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Waldwunder: Holz statt Plastik als Verbissschutz

Eine Waldbesitzer-Familie hat einen Verbissschutz aus Holz entwickelt. Das „Waldwunder“ soll das Entsorgungsproblem lösen.

Lesezeit: 5 Minuten

Inge und Erich Birner aus Kirchheimbolanden in Rheinland-Pfalz sind Vollblut-Waldbesitzer. Das merkt man sofort, wenn man mit ihnen über ihr Produkt „Waldwunder“ spricht, auf das wir eher durch Zufall gestoßen sind.

Das Waldwunder ist ein Verbissschutz aus Holz, den die Birners in eigener Regie entwickelt haben und heute selbst vertreiben. Ihnen ist es eine Herzensangelegenheit, auf die üblichen Wuchs- bzw. Baumschutzhüllen aus Kunststoff zu verzichten.

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Inge Birner arbeitet seit Jahren als Waldpädagogin und ist immer wieder auf „Plastik im Forst“ angesprochen worden. Als die Familie dann 2013 im Rahmen eines Projekts zur Förderung von Naturverjüngung in eigenen Beständen im Oberpfälzer Wald/Bayern und in Rheinland-Pfalz Schutzhüllen aus Kunststoff einsetzte, kam die Frage auf: „Warum gibt es eigentlich noch keinen Einzelschutz aus Holz? Ein Produkt, das nach der Nutzung im Wald bleiben kann, das zeit- und kostenträchtiges Einsammeln, bzw. Entsorgen, überflüssig macht.“ Erich Birner sagt heute, das sei die Geburtsstunde des Waldwunders gewesen.

Entwicklung nach Plan

Der Waldbesitzer war lange beruflich in der Industrie tätig und machte sich professionell an die Arbeit. Zunächst recherchierten die Birners, ob es bereits brauchbare Wuchshüllen aus Holz gab – was vor knapp neun Jahren noch nicht der Fall war. Nachdem die Idee gereift war, beantragte die Familie zunächst einen Gebrauchsmusterschutz. Aber so einfach wie es klingt, war der Weg zum fertigen Produkt nicht. Die Familie baute eine Vielzahl von Prototypen – bis auf ein einziges Modell wurden zunächst alle verworfen. Diese erste Generation war noch ein mehr oder weniger starrer Holzkorb.

Zielsetzung bei der Weiterentwicklung war es, eine möglichst gute Balance zwischen dem zuverlässigen Schutz des Sprosses und einer geringstmöglichen Beschattung zu erreichen. Das Produkt sollte möglichst leicht sein, sich platzsparend transportieren und einfach aufbauen lassen. Schließlich musste es später im Bestand bleiben können und komplett verrotten.

Der Name „Waldwunder“ geht auf eine Idee der Töchter Stefani und Anna zurück. In diesem Zusammenhang entstand auch das Logo mit einem roten Eichenblatt. Nachdem die Birners im Jahr 2015 ein Patent beantragt haben, startete 2016 der Verkauf der „ersten ökologischen Wuchshülle“ über einen Fachhändler.

Ein Jahr später entschloss sich die Familie aber, den Vertrieb in eigener Regie zu übernehmen und kündigte den Vertrag mit dem Fachhändler. Seit 2021 ist die dritte Generation des Waldwunders am Markt  (www.waldwunder.com) .

Interessant ist die Lösung der Birners für Herstellung und Vertrieb ihres Produkts. Die Waldwunder werden in verschieden Bundesländern von Werkstätten der Lebenshilfe produziert. Das Verfahren ist dafür extra auf Menschen mit Beeinträchtigung abgestimmt.

Die aktuelle Wuchshülle der dritten Generation besteht aus drei einzelnen Elementen, die beweglich miteinander verbunden sind. Das Grundmaterial sind Leisten, meist aus Fichte oder Tanne, seltener aus Douglasie.

Die Elemente lassen sich um den Baum legen und per Bindedraht zu einer dreieckigen Hülle verbinden. Ein einzelner Stützpfahl, der ca. 30 cm in den Boden getrieben wird, stabilisiert das Ganze an der Verbindungsstelle.

Drei Varianten

Es gibt bisher drei Varianten, die vor allem vor Rehwild und Hasen schützen, eine Rotwildausführung soll eventuell später folgen.

Die beiden Standardvarianten sind 90 bzw. 120 cm hoch. Jedes der drei 24 cm breiten Einzelelemente besteht aus drei Längslamellen, die einen Abstand von 3,5 cm haben. Der Hersteller empfiehlt diese Ausführungen vor allem für aufrechtwachsende Baumarten wie Ahorn, Douglasie, Weißtanne oder auch Lärche.

In der 105 cm hohen XL-Ausführung bilden drei Leisten mit einem Abstand von 5,2 cm jeweils 30 cm breite Elemente. Diese Ausführung ist für raumgreifende Arten und Büsche gedacht und lässt mehr Licht durch.

Der Verkauf läuft palettenweise. Von der Standardausführung des Waldwunders passen 260 Stück auf eine Palette, von der XL-Ausführung die Hälfte. Je nach Abnahmemenge liegt der Preis zwischen 4,95 und 6,45 € pro Stück (o. MwSt. und Transport). Die Stützpfähle sind nicht im Preis enthalten.

Zum Vergleich: Eine Baumschutz-Gitterhülle kostet aktuell, je nach Durchmesser und Abnahmemenge, zwischen 1,80 und 3,00 €. Diese Gitter brauchen allerdings meist zwei Stützpfähle. Dazu kommen die Kosten für den späteren Abbau und die Entsorgung.

Ein wichtiger Unterschied des Waldwunders zu den gängigen Wuchshüllen ist, dass sich die Seitentriebe frei entfalten können. Die Seitentriebknospen sollen dabei durchaus als Ablenkäsung dienen. Der Seitentriebverbiss durch Hasen und Rehe fördert das Leittrieb-Wachstum. Die Familie Birner verweist dazu auf eigene Untersuchungen, forstwirtschaftliche Erkenntnisse und die Formschnittpraxis von Weihnachtsbaum-Anbauern.

Die Anbieter des Waldwunders sehen im Vergleich zur Wuchshülle, dem ­klassischen Minigewächshaus, deutliche Vorteile: ungebremster seitlicher Durchwuchs der Zweige, keine Überhitzung bei starker Sonneneinstrahlung und keine Konzentration von Schädlingen bzw. Insekten innerhalb der Hülle.

Die Holzkonstruktion vergraut relativ schnell und fällt dann kaum noch auf. Sie bietet nach Ansicht von Erich Birner auch einen mechanischen Vorteil. Wenn der Freischneider in überwucherten Kulturen auf eine Kunststoffhülle trifft, zerstört das Messer das Gewebe meistens. Der Widerstand der Holzkonstruktion gegen Freischneiderkontakt soll deutlich höher sein.

Ein Plus ihrer Idee sehen die Birners auch im Hinblick auf die Wald-Zertifizierung: Die PEFC-Standards vom 1.1.2021 legen den Waldbesitzern den Verzicht auf den Einsatz von Kunststoff-Schutzhüllen nahe.

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