Erbstreit Tönnies: Roberts Begründung reicht nicht

Der Erbstreit um Unternehmensanteile zwischen Clemens Tönnies und seinem Neffen Robert geht weiter. Am Montagabend entschied das Landgericht Bielefeld, dass Robert seine Klage besser begründen müsse. Es geht weiterhin um einen 5-Prozent-Anteil an der Tönnies Holding GmbH, die pro Jahr rund 4,5 Mrd. Euro umsetzt.

Der Erbstreit um Unternehmensanteile zwischen Clemens Tönnies und seinem Neffen Robert geht weiter. Am Montagabend entschied das Landgericht Bielefeld, dass Robert seine Klage besser begründen müsse.

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung dazu berichtet, geht es weiterhin um einen 5-Prozent-Anteil an der Tönnies Holding GmbH, die pro Jahr rund 4,5 Mrd. Euro umsetzt. Er ist entscheidend über die Vormachtstellung im Konzern. Robert schenke ihn vor Jahren seinem Onkel, da er der Erzählung geglaubt habe, dies sei seines Vaters Bernd letzter Wille.

Firmengründer Bernd Tönnies war vor 20 Jahren verstorben und damals so etwas wie der Leitwolf im Unternehmen, sein jüngerer Bruder Clemens Tönnies der Kopilot an seiner Seite, schreibt die FAZ. Am Totenbett soll er Clemens seine Positionen beim Fußballverein Schalke 04 sowie beim Schlachtunternehmen übergeben haben.
 
Heute halten Clemens und Robert, der auch sein Patenkind ist, je 50 % der Anteile. Sie sind nun uneins darüber, ob Bernd Tönnies seinem Bruder Clemens wirklich zugesagt hat, seinen Firmenanteil nach dem Tod zu bekommen. Robert gab seinen Anteil 2009 aus freien Stücken ab und will dies heute rückgängig machen, wegen „groben Undanks“, wie er sagt.

So kam es zu dem Streit

Wie sehr Clemens der Familienstreit persönlich zusetzt, darüber spricht er nicht. Die beiden begrüßen sich per Handschlag. Schließlich sind sie sozusagen Nachbarn in Rheda-Wiedenbrück, und es bleibt in der westfälischen Provinz nicht aus, dass man sich auf dem Schützenfest oder im Fußballstadion begegnet. Clemens nennt seine Familie mit den beiden Kindern sein wichtigstes „Hobby“, doch Familienharmonie, Macht und wirtschaftliche Stärke sind in der westfälischen Trinitätslehre gewissermaßen gleichberechtigte Ziele, so die FAZ.

Was Robert nach deren Informationen wütend gemacht haben soll, ist auch, dass Clemens Tönnies vor einigen Jahren auf eigene Rechnung sein privates Fleischimperium, an der Holding vorbei, erweiterte. Er kaufte den Fleischkonzern Zur Mühlen (Böcklunder) – ohne Robert einzuweihen, was diesen tief verletzt haben muss. Clemens nutzte die neue Macht für einen juristischen Taschenspielertrick, der ihm jenseits der Wurstfabrikantenwelt nicht die größten Sympathien einbrachte: Durch eine Umstruktukturierung, die in der vergangenen Woche Schlagzeilen machte, gelang es ihm offenbar, einem Bußgeld des Kartellamtes von rund 120 Mio. Euro zu entgehen. Er ließ dazu einfach die Marken Böcklunder und Könecke, an die die Forderungen gerichtet waren, aus dem Handelsregister streichen, wir berichteten.

Tönnies expandiert im Ausland

Während in Deutschland der Schweinefleischabsatz leicht zurückgeht, expandiert Clemens Tönnies im Ausland. Vor allem in Osteuropa. Kürzlich wurde bekannt, dass der Konzern in Serbien bis zu 200 Mio. Euro in Schweinemast und –schlachtung steckt, auch für den Export in den Westen, wo die Kunden Aldi, Lidl oder Metro heißen. Aber er investierte, noch bevor der Westen Sanktionen beschloss, mehrere hundert Millionen Euro in die Schweineproduktion in Russland – und ist sogar mit der Pharmaindustrie im Geschäft, die z.B. Schweinedärme verarbeitet.
 
Insbesondere Clemens Tönnies´ lange Jahre guter Draht zu Wladimir Putin hat ihn in Zeiten der politischen Eskalation in Erklärungsnöte gebracht. Der vor Jahren beschlossene, unausgesprochene Deal muss laut der FAZ wohl gelautet haben: Der russische Staatskonzern Gazprom gibt Schalke 04 pro Jahr rund 15 Mio. Euro und Tönnies hilft Russland, in der Fleischerzeugung autark zu werden. Mit dem Agrarunternehmen KTG hat Tönnies Mastställe und Schlachthäuser in Russland bauen lassen und lässt Zehntausende Hektar Land bewirtschaften.

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