AGCO-Chef in Ahlen

Richenhagen: „Bauernmilliarde ist ganz billiger Trick!“ Plus

Die Milliardenankündigung von Julia Klöckner ist für AGCO-Chef Martin Richenhagen ein ganz billiger Ablenkungstrick. Die Ministerin habe keinerlei Ideen für konkrete Maßnahmen, polterte er.

Als „ganz billigen Trick der Weinkönigin“ bezeichnet der Präsident und CEO des Landmaschinenkonzerns AGCO, Prof. Dr. h.c. Martin Richenhagen, die von der Bundesregierung angekündigte 1 Mrd. Euro zur Abfederung der anstehenden Härten.

Wie er am Freitag beim Kreisverbandstag des WLV Warendorf in Ahlen (NRW) sagte, sei dies der Versuch der Politik, mit Geld die Bauern zu beeinflussen. In stört auch, dass man nichts Genaues über die Milliardenhilfe wisse. „Klöckner hat so wenig Ahnung, dass sie das nicht mit Maßnahmen verbinden kann“, ärgerte sich der Gastredner, der die Fähigkeiten der CDU-Politikerin mehrfach sehr deutlich anzweifelte.

Praktisch bedeute das Hilfspaket lediglich 700 Euro pro Betrieb. „Das können Sie doch vergessen, da kann keiner was mit anfangen“, so Richenhagen weiter. Stattdessen bräuchten die Bauern klare Regeln für Tierhaltung und Düngung, damit sie planen können. „Die Politik muss endlich Regeln für die nächsten 20 Jahre festlegen, und nicht welche für die nächsten Monate! Wir müssen der Politik jetzt erklären, was wir brauchen.“

Seiner Meinung nach haben die Bewohner der Städte „keine Ahnung“ und seien beeinflusst durch NGOs. Der Präsident schlägt vor, ihnen aber zuzuhören und zusammen mit der Wissenschaft faktenbasiert Lösungen zu erarbeiten.

Direktzahlungen am besten abschaffen

Die Subventionen für die Landwirte sollte die Politik nach Ansicht des AGCO-Chefs abschaffen und dafür bessere Preise garantieren. Durch die Direktzahlungen habe der Staat bislang die Möglichkeit, sich auf den Höfen einzumischen, argumentiert er.

Wünschenswert sei außerdem ein Gesellschaftsvertrag, der Tier- und Umweltschutz beinhalte und die Gesellschaft verpflichtet, die Leistungen der Landwirtschaft zu bezahlen. „Eine Umsatzrendite von 10 % muss das Ziel sein“, schlug Richenhagen vor.

LEH denkt an sich

Im weiteren Gespräch mit Wochenblatt-Chefredakteur Anselm Richard ging es um die Macht des Lebensmitteleinzelhandels. Der Chairman berichtete dazu von dem enormen Wettbewerbsdruck, unter dem der LEH steht. Jeder versuche, möglichst viele Anteile zu ergattern, was bislang hauptsächlich über den Preis geht.

Als Gegengewicht wäre laut Richenhagen ein Vermarktungsmonopol der Bauern eine Lösung. Die Umsetzung sei allerdings extrem kompliziert und schwierig. Eventuell könnte eine zusätzliche Mehrwertsteuer die Lösung sein, die voll auf die Höfe zurückfließt....

Jetzt anmelden und sofort weiterlesen. Plus

Melden Sie sich an oder erstellen Sie ein kostenloses Konto und erhalten Sie Zugriff auf diesen und alle weiteren relevanten Beiträge sowie auf unsere exklusiven Newsletter. Testen Sie jetzt, ganz unverbindlich.


Diskussionen zum Artikel

von Hermann Freese

Ich kenne mich mit Milchvieh nicht vollständig aus. Aber unter der Annahme, dass Sie auch Kälber verkaufen oder Mästen und verkaufen, dass Sie auch Altkühe zum Schlachter bringen (mal bei durchschnittlichen Schlachpreisen) und dass Sie ggf. auch noch Getreide anbauen und verkaufen, ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Rendite

@Herr Freese wenn es so gemeint ist, dass ich 1 Million Liter Milch produziere und mir bei 400000Milchgeld nur 40000 Euro bleiben bei 10 % melke ich keine Kuh mehr. Da sollten es dann eher um die 30% sein. Bin ich jetzt auch auf dem falschen Dampfer?

von Ahrend Höper

Professor Richenhagens wichtigsten Thesen...

1.die Ministerin habe keinerlei Ideen für konkrete Maßnahmen 2....der Gastredner, der die Fähigkeiten der CDU- Politikerin mehrfach sehr deutlich anzweifelte. 3.Direktzahlungen am besten abschaffen 4.Wir brauchen aber auch eine Landwirtschaftsministerin, die ihren Job nicht an das ... mehr anzeigen

von Hermann Freese

Rößle

Es geht um 10% Umsatzrendite und nicht um 10% Kapitalverzinsung. Ersteres als Ziel ist gar nicht so daneben. Das Problem ist, dass, wie unten auch schon geschrieben, immer nur in Grenznutzen gedacht wird. Wenn denn überhaupt und nicht nach dem Motto: mein Nachbar kann 1000€ Pacht ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Anderes System

Durch die vielen EU Länder ist ein einheitliches Vermarktungs- und Bündelungssystem nicht denkbar. Sonst könnte eine Organisation die deutschen Milchmengen von den Bauern kaufen und an die Molkereien weiterverkaufen. Von 10% Rendite spricht hier niemand. Wir bekommen nicht mal den ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

@ Grimm

Der DBV vertritt leider nicht Alle Bauern - sondern ist Ein Lobbyverband für die Agrarindustrie geworden sonst hätten sie dich schon längst anders positioniert. Der Verband hat Jahre verpennt die wir jetzt hinterher rennen. Er sollte sich dringend mit Frabs Timmermans beschäftigen ... mehr anzeigen

von Hans Spießl

Richenhagen ist gut

wenigstens einer der über die Klöckner die wahrheit sagt, alle Anderen Bauern, Verbände sind meiner Meinung nach zu Feige, ein Haberfeldtreiben wär das Richtige um diesen eher "tiefen" Menschen auf Augenhöhe begegnen zu können. Ich hätte die ... mehr anzeigen

von Cord Hartjen

Was das denn für ein Vogel??

von Klaus Fiederling

Wahrheit ist unteilbar

Warum ist gerade Herr Richenhagen auch gegen die Bauern-Milliarde!? Er ist sich durchaus bewusst, dass diese in seinem Schlund jedenfalls nicht ankommen wird. Er weiß um den Sachverhalt, dass der größte Kostenblock in einem bäuerlichen Betrieb die Kosten der Arbeitserledigung sind. ... mehr anzeigen

von Hans Spießl

Richenhagen ist gut

Der Mann hat Verstand er kommt aus der Wirtschaft. Direktzahlungen am besten Abschaffen wär das Einzig richtige, er hat Recht.... Er spricht von einer Umsatzrendite von 10% als Zielvorgabe- Ja ihr Staatsdiener in den Ausbildungsstätten der ... mehr anzeigen

von Andreas Thiel

Professor Richenhagen...

Vertreibt auch mit Eseln die Wölfe...Er mag in einigen Dingen Recht haben,zb Landwirtschaftspolitik, Rahmenbedingungen auf 20Jahre festlegen, anstatt für die nächsten paar Monate. Aber ob alle Thesen greifen,bei der derzeitigen politischen Lage und deren Akteuren ist doch sehr zu ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Er sagt Vieles, was der DBV in jüngster Zeit auch hätte sagen müssen.

Die richtige Erkenntnis in höflichen Floskeln verpackt, nur um diese Regierung nicht zu brüskieren, ist gescheitert und führt uns in den Ruin. Wenn der DBV das nicht kann, müssen neue Leute ran. Aber der DBV, als die einheitliche Vertretung für die Bauern, muss bleiben.

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Auf Kommentar antworten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen