Ausgemähte Rehkitze: Bauernbund Brandenburg warnt vor Zwei-Klassen-Justiz

Der Bauernbund Brandenburg hat die Bundesregierung aufgefordert, durch Präzisierung des Tierschutzgesetzes eine "Zwei-Klassen-Jusitz gegen Bauern" abzuwenden.

"Tote Rehkitze beim Mähen sind nicht zu verhindern", sagt Reinhard Jung (Bildquelle: Archiv)

Der Bauernbund Brandenburg hat die Bundesregierung aufgefordert, durch Präzisierung des Tierschutzgesetzes eine "Zwei-Klassen-Jusitz gegen Bauern" abzuwenden. "Es widerspricht zutiefst dem rechtsstaatlichen Prinzip der Gleichbehandlung, wenn Landwirte zu hohen Geldbußen verurteilt werden, die beim Mähen von Gras oder Getreide einen Wildunfall haben, Autofahrer aber für denselben Tatbestand nicht nur freigesprochen werden, sondern auch noch von der Polizei Unterstützung zur Feststellung ihres Versicherungsschadens erhalten", sagte Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung, Mutterkuhhalter aus Lennewitz in der Prignitz.
 
Das Landgericht Alsfeld hatte in der vergangenen Woche einen Bauern aus dem Vogelsbergkreis wegen fahrlässiger Tötung eines Rehkitzes bei der Heuernte zur Zahlung von 1000 Euro verurteilt – nach Auslegung des Richters hätte er nicht genug Vorsorge getroffen, um den Tod des Tieres zu verhindern. "Die Einschätzung des Gerichtes hat nichts mit der Realität zu tun. Jeder Praktiker weiß, dass sich Wildunfälle bei landwirtschaftlichen Arbeiten auch mit größter Vorsicht und Konzentration nicht vermeiden lassen", kritisierte Jung. Darüber hinaus gehende Vorsorge sei nicht verhältnismäßig, denn niemand verlange von Autofahrern, auf allen Strecken Tempo 30 zu fahren, nur damit sie nicht mit einem Tier zusammenstoßen.
 
Die in dem Urteil zum Ausdruck kommende Verachtung der Landwirtschaft sein unerträglich und eines studierten Juristen unwürdig, meint Jung, denn schließlich würden Bauern nicht aus Spaß durch die Gegend fahren, sondern mit harter Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen und die Ernährung des Volkes sichern. Dass bei der Ernte regelmäßig Rehkitze, Hasen, Fasanen, Rebhühner und andere Tiere umkommen, sei traurig, aber nicht zuletzt ein Zeichen dafür, dass die angebliche "Agrarwüste" lebt, und das alle Jahre wieder.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Werner Backer

100.000 getötete Kitze ????

Die Zahl ist nur erfunden, siehe hier: http://m.faz.net/aktuell/wirtschaft/tausende-tote-rehe-erfunden-15690100.amp.html

von Christian Bothe

So ist das eben mit der Gewaltenteilung in einer bürgerlichen Demokratie und die sich daraus ergebenen Urteile (OLG Naumburg, LG Alsfeld) von ahnungslosen landwirtschaftlich "unbeleckten" Juristen. Ich kann mich den Mitkommentatoren nur anschließen und finde die Bestrafung absolut unwürdig! Kein Bauer würde absichtlich ein Kitz töten. Wie man nur zu so einer Bestrafung kommen kann, ist mir schleierhaft und nicht nachvollziehbar, wertes LG Alsfeld!

von Anton Weber GbR

Lieber Herr Dierks, nicht nur die staatlichen bezahlten Damen und Herrn Richter sollten mal 4 Wochen lang hungern.

von Hermann Stroemer

Sehr gute Darstellung

Würde man sich von anderen Stellen auch wünschen

von Klaus Pfeifer

Richtige Darstellung

Kompliment Herr Jung ,endlich mal eine Aussage aus Bauernverbandskreisen Ein klares Wort und ein Gespräch mit der Hessischen Landesregierung wären durch Herrn Karsten Schmal dringend angebracht .

von Jan Peter

Unsere grünlinken Richter müssen Bio- Deutsche hart verurteilen. Befehl von oben. Sonst verlieren Sie ihre Lizenz. Das gleiche gilt, wenn Sie unsere Neubürger nach einem begangenen Mord bzw. Vergewaltigung an einem Bio- Deutschen nicht frei sprechen. So lange die Richter noch so die Unterstützung unseres Unrechtstaates haben,wird sich leider nichts ändern. Einen Rechtsstaat haben wir schon lange nicht mehr. Es sieht man täglich an dem Kasperletheater in unserer Politik. Es ist einfach zum erbrechen.

von Albert Maier

Lob an den Bauernbund

Klare Aussage, richtige Darstellung der Realität und kein Geschwafel, wie dies immer bei der großen Organisation der Fall ist!

von Heiko Dierks

Luxusgesellschaft

Die staatlich bezahlten Damen und Herren Richter müssen mal 4 Wochen hungern damit sie wissen das Landwirtschaft die Grundlage einer jeden Zivilasation ist.

von Forst Genossenschaft Hardegsen

... und der Wolf wird nicht gefragt ...

Oft sind es dieselben Kreise, die auch auf der einen Seite den Wolf noch toll finden, aber in keinster Weise sehen wollen welches Leid, welche Grausamkeit Wild- und Nutztieren durch den Wolf zugefügt werden. Das ist vollkommen lächerlich in diesem Kontext.

von Willy Toft

Jeder versucht diese Verluste zu verhindern, was hier passiert ist, ......

ist die Infragestellung der Landwirtschaft! Bei Stalleinbrüchen wird schon die Rechtliche Lage ausgeklammert, und nun wird das Handeln und Tun der Landwirte in Frage gestellt. Was muss der Landwirt noch alles aushalten. Der Pranger für eine ganze Berufsgruppe, kann doch wohl nicht das Ziel der Protagonisten sein! Wer soll dann die Menschheit ernähren, oder wollen alle wieder Selbstversorger werden?

von Gerd Uken

Sehr viele Rehunfälle werden gar nicht gemeldet

VOn den Verkehrsteilnehmern, entweder nicht bemerkt, eher unwahrscheinlich, oder weil Alkohol mit im Spiel ist. Wenn jeder Rehunfall vor Gericht landen würde nicht nur die auf dem Feld , dann hätten xie Staatsanwälte u. Richter aber mächtig zu tun.

von Joachim Pehle

Zwei-Klassen-Justiz

Wenn das Gerichtsverfahren hinreichend präzise beschrieben wurde, so ist das ein weiterer Beweis für das Aussetzen rechtsstaatlicher Grundsätze gegenüber Landwirten. In dubio pro reo,- im Zweifel für den Angeklagten. Es ist möglich bis wahrscheinlich, daß der Alsfelder Bauer das Kitz getötet hat. Es ist aber auch möglich, daß seine Version stimmt. Selbst wenn man ihm die Tötung nachweisen könnte, beweist das nicht die mangelnde Sorgfalt. Somit bestehen berechtigte Zweifel, die jeder anderen Berufsgruppe rechtlich zu Gunsten ausgelegt würden.

von Erwin Schmidbauer

Wildwechsel

Den meisten Autofahrern dürfte bekannt sein, wo die Gefahr am größten ist, mit Wild zu kollidieren: neben Wäldern und in der Dämmerung. Also wahrscheinlich in Zukunft für alle Tempo 30 neben und durch Wälder und in der Dämmerung, sonst wird es bei einem Wildunfall teuer... oder?

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