Bauernverband für Stärkung der bäuerlichen Viehhaltung

Bernhard Krüsken Bernhard Krüsken (r) warnt vor einer Schlechterstellung anderer Betriebsformen
Bild: Deter
Der Deutsche Bauernverband (DBV) unterstützt das Ziel von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, bäuerliche viehhaltende Betriebe künftig im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) stärker zu fördern.

Im Interview mit AGRA-EUROPE bezeichnet Generalsekretär Bernhard Krüsken einen solchen Ansatz als „richtig und konsequent“, warnt aber, dass dies nicht zu Lasten anderer Betriebe gehen dürfe. Eine bessere Förderung der Tierhaltung sollte nach Auffassung von Krüsken daher aus der Zweiten Säule kommen. Hier seien viele Maßnahmen vorstellbar, um die Tierhaltung auch in der Fläche zu halten.

Ausdrücklich begrüßt der Generalsekretär das grundsätzliche Bekenntnis im GrünbuchErnährung, Landwirtschaft, Ländliche Räume“ zur Zwei-Säulen-Struktur, die Forderung nach Vertrauensschutz sowie die Betonung der Einkommenssicherungsfunktion der GAP. Das 2013 eingeführte System „Förderung der ersten Hektare“ hält Krüsken grundsätzlich für sinnvoll und richtig. Der Bauernverband werde sich der Diskussion stellen, wenn dies im Rahmen der GAP nach 2020 weiterentwickelt werden solle.

Damit einher gehe ein Verzicht auf Degression und Kappung. „In dem Moment, wo ich das System der ersten Hektare habe, brauche ich über Kappung und Degression nicht mehr zu diskutieren“, so Krüsken. Entweder man gehe den einen Weg, um den unterschiedlichen Strukturen besser gerecht zu werden, oder den anderen. Beides ergebe keinen Sinn.

Strukturwandel geht weiter

Krüsken bekräftigt die insgesamt positive Bewertung des Grünbuchs. Es biete „einen guten Rahmen für viele Diskussionen, die wir weiter führen müssen“. Weil das Grünbuch keine fertigen Lösungen bieten könne, liege es nunmehr an den Akteuren in Politik und Verbänden, Antworten auf die angesprochenen Fragen zu finden.

Krüsken: „Es kommt wesentlich darauf an, was man aus den Anregungen und Hinweisen im Detail macht.“ Zustimmung finde ausdrücklich die geforderte stärkere Unterstützung einer bäuerlichen Landwirtschaft. „Entscheidend ist jedoch das Wie“, betont Krüsken. Nicht ausschließen will er die Gefahr, dass künftig in der Agrarpolitik das Bewahren von Strukturen einen höheren Stellenwert einnehmen könnte als die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit.

Die von Bundesminister Schmidt erwartete Renaissance der kleinen und mittleren Unternehmen sieht der DBV-Generalsekretär skeptisch. So hält er es „für nahezu ausgeschlossen“, dass der Strukturwandel zum Stillstand komme. Dafür sorge allein schon die Politik mit immer höheren Auflagen für die Betriebe.

Nicht auf ein Idyll fokussieren

Krüsken unterstreicht den Handlungsbedarf im Bodenrecht, um den Vorrang von Landwirten auf dem Bodenmarkt zu sichern. Zugleich warnt er vor einem Missbrauch der notwendigen Rechtsänderungen auf Länderebene. „Die Änderung des Grundstückverkehrsrechts kann zu einem Trojanischen Pferd für eine andere Strukturpolitik werden, die neben Landwirten auch andere Akteure ins Spiel bringt“, sagt der Generalsekretär und nennt dabei als Beispiel den niedersächsischen Entwurf für ein Agrarstruktursicherungsgesetz.

Auf die Bremse tritt Krüsken auch im Hinblick auf die Diskussion um Regionalität in der Agrarproduktion. Zwar gebe es im Rahmen der tierischen Erzeugung vielversprechende Aktionsfelder mit großen Chancen für Landwirte, eine höhere Wertschöpfung zu erzielen. Allerdings deckten sie nur einen kleinen Teil des Marktes ab.

