Notstand ja oder nein? Klöckner im top agrar-Interview zur Dürre2018 Premium

Am 31. Juli fanden Gespräche von Bund und Ländern über die Situation der Dürre, ihre Folgen und mögliche Hilfgen statt. Im Anschluss fragten wir Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, zu welchem Ergebnis sie gekommen sind und wie es jetzt weitergeht, welche weiteren Hilfen sind denkbar...

Am 31. Juli fanden Gespräche von Bund und Ländern über die Situation der Dürre, ihre Folgen und mögliche Hilfen statt. Im Anschluss fragten wir Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, zu welchem Ergebnis sie gekommen sind und wie es jetzt weitergeht, welche weiteren Hilfen sind denkbar... Am Dienstag hat es eine Bund-Länder-Abstimmung zur aktuellen Dürresituation gegeben. Welche Regionen und welche Kulturen sind besonders betroffen?   Klöckner: Ich sorge mich sehr um die Situation der Landwirte und Viehhalter. Denn für viele geht es um ihre Existenz. Deshalb ist es mir auch so wichtig, dass wir einen faktenbasierten, validen Überblick über die Ernte bekommen. Prognosen gibt es sehr unterschiedliche. Die Landwirte in Deutschland sind unterschiedlich stark von der Trockenheit betroffen. Das ist abhängig von den regionalen Witterungs- und Standortbedingungen. Bauer zu sein ist kein Beruf wie jeder andere. Sie sorgen für unsere täglichen Mittel zum Leben. Es gibt Mindererträge im Getreide und beim Raps. Außerdem werden auch bei den Spätfrüchten wie Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben Mindererträge erwartet. Ganz abgesehen vom Futtermangel für das Vieh.   Wie hoch sind in diesen Regionen die tatsächlichen bzw. noch zu erwartenden Ertragsverluste bei Getreide, Kartoffeln, Mais, Rüben und Grünland?   Klöckner: Bisher liegen nur Schätzungen vor. Das erste vorläufige, amtlich festgestellte Ernteergebnis für Getreide und Raps werde ich mit dem Erntebericht bekanntgeben, der Ende August vorliegen wird. Der ergibt sich aus drei Statistiken, der Erntebericht ist dann repräsentativ. Das vorläufige Ergebnis der Kartoffelernte wird voraussichtlich einen Monat später feststehen.   Welche Betriebe sind von der Dürre besonders nachhaltig und langfristig betroffen?   Klöckner: Neben den reinen Ackerbaubetrieben leiden insbesondere die viehhaltenden Betriebe unter der Trockenheit. Viele Viehhalter haben große Not, ihre Tier zu versorgen, denn das Gras als Futter fehlt. Hier müssen wir schneller reagieren. Ich habe meine Länderkollegen deshalb aufgefordert, mir schnell fundierte Informationen über Ernteschäden und ihre Förderprogramme zu übermitteln, unter anderem für viehhaltende Betriebe. Darauf sind wir dringend angewiesen, wenn wir die Maßnahmen der Länder begleiten sollen und wollen.  Nur so kann ein koordiniertes, zeitnahes und vom Bund flankiertes, gemeinsames Vorgehen möglich sein. Ich will, dass es erst gar nicht zu eklatanten Versorgungsengpässen kommt.   Der Deutsche Bauernverband hat gefordert, angesichts der Ausfälle den nationalen Notstand auszurufen. Welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein und werden diese Vorgaben voraussichtlich erreicht werden?   Klöckner: Das Anliegen des Verbandes ist aus seiner Sicht verständlich, aber es ist sicher nachvollziehbar, dass es für die Bundesregierung klare Regeln und Mechanismen gibt für die verlässliche Einstufung des Schadereignisses als „Ereignis von nationalem Ausmaß“. Das ist ja nichts Banales. Den betroffenen Bauern kann es egal sein, wer ihnen hilft - ob Land oder Bund. Dennoch ist alles klar geregelt: Für Hilfsmaßnahmen bei außergewöhnlichen Naturereignissen sind nach der verfassungsrechtlichen Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern die Länder zuständig. Der Bund darf nur ausnahmsweise im Rahmen der gesamtstaatlichen Repräsentation und Verantwortung finanzielle ...

Weiterlesen mit PREMIUM
Jetzt 30 Tage gratis testen
Mehr erfahren

Artikel geschrieben von

Dr. Ludger Schulze Pals

Chefredakteur top agrar

Schreiben Sie Dr. Ludger Schulze Pals eine Nachricht

Die Redaktion empfiehlt

Management & Politik / News

n-tv findet Rufe nach Dürrehilfe dreist - Dürre2018

vor von Alfons Deter

Die Forderung des Bauernverbands, notleidenden Landwirten mit einer Milliarde Euro zu helfen, wertet der Nachrichtensender n-TV als dreist. Das Wetter gehöre für die Landwirte zum Berufsrisiko, ...

