Thema Beizung: Drängende Fragen des Naturschutzes nicht falsch beantworten

Gebeiztes Saatgut Gebeiztes Saatgut
Die Sorge um die Zukunft der Beizung in der deutschen Landwirtschaft ist groß. Vertreter von Behörden und Wirtschaft diskutierten dazu auf den DLG-Feldtagen in Bernburg die Konsequenzen der zunehmenden Verbote bzw. immer höherer Auflagen für die Anwendung von Beizmitteln für die Landwirtschaft in Deutschland.

Dr. Helmut Schramm, Präsident des Industrieverbands Agrar (IVA), sieht in den immer schärferen aktuellen und künftigen Auflagen die falsche Antwort auf die drängenden Fragen zur Stärkung des Naturschutzes. Er rief zu einer intensiveren Betrachtung der die Bienengesundheit beeinträchtigenden parasitären Varroa-Milbe insbesondere durch die imkerliche Praxis auf, statt den Fokus ausschließlich auf regulative Maßnahmen des Pflanzenschutzes zu richten.

Auch Helmut Gumpert, Präsident des thüringischen Bauernverbandes und Vorsitzender des Fachausschusses für Saatgutfragen im DBV, warnte vor einer überzogenen Risikodiskussion, die eine nachhaltige Landbewirtschaftung in Deutschland und Europa gefährde. Er forderte, dass die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln ausschließlich nach objektiven, wissenschaftlichen Kriterien erfolgen und vor allem Jungpflanzen auch weiterhin auch durch optimale Beizung geschützt werden müsste. Wenn man ihnen in der frühesten Entwicklungsphase den Schutz entziehe, sei dies vergleichbar mit einem Säugling, der ohne Mutterschutz auskommen müsse.

Peter Jürgens, Geschäftsführer der Seed Guard Gesellschaft für Saatgutqualität mbH, erläuterte die Anstrengungen der Saatgutbranche, die Beizung als qualitätssichernde wirksame Pflanzenschutzmaßnahme zu erhalten. Das Zertifizierungssystem SeedGuard berücksichtigt bestehende und künftige Auflagen an eine anwendersichere und umweltschonende Saatgutbehandlung. Jürgens betonte, dass durch die Zertifizierung von Beizstellen, die es mittlerweile für mehrere Kulturarten gibt,  die hohen Umweltstandards von Gesellschaft und Politik gewährleistet würden.

Dr. Udo Heimbach, Wissenschaftler im Julius Kühn-Institut (JKI), erläuterte die Arbeiten des JKI und den Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zur eingehenden Analyse des Bienensterbens im Jahr 2008 und sich daraus ableitende Maßnahmen, die Probleme u. a. beim Staubabrieb in der Beizung zu lösen. Für die Zukunft forderte er Politik sowie landwirtschaftliche Praxis zum nachhaltigen Denken und Handeln auf. Die Wirtschaft dürfe nicht aufhören, vorausschauende Qualitätssicherungsmaßnahmen durchzuführen. Von der Politik erwarte er neben der wichtigen Risikoanalyse auch eine angemessene Berücksichtigung des tatsächlichen Nutzens von Pflanzenschutzmitteln.

Das Themenzentrum Beizung ist eine gemeinschaftliche Initiative von namhaften Verbänden der Saatgutbranche und Landwirtschaft. Die Themenpartner informieren umfassend über ihr kontinuierliches Engagement zur weiteren Optimierung der Beizqualität.

Empfehlen Sie den Artikel weiter:

Leserkommentare Kommentieren

Es gibt noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste. Wir freuen uns über Ihre Meinung!

Ihre Meinung

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!

Sie sind neu hier?

Als Abonnent kostenlos registrieren