Ökobranche reagiert verwundert auf Klöckners Pflanzenschutz Vorstoß

Die Biolandwirte reiben sich nach dem Pflanzenschutz-Vorstoß der CDU-Anwärterin für das Landwirtschaftsministerium, Julia Klöckner, verwundert die Augen. Die Zulassung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln würde ihren Markenkern aufs Spiel setzen. Bei der Forderung nach mehr Forschung gehen sie gerne mit.

Die Biolandwirte reiben sich nach dem Pflanzenschutz-Vorstoß der CDU-Anwärterin für das Bundeslandwirtschaftsministerium, Julia Klöckner, verwundert die Augen. Die Zulassung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln würde ihren Markenkern aufs Spiel setzen. Bei der Forderung nach mehr Forschung gehen sie gerne mit.

Verwunderung in der Biolandwirtschaft erntet der Vorstoß der stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden Julia Klöckner, im Ökolandbau auch konventionelle Pflanzenschutzmittel zu erlauben. „Das würde eine wichtige Grundlage des Bioanbaus auf den Kopf stellen. Wenn sie das ernst meint, würde sie ein Essential des Ökolandbaus preisgeben“, sagte der Pressesprecher von Bioland Gerald Wehde gegenüber top agrar. Um bei den für den Ökolandbau schwierigen Fragen des Pflanzenschutzes weiter zu kommen, müsse das gesamte Anbausystem betrachtet werden. „Der Ansatz des Ökolandbaus ist gerade kein einfaches Umschwenken zu anderen Mitteln“, so Wehde weiter. Auch die Koexistenz Probleme von beiden Anbauarten seien vor allem beim Pflanzenschutz noch lange nicht gelöst. „Wir haben ein großes Interesse daran, dass konventionelle Landwirte andere Systeme lernen, die mit weniger Pflanzenschutzmitteln auskommen“, sagte Wehde.

National kaum Spielraum

National gäbe es außerdem überhaupt keine Spielräume den Pflanzenschutzmitteleinsatz für Ökobetriebe anders zu regeln, äußert sich der Sprecher von Bioland verwundert. Das zeige auch die intensive und langatmige Diskussion über die Reform des EU-Biorechts, die gerade erst bei einem Zwischenergebnis angekommen ist. Ende des vergangenen Jahres hatten sich der Agrarausschuss des Europaparlamentes und der Sonderausschuss Landwirtschaft der EU-Mitgliedstaaten auf eine Novelle der EU-Ökoverordnung ab 2021 geeinigt, in der vor allem die Regeln zu Rückständen von Pflanzenschutzmitteln in Ökolebensmitteln lange diskutiert wurden. Die offizielle Verabschiedung des Regelwerks steht dieses Frühjahr noch aus.

Mehr Forschungsmittel findet Gefallen

Zustimmung erntet Klöckner aus der Biobranche jedoch für ihre Forderung nach mehr Forschungsmitteln für den ganzheitlichen Pflanzenschutz. Mit der von der Groko vereinbarten Ackerbaustrategie erhoffen sich die Ökolandwirte mehr Forschungsmittel für die Weiterentwicklung von vielfältigen Anbausystemen

Löwenstein hält Klöckners Vorstoß für nicht erforderlich

Der Vorstandsvorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein, hält Klöckners Idee für nicht erforderlich. (Bildquelle: Awater-Esper)

Klöckners Idee, die Politik könne fallweise entscheiden auch chemisch-synthetische Pestizide für Bio zuzulassen, wie sie im konventionellen Landbau eingesetzt werden, sei weder rechtlich möglich, noch erforderlich, reagierte der Vorstandsvorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein, auf den Vorschlag. Er verwies im Weiteren darauf, dass alle Bauern, konventionell wie ökologisch wirtschaftende, in nassen Jahren Probleme insbesondere mit Pilzbefall hätten. „Wenn der Einsatz robuster Sorten und eine Fruchtfolge zur Vorsorge nicht helfen, können Bio-Bauern Präparate mit naturstofflichem Charakter nutzen, die einem speziellen, sehr strengen Auswahlverfahren auf EU-Ebene unterliegen“, räumte Löwenstein ein. Der Ökolandbau funktioniere, so Löwenstein weiter.

Gleichwohl hält auch er Klöckners weitere Forderung für mehr Forschung für richtig. „Wir müssen endlich beginnen, statt in Gentechnik und Chemielandwirtschaft in die Entwicklung stabiler Agrarsysteme zu investieren, wo Tiere und Pflanzen nicht in der Regel, sondern in der Ausnahme krank werden“, sagte er. Der Ökolandbau stecke voller Ideen für eine solche Entwicklung, die er der Politik gerne zur Verfügung stellen könne.

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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