Ökobranche reagiert verwundert auf Klöckners Pflanzenschutz Vorstoß

Gerade ist die Weltleitmesse der Ökobranche Biofach zu Ende gegangen, eine Diskussion über Pflanzenschutzmittel im Ökolandbau verwundert den Branchenführer Bioland.
Bild: Nürnberg Messe

Die Biolandwirte reiben sich nach dem Pflanzenschutz-Vorstoß der CDU-Anwärterin für das Bundeslandwirtschaftsministerium, Julia Klöckner, verwundert die Augen. Die Zulassung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln würde ihren Markenkern aufs Spiel setzen. Bei der Forderung nach mehr Forschung gehen sie gerne mit.

Verwunderung in der Biolandwirtschaft erntet der Vorstoß der stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden Julia Klöckner, im Ökolandbau auch konventionelle Pflanzenschutzmittel zu erlauben. „Das würde eine wichtige Grundlage des Bioanbaus auf den Kopf stellen. Wenn sie das ernst meint, würde sie ein Essential des Ökolandbaus preisgeben“, sagte der Pressesprecher von Bioland Gerald Wehde gegenüber top agrar. Um bei den für den Ökolandbau schwierigen Fragen des Pflanzenschutzes weiter zu kommen, müsse das gesamte Anbausystem betrachtet werden. „Der Ansatz des Ökolandbaus ist gerade kein einfaches Umschwenken zu anderen Mitteln“, so Wehde weiter. Auch die Koexistenz Probleme von beiden Anbauarten seien vor allem beim Pflanzenschutz noch lange nicht gelöst. „Wir haben ein großes Interesse daran, dass konventionelle Landwirte andere Systeme lernen, die mit weniger Pflanzenschutzmitteln auskommen“, sagte Wehde.

National kaum Spielraum

National gäbe es außerdem überhaupt keine Spielräume den Pflanzenschutzmitteleinsatz für Ökobetriebe anders zu regeln, äußert sich der Sprecher von Bioland verwundert. Das zeige auch die intensive und langatmige Diskussion über die Reform des EU-Biorechts, die gerade erst bei einem Zwischenergebnis angekommen ist. Ende des vergangenen Jahres hatten sich der Agrarausschuss des Europaparlamentes und der Sonderausschuss Landwirtschaft der EU-Mitgliedstaaten auf eine Novelle der EU-Ökoverordnung ab 2021 geeinigt, in der vor allem die Regeln zu Rückständen von Pflanzenschutzmitteln in Ökolebensmitteln lange diskutiert wurden. Die offizielle Verabschiedung des Regelwerks steht dieses Frühjahr noch aus.

Mehr Forschungsmittel findet Gefallen

Zustimmung erntet Klöckner aus der Biobranche jedoch für ihre Forderung nach mehr Forschungsmitteln für den ganzheitlichen Pflanzenschutz. Mit der von der Groko vereinbarten Ackerbaustrategie erhoffen sich die Ökolandwirte mehr Forschungsmittel für die Weiterentwicklung von vielfältigen Anbausystemen

Löwenstein hält Klöckners Vorstoß für nicht erforderlich

Der Vorstandsvorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein, hält Klöckners Idee für nicht erforderlich.
Bild: Awater-Esper
Klöckners Idee, die Politik könne fallweise entscheiden auch chemisch-synthetische Pestizide für Bio zuzulassen, wie sie im konventionellen Landbau eingesetzt werden, sei weder rechtlich möglich, noch erforderlich, reagierte der Vorstandsvorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein, auf den Vorschlag. Er verwies im Weiteren darauf, dass alle Bauern, konventionell wie ökologisch wirtschaftende, in nassen Jahren Probleme insbesondere mit Pilzbefall hätten. „Wenn der Einsatz robuster Sorten und eine Fruchtfolge zur Vorsorge nicht helfen, können Bio-Bauern Präparate mit naturstofflichem Charakter nutzen, die einem speziellen, sehr strengen Auswahlverfahren auf EU-Ebene unterliegen“, räumte Löwenstein ein. Der Ökolandbau funktioniere, so Löwenstein weiter.

Gleichwohl hält auch er Klöckners weitere Forderung für mehr Forschung für richtig. „Wir müssen endlich beginnen, statt in Gentechnik und Chemielandwirtschaft in die Entwicklung stabiler Agrarsysteme zu investieren, wo Tiere und Pflanzen nicht in der Regel, sondern in der Ausnahme krank werden“, sagte er. Der Ökolandbau stecke voller Ideen für eine solche Entwicklung, die er der Politik gerne zur Verfügung stellen könne.

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13 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Gerhard Steffek · 1.
    mangelnde Kreislaufwirtschaft?

    in der Tat. Es gibt keinen geschlossenen Kreislauf und wird es auch nicht geben. Schließlich gibt es so etwas wie Auswaschungsverluste und Ausgasung. Die Auswaschungsverluste manifestieren sich leider in den Nitratbelastungen des Grundwassers. Wobei es auch hier wahrscheinlich noch etlichen Forschungsbedarf gibt. Bei Phosphor ist es genau so. Ich habe mir heute den Spaß erlaubt und den Verlust an Phosphor berechnet der sich in der Natur ergibt, alleine durch den Menschen. Es gibt mittlerweile 7 Mrd. davon. Jeder Mensch enthält in seinem Körper ca. 700 Gramm, bzw. besteht daraus. Wandern diese 7 Mrd. Menschen ins Grab, werden dem Kreislauf dadurch 4,9 Mio Tonnen Phosphor entzogen. Das Gleiche trifft auf alle anderen Nährstoffe ebenfalls zu. Dadurch bedarf es Nährstoffe von außen. Phosphor und Kali werden bergmännisch gewonnen und Stickstoff eben durch das Haber-Bosch-Verfahren aus der Luft. Nichtsdestotrotz sollte die Kreislaufwirtschaft das Maß der Dinge sein. Aber die zwangsläufigen Löcher müssen dennoch gestopft werden. Ansonsten ist irgendwann die Tasse leer, der Boden ausgemergelt. Das beste Beispiel ist hier für mich immer noch die Lüneburger Heide, die durch die Esch-, bzw. Plaggenwirtschaft (siehe Wikipedia, man denke an Eschweiler) entstanden ist. Das waren Böden die durch Raubbau zur Düngergewinnung entstanden sind. Erst durch den mineralischen Stickstoff aus der Luft konnte diese "umweltzerstörerische" Art und Weise aufgegeben werden und auch wenig ertragreiche Böden konnten ansprechende Erträge bringen. Stickstoffgewinnung aus der Luft betreiben doch auch die Biolandwirte. Dies halt durch die "altväterliche" Art und Weise Leguminosenanbau, was ja der klassischen Dreifelderwirtschaft entspricht. Das System der "abtragenden Fruchtfolge" ist mir auch bekannt. Ist aber hinfällig, kann ich mit mineralischem Dünger diese außer Kraft setzen. Im Gegenteil ich kann sogar umweltschonender Arbeiten, indem ich gezielt der Pflanze ins Maul dünge. Bei Leguminosen und Wirtschaftsdünger ist das nicht möglich, vielleicht sogar kontraproduktiv. Bei Ackerbohnen erreiche ich eine Stickstoffanreicherung bis zu 400 kg. Habe ich als nächste Frucht Weizen mit einem Ertrag von 50 dz. (= 100 kg N-Bedarf) so bleiben mir noch ca. 300 kg im Boden. 300 kg, die nur schwer zu kontrollieren sind. Somit kann sich die Biolandwirtschaft auch nicht unbedingt als den "Saubermann" der Nation hinstellen. Es gibt noch viel zu tun um alle Unwägbarkeiten auszumerzen um am Ende eine optimierte Landwirtschaft zu haben. Ob sie allen Ansprüchen gerecht werden kann ist mir aber nicht ganz sicher. Sicher ist mir aber das wir dies nur erreichen könnten wenn wir nicht irgendwelchen falschen ideologischen Vorstellungen nachhängen, sondern mit nüchternem und gesundem Menschenverstand, sowie wissenschaftlich Fundiert an die Sache rangehen. Dazu gehört für mich auch ein unverklärter Blick in die Vergangenheit. Das hat für mich dazu geführt das die Lehre von Rudolph Steiner, zu seiner Zeit ein entsprechender Versuch die Erträge in der Landwirtschaft zu verbessern, aber heutzutage komplett passé ist. So nach dem Motto: "das Bessere ist des Guten Feind".

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  2. von Otto Klapfenberger · 2.
    2l Öl für 1kg N?

