ha (in Summe 114.000 ha).

top agrar hat in den Ländern nachgefragt:

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Thüringen: Schäden dramatisch!

Die Schäden in Thüringen sind „dramatisch“, berichtete Dr. Horst Sproßmann von ThüringenForst in Erfurt. Von der Dürre geschädigt seien sämtliche Baumarten. Besonders betroffen seien die unteren und mittleren Lagen bis etwa 600 m.

Die Fichte ist laut Sproßmann mit 40 % Hauptbaumart, in den unteren und mittleren Lagen durch Trockenheit und Borkenkäfer aber „flächig dramatisch gefährdet“. In ganz Thüringen müsse davon ausgegangen werden, dass diese Baumart flächig aus dem Waldbild verschwindet. Die Waldschutzexperten prognostizieren bis Ende 2019 einen Gesamtanfall Borkenkäferholz von rund 3 Mio. Festmetern. Zur Dimension: Der plangemäße Gesamtjahreseinschlag aller Baumarten aller Waldbesitzarten in Thüringen liegt seit Jahren gleichbleibend bei etwa 2,4 Mio. Festmetern.

Ein völlig neues Phänomen sind laut ThüringenForst die Trocknisschäden an der Buche, mit rund 20 % wichtigste Laubholzbaumart im Freistaat. Speziell in Nordthüringen und Nordwestthüringen, aktuell auch in West- und Südthüringen seien insbesondere Altbuchen und mittelalte Buchen abgängig (geschätzt: 650.000 Festmeter). Innerhalb weniger Monate starben bzw. sterben diese Exemplare ab, so die Förster. Auch der Buchennationalpark Hainich, UNESCO Weltnaturerbe, sei akut vom Altbuchensterben erfasst.

In den Kamm- und Höhenlagen von Thüringer Wald, Ostthüringer Schiefergebirge und Südharz seien die Waldbestände dagegen noch relativ vital, da es dort mehr Niederschlag gab. Auch hier würden die Förster aber eine starke Ausdehnung des Borkenkäfers feststellen.

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Hessen: Borkenkäfer wütet im Norden

„Wir haben im Staatswald des Landes Hessen aktuell rund 1,8 Millionen Kubikmeter Schadholz aufgearbeitet und bereits über 500.000 Kubikmeter noch stehendes Käferholz erfasst“, schildert André Schulenberg vom Hessenforst.

Nordhessen sei extrem betroffen, was Schäden durch Borkenkäfer anbelangt. Hier würden ganze Waldkomplexe vernichtet. „In Mittel und Südhessen ist der Fichtenanteil niedriger, dort bestimmen Schäden an Kiefer (Diplodia-Triebsterben) und Buchen (Komplexkrankheit) in bisher unbekannten Ausmaßen das Schadgeschehen.“ Besonders geschädigt seien Fichte und Lärche gefolgt von Kiefer und Buche.

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Bayern: Vor allem die Fichte stirbt

Trockenheit und Schadinsekten machen auch den Bäumen in Bayern zu schaffen. Besonders betroffen sind Fichte, Kiefer, Buche, Esche und Eiche (bezogen auf Festmeter, in dieser Reihenfolge). Bei der Fichte hätten noch Sturm und Schneebruch/-druck eine wesentliche Rolle gespielt, teilt das Landwirtschaftsministerium aus München mit.

Die größte Schadholzmenge mit rund 3,1 Millionen Festmeter sei bei der Fichte angefallen (davon 900.000 Festmeter in Niederbayern, 700.000 Festmeter in Oberbayern und 450.000 Festmeter in Oberfranken). Zudem fielen ca. 640.000 Festmeter Kiefern-Schadholz an (davon in Mittelfranken 340.000 Festmeter, in der Oberpfalz 85.000 Festmeter und in Niederbayern 27.000 Festmeter). Für die Buche wurden insgesamt 130.000 Festmeter gemeldet, davon 84.000 Festmeter in Unterfranken. Bei der Esche waren es 56.0000 Festmeter (hauptsächlich in Oberbayern und Schwaben). Für die Eiche wurden 25.000 Festmeter gemeldet, vor allem in Unterfranken, so das Staatsministerium.