Die EU-Kommission gibt grünes Licht für vorgezogene Auszahlungen von Direktzahlungen und erlaubt den Aufwuchs von Brach-, Zwischenfrucht- und ökologischen Vorrangflächen (ÖVF) zu nutzen. ...

Acker & Agrarwetter / News

Dürre2018 in Deutschland sehr unterschiedlich verteilt

vor von

Im Süden Deutschlands sind lange nicht so große Ernteverluste zu verzeichnen, wie in Teilen des Norden und Osten des Landes. Sogar die Qualität des Weizens ist in Teilen gut bis ausgezeichnet. Das ...

Wie könnte die Unterstützung der Landwirtschaft in Zukunft aussehen? Dazu ist diese Woche angesichts der Dürrethematik und der Forderungen der Bauern nach Hilfsgeldern eine öffentliche Debatte ...

Feinstaub-Kritik: "Schuldzuweisungen an die Landwirtschaft sind absurd"

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Hermann Freese

40% ??.. Was ist denn mit den Schweinehaltern? Die müssen nun mehr für Futter ausgeben und bekommen auch nicht mehr vom Schlachter. Oder mit den Pferdehaltern? Die können ihre Tiere größtenteils nichtmal schlachten (-> Tierkörperbeseitigung - kostet auch noch), wenn sie kein Heu bekommen. Ist wirklich an jeden gedacht, wenn jeder nur an sich denkt? Ich habe heute ein Video einer Australischen Newsshow gesehen. Dort wurde ein Rinderhalter gezeigt, der absolut nicht mehr weiß, wie er weitermachen soll. Es gäbe kein Heu mehr. Ein Ende der Dürre ist nicht in Sicht.. Die TV-Leute waren voller Mitgefühl und haben zu Spenden aufgerufen. Die Kommentare unter dem Video waren größtenteils von Bürgern, die spenden wollen, die ihr Mitgefühl mit den Bauern in ihrem Land zeigen, diese anerkennen. So ein Rückhalt bei der Bevölkerung und den Journalisten wäre mir lieber, als ein paar Euro.

von Karl-Heinz Mohrmann

Der weizenpreis ist 40% gestiegen. Stroh bringt lose im schwad 60 Euro die Tonne. Das sind enorme Steigerungen. Diese Entwicklung muss in der Milchwirtschaft auch eintreten

von Gerd Uken

@ Bothe

Woher will man denn jetzt schon wissen welchen Schaden wir haben? Deshalb war die Äußerung mit der 1 Mrd.fehl am Platz Wenn man bedenkt was im Frühjahr noch los war-bei uns wurden viele Flächen zum zweiten Mal bestellt, der Mais kam 14 Tage zu spät in den Boden usw. 2.Schnitt 30% Ertragsminderung,3.Schnitt teilweise Totalausfall ! Wie will man das alles auf einen Nenner bringen

von Christian Bothe

@Dr.Kremer-Schillings,hatte mich ja gestern (n-tv...)schon zu Ihrer Auffassung geäußert,betone erneut das das Handeln und die Forderung von Rukwied richtig sind.Endlich mal kein wishy,washy und mit Imageschaden hat das nichts zu tun,das ist Kokolores. Der Bürger muss einfach über die Situation draußen konkret Bescheid wissen und das nicht durch einseitige Information der Medien! Das was Frau Klöckner sagt,finde ich korrekt und sie wird auch mit Hogan die richtigen Hilfen für unsere Betriebe finden.Polen und Schweden haben sich heute schon richtig positioniert.

von Hermann Freese

Kirsten Wosnitza

bitte erklären Sie mir, was Sie genau aussagen wollen - ich schwimme noch. Meinen Sie, dass die Betriebe, die am schlechtesten gewirtschaftet haben, die meiste Hilfe bekommen sollten? Wie fließt der Pachtpreis in Ihre Rechnung ein? Der, der das meiste ausgibt, bekommt dann auch die höchste Hilfe?

von Rudolf Rößle

Kontrakte

wer seine Kaufkontrakte Anfang bis Mitte des Jahres abgeschlossen hat , hat richtig agiert. Wer Verkaufskontrakte geschlossen hat, kann unter Umständen nicht alles liefern oder von den Preiserhöhungen nicht profitieren. Wer nichts einlagern kann, wird auch von höheren Preisen nichts haben.

von Kirsten Wosnitza

Der Schaden für den Betrieb bemisst sich nicht nach Ertragsausfall

Sondern nach Erlösen und Kosten. Hier sind besonders zu berücksichtigen die Preise von Getreide und Stroh multipliziert mit den Erntemengen abzüglich Kosten für Pflanzenschutz Düngung Trocknung. Für die Vieh Halter kommt hinzu Preise für Futter und Stroh und Erlöse für Schlachtvieh und Milch. Wer die Entwicklung auf den Märkten verfolgt wird zu einem Ergebnis für die Bewertung KommenV in welcher Form und wo Notlagen vorliegen.