    Dann hätte KAS Herstellingskosten von mind 30€ . Tja richtig ist das normalerweise ca 0,6 kg Erdgas/kg N verwendet werden, und die Energiedichte mit Heizöl vergleichbar ist. Noch eine Frage: Wie kommen Sie auf einen N Überschuss 90kg/ha? Dann bräuchte man nsch ihrer Berechnung nur 70kg N für 90dt Weizen oder wie soll ich das verstehen?

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  3. von Felix zu Löwenstein · 3.
    Stickstoff - wirklich im Kreislauf

    Herr Staffek sieht durch das Haber Bosch-Verfahren den Stickstoff-Kreislauf geschlossen. Da muss ich widersprechen. Denn was in der N-Synthese stattfindet, ist die Verwandlung von nicht reaktivem moelkularen N in reaktive Stickstoffverbindungen. Die werden in Form einer Einbahnstrasse ins System gepumpt und eben gerade nicht im Kreislauf gehalten. Dass für jeden kg N 2 l Erdöl erforderlich sind, ist in Zeiten schwindender Energievorräte zudem ein Nachteil der Technologie. Weil die durchschnittlichen N-Überschüsse je Hektar weiterhin über 90 kg betragen (bei einer Gesamt-Düngung von 160 kg/ha im Bundesdurchschnitt) ergeben sich daraus die bekannten Probleme: Ableitung von Nitrat ins Grundwasser, Eutrophierung der küstennahen Meeresgebiete, Veränderung der Artenzusammensetzung durch die hohen N-Frachten (bis hinein in den Wald), Ausgasung von Stickoxiden in die Atmospähre und dadurch Beitrag zum Treibhauseffekt. Es ist unabdingbar für die Zukunftsfähigkeit unserer Landwirtschaft, sich damit kritisch auseinanderzusetzen und zu tatsächlichen Kreislaufmodellen zu finden.

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  4. von Gerhard Steffek · 4.
    Kreislaufwirtschaft - Nährstoffbilanz

    Bei dem von Herrn Felix zu Löwenstein angesprochenem Problem der Nährstoffversorgung, bzw. Schließung des Stoffkreislaufs ist man mit der modernen Landwirtschaft ja doch auch einen Schritt weiter als es die Bioschiene gerne hätte. Zumindest bei Stickstoff kann man diesen Kreislauf schließen. Ermöglicht durch Fritz Haber und Carl Bosch und deren Ammoniaksynthese, besser bekannt als Haber-Bosch-Verfahren. Wie ist es denn? Die von den Feldern abgefahrenen Nährstoffe landen auf unseren Tellern und durch unserem "Kreislauf" der Verdauung in der Kläranlage, wo sie durch das Verbot der Klärschlammdüngung unwiederbringlich verloren scheinen. Das gilt bis heute aber nur für die mineralischen Bestandteile unseres Mistes. Stickstoff gehört hier nicht dazu. Dieser ist im Wasser gelöst und wird durch Nitrifikation und Denitrifikation in die Luft ausgetrieben. Der im Schlamm gebundene Teil durch die Verbrennung freigesetzt. Dieser Stickstoff kann seit ca. 100 Jahren aus der Luft wiedergewonnen werden und schließt somit den Kreislauf. Fritz Haber bekam dafür, daß er Brot aus der Luft schaffen konnte, in den 20er Jahren den Nobelpreis verliehen. Was also meine Herren von der Bioschiene ist so schlimm daran? Anders sieht es natürlich bei Phosphor aus. Dieser geht nach wie vor im Klärschlamm verloren. Aber man ist mittlerweile auch daran dieses Mineral wieder aus dem Abwasser zurückzugewinnen, da er ebenfalls essentiell ist und die Vorräte im Moment ziemlich endlich scheinen. Wie sieht es dann da mit der Akzeptanz im Ökobereich aus? Ich denke, irgendwann wird sich die fanatische Bioschiene den Erkenntnissen der Moderne nicht mehr verweigern können. Wobei ich hier weniger an die Biolandwirte denke als an unsere "Ökos" die mit der Landwirtschaft selber nichts am Hut haben, aber alles besser wissen wollen. Angefangen über die Künast, Roth bis hin zu Häusling, Hofreiter und Hendriks, sowie deren Helfershelfer bei den NGO's.

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  5. von Gerhard Steffek · 5.
    Verhältnismäßigkeit!

    Bei seinem Versuch die Anwendung von Kupfer als Pflanzenschutzmittel zu rechtfertigen bringt Herr Felix zu Löwenstein es eigentlich auf den Punkt. Genauso wie einst Paracelsus schrieb: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht's, daß ein Ding kein Gift sei“, so kommt es doch tatsächlich IMMER auf die Verhältnismäßigkeit an. So nach dem Motto: "Zuwenig und zuviel ist aller Narren Ziel". Wobei hier der nächste Punkt zum tragen kommt. Was ist mein Ziel, wie will und kann ich es erreichen, mit welchen Mitteln? Die Landwirtschaft ist hier mittlerweile so ein extremer Fall. Bedingt dadurch, daß hier viel zu viel Besserwisser mitmischen die meinen sie hätten darin ja soooooooviel Ahnung (siehe Hendriks und Hofreiter). So z.B. bei der Diskussion um Glyphosat. War es vorher die Krebsgefahr so ist, nachdem der "Zahn" Krebsgefahr gezogen wurde, jetzt die Biodiversität. Sicherlich leidet die Biodiversität unter dem Einsatz von Glyphosat, aber sie leidet auch unter dem Pflug. Und damit sind die "Bios" auch um keinen Deut besser als die "modernen" Landwirte, die Pflanzenschutzmittel verwenden. Nur wer eine entsprechend verbrämte Sichtweise hat verteufelt das Eine und jubelt das Andere ungerechtfertigt hoch. Im Vergleich dazu das angesprochene Kupferoxychlorid hat eine LD50 bei der Ratte von 700 mg/kg, die Phosphonsäure als Salzbildner beim Kaliumphosphonat liegt bei 1900 mg/kg und Glyphosat kommt auf einen Wert von nur!! 4870 mg/kg (siehe Wikipedia, bzw. GESTIS-Stoffdatenbank). Noch ein Vergleich dazu, Kochsalz (NaCl) liegt bei 3000 mg/kg Körpergewicht. Da frage ich mich schon, wo ist da die Verhältnismäßigkeit. Alleine bei dem Vergleich von Kupferoxychlorid zu Kaliumphhosphonat stellt sich doch die Frage: haben die Entscheider im Bioanbau, was angewendet werden darf und was nicht, noch alle Tassen im Schrank? Das fast dreimal so giftige Mittel ist erlaubt, das Ungefährlichere nicht. Da taucht für mich die Frage auf nach dem gesunden Menschenverstand. Wo ist der abgeblieben? Denn bei diesen Entscheidungen wird es für mich nur zur blinden Ideologie. Das war noch nie gut, siehe Religion, Stalin, Hitler, Mao, Rote Khmer etc.. Da kommt mir Sir Karl Raimund Popper wieder in den Sinn: "Der Versuch, den Himmel auf Erden zu verwirklichen, produzierte stets die Hölle".

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  6. von Harald Finzel · 6.
    Pilzkrankheiten...

    Auch konventionelle Betriebe mit wendender Bodenbearbeitung und vielfältiger Fruchtfolge hätten ohne Fungizide Schwierigkeiten mit Krankheiten, da sich Sporen nun mal selten an Schlaggrenzen halten. Der Hauptgrund dafür, dass Bio nicht mehr Probleme mit pilzlichen Krankheiten hat, dürfte viel mehr sein, dass die Bestände wesentlich dünner stehen und somit schneller abtrocknen (was sich allerdings bekannterweise in halben Erträgen niederschlägt). Die Mithilfe der konventionellen Betriebe sollte man auch nicht unterschätzen: Man stelle sich vor, Deutschlandweit würde nur noch ungebeiztes Getreide ausgesät. Steinbrand und andere Krankheiten würden sich wieder ausbreiten wie in der "guten alten Zeit"! Und daran würden weder Sortenwahl noch alternative Saatgutdesinfektionsversuche wie Heißwasserbehandlung oder Bestrahlung und die ausschließliche Verwendung von untersuchtem Öko-Z-Saatgut Grundsätzliches ändern.

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  7. von Jörg Meyer · 7.
    War da nicht mal was mit Kaliumphosphonat und Öko-Weinbau?

