Hessen

Hessen: Bauern verunsichert - Betriebsergebnisse unbefriedigend

Der Gewinn auf den hessischen Betrieben ist gesunken. Die Zahlen präsentierte jetzt Peter Voss-Fels. Er berichtete auch über die Stimmung auf den Höfen und die Ernteergebnisse des Landes.

Im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2018/2019 ist der durchschnittliche Gewinn je Familienarbeitskraft in hessischen landwirtschaftlichen Betrieben von ca. 49.000 Euro auf rund 41.000 Euro laut einer ersten vorläufigen Auswertung gesunken. Das teilte der Generalsekretär des Hessischen Bauernverbandes (HBV), Peter Voss-Fels, am Donnerstag in Gießen mit.

Ausdrücklich betonte er, dass dieser Gewinn nicht mit dem Nettogehalt eines Arbeitnehmers zu vergleichen sei. Denn davon gingen noch die Sozialversicherungsbeiträge, Steuern und Nettoinvestitionen ab.

Von allen Betriebsformen hätten die Ackerbaubetriebe ihr Ergebnis leicht verbessern können, allerdings von einem niedrigen Niveau ausgehend. Dagegen verzeichneten die Milchvieh- und Veredlungsbetriebe (Schweine- und Geflügelhalter) deutliche Rückgänge in den Unternehmensergebnissen. Gesunkene Erzeugerpreise und gleichzeitig stark gestiegene Futterkosten seien die Ursachen.

„Im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2018/2019 sind sowohl die Brutto- als auch die Nettoinvestitionen im Vergleich zum vorausgegangenen Wirtschaftsjahr deutlich gesunken“, hob Voss-Fels hervor. Das sei kein gutes Zeichen. Es spiegele die Verunsicherung der Betriebsleiter, hervorgerufen durch die fehlende Planungssicherheit, wider.

Schlechte Stimmung in der Landwirtschaft

„Aus dem aktuellen Konjunkturbarometer Agrar des Deutschen Bauernverbandes geht hervor, dass sich die Stimmung in der Landwirtschaft seit den beiden letzten Erhebungen im März und Juni dieses Jahres deutlich verschlechtert hat“, hob Voss-Fels hervor. Nur 30 Prozent der Befragten wollten in den nächsten sechs Monaten investieren.

Ein wesentlicher Grund für die schlechte Stimmung im landwirtschaftlichen Berufsstand sei das am 4. September vom Bundeskabinett verabschiedete Agrarpaket. Vor allem das Aktionsprogramm Insektenschutz habe das Fass zum Überlaufen gebracht. Es sei unklar, ob der Insektenschutz und die Artenvielfalt dadurch wirklich verbessert werden könnten.

„Das Aktionsprogramm Insektenschutz wird von unseren Bauern nicht in seiner Zielsetzung, sondern wegen den damit verbundenen Verboten und Einschränkungen abgelehnt. Es muss grundlegend überarbeitet werden“, fordert der HBV-Generalsekretär. Die Maßnahmen müssten fachlich fundiert, praktikabel und wirtschaftlich tragfähig sein.

„Die Bauern sind verunsichert. In ihrer Verzweiflung und Sorge um ihre Existenz beteiligen sich viele Landwirte an verschiedenen Aktionen und Demonstrationen“, so Voss-Fels.

Ernteergebnisse

Für Hessen meldet der HBV eine Gesamtgetreidemenge von 2,2 Mio. t; das ist Durchschnitt. Der Schnitt der letzten sechs Jahre von 2,1 Mio. t wurde somit leicht und das von der Dürre geprägte schlechte Vorjahresergebnis von 1,7 Mio. t deutlich übertroffen.“

Allerdings ist die Getreideanbaufläche im Vergleich zum Vorjahr um 25.000 ha oder 8,8 % ausgeweitet worden. Diese Ausdehnung geht zurück auf eine entsprechende Einschränkung des Rapsanbaus, verursacht durch die extreme Trockenheit bei der Aussaat.

Der durchschnittliche Getreideertrag liegt nach HBV-Angaben in diesem Jahr bei 7,2 t/ha und damit eine Tonne oder rund 16 % über dem Vorjahr. Die Erträge differierten in Abhängigkeit vom Standort und der Niederschlagsverteilung zum Teil erheblich. Wegen der lang anhaltenden Trockenheit hätten viele Betriebe die Futterlücke aus dem Vorjahr nach dem ersten Silageschnitt nicht überall schließen können, berichtete Voss-Fels.

Aufgrund der fehlenden Niederschläge hätten auch Obstbäume gelitten. Äpfel, vor allem Streuobst und Kirschen, seien in diesem Jahr durchweg kleiner im Durchmesser. „Die Zuckerrübenernte ist jetzt in vollem Gange. Die Rübenerträge liegen etwas über dem schlechten Vorjahresniveau und leicht unter dem Schnitt der letzten sechs Jahre. Die Bandbreite der Erträge sei gravierend“, so Voss-Fels.


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