Bauern in Staatskanzlei

Das war der erste Landwirtschaftsgipfel in NRW

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Agrarministerin Ursula Heinen-Esser haben am Montag Vertreter der Bauern in der Staatskanzlei empfangen. Lesen Sie, was die Landesregierung für die Bauern plant

Rund 20 Vertreter der nordrhein-westfälischen Landwirtschaft haben am Montag in der Staatskanzlei in Düsseldorf am "Gipfel zur Zukunft der Landwirtschaft" teilgenommen. Eingeladen hatten Ministerpräsident Armin Laschet und Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser. Beide betonten, eine starke, vielfältige und vitale heimische Landwirtschaft erhalten und stärken zu wollen.

Laschet sieht dabei 2020 als wegweisendes Jahr für die Landwirtschaft. „In diesem Jahr müssen wir in Europa, im Bund und auch bei uns in Nordrhein-Westfalen die Weichen für eine nachhaltige Landwirtschaft stellen, die auf Wertschätzung und Wertschöpfung basiert. Eine unsichere Finanz- und Ertragslage, der Klimawandel, Artenschwund und damit verbundene Erwartungen an Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz bringen notwendige Veränderungen mit sich.”

Der Ministerpräsident weiter: „Wir unterstützen die Landwirtschaft bei der Bewältigung der aktuellen Herausforderungen. Zuhören, antworten, wertschätzen – das ist unser Selbstverständnis. Ob beim Artenschutz, beim Wald oder jetzt in der Landwirtschaft: Wir treten in den Dialog mit Vereinen, Verbänden und Unternehmen in Nordrhein-Westfalen, um die richtigen Weichen für unser Land zu stellen.”

Im ersten Halbjahr 2020 will das Landwirtschaftsministerium eine Landwirtschaftskonferenz ausrichten, um den Austausch über gemeinsame Lösungen und Wege für die drängenden Probleme der Branche fortzuführen. Auch Agrarministerin Heinen-Esser betonte, das der Landwirtschaftssektor vor einer Umstrukturierung steht. "Dabei werden wir die Landwirte nicht alleine lassen, sondern setzen uns da, wo wir Einfluss nehmen können, für verlässliche Rahmenbedingungen ein. Dies betrifft etwa die Überprüfung der Grundwassermessstellen und eine stärkere Binnendifferenzierung als Basis für eine weitergehende Düngeregulierung“, erklärte sie.

Gemeinsame Europäische Agrarpolitik

Die Landesregierung setzt sich nach eigenem Bekunden für eine Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) ein, die Planungssicherheit und Verlässlichkeit schafft. Die GAP nach 2020 müsse einfacher für die Landwirtschaft und wirksamer für die Umwelt werden.

Laschet und Heinen-Esser erinnerten daran, dass NRW in die Verhandlungen ein gemeinsames, mit Landwirtschafts-, Natur- und Umweltverbänden abgestimmtes Positionspapier eingebracht habe. Ziel der Landesregierung sei es, dass sowohl die erste als auch die zweite Säule in ihrer Finanzstärke erhalten bleiben. Die GAP müsse die Landwirte durch effektive Rahmensetzung durch eine gezielte Agrarförderung unterstützen und durch weniger Bürokratie entlasten. Auch zur Entwicklung der ländlichen Räume sei eine gute Finanzausstattung erforderlich, stellten die Politiker klar.

Grundwasserschutz und Düngeregulierung

Die Nitratbelastung des Grundwassers ist laut Laschet und Heinen-Esser insgesamt erfreulicherweise rückläufig. Aber es gebe nach wie vor Gebiete, in denen die Nitratgrenzwerte im Grundwasser deutlich überschritten werden. Dort ist es das Ziel, das Grundwasser zu schützen – gleichzeitig die Landwirte in ihrem Engagement zu unterstützen, sagte beide weiter.

Das Landwirtschaftsministerium bereite derzeit eine stärkere Binnendifferenzierung bei der Betrachtung und Bewertung der Grundwasserkörper vor. "Zum Schutz des Grundwassers setzen wir uns dafür ein, die Nitrat-Belastungsschwerpunkte zu ermitteln und mit zusätzlichen Maßnahmen dort gezielt anzusetzen. Im Rahmen einer Überprüfung des Messnetzes werden Schwachstellen ermittelt. Wo erforderlich, werden zusätzliche Messstellen errichtet. Darüber hinaus werden die erfolgreichen Kooperationen zwischen Landwirtschaft und Wasserwirtschat weiter gefördert", versicherten die CDU-Politiker weiter.

Artenvielfalt und Vertragsnaturschutz

Der Ministerpräsident und die Agrarministerin bezeichneten den Klimawandel und den Artenschwund als ökologische Bedrohung unserer Zeit. Durch gemeinsame Anstrengungen könne der Verlust der Biodiversität gestoppt werden, hieß es.