    In 2012 hat der BOELW mit einem Gutachten versucht nachzuweisen, dass Kaliumphosphonat einen "naturstofflichen Charakter" hat und somit für eine Zulassung für den Öko-Landbau geeignet ist. Diesem Gutachten wurde nicht stattgegeben. Kaliumphosphonat galt in den Jahren zuvor als Pflanzenstärkungsmittel und konnte von Ökowinzern zusammen mit Kupferverbindungen gegen den Falschen Mehltau eingesetzt werden. Inzwischen hat die chemisch-synthetische Substanz eine Pflanzenschutzmittelzulassung und steht damit dem Ökolandbau nicht mehr zur Verfügung. Als in 2016 der Befallsdruck mit Falschem Mehltau witterungsbedingt sehr stark war (ich dachte Öko-Pflanzen werden - fast - nie krank?), forderten sogar die Grünen, dass Ökowinzer ausnahmsweise Kaliumphosphonat einsetzen dürfen, ohne ihren Bio-Status zu verlieren. Dass Herr Prinz zu Löwenstein jetzt hier so tut, als ob man das alles nicht nötig hätte, stimmt doch sehr verwunderlich. In 2013 schrieb der BOELW: "Kaliumphosphonat ist für Mensch und Umwelt vergleichsweise unbedenklich. Es wird im Boden zu Kalium und Phosphonat abgebaut. Beides sind essenzielle Nährstoffe für Pflanzen, Tiere und Menschen. Kaliumphosphonat hat naturstofflichen Charakter. Damit ist es mit den Grundsätzen des Öko-Landbaus vereinbar." Aber es ist doch chemisch-synthetisch möchte man da einwenden, Chemie!!! Ein anderes Phosphonat ist inzwischen sehr bekannt geworden: das Glycin-Phosphonat, oder auch: Glyphosat.

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  8. von Felix zu Löwenstein · 8.
    Cu und PSM-Fläche

    Kupfer ist ein Schwermetall. Aber auch ein essentieller Spurennährstoff. Sie 3 kg/ha auf unsern Kartoffeln (12 ha) liegt auf die Gesamtfläche (160 ha) umgerechnet unter der empfohlenen Spurennährstoffdüngung. Anders sieht das bei den Dauerkulturen Wein und Obst aus. Allerdings haben wir dort die Probleme auf Flächen, die früher jahrelang mit 40 kg/ha und mehr behandelt wurden. Nach allen Monitor-Ergebnissen, die es bislang gibt, sind die derzeitigen Ausbringmengen nicht umwelttoxisch. Aber Herr Schmidt hat trotzdem recht. Dar Ökolandbau muss den Anspruch haben, auch in solchen Dauerkulturen in aller Regel gesunde Bestände zu haben - ohne Behandlung. Solche "stabilen Systeme" sind die Forschungsfrage, in die dringend investiert werden muss. Da dabei aber keine Produkte oder Patente entstehen, die man verkaufen kann, ist hier die öffentliche Forschung gefragt. --- Und zum Flächenanteil: bei Wein ist es 100%, bei Getreide 0%, auf meinem Betrieb 7,5%. Die niedrige Zahl von 5% kommt zustande, weil ca. die Hälfte der Ökofläche aus Grünland besteht. Und da ist der Anteil Spritzungen ebenfalls 0%.

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  9. von Felix zu Löwenstein · 9.
    Pilzverseuchtes Getreide

