Nitrat: Was die Medien verschweigen…

Der neue Nitratbericht 2016 weist in der bundesweiten Stickstoffbilanz im Saldo halb soviel Stickstoff aus wie vor 24 Jahren. "Das ist doch mal eine gute Nachricht", schreibt Bauer Willi, nur darüber finde man nichts in den Zeitungen. Sein neuester Blogeintrag, zuerst erschienen unter www.bauerwilli.com :

"Manchmal erscheint es mir, als ob niemand einen Bericht richtig liest und nur noch vom anderen abschreibt. So auch beim Nitratbericht 2016. Denn dort gibt es auch ausgesprochen gute Botschaften!!!

Mir ist in genau diesem Bericht, der mit unvollständigen und selektierten Messstellen arbeitet, auf den Seiten 53 und 54 eine sehr interessante Tabelle aufgefallen, die ich mal in einer Grafik dargestellt habe. Seit 1990 wird jährlich eine bundesweite Stickstoffbilanz erstellt, genau so, wie sie jeder einzelne Landwirt auch macht. Und wer nicht weiß, was eine Bilanz ist: da wird alles aufgeschrieben, was hineinkommt und alles was herausgeht. Die Differenz ist der Saldo.

Grafik

Das Ergebnis

Die Zufuhr von Stickstoff hat von Jahr zu Jahr abgenommen, die Abfuhr von Stickstoff (durch die Ernte-Erträge) hat zugenommen. Logische Konsequenz: wenn man in ein System kontinuierlich weniger hineingibt und laufend mehr hinausnimmt, wird der Saldo immer kleiner.

Und genau das zeigt die Grafik aus dem Nitratbericht 2016: von 1990 bis 2014 hat sich der Saldo an Stickstoff halbiert! Bundesweit! Ermittelt über 24 Jahre! Von staatlicher Stelle! Wenn das nicht toll ist!

Damit stehe ich allerdings vor einem wissenschaftlichen Rätsel (Ironie!) : Die Vorräte an Nitrat im Boden werden immer kleiner, der Nitratgehalt im Grundwasser soll sich aber nicht verändern? Wie geht das?

Vielleicht kann mir das mal ein Journalist, der NABU und andere NGOs oder auch Ministerin Barbara Hendricks mal erklären. Die pustet doch gerade wieder die Backen auf, um den Landwirten am Zeug zu flicken.

Viel besser wäre es aber, wenn die Medien diese gute Botschaft auch mal transportieren. Schickt doch einfach diesen Artikel an eure Zeitung und teilt ihn fleißig, wenn ihr bei Facebook seit.  Gute Nachrichten gehören hinausposaunt!!!

Euer Bauer Willi"

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7 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Erwin Schmidbauer · 1.
    Boden als Nitratspeicher?

    Die Speicherkapazität für Nitrat als Nitrat im Boden ist sehr gering. Trotzdem muss ein verringertes Saldo nicht dazu führen, dass der Nitratgehalt im Grundwasser sinkt. Wilhem Gebken hat das sehr schön ausgeführt, was alles passieren kann. Doch so komplexe Zusammenhänge sind für die Politik und den deutschen Qualitätsjournalismus viel zu unverständlich - geben halt keine Schlagzeilen und keine populistischen Sprüche her.

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  2. von Wilhelm Gebken · 2.
    @Andreas Gerner, dem ersten Teil Ihres Kommentars stimme ich zu, der zweite Teil ist sachlich und fachlich falsch

    1. Selbst wenn ich Ihnen zustimmen würde, dass alle Landwirte in Veredelungsregionen "Tricks anwenden", wie Sie es formulieren, so hätten wir damit max. ca. 10 % organischen Dünger mehr pro ha zur Verfügung. Damit wären es dann 187 kg N/ha statt 170 kg N/ha. Wieviel kg N benötigen Sie für einen ha Weizen oder Mais? Richtig, mehr als 187 kg/N. Worin der chemische Unterschied zwischen organischem und mineralischem Stickstoff (Elementenname: "N") bestehen soll, hat mir im Übrigen auch noch Niemand erklären können. 2. Es ist eben nicht paradox, dass sich die Viehdichte in einigen Regionen verdichtet hat, sondern es ist das Ergebnis von inzwischen 67 Jahren realer Politik, also dem Willen des Volkes nach einer eigenständigen, günstigen aber auch ausgewogenen und gesunden Ernährung. Die einzelnen Gründe würden ein ganzes Buch füllen, daher nur soviel: Jeder einzelne Betrieb der heute noch existiert, hat aus den politischen Vorgaben der alles besser wissenden gewählten Elite für sich jeweils die einzig richtige Entscheidung getroffen. Ein Beispiel für eine eklatant falsche Entscheidung wäre z. B. der Versuch, auf den von Natur aus extrem unfruchtbaren Böden in den Veredlungsregionen nur mit mineralischem NPK Eliteweizen anzubauen, mit dem schlauen Argument, dass sich das wegen des höheren Doppelzentnerpreises für E-Weizen ab 70 dt/ha rechnet. Solche Kollegen gab es, die sind aber irgendwann alle von netten Herren in weißen Kitteln abgeholt worden. Umgekehrt würden auf Dauer auch diejenigen von den netten Herren in weißen Kitteln abgeholt werden, die z. B. im Speckgürtel von Hannover einen Ackerbaubetrieb bewirtschaften und plötzlich meinen, sie müssten die Früchte ihres von Gott gesegneten Bodens an Milchkühe verfüttern um dann die Milch an Arla und Co. zu verramschen.

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  3. von Andreas Gerner · 3.
    @ Jens Geveke

    Der Nitratgehalt nimmt sehr wohl ab!!! Das Grundwasser ist nämlich kein geschlossener Behälter, in den nichts rein und raus kommt, sondern unterliegt einem ständigen (wenn auch langsamen) Austausch. Gespeist durch versickernde Niederschläge (manches Jahr mehr, manches weniger) und bei einem kontinuierlichen Abfluss/Verbrauch verringert sich der Nitratgehalt langsam aber stetig, wenn nicht mehr so viel Nitrat neu eingetragen wird. Der Effekt ist (je nach Durchgangsgestein/-Material) einige Jahre/Jahrzehnte verzögert, aber bereits messbar. Eigentlich besteht keine Notwendigkeit, etwas an der bewährten allgemeinen Düngepraxis zu verändern, die Werte normalisieren sich bereits. Natürlich gibt es aber Ausnahmen, wo sich der Viehbesatz paradoxerweise extrem verdichtet hat. Dort wird aber häufig die bestehende Düngeverordnung nicht eingehalten, sondern eben deutlich mehr als erlaubt pro ha ausgebracht (Tricks: Verdünnte Gülle zur Analyse schicken, Bodenproben tiefer stechen, Gülle"export" nur auf dem Papier..). Hier muss regional durchgegriffen/gehandelt und nicht überall pauschal die Produktion weiter eingeschränkt, erschwert, verteuert und verkompliziert werden.

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  4. von Wilhelm Gebken · 4.
    Berechtigte Fragen der Co-Kommentatoren

    Die Frage von Nitrat im Grundwasser oder nicht, ist keine Frage des Mathematischen Dreisatzes, wie man uns immer wieder glauben machen will. Wir haben es hier mit l e b e n d i g e n S y s t e m e n zu tun. Vergleicht den Boden einfach mit einer Großstadt wie New York oder Tokio, Städte die niemals schlafen und ständig auf die Zufuhr von Energie angewiesen sind, damit ihre Infrastruktur nicht zusammenbricht. Stickstoff ist pure Energie! Lasst Euch nicht von ideolgischen Gutmenschisten einlullen, die den Boden als eine Einzelperson ansehen, die sich auch mal zwei Jahre lang ausruhen muss. Ich will hier nicht auf die vielen Details eingehen, hier ist kein Platz für eine Doktorarbeit, daher beschreibe ich nur einen Vorgang stellvertretend für viele andere: Wir unterscheiden bei der Stickstoffumwandlung u. a. zwei Systeme der bakteriellen Umwandlung: aerobe und anaerobe Umwandlungsprozesse. Ziel der Bakterien ist es dabei durch den Aufschluss der jeweiligen Stickstoffverbindung Energie zu gewinnen, nämlich sich ein Elektron aus dem jeweiligen Stickstoffmolekül zu klauen. Aerob (also mit Hilfe von Sauerstoff) geschieht dies in den oberen Bodenschichten. Anaerob geschieht dies in den tieferen Schichten, wo der Sauerstoff knapp wird, bis in das Grundwasser hinein. Damit die darauf spezialisierten Bakterien auch ohne Sauerstoff ihren "Energiediebstahl" erfolgreich ausführen können, benötigen Sie Ersatz für den Sauerstoff. Ohne chemische Reaktion kein Energiegewinn. Diese Bakterien benutzen dafür Schwefel und Eisen, das in der Regel gut verfügbar ist. Trotzdem gibt es bei gleicher Düngung, bei gleicher Schwefel - und Eisenverfügbarkeit eklatante Unterschiede beim Nitratgehalt im Grundwasser. Woran kann das liegen? In meiner Nähe tritt genau so ein Fall auf: Von ca. 20 Messstelen, die fast alle unter 1 mg/l Nitrat aufweisen, sticht eine Messstelle heraus mit über 120 mg/l Nitrat. Eine der Ursachen: Diese Messtelle weißt einen weiteren wesentlichen Unterschied zu den anderen unbelasteten Messstellen auf: Sie weißt eine Sauerstoffsättigung von 8% (max. ca. 11%) auf, während die unbelasteten Messstellen eine Sauerstoffsättigung von ca. 0,2% aufweisen. D. b.: in der belasteten Messstelle können weder anerobe noch aerobe Umwandlungsprozesse ablaufen. Trotz guter fachlicher Düngung (die anderen Messtellen beweisen es!) haben wir keinerlei Einfluß auf diesen bio-chemischen Vorgang. Übrigens eine Anekdote am Rande: Diese eine belastete Messstelle ist nunmehr in das neue "repräsentative" EU-Messnetz aufgenommen worden, die 20 unbelasteten im Umkreis nicht, denn die sind ja nicht repräsentativ.

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  5. von Claus Gimm · 5.
    R.G.

    Er schreibt doch das die Abfuhr von Stickstoff zugenommen hat also müsste auch der Nitratgehalt sinken . Oder denke ich falsch ? Seit Aufzeichnung sind aber auch die Biogasanlagen stark gestiegen und die haben bis jetzt leider noch keine Vorgabe wieviel sie ausbringen dürfen im Gegensatz zu uns normalen Landwirten

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  6. von Paul Maier · 6.
    Das Phänomen der angeblich steigenden Nitratgehalte im Wasser bei Rückgang der Einträge konnte ich mir nie erklären.

    Dies führte ich darauf zurück, dass ich mit meiner nur achtjährigen Volksschulbildung (Rechnen statt höherer Mathematik) intelektuell damit überfordert sei. Denn bei einer einfachen Summenrechnung, derer ich durchaus mächtig bin, war mir dies immer rätselhaft. Bei der Beurteilung des Nitratgehalts im Wasser gewann aber stets die Ideologie gegen die Sachlichkeit. Bei der Frage der Ammoniakemmissionen ist es ähnlich, weil durch gesetzlichen Zwang die Ausbringung in die warme Jahreszeit gedrängt wurde und somit trotz teuerster Technik die gasförmigen Verluste immer höher sind als z.B. bei niedrigen Aussentemperaturen und möglichst hoher Luftfeuchtigkeit (am besten dichter Nebel). Ammonium wird im Boden aufgrund seiner positiven Ladung gebunden und für die Umsetzung in Nitrat sind entsprechende Temperarturen nötig, die dann aber auch das Pflanzenwachstum fördern. Die angedachten neuen Vorschriften sehen aber höhere Lagerkapazitäten vor wohl wegen weiterer Begrenzung der Ausbringzeiten. Damit droht auch hier eher ein Verschlechterung als eine Verbesserung. Wie sagte Rita Süssmuth vor vielen Jahren: Es nützt mit gar nichts, das Tempo zu erhöhen, wenn ich in die falsche Richtung gehe.

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  7. von Jens Geveke · 7.
    naja...

    ein Nitratbestand nimmt nicht ab, nur weil man weniger hineingibt. Solange eine Zufuhr jährlich größer ist als die Abfuhr, kommt immer noch was hinzu und der Nitratvorrat wird größer. Soweit die Mathematische Erklärung. Wir Landwirte werden da wohl noch ein wenig an uns arbeiten müssen...

    Das meinen unsere Leser:
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