Landwirt schreibt viel beachteten Brief an Minister Habeck

Becker Joachim Bedcker (35) aus Westermühlen
Landwirt Joachim Becker aus Westermühlen ist es leid, dass die grüne Landesregierung von Schleswig-Holstein den Bauern das Fachwissen und die Kompetenz abspricht. Aus diesem Grund hat er Agrarminister Robert Habeck einen lesenswerten Brief geschrieben, den der Landesbauernverband im Internet veröffentlicht hat. Beckers Argumente können sicherlich auch Bauern in anderen Bundesländern unterschreiben. Hier der Text im Original-Wortlaut:

"Herr Minister.
Wenn man Ihre Politik verfolgt, dann kommt einem der Verdacht: Als Bauer hat man keine Ahnung von Bäumen - vom Knick erst recht nicht. Ein Wunder, dass es überhaupt noch Knicks gibt und nicht alle verschwunden sind. Das Land braucht mehr Biotopflächen, da immer mehr landwirtschaftliche Fläche zugebaut wird. Also nimmt man Geld, kauft Landflächen und macht daraus ein Biotop, um zugebaute Landflächen zu ersetzen? Fragen über Fragen.

Jeder soll sich frei auf nicht bzw. abgeernteten Flächen bewegen können. Mit welcher Berechtigung? Was würden die Leute dazu sagen, wenn ich ungefragt in deren Garten gehe? In Schleswig-Holstein sollen Jagdzeiten verkürzt werden, damit das Wild mehr Ruhe hat. Aber wenn in der Feldmark außerhalb der Wege noch mehr los ist, hat das Wild dann mehr Ruhe? Meister Lampe freut sich bestimmt auf den Besuch von Hasso und Waldi. Ganz zu schweigen von den Parasiten und Krankheitserregern, die man im Heu und in der Silage findet, wenn das Grünland zum Hundeklo wird.

Es geht weiter… Stalleinbrüche werden bagatellisiert und medial hofiert. Zweifelhafte Aussagen werden dann sogar von Ministern gebetsmühlenartig öffentlich wiederholt: Als Bauer stehe ich morgens auf, um meine Tiere zu quälen – ein Grundbedürfnis eines jeden Landwirts. Anschließend vergifte ich die Tiere ganz langsam mit dem Futter, das ich ihnen gebe, danach lauge ich den geschändeten Boden aus und vergifte das Grundwasser mit Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Anschließend gönne ich mir ein Bad im Geldspeicher à la Dagobert Duck, den Zahlungen aus Brüssel sei Dank.

Dieses Zerrbild wollen uns manche Organisationen aufdrängen, uns in die ganz böse Ecke stellen. Nein, das sind wir nicht! Wie fühlt sich das an, wenn man so etwas über Menschen behauptet, die man nicht kennt? Wenn man vor Fernsehkameras und Mikrofonen auf anderen verbal herumtrampelt, um das eigene Ego zu pflegen und Angst zu schüren. Ist das philosophisch richtig? Das kann ich nicht beantworten. Es hinterlässt bei mir nur das Gefühl, dass solche Menschen gewissenlosen Hedgefonds-Managern gleich – keine Rücksicht auf Verluste, scheißegal auf morgen.

Unter dem Deckmantel „Umwelt und Tierschutz“ kommen ein Erlass und eine Verordnung nacheinander. Kleine und mittlere Betriebe streichen desillusioniert die Segel. Ist das das Ziel? Soll irgendwann das Schnitzel für Deutschland aus der Ukraine kommen? Ohne den gewohnten Standard?

Ein Vorschlag von mir

Die deutsche Landwirtschaft wird gefordert, einheimische Eiweißfuttermittel anzubauen. Ich baue seit mehreren Jahren Erbsen an, die ich an meine Rinder verfüttere. Dieses Jahr werde ich keine mehr anbauen, da die alten Sorten anfällig sind und neue gibt es nicht. Warum werden die kleinen Saatgutunternehmen in Schleswig-Holstein nicht gefördert, wenn es so wichtig ist? Noch werden dort aus Idealismus Leguminosen in kleinem Umfang gezüchtet und zum Beispiel von den Rapseinnahmen gesponsert.

Oder die Heinrich Böll-Stiftung könnte ihre politische Schmollecke verlassen und selber gesunde und stabile Sorten mit einem guten Aminosäurenmuster züchten, die dann ohne Lizenzgebühr nachgebaut werden können, was auch Ökobetrieben zu Gute kommt.

Aber da ist ja die Gefahr, zu scheitern, wenn man selber was macht. Lieber alles beschimpfen und gegen alles sein - und man hat immer recht. Die Saat der Zwietracht ist gesät und sie ist aufgegangen. Lassen Sie uns gemeinsam diese Pflanze ausreißen, solange es noch geht. Denn wenn sie groß ist, werden wir uns alle, egal auf welcher Seite wir stehen, Narben an ihren Dornen holen, die nur sehr schwer heilen. Mit Unkraut kennen wir uns aus."