    Herr Steffek sorgt sich darum, dass Getreide, das nicht mit Fungiziden behandelt wird pilzverseucht und deshalb gefährlich sein könnte. In der Tat: 100% der Bio-Getreidefläche wird nicht behandelt. Mit keinerlei Wirkstoff, noch nicht einmal die Saatkörner werden gebeizt (Allerdings muss man das Saatgut vor Verwendung auf Pilzsporen untersuchen lassen). Das erstaunliche ist, dass alle Studien, die konventionelles mit ökologisch erzeugtem Getreide verglichen haben, bei letzterem den niedrigeren Pilzbefall aufweisen. Grund dafür sind wahrscheinlich die vielfältigeren Fruchtfolgen, weniger Mais (Mais als Vorfrucht vor Weizen erhöht den Fusariendruck) und die wendende Bodenbearbeitung. ---- Was mir sehr gut gefällt, ist Herrn Steffeks Bild von der optimalen Form im Luftkanal. Zu der können wir nicht nur, wir müssen zu der von beiden Seiten kommen: von der ökologischen und von der konventionellen. Damit das gelingt, müssen aber alle Probleme angegangen werden. Und das wiederum geht nur, wenn man bereit ist, sie zu benennen. Da gibt es Probleme, die beide Systeme gleichermassen haben (z.B, kommen die Nährstoffe in unseren Ernteprodukten nicht zurück auf den Acker. Oder wir fahren - auch auf meinem eigenen Betrieb - mit zu schweren Gewichten auf den Acker). Und es gibt Probleme, die unterschiedlich ausgeprägt sind (Z.B. Biodiversität: Es ist ein entscheidender Vorteil, dass bei Bio kaum naturfremde chemisch-synthetische Substanzen ausgebracht werden. Aber immer größer werdende Schläge und damit weniger Strukturelemente in der Landschaft sind gleich schädlich - egal ob auf einem Bio- oder einem konventionellen Betrieb). Um eines geht es jedenfalls bei all dem überhaupt nicht: es geht nicht darum, welche Landwirte die besseren Menschen sind. Sondern darum, welcher Weg der richtige ist, um unsere Ökosysteme intakt zu halten. Denn auf deren Funktionieren sind auch die Generationen nach uns angewiesen!

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  10. von Michael Schmidt · 10.
    Etwas mehr Ehrlichkeiit bitte!

    Herr Felix zu Löwenstein versucht bestimmte im Bio-Anbau verwendete Pflanzenschutzmittel zu verteidigen. Allerdings verschweigt er, dass gerade das Standard-Bio-Fungizid Kupfer ein Schwermetall ist und sich im Boden und in den Nahrungsmitteln anreichert. Da es das einzige richtig wirksame Fungizid ist (das wussten schon unsere Eltern) wird es auch entsprechend oft eingesetzt, mit den daraus resultierenden Folgen. Das ist auch einer der Gründe, warum erste Bio-Winzer wieder ihre Betriebe rückumstellen. Laut ihren Aussagen, können sie die massive Belastung der Böden durch das ständige Befahren (Unkrautbekämpfung, Pflanzenschutz) und durch den starken Kupfereinsatz nicht mehr verantworten. Wenn Felix zu Löwenstein behauptet, dass auf 95% der Bioflächen keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, dann ist das mit Sicherheit nicht die Wahrheit und reine Verbrauchertäuschung. Der komplette Bereich der Sonderkulturen (Wein, Obst, Gemüse), sowie dei Kartoffeln kommen auch im Bioanbau nicht ohne Pflanzenschutzmittel zurecht, und das sind mehr wie 5 % der Bioflächen. Es wäre schön, wenn die obersten Biovertreter endlich wieder mehr Ehrlichkeit an den Tag legen würden. Konventinell und Bio sind zwei gleichberechtigte Produktionsweisen, die jeweils hervorragende Lebensmittel erzeugen - das ist die Einschätzung in anderen Teilen dieser Welt, hoffentlich auch einmal/bald in Deutschland.

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  11. von Gerhard Steffek · 11.
    Alles ganz gut und schön!