Die Vielfalt blütenbestäubender Insekten sei entscheidend auch für eine reiche Ernte. Forschen und Fördern sei daher jetzt die Devise der Landesregierung: "Nordrhein-Westfalen untersucht derzeit als erstes Bundesland in einem Langzeit-Monitoring bis 2022 die künftige Entwicklung der Biomasse von Fluginsekten auf 120 repräsentativ ausgewählten Probeflächen. Das Programm „Ländlicher Raum 2014-2020“ bietet mit seinen zahlreichen Agrarumwelt- und Vertragsnaturschutzmaßnahmen ein breites Spektrum an Fördermaßnahmen", berichteten sie den anwesenden Bauern.

Nachhaltige Nutztierstrategie

In den zurückliegenden Monaten wurden gemeinsam mit Vertretern der Landwirtschaft, mit Tierschutz-, Umwelt- und Verbraucherverbänden erste Eckpunkte einer nachhaltigen Nutztierstrategie erarbeitet. Ziele werden gesetzt, Maßnahmen umgesetzt, Zielkonflikte angegangen, so Heinen-Esser und Laschet weiter.

In der Schweinehaltung soll zum Beispiel gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer ein „Stall der Zukunft“ Landwirten neue und bereits praxiserprobte Haltungsformen aufzeigen. Die geplante Tiergesundheitsdatenbank hat Ende 2019 einen ersten Probelauf bestanden. Vorhandene Daten sollen zusammengeführt und als Frühwarnsystem zur Verbesserung der Tiergesundheit dienen.

Ein wichtiger Baustein für den Transformationsprozess in der Nutztierhaltung sei das staatliche Tierwohlkennzeichen. Mit einer eindeutigen Kennzeichnung könnten die Verbraucher eine bewusste Kaufentscheidung treffen – und noch stärker als bisher in die Mitverantwortung genommen werden, waren die Gastgeber überzeugt.

Wertschöpfung durch Wertschätzung

Heinen-Esser nimmt aber auch die Verbraucher mit in die Pflicht: „Wer höhere Standards einfordert, muss bereit sein, diese auch durch faire Preise zu würdigen. Mehr Umwelt- und Tierschutz ist nicht zum Nulltarif zu haben. Die Wertschätzung unserer Lebensmittel und derer, die sie erzeugen, darf nicht an der Supermarktkasse aufhören“, so Heinen-Esser weiter.

Die Ministerin appellierte an die Landwirte, nicht vor einer neuen Marketingstrategie für ihre Produkte zurückzuscheuen: „Seien Sie stolz auf die von Ihnen erzeugten Lebensmittel und bewerben Sie diese Mittel zum Leben und die von Ihnen erbrachte Leistung auch für die Umwelt und den Ländlichen Raum offensiv.“

Am ersten Landwirtschaftsgipfel in der Staatskanzlei am 13. Januar 2020 haben teilgenommen:

  • Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes e.V.
  • Johannes Röring MdB, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes e.V.
  • Regina Selhorst, Präsidentin des Westfälisch-Lippischen Land-Frauenverbandes e.V.
  • Freiherr Max von Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst Nordrhein-Westfalen e.V.
  • Karl Werring, Präsident der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
  • Georg Biedemann, Landessprecher Land schafft Verbindung
  • Ansgar Tubes, Landessprecher Land schafft Verbindung
  • Thomas Decker, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Landjugend Nordrhein
  • Mareike Henkelmann, Vorsitzende des Rings der Landjugend in Westfalen-Lippe
  • Philipp Sander, Vorsitzender des Rings der Landjugend in Westfalen-Lippe
  • Eva Kähler-Theuerkauf, Präsidentin des Landesverbandes Gartenbau Nordrhein-Westfalen e.V.
  • Christoph Nagelschmitz, Präsident des Provinzialverbandes Rheinischer Obst- und Gemüsebauer e.V.
  • Bernd Schmitz, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Landesverband Nordrhein-Westfalen
  • Elmar Hannen, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter e.V., Landesteam Nordrhein-Westfalen
  • Jan Leifert, Vorsitzender der Landesvereinigung Ökologischer Landbau Nordrhein-Westfalen
  • Heinrich Dierkes, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V.
  • Josef Hannen, Vorsitzender des Bundesverbandes Rind und Schwein e.V.
  • Karl-Frieder Kottsieper, Vorsitzender des Geflügelwirtschaftsverbandes Nordrhein-Westfalen e.V.

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Diskussionen zum Artikel

von Wilhelm Grimm

Wertschätzung durch Wertschöpfung. Der Slogan ist griffig,

gute Leute sind auch dabei und ihr redet und redet. Die Nitrat - Messtellenproblematik hat Ansgar Tubes verstanden, der Bauernverband vor einigen Tagen noch nicht. Frau Heinen- Esser prüft auch schon eigenartig lange. Ihr könnt doch nicht alle antriebslos sein, oder naiv ?

von Ahrend Höper

NRW-Ministerpräsident und Agrarministerin empfangen Bauern in der Staatskanzlei

Es ist sehr lobenswert, dass MP Laschet und Ldw Ministerin Heinen - Esser eine erlesene Gruppe Agrarier in die Staatskanzlei einladen. Sie versuchen den Schaden für die CDU zu begrenzen, welcher durch die verkorkste Veranstaltung der Frau BK Merkel und ihrer leider nur begrenzt fähigen ... mehr anzeigen

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