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8 Leserkommentare Kommentieren

  1. von farmer1970 · 1.
    Zerschlagung des Berufstandes

    Bei der Art und Weise wie die Grünen und die anderen Umweltorganisationen mit der Landwirtschaft umgehen kommt einem der Vergleich zu einem Schlagruf aus unserer dunklen Vergangenheit in den Sinn. Damals rief eine "Partei" zur "Endlösung der J.....frage" auf. Viele haben damals begeistert applaudiert und unsere heutige Generation fragt sich, wie konnten alle nur so blind hinterher laufen. Heute rufen eine andere Partei und Öko-Verbände zur "Endlösung der Bauernfrage" auf, und wieder applaudieren begeistert von defamierenden Schlagwörten tausende Ahnungslose . Und wer weiß, vielleicht wird die übernächste Generation ihre Großeltern fragen, wie so blind dem Ökowahn,den Hetzern und deren Lügen folgen konnten.

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  2. von medick · 2.
    Wird Zeit

    Ich finde es super, von diesem Landwirt, der endlich einmal die Initiative ergreift und etwas macht. Die Landwirte haben schon lange die Nase gestrichen voll und es wird endlich Zeit, dass sich die praktizierenden Landwirte zu Wort melden. Über Landwirtschaft und davon wie es richtig geht reden soviel "gescheite Leute", die meinen ihr Wissen aus den Medien reicht um den Landwirten, die Tag täglich ihre Arbeit tun, sagen zu können was sie alles falsch machen. Hoffentlich finden sich noch mehr mutige Bauern und Bäuerinnen die sich jetzt zu Wort melden.

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  3. von Das_Peterle · 3.
    Diese Bewegung braucht aber ein neues Gesicht

    Dem DBV hört keiner mehr zu beim Phrasendreschen. Ein junges, emotional gerührtes Bild. Meinen Segen hat er. Hauptsache er bekommt Beistand.

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  4. von lürade · 4.
    An Joachim und die noch schweigenden Anderen !

    Es muß eine große Bewegung entstehen, ein Massenaufstand gegen eine aus Schlagworten bestehende und sämtliche Fakten ignorierende Agrarpolitik, die darauf abzielt, unser mit viel Fleiß und Leidenschaft erworbenes Fachwissen der breiten Öffentlichkeit als Unfug zu verkaufen.

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  5. von variomika · 5.

    Also ich bin immer noch der Überzeugung dass ein Betrieb mit 400000 kg Milch überleben kann ohne Grössenwahn, wo auch noch zeit fürs Leben und Familie bleibt. Wenns mit 400000 nicht geht ohne fremde Arbeitskräfte wie solls dann mit 800000 und mehr gehn??? Richtig mit fremdpersonal was aber auch bezahlt werden muss und auch mal krank wird und Urlaub hat und nie so zuverlässig arbeitet wie der Landwirt selbst, hab oft genug mit angesehen wo Arbeiter neben einer kranken Kuh stehn und es nicht mal bemerken, wo sie Maschienen unnötig kaputtfahrn usw........

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  6. von elinge · 6.
    Wir poduzieren Nahrungsmittel

    Die immer ,immer, immer .im............. in ausreichender Menge nein in Konfortabler(Über) Menge zu produzieren da sein müssen. Damit das auch immer so bleibt müssen wir wachsen ,wachsen, wachsen,........ das uns dann immer wieder um die Ohren gehauen werden kann. Es werden aber nicht die Megabetriebe die angeblich keiner will aus der Produktion genommen sondern die die mit den daraus niedrigren (volatilen) Preisen lassen die kleineren Betriebe den man Strukturwandel nennt (es wurden bis heute schon 3.200.000 mehr oder minder gewollt) diesem System geopfert. In wieweit der ewige Strukturwandel noch so fortdauern kann den einerseits die Bevökerung nicht will anderseits sowohl die Verkaufsseite( Aldi,Lidel,Edeka,....) noch einen weitere Verringerung erlauben kann um nicht ins Monopol zu gelangen. Noch hat kein sogenannter Megabetrieb mehr als 2,5 % der Produktionsmenge inne wie lange das aber noch geht bis die Smitfiels ihr Produktionmonopol auch ausspielen werden keine Ahnung. Noch brauchen wir keine Megaställe und können DER Landwirtschaft ---dieselben---- um die Ohren hauen noch können wir 3-6 % der Betriebe in den Strukturwandel gehen lassen aber die Uhr tickt ....tick ....tack.....t..........

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  7. von Rhönerblut · 7.
    Wie wäre es wohl, wenn

    es den Verbänden gelingen würde, das sich die Bauern von der Gesellschaft mitnehmen lassen, mit klaren Forderungen, was der Preis dafür ist, als es krampfhaft andersherum zu versuchen. Ich persönlich habe nie ein höheres Ansehen im Ort verspürt, als heute.

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  8. von matzat · 8.
    wie es wohl währe wenn....

    ... Leute bei einem grünen Ldwminister einbrechen und dort Bilder von (...) auslegen, dann wieder raus gehen (kadavertonnen aufbrechen und die toten tiere im stall preparieren). Dann eine andere Tür nehmen, Kamera an, einbrechen, Filmen das er sich gerne (...) anschaut, dann rausgeht, Kamera aus, alle Spuren beseitigen und das Bildmaterial den Medienzuspielen. Ich hoffe nicht das es so weit kommen muss aber der Bogen ist denke ich mal schon sehr stark gespannt.

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