    Auch die Quintessenz des Kommentars von Felix zu Löwenstein. Im Grunde haben doch alle Landwirte ein gemeinsames Ziel. Bei entsprechendem Ertrag gesunde Nahrung zu produzieren, die den Aufwand gerechtfertigt. So wie es z.B. im Windkanal nur eine entsprechend optimierte Form gibt, so liegt die Zukunft für die Landwirtschaft im Grunde auch nur bei EINER entsprechenden Wirtschaftsweise. Gut durch die Komplexität wird es trotz allem gewisse Spielarten geben, aber der "Mainstream" hat seine Richtung. Das eben die Biolandwirtschaft auch nicht ohne Pflanzenschutz auskommt sieht man ja anhand der diversen Mittelchen, bei denen es auch den paracelsischen Grundsatz gibt: "Die Dosis macht's". Genauso wie sich die Frage aufwirft: was ist das kleinere Übel? Den Boden zu Tode ackern, oder mit Hilfe von Glyphosat Minimalbodenbearbeitung betreiben? Alles hat sein für und wider. Was mich bei der ganzen Diskussion aber hier auf die Palme bringt ist eben die Arroganz der Bio's für sich in Anspruch nehmen zu wollen, sie hätten die allein seeligmachende Wirtschaftsweise. Da wird mir nämlich dabei zu viel "ausgeblendet". Wenn hier mal auf die Wirkung von Kupfer-Oxyl-Clorid hingewiesen wird, dann mag das für Wein und Kartoffel ganz gut sein, doch was ist bei unserem Hauptnahrungsmittel Getreide? Was für Fungizide sind hier möglich? Da bleiben mir bei Bio zu sehr die Fragen offen. Pilzverseuchtes Getreide ist auch nicht gerade gesund und weniger Ertrag ist auch keine Option, verhungern will ja auch keiner. Seien wir ehrlich, die moderne Landwirtschaft hat weniger ein Problem mit ihrer Wirtschaftsweise. Daß sie effektiv und nachhaltig gesunde Nahrungsmittel produziert stellt sie Tag für Tag unter Beweis. Das Problem ist die Akzeptanz in der Bevölkerung, die verloren ging durch die Entfremdung (wer kennt heute noch einen Landwirt persönlich) und die ständige Diffamierung einiger weniger, die sich durch die Kritik dieses Wirtschaftszweiges in besonderem Maße profilieren wollten und wollen. Leider sind auch Berufskollegen dabei, die meinen sich dadurch ein größeres Stück vom Kuchen abschneiden zu können. Diese aber sollten Wissen, daß sie als Bio doch genauso mit den Konvi's in einem Boot sitzen. Dadurch kann es ihnen ohne weiteres passieren das sie von außen genauso in einen Topf geworfen werden wie alle anderen. Denn der Spaziergänger kennt keinen Unterschied ob da jetzt ein "Bio" oder ein "Konvi" zum Kartoffel spritzen fährt.

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  12. von Felix zu Löwenstein · 12.
    Alles voll Bio - oder was?

    Die Frage von Herrn Finzel kann ich beantworten: Kupfer-Oxyl-Chlorid ist ein mineralisches Produkt. Das gleiche, das Sie als Spurennährstoff-Dünger einsetzen. Es wirkt fungizid und wird in Kartoffeln und in Dauerkulturen (Wein, Hopfen, Obst) eingesetzt. Azadirachitin ist die Wirksubstanz bei Extrakten aus dem Neem-Baum. Es wirkt insektizid. Spinosad wird aus Mikroorganismen gewonnen und wirkt insektizid. Es ist - auch für konventionelle Betriebe - das praktisch einzige Mittel, das gegen die Kirschessigfliege wirkt. (E)-8-Dodecen-1-ylacetat ist kein Pflanzenschutzmittel sondern ein Lockstoff, mit dem Pfirsichtriebwickler in Obstplantagen in Fallen gelockt werden. Kaliumphosphonat war in der EU als Pflanzenstärkungsmittel gelistet und durfte auch im Ökolandbau eingesetzt werden. Es hilft, in Problemjahren den Kupfereinsatz zu minmieren. Leider ist die Kategorie "Stärkungsmittel" abgeschafft worden, weshalb es jetzt einer Zulassung als Pflanzenschutzmittel bedarf. Welche Mittel im ökologischen Landbau zugelassen sind, kann man der EU-Ökoverordnung entnehmen. Was dort nicht gelistet ist, darf nicht eingesetzt werden. Entsprechendes gilt für andere Kategorien, z.B. Reinigungsmittel oder Zusatzstoffe bei der Lebensmittelverarbeitung. Durch solche Substanzen ist auch der Biobauer nicht schutzlos, wenn in empfindlichen Kulturen Schädlinge oder Krankheiten auftreten. Auf 95% der Ökoflächen werden zwar keinerlei Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Trotzdem bleibt die wichtigste Herausforderung nicht die, neue Mittel zu finden. Die viel interessantere Forschungsfrage ist, die Produktionssysteme so zu stabiliseren, dass Krankheitsbefall (wie z.B. im Wein) nicht in der Regel, sondern nur in der Ausnahme vorkommt. Wenn das gelingt, ist das für beide Produktionssysteme - konventionell und öko - ein wichtiger Fortschritt

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  13. von Harald Finzel · 13.

    Kupferoxychlorid. Azadirachtin. Spinosad. Pyrethrine. (E)-8-Dodecen-1-ylacetat. Alles voll Bio, oder was? Und wie war das nochmal mit der geforderten Freigabe von Kaliumphosphonat?

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