„Standard- und Exportware sowie Rohstoffe für die Verarbeitungsindustrie werden weiterhin einen erheblichen Teil des Marktes ausmachen, ohne den es nicht geht“, stellt der Generalsekretär fest. Man müsse daher aufpassen, „dass hier nicht auf ein Idyll der regionalen handwerklichen Lebensmittelproduktion fokussiert wird, das lediglich für einen kleinen Teil der Betriebe wirtschaftliche Perspektiven bietet“.

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10 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Gerd Uken · 1.
    @ Willi

    Ich schätze dich ja sehr- erkundige dich mal was der SVLFG letzte Woche in Sachen Sozialwahl beschlossen hat und dann frag mal nach wer da n den Gremien sitzt und die Begründung dazu. Das sind reine Machtspielereien die man dort durchzieht. Da hab ich dann kein Verständniss mehr für demokratie,,aber man wird sehen.......... Am 12. 1 gibt es hier eine Veranstaltung in Rodenkirchen Thema :"Was haben Bauern und Molkereien aus der Krise gelernt?" Das Ergebniss kann ich dir jetzt schon mitteilen. Genau so ist es was da oben im Artikel beschrieben wird aus eigener Erfahrung weiss ich nur ,,das die Basis auch des BV manchmal anders denkt als was oben gelenkt wird. Solange da keine Demokratie gelebt wird sondern durchgedrückt wird zum wohler Aller Bauern..........und wer dann meint das sie es ehrlich meinen ,,da hab ich dann so meine Zweifel. Trotzdem gutes Gelingen....

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  2. von Detmar Kleensang · 2.
    Fassen wir doch mal zusammen

    was Krüsken da im Namen des DBV von sich gibt, was der DBV angeblich so alles möchte: Eine stärkere Förderung bäuerlicher viehhaltender Betriebe wird unterstützt, darf aber nicht zu Lasten anderer Betriebe gehen. Heißt: Mehr Subventionen! Oder doch nicht? Krüsken/DBV meinen, diese stärkere Förderung könne aus der 2. Säule Agrarsubventionen bewältigt werden. Die Gelder in der 2. Säule sind aber auch schon ziemlich verplant. Also doch mehr Subventionen!? Denn der DBV lehnt es bisher ja auch immer rigoros ab, dass Gelder von der 1. Säule in di 2. Säule verschoben werden, weil dies zu Lasten aller Betriebe gehen würde. Wo also soll das Geld für eine stärkere Förderung der viehhaltenden Betriebe herkommen, wenn es nicht aus der 1. Säule kommen darf und die 2. Säule nicht durch die 1. Säule gekräftigt werden darf? Es könnte aus Geldern stammen, die durch Degression und Kappung der Direktzahlungen aus der 1. Säule Agrarsubventionen stammen. Doch auch dies lehnen Krüsken und DBV rigoros ab. Entweder Krüsken und der DBV unterstützen hier eine stärkere Förderung viehhaltender Betriebe, von der sie genau wissen, dass sie nicht finanzierbar sein wird oder aber sie fordern generell mehr Subventionen für die Landwirtschaft! Ersteres wäre scheinheilig bis hinterfotzig, das zweite völlig weltfremd und illusorisch. Darüber hinaus wäre die nur logische Schlussfolgerung, dass der DBV generell mehr öffentliche Gelder in die Landwirtschaft fliessen sehen möchte, eine deutliche Abkehr des DBV von seiner den Bauern gegenüber propagierten Marktteilnahme und eine Zuwendung hin zur Planwirtschaft, in der die Bauern immer mehr und mehr Steuergelder zugesprochen bekommen sollen, allein um die Existenz der Betriebe sicherstellen zu können. Durch Subventionen sichergestellte Existenz anstatt durch Wirtschaftsstärke. Auf etwas anderes kann Krüskens Stellungnahme hier doch gar nicht hinauslaufen, wenn niemandem irgendetwas an öffentlichen Geldern weggenommen werden darf, aber einigen mehr öffentliche Gelder zugebilligt werden sollen. Also muss auch die Frage erlaubt sein, in welcher Traumwelt Krüsken und der DBV umnächtigt sind, dass sie solch völlig absurde und widersprüchliche Forderungen stellen. Und sollten sie die Umsetzungsmöglichkeit solcher Forderungen tatsächlich realistisch einschätzen muss die Frage erlaubt sein, ob Krüsken und DBV mit ihrer Unterstützung nicht umsetzbarer Dinge den Bauern, Politikern und der Öffentlichkeit einen Wahnsinns Bären aufbinden wollen! So oder so geht sich dies alles wiedermal nur zum Schaden von uns Bauern UND zum Schaden des Deutschen Bauernverbandes aus!

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  3. von Doris Peitinger · 3.
    Lieber Dr. Willi Billau,

    bitte ziehe Dir nicht dauernd die Schuhe von anderen an! Dass Ihr in Eurem Regionalverband gute Arbeit im Sinn der Bauern leistet, weiß inzwischen wohl jeder. Auch im Milchbereich, nachdem Ihr endlich mal eine Umfrage gemacht habt. Was sich aber Eure obere Funktionärsriege leistet, ist durch nichts zu entschuldigen! Ich habe mit eigenen Ohren gehört, wie froh eben diese Funktionäre waren, dass man innerhalb der Vorgaben der EU das absolut ungerechteste Verteilungssystem in Deutschland etablieren konnte! Ohne Kappung und mit den minimalsten Ausgaben für die ersten Hektare. Und nun soll es plötzlich glaubhaft sein, dass man sich für kleinere Betriebe einsetzt, aber bitte ja keine Kappung und sonst auch keine Änderung; außer mal ein paar Gedanken zur 2. Säule, die man irgendwie anzapfen könnte, und eine Menge Dampfplauderei, um die tierhaltenden Betriebe irgendwie weiter bei der Stange zu halten!!! An den Taten wird man es sowieso wieder erkennen - und daran fehlt es seit Jahrzehnten - jedenfalls im Sinn der Mehrheit der Betriebe!

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  4. von Dr. Willi Billau · 4.
    Meine engagierten Kollegen und ich selbst leiden selbst unter dem negativ-Image des DBV

    Wir werden uns trotzdem nicht entmutigen lassen, für unsere Mitglieder an der Basis zu kämpfen. Im pflanzlichen Bereich, Obst-, Gemüse und Spezialkulturen wird in enger Zusammenarbeit mit dem Gärtnereiverband für Betriebe aller Größenordnungen eine gute Arbeit geleistet. Sie können sich gerne bei mir in der Rheinschiene sich umhören. Bei der Milch ist meiner Meinung nach sehr viel schief gelaufen. Nicht dass es da 2 Verbände gibt, sondern dass es da ein Gegeneinander, statt ein Miteinander gibt. Das gibt's bei uns in Starkenburg nicht. Natürlich wird man gerne als Mitläufer verurteilt, wenn man den "Oberen" nicht den Kopf abreißt. Ich helfe mit an Reformen, indem ich glaubwürdig mein Meinung kundtue und meine Arbeit vor Ort für meine Kollegen leiste. Als Königsmörder bin ich 2 Nummern zu klein und es geht auch anders!

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  5. von Susanne Mairhörmann · 5.
    zu Dr. Willi Billau?