von Richard Huber

Ein Kommentar wird ohne

Klarnamen veröffentlicht? Warum? Wer steckt dahinter? Liebe Redaktion, gebt den Namen durch, ansonsten verliert ihr extrem an Glaubwürdigkeit.

von Michael Behrens

Profilieren

Frau Klöckner kann sich Dank des Bauernverbandes an der Dürre richtig profilieren und wird nachher als Krisenmanagerin durch Ihre Presse Strategen dargestellt! Die pauschale Milliardenforderung des Bauerverbandes war doch die mediale Steilvorlage für Frau Klöckner! Sie hilft wo sie kann "Die Koordinierungen laufen doch schon, es wäre traurig, wenn wir bis jetzt die Hände in den Schoß gelegt hätten und erst einen Gipfel bräuchten, da wäre ich eine schlechte Ministerin!" Es wird nach der Dürre weiterhin Landwirtschaft geben, mit erheblichen Verlusten bis dahin! Wir sollten auf nicht allzu große Hilfe von Länder, Bund und EU hoffen!

von Josef Meier

Ich sehe alles ganz anders.

Dem Staat kommt diese goße Dürre ganz gelegen. Dadurch kommt Bewegung in die Besitzverhältnisse von Grund und Boden und unsere Kommunen können sich daran befriedigen. Bauland für Wichtiges und Unwichtiges kann günstiger genommen werden und die Bevölkerung steht sogar noch dahinter. Ein sicheres Zeichen unserer spätdekadenten Zeit ist auch die Aussage, diese vom Bauernverband geforderte Milliarde sei Steuergeld das man nicht leichtfertig ausgeben wolle. Bei den 100 Milliarden die die gleichen Politiker für Neubürger ausgeben sagen sie uns, dieses Geld wurde niemand weggenommen. Mein Vorschlag wäre, anstatt Hektarprämien zahlt der Staat eine Unterstützung für eine generelle Unwetter, Dürre und sonstige Kalamitätsversicherung. Im Gegenzug wird die gesamte Bauernüberwachungsindustrie aufgelöst und damit viele Milliarden eingespart und wir Bauern könnten wirklich wie gefordert unternehmerisch agieren.

von Gerd Uken

@ Danke

Ist das wieder unser Herr Vennema oder warum dürfen einige ohne Namen schreiben?!

von Michael Koch

Gestern gab es ein bemerkenswertes Interview mit Manuela Schwesig , der Ministerpräsidentin von MV . Sie bezog klar Stellung pro Landwirtschaft .( Zur information, die ist in der SPD ) . Von Frau Klöckner nur Gerede und auf Zeit spielen , ärmlich . (Zur information die ist in der CDU )

von Dr. Willi Kremer-Schillings

Danke....

....für die richtigen und sachlichen Fragen. Vollkommen richtig auch von Frau Klöckner, dass sie belastbare Fakten abwartet. Richtig auch, dass nur die wirklich Bedürftigen unterstützt werden. Mit der pauschalen Forderung nach einer Milliarde (wie kommt der DBV auf diese Zahl?) ist schon genug Imageschaden entstanden. Diese unsinnige und unerklärbare! Forderung wird man uns noch in Jahren vorhalten. Also nochmal: Danke an die Redaktion und Frau Klöckner. Warum soll man nicht auch mal loben? Klar: Kritik ist einfacher....

von Gerd Uken

Jetzt versteh ich warum diese Statistiken immer

Gebraucht werden-leider wird davon keine Kuh satt u. das BVVG immerzu erwähnt wird, das ein Ostdeutsches ...... meine Verpächter haben noch nichts gesagt da kommt nur die Rechnung. Also wo wollen sie denn nun helfen?

von Erwin Schmidbauer

Zwei Seiten

In einem Kommentar einer Zeitung stand vor einigen Tagen: es sei schon widersinnig, dass der Bauernverband einerseits den Landwirt als modernern Unternehmer herauskehrt, aber nun, wenn das unternehmerische Risiko zuschlägt, nach dem Staat ruft. Da ist viel Wahrheit dran. Aber als 2009 die "Wirtschaftskrise" war, hat sich der Staat auch mit Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft überschlagen, Kurzarbeitergeld wurde verbessert, Abwrackprämie usw. Hinterher war man Stolz, wie man es geschafft hat, die Krise zu überstehen. Aber damals redete man von einigen Prozent Einbußen, heute in der Landwirtschaft geht es bis zu Totalausfällen. So falsch im einem Sinne die Forderung des Bauerverbandes ist, so berechtigt ist sie doch, wenn man die Vergangenheit bei Schwierigkeiten anderer Branchen betrachtet! Entweder handelt die Bundesregierung überall oder gar nirgends.

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen