DLG-Wintertagung

Vion erwartet Rückgang des Fleischverzehrs um 30 % und setzt auf Tierwohl

Der Vion-Konzern setzt voll auf Tierwohlprogramme und erwartet eine Segmentierung des Marktes. Schon in der Kettenproduktion muss differenziert werden, welche Märkte bedient werden.

Vion erzielt derzeit durch das rasante Exportgeschäft mit China gute Preise auf dem niederländischen und deutschen Schweinemarkt. Die derzeit positive Marktentwicklung überdeckt jedoch die Notwendigkeit, sich für die Zeit danach fit zu machen, berichtete Ronald Lotgerink, CEO des Schlachtkonzerns Vion am Mittwoch im Gespräch mit top agrar-Chefredakteur Matthias Schulze Steinmann, der das Plenum auf der DLG-Wintertagung moderierte.

„Wenn alles normal läuft, ist der Chinaboom in drei Jahren vorbei. Wir müssen für die Zeit danach mit der Landwirtschaft und dem Handel neue Konzepte entwickeln und engere Ketten aufbauen“, sagte Lotgerink in seinem Impulsreferat.

Qualität statt Menge

Er erwarte außerdem, dass die Verbraucher in West- und Nordeuropa in zehn Jahren gut 30 % weniger Fleisch konsumieren. „Wir brauchen also nicht mehr die Menge wie bisher, wir brauchen Qualität. Und dafür ist es wichtig, schon heute Ketten aufzubauen, in denen wir genau die Fleischteile bekommen, die gewünscht werden“, so der Firmenchef.

Das hat seiner Meinung nach zur Folge, dass man mit der Landwirtschaft und dem Handel neue Konzepte entwickeln und engere Ketten aufbauen müssen, um die gewünschten Produkte anbieten zu können. Dazu seien andere Rassen, mehr Nachhaltigkeit, eine andere Fütterung und andere Gene notwendig, so der CEO.

Holländische Tierwohlkonzepte auch in Deutschland ausrollen

Lotgerink berichtete von den niederländischen Tierwohlprogrammen wie Better Leven, Robusto und dem grünen Weg. Holland sei Pilotland für solche Konzepte, die Vion anschließend in dieser Qualität gern in Deutschland und in ganz Nordeuropa umsetzen möchte.

Ronald Lotgerink

Ronald Lotgerink (Bildquelle: Vion)

„Wir haben bereits eine Produktionskette gebildet, die neben dem Tierschutz auch den Klimaaspekt in der Fleischproduktion berücksichtigt. Das weisen wir auf den Verpackungen in der Fleischtheke aus.“ Lotgerink möchte diese Qualitätsketten mit seinen Kunden auf der Erzeuger- und Vermarktungsseite etablieren. Das sei die Zukunft mit höherem Ertrag bei weniger Volumen, ist der Niederländer überzeugt. Denn die Anforderungen der Kunden in den Heimatmärkten verlangen von Vion eine Spezialisierung. Daher wolle er bessere Produkte anbieten.

Insgesamt wird es seiner Meinung nach eine Segmentierung des Marktes geben. „Mit dem Robusto-Programm gelingt uns seit zwei Jahren beispielhaft gut, die besonderen Anforderungen zu erfüllen. Dazu haben die Landwirte mit Vion für Robusto langfristige Lieferverträge abgeschlossen. Wir erhalten genau diese besonderen Qualitäten für Schinken und Bäuche, die wir für unsere Kunden brauchen. Solche Ergebnisse bekommt man durch Haltung und Fütterung und auch mit der immer gleichen Herkunft der Tiere“, erklärte Lotgerink vor den anwesenden DLG-Landwirten.

Sein Wunsch ist, dass schon in der Kettenproduktion differenziert werden kann, welche Märkte bedient werden. Denn in Asien und Afrika sei der Proteinbedarf auch in den nächsten Jahren sehr hoch. Dort wird nach den Erfahrungen des Schlachtkonzerns eher noch mehr Fleisch verlangt. „Diese Märkte werden wir in der globalen Vermarktung auch weiterhin beliefern“, stellte der Vion-Chef klar.

Auch Vion setzt auf Fleischimitate

Seiner Überzeugung nach werden Fleischersatzprodukte zweifellos wichtiger. Es handele sich dabei zwar um einen Nischenmarkt, aber diese Nische sei so interessant, dass Vion da mitmachen will, so Lotgerink weiter.

„Im nächsten halben Jahr starten wir unsere Produktion von veganen Schnitzeln, Burgern, Hackfleisch, Würstchen und unpanierten faserigen Geflügelfilets. Unser Ziel ist es, wie im Fleischbereich eine enge regionale Kettenproduktion mit Landwirten aufzubauen. Die pflanzlichen Rohstoffe – Bohnen, Erbsen oder Kartoffeln – wollen wir vor Ort einkaufen. Das ist auch möglich. Die Bauern, die aufgrund der Veränderungen aus der Nutztierhaltung aussteigen, können unsere Partner bleiben und in Zukunft die Rohstoffe anbauen, die wir für unsere pflanzlichen Produkte brauchen. So wie wir uns weiterentwickeln und den Anforderungen des Marktes folgen, kann das auch die Landwirtschaft tun. Ich bin dafür, dass wir in Zukunft Partner bleiben“, so Lotgerink in seiner Rede.

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