    ?????Glauben sie selber was sie da schreiben.??? Haben sie schon mal nachgeschaut was in den oberen Riegen des BV eigentlich passiert?. Der BV hat leider in letzter Zeit immer wieder den falschen Weg eingeschlagen. Die Landwirte zahlen die Zeche.....dass trotzdem angeblich noch 90% dem Tun die Stange halten....eine seltsame Spezies diese Landwirte???? Engagieren kann man sich übrigens auch guten Gewissens in anderen Organisationen. Kann durchaus Spaß machen.... und geteiltes Leid ist halbes Leid, wenn der BV mal wieder Geröllmassen in den Weg legt und Hoffnungen auf Änderung dahinschwinden. Doch steter Tropfen hölt den Stein. Wir alle haben Verantwortung für unsere Familien, Tiere, Natur und diese eine Erde!!! " Das funktioniert nicht oder geht nicht" weil.....können wir nicht mehr hören. An Ihren Taten werdet ihr sie erkennen!!! Ich wünsche mir für 2017 viele Freigeister im BV die offen sind für Veränderung und nachhaltige Entscheidungen treffen......Wir werden sehen.....

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  6. von Gerd Woertel · 6.
    Gewerbliche Tierhaltung

    Ein Verbot bzw.starke Einschränkungen der gewerblichen Tierhaltung würde viele Probleme in der Landwirtschaft lösen .

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  7. von Dr. Willi Billau · 7.
    Schön, dass ihr den DBV so mächtig einschätzt

    Diesen Scheiß-Strukturwandel, der bei den Metzgern, Bäckern, Gärtnern, Videoläden, Einzelhandelsgeschäften, Elektrofachgeschäften, Installationsbetrieben,... seit Jahrzehnten abläuft konnten werden Verbände noch irgendwelche Parteien aufhalten. Ich verwahre mich dagegen, dass wir Kreis- und Regionalverbände, die wir ohne Salär arbeiten, um unsere Geschäftsführer noch bezahlen zu können unterstellt bekommen, wir würden den Strukturwandel begrüßen! Es sind gerade die Mittleren und Kleinen, die uns besonders brauchen und denen wir in vielen Dingen helfen können. Wir können nichts dagegen machen, wenn überhöhte Pachtpreise geboten werden, wir können nichts dagegen machen, wenn an internationalen Märkten nicht kostendeckende Preise entstehen, wir stemmen uns mit aller Kraft gegen nicht gerechtfertigte Auflagen, müssen aber täglich unsere Grenzen erkennen, u.s.w. Warum glaubt Ihr eigentlich, dass noch 85-90% der Bauern uns die Stange halten? Weil sie immer zufrieden sind? Mitnichten! Weil sie wissen, dass wir, die wir uns genau wie sie von ihren Betrieben ernähren, uns den Arsch aufreißen um noch irgend etwas gutes rauszuholen. Und noch etwas: Je größer die Betriebe sind, desto weniger brauchen sie den Bauernverband. Oft sind sie aufgrund ihrer Systemrelevanz allein in der Lage sich die Rechtsanwälte zu beschäftigen, die eine nur und gerade auf sie zugeschnittene Lösung anbieten. Der BV ist da oft zu kurz gespatzt! Also zusammenhalten, was noch da ist. Wir sind nicht unser Feind!

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  8. von Steffen Hinrichs · 8.
    Bauernverband war noch nie für den erhalt bäuerlicher Strukturen

    Der DBV gibt der Politik die Empfehlungen und haben doch immer das "wachsen und weichen" im Fokus gestellt . Selbst aus den seit zwei Jahren dauernden Milchkrise und den damit doppelt so hohen Strukturwandels ,stellt der DBV seine Ausrichtung noch immer nicht in Frage .So hat man auch bei den Sauenhaltern immerhalb von 20 Jahren keine 15% der Betriebe halten können .

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  9. von Jan Peter · 9.

    Wem nützen die ständig die dummen Sprüche. Uns helfen nur Taten

    Das meinen unsere Leser:
  10. von Gerd Uken · 10.
    da bin ich dann gespannt

    wie der DBV und insbesondere Herr Krüsken bäuerliche,grundgebundene Landwirtschaft sieht! Bleibt abzuwarten wie sie sich zu guter letzt positionieren......

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