Die Bayerischen Staatsforsten ergänzen gegenüber top agrar online, dass sie alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um die Schäden so gering wie möglich zu halten. „Um den Rundholzmarkt etwas zu entlasten und den Holzpreis nicht noch weiter zu belasten, haben die Staatsforsten ihren Holzeinschlag kräftig zurückgenommen. Statt rund 5 Millionen Festmeter, wie in der langfristigen Planung ursprünglich vorgesehen, haben die Staatsforsten in letzten Geschäftsjahr (1.7.2018 – 30.6.2019) nur mehr rund 4 Millionen Festmeter in Bayern eingeschlagen. Und auch in diesem Geschäftsjahr werden wir mit Rücksicht auf den gut gefüllten Holzmarkt bei einem geringen Holzeinschlag bleiben und dabei vornehmlich Schadhölzer aus den Wäldern entfernen, um die Wälder gesund zu erhalten“, sagte Jan-Paul Schmidt auf Anfrage.

Er kündigte an, Flächen verstärkt wieder aufzuforsten, die durch Stürme, Trockenheit oder den Borkenkäfer geschädigt wurden. Dies sei zum Beispiel im Bayerischen Wald der Fall, wo der Sturm Kolle vor zwei Jahren große Schäden angerichtet hat und wo sich als unmittelbare Folge derzeit der Borkenkäfer stark ausbreitet. Trotz der guten Ausgangssituation (große Flächen sind bereits vorausverjüngt) würden die Bayerischen Staatsforsten dort auch Pflanzungen durchführen.

Dazu kämen Waldgebiete in der Nordhälfte Bayerns, die durch die extreme Trockenheit im vergangenen Jahr geschädigt sind. „Aktuell hat sich der Borkenkäfer vor allem im Frankenwald stark ausgebreitet, in Mittelfranken - z. B. im Nürnberger Reichswald - sterben vermehrt Kiefern ab und auch in Laubwäldern, vor allem auf der Fränkischen Platte im Raum Würzburg haben wir von Trockenheit geschädigte und absterbende Bäume. In den genannten Gebieten werden daher mehr Pflanzungen durchgeführt, das Ausmaß wird bis zur nächsten Pflanzsaison im Herbst ermittelt“, so Schmidt.

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Niedersachsen: Neu gepflanzte Bäume vertrocknet

Enttäuschung auch in Niedersachsen. Dort sind durch die Dürre 2019 viele der in den vergangenen drei Jahren gepflanzten Bäume vertrocknet, so dass umfangreiche Nachbesserungen erforderlich werden. „Hitze und Dürre führten auch zu Vitalitätsverlusten bei anderen Baumarten, die dadurch anfälliger wurden gegenüber Schadorganismen wie Insekten und Pilzen“, sagt Mathias Aßmann von den Niedersächsischen Landesforsten. Vor allem die Buche zeigte den Befürchtungen entsprechend nach dem Laubaustrieb und etwa ab Juni 2019 massive Schäden, die auch durch die nach wie vor anhaltende Dürre verschärft werden.

Indessen sind auch die Bedingungen für die Fichtenborkenkäfer weiterhin günstig, so Aßmann weiter. Bis zum Jahresende 2019 erwartet er für die Wälder des Landesforstbetriebes voraussichtlich ca. 1 Mio. Kubikmeter Käferholz. „Die wieder aufzuforstende Fläche wird sich dann in Summe der beiden Jahre 2018 und 2019 auf voraussichtlich ca. 10.000 ha belaufen und erhebliche Investitionen erfordern.“ Aßmann setzt als Richtwert 6.000 Euro/ha an.

Die Schäden konzentrieren sich derzeit auf die Baumarten Fichte und Buche und sind daher vor allem in deren Hauptvorkommensgebiet in Süd-Niedersachsen (Harz, Solling, Weser-Leine-Bergland) zu beklagen. „Dürrebedingte Schäden und Borkenkäfer sind jedoch auch in den anderen Landesteilen festzustellen, gleichwohl sie sich dort auf geringerem Niveau bewegen. Es bleibt abzuwarten, in welchem Umfang auch Schäden an anderen Hauptbaumarten wie Kiefern und Eiche, auftreten werden“, so der Fachmann.

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Rheinland-Pfalz: Schon 1 Mio. Festmeter zusätzlich

Nach rund 800.000 Festmeter Fichtenholz 2018 gehen die Landesforsten Rheinland-Pfalz davon aus, dieses Jahr rund 900.000 Bäume fällen zu müssen. „Das ist mehr als viermal so viel als im Vorjahr. Bis August 2019 kamen weitere 1 Million Festmeter dazu – Tendenz steigend“, so Sprecherin Magdalena Fröhlich gegenüber top agrar.

„Aber auch andere Baumarten, die nicht vom Borkenkäfer betroffen sind, müssen wir noternten. Auch hier sind Tausende durch die Trockenheit abgestorben. Sie sind schlichtweg verdurstet. Vor allem, wenn diese an Wegrändern oder an Straßen stehen, wird das sonst zu gefährlich“, sagte sie.

Bei Fichten würde der Landesbetrieb daher kaum noch gesunde Bäume ernten, nicht zuletzt, weil auch der Markt von Fichtenholz überschwemmt ist. Bei anderen Baumarten bleibe die Holzmenge in etwa gleich. „Weil wir so viele Fichten noternten müssen, schlagen wir beispielsweise weniger Holz anderer Baumarten. Bei den Nadelbäumen gilt das insbesondere für Douglasie und Kiefer. Die Einschlagsmengen sind derzeit, von der Fichte abgesehen, bei allen Baumarten etwas niedriger als letztes Jahr. Insgesamt konnte der Nachhaltsrahmen, trotz der hohen Schadholzmengen auch dank des Einschlagsstopps für frisches Fichtenholz, bislang noch eingehalten werden“, so Fröhlich weiter.

Schäden durch den Borkenkäfer verzeichne Rheinland-Pfalz vor allem im Westerwald, in der Eifel und im Hunsrück.

Dürreschäden finden Sie vor allem in der Rheinebene, im Raum Koblenz sowie im Donnersbergkreis. Verschont blieb davon aber kein Forstamt, lediglich in den Hochlagen, also im Hunsrück, der Eifel und Teilen des Pfälzerwaldes sind weniger Bäume durch die lang anhaltende Trockenheit abgestorben.

  • Die von absterbenden Bäumen betroffene Fläche beträgt insgesamt 2.092 ha in 1.592 Waldorten.
  • Abgestorbene Kiefern wurden für 279 Waldorte auf insgesamt 1.088 ha Fläche gemeldet.
  • Abgestorbene Buchen wurden in 745 Waldorten auf insgesamt 631 ha Fläche registriert.
  • Abgestorbene Eichen wurden in 315 Waldorten auf insgesamt 232 ha Fläche festgestellt.
  • Bemerkenswert trat auch das Absterben von Birken in 60 Waldorten und von Hainbuchen in 48 Waldorten in Erscheinung.
  • 12 weitere Baumarten waren von auffälligem Absterben betroffen.

Die Buche ist die Baumart, die auf über 90 Prozent der Waldfläche in Rheinland-Pfalz von Natur aus vorkommen würde. Auch Traubeneiche, Stieleiche und Hainbuche sind Baumarten, die natürliche Waldgesellschaften bilden – und auch sie würden leiden.

Bei der Birke und der Waldkiefer handelt es sich um zwei Pionierbaumarten – also Baumarten, die für die Wiederbewaldung wichtig sind, da sie – wie der Name „Pionier“ schon sagt – „als erstes kommen“ und für die Entstehung eines neuen Waldes sorgen.

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Baden-Württemberg: Schneebruch und Sturmschäden oben drauf

Für das Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg zeigen die vergangenen zwei Jahre eindrücklich, welche umfassenden Herausforderungen auf die Waldwirtschaft im Zuge des immer deutlicher werdenden Klimawandels zukommen.

Wie Ministeriumssprecher Jürgen Wippel top agrar online mitteilte, setzte sich die angespannte Borkenkäfersituation bei der Fichte nach dem milden Winter fort. Zudem sorgten Schneebruchschäden, insbesondere in den Landkreisen Ortenau, Tuttlingen, Reutlingen, Zollernalbkreis und Ravensburg, sowie das Sturmtief Eberhard, insbesondere in den nordöstlichen Landesteilen sowie im südlichen Schwarzwald, erneut für ideales Borkenkäfer-Brutmaterial.

Neben der Fichte zeige 2019 auch die Weißtanne vor allem im Schwäbisch Fränkischen Wald sowie im mittleren und südlichen Schwarzwald deutliche Schäden. Diese seien zu einem großen Teil ebenfalls durch Borkenkäfer, unter Beteiligung des Tannenrüsslers, und Parasitierung durch Misteln bedingt. Die Vitalitätsverluste und Absterbeerscheinungen der Weißtanne seien neben den biotischen Schaderregern zusätzlich auf die kontinuierliche Temperaturerhöhung der letzten Jahre und das ausgeprägte Hitze- und Dürrejahr 2018 zurück zu führen.

„Vor allem im Rheintal zwischen Karlsruhe und Mannheim sowie südlich von Breisach sterben Kiefern infolge von Temperaturerhöhung und Trockenheit in Verbindung mit einem Befall des Diplodia-Pilzes, der Mistel-Parasitierung und der Maikäfer-Engerlingsschäden im Boden größer-flächig auf rund 4.500 ha ab“, so Wippel weiter.

Seit dem Frühjahr 2019 seien auch bei den Buchen starke Vitalitätsverluste und Absterbe-Erscheinungen zu beobachten, wenn auch regional und standörtlich sehr unterschiedlich. „Zusätzlich zum klimatischen Wasserdefizit und Trockenstress hat auch die starke Fruktifikation des vergangenen Jahres zur Schwächung der Buche geführt. Das Holz befallener Bäume verliert schnell an Qualität und führt vor allem zu Problemen in der Arbeits- und Verkehrssicherheit. Das Ausmaß der Schäden wird sich erst über den Sommer hinweg und nach Beginn der Aufarbeitung im Herbst 2019 detailliert beziffern lassen“, sagt Wippel.

Die aktuelle Borkenkäfer-Situation in BW

In Anbetracht der enormen käferbedingten Fichten-Schadholzmengen 2018 (rund 1,5 Mio. Efm) war davon auszugehen, dass im Frühjahr 2019 eine im Vergleich zum Vorjahr erheblich höhere Ausgangspopulation der Borkenkäfer vorhanden war. Zudem führten Schneebruch, insbesondere in der Höhenlage von 700 bis 1.000 m, sowie Windwürfe, beispielsweise aufgrund des März-Sturmtiefs „Eberhard“, mit rund 750.000 Efm Sturm- und Schneebruchholz, sowohl für Kupferstecher als auch für Buchdrucker zu einem örtlich sehr großen Brutraumangebot. Trotz guter Wasserversorgung der Fichten aus dem Frühjahr war mit einem flächendeckenden Stehendbefall zu rechnen.

„Die Wärmephase hat seit Anfang Juni wieder günstige Schwärmflugbedingungen für die Borkenkäfer mit sich gebracht. Somit ist für 2019 generell von einem potentiell großen Befallsdruck auszugehen. Die Gefahr eines Stehendbefalls ist damit flächendeckend weiter gegeben. Deshalb hatten wöchentliche Kontrollen sowie rechtzeitige Aufarbeitung und zeitnahe Abfuhr oder aber Umlagerung / Hacken der befallenen Bäume vor Ausflug der ersten Generation, je nach Höhenlage und Standort bis Mitte Juni / Mitte Juli, oberste Priorität. Auch nach dem Schwärmflug der ersten Borkenkäfer-Generation und von Geschwisterbruten haben diese Maßnahmen vor dem Ausflug der nächsten Käfergenerationen bis in den September hinein weiterhin höchste Priorität“, erklärt der Sprecher die Situation.

Bis jetzt sind in Baden-Württemberg 2019 folgende Schadholzmengen eingeschlagen und verbucht worden:

  • Einschlag Nadelholz mit Nutzungsursache Insekten- und Dürre: rund 1,8 Mio Fm
  • Einschlag Dürreholz (Laub & Nadelholz): rund 435.000 Fm

Folgende Karte gibt einen sehr guten Überblick über die aktuelle Situation:

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Sachsen spürt Folgen von Schneebruch und Stürmen

Schneebruchschäden aus dem Januar insbesondere in den höheren Lagen der Mittelgebirge (v.a. Erzgebirge, Oberlausitzer Bergland), Sturmschäden, Dürre und Borkenkäfer setzen auch den Wäldern in Sachsen zu.

Allein Schnee und Sturm haben zusammen eine Schadholzmenge von rund 1.115.000 Kubikmetern im Gesamtwald in Sachsen verursacht, teilt Dr. Renke Coordes vom Staatsbetrieb Sachsenforst mit. Betroffen von diesen Schäden seien vor allem Nadelbaumarten und insbesondere Fichten.

Durch das viele Schadholz fanden Borkenkäfer ideale Bruträume für die Massenvermehrung vor. Hinzu kommt, dass die Ausgangspopulation der Käfer durch eine Massenvermehrung bereits 2018 sehr groß war.

Weiterhin hat sich laut Dr. Coordes das Niederschlagsdefizit aus 2018 weiter vergrößert. „Die tief verdorrten Böden verringern die Abwehrkräfte der Bäume erheblich. Seit Juni haben wir auflaufend bis zum 31. August im Gesamtwald 715.000 Kubikmeter Schadholz alleine durch Buchdruckerbefall an Fichte in unseren Büchern erfasst. Das ist mehr als das Dreifache des zeitgleichen Vorjahreswertes. Die Schwerpunktgebiete der Schäden an Fichte liegen vor allem im Osten Sachsens (südlicher Teil des LK Görlitz), in der Sächsischen Schweiz sowie in Mittelsachsen“, so der Fachmann.

Auch an Lärche und Kiefer würden massive Käferschäden auftreten. Bis zum Stichtag 31.08. wurde an diesen Baumarten Schäden in Höhe von ca. 100.000 Kubikmetern festgestellt. Die Schwerpunkte liegen insbesondere im Nordwesten von Sachsen.

Auch Laubbäume werden aufgrund der Dürre zunehmend von Schädlingen befallen, schildert Coordes weiter. Insbesondere Ahorne würden durch die Rußrindenkrankheit befallen. Auch ältere Rotbuchen seien infolge der Dürre abgängig. Die Schadenschwerpunkt liegt auch hier im Nordwesten von Sachsen. Zahlen zu diesen Schäden liegen nicht vor.

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NRW sagt nichts

Der Landesforstbetrieb Wald und Holz NRW hat sich auf Anfrage von top agrar nicht geäußert, dafür aber das Regionalforstamt Soest-Sauerland. In dessen Zuständigkeitsbereich sind rechnerisch 25.390 ha (ca. 43%) mit Fichten aller Altersstufen bestockt. Wie viel Prozent der Fichten, die befallsfähig (sprich dick genug) sind lässt sich laut Friedrich Johannes Krächter vom Forstamt nicht wirklich sagen, da das Amt nicht alle Wälder im Zuständigkeitsbereich betreue. „Gefühlt stellt sich die Lage so da, dass alle Fichtenbestände im Kreis Soest betroffen sind. Der nordwestliche Teil des Hochsauerlandkreises, den wir ebenfalls betreuen ist weniger stark betroffen hier sind es gefühlt 60 - 80 % der Bestände.“

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