Ostendorff: Landwirtschaft entfernt sich weiter von der Gesellschaft

Friedrich Ostendorff Friedrich Ostendorff
Bild: Grüne Woche

Landwirtschaft und Gesellschaft entwickeln sich in ihren Ansprüchen und Lebensrealitäten immer weiter auseinander. Das ist zumindest der Eindruck des Grünen-Abgeordneten Friedrich Ostendorff, nachdem er sich den aktuellen Situationsbericht des Deutschen Bauernverbands angesehen hat.

Demnach würden die Verbraucher immer mehr Wert auf Qualität und Tierschutz legen und immer weniger auf billige Lebensmittel. In der öffentlichen Wahrnehmung fallen Anspruch und Wirklichkeit jedoch gerade beim Tierschutz weiter auseinander als je zuvor, so Ostendorff.
 
"Das Höfesterben setzt sich gerade da dramatisch fort, wo es um die Kulturlandschaft und die bäuerliche Landwirtschaft geht: Mehr als ein Drittel aller Milchbauern hat in den letzten 10 Jahren aufgegeben, das sind fast 34.000 Betriebe. 34.000 Bauernhöfe weniger für immer mehr billige Butter und billige Milch, die immer weniger Verbraucher kaufen wollen", so der Ökobauer aus NRW.
 
Verlierer seien die Bauern, die sich entweder mit über 1600 Jahresarbeitsstunden krumm arbeiten oder gleich aufgeben. Verliererin sei auch die Gesellschaft, die immer weniger das bekommt, was sie wünscht. "Nach zwölf Jahren Merkel-Regierung befindet sich die bäuerliche Landwirtschaft in Deutschland in einer existentiellen Krise. Wir brauchen endlich eine kohärente Politik, die Bauern und Gesellschaft wieder zusammen bringt. Einen Lobbyminister wie Herrn Schmidt von der CSU brauchen wir nicht mehr", sagt Ostendorff.
 

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10 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Christian Bothe · 1.

    Ach Herr Ostendorff,warum muß wohl REWE seine Biomarktkette "Temma" aufgeben??? Der Markt entscheidet,was der Kunde kaufen will und das sollte vorwiegend billig sein.Alles andere ist gut gedacht aber Wunschdenken.

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  2. von Gerd Schuette · 2.
    Der Verbraucher entscheidet an der Kasse...

    möchte ich wenigstens zum Teil revidieren. Steve Jobs sagte dazu: "Der Kunde weiß doch nicht was er möchte. Wir sagen ihm was er möchte. Wir wecken erst sein Bedürfnis". "Wenn der Kunde wirklich selbstständig entscheiden würde, dann könnten wir uns ja die Werbung sparen".

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  3. von Gerd Schuette · 3.
    @ Anke,

    schade das du zu diesen Mitteln greifst. Deine ersten Beiträge waren deutlich sachlicher und ich habe mich gefreut hier auch andere Sichtweisen zu lesen. Andere Sichtweisen, die fundiert sind, bringen uns weiter, verdienen Respekt und regen zum Überdenken des eigenen Standpunktes an. Wenn man eine "Wahrheit" beurteilen möchte, sollte man immer den dazu gehörigen Standpunkt mit in Betracht ziehen. Tut man dieses, so kann es passieren, daß scheinbar gegensätzliche "Wahrheiten" gleichrangig nebeneinander bestehen können und sich eine Diskussion um die einzig wahre "Wahrheit" erübrigt. Man kann den Widerspruch stehen lassen, weil man die verschiedenen Blickwinkel und Prioritäten als ursächlich mit einbezieht.

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  4. von Gerd Schuette · 4.

    Der "Verbraucher" möchte dieses oder jenes wird uns oft gesagt. Der "Verbraucher" entscheidet an der Supermarktkasse was er tatsächlich nachfragt und nicht in Umfragen.

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  5. von Rudolf Rößle · 5.
    Enttäuscht

    Dass ich für genfreie Milch nur 1 Cent mehr erhalte. 5 Cent haben sich die Marktteilnehmer schon erhofft. Aspirin kostet in der Türkei nur einen Bruchteil von unseren Preisen. Koppelt die Nahrungserzeugerpreise an die Bruttowertschöpfung der jeweiligen Länder. Die Industrie kann und darf das. Zahlt für eine angelegte Bienenweide den höchst entgangenen Deckungsbeitrag. Usw.usw. Ich bin sofort dabei.

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  6. von Bernd Greim · 6.
    Ostendorff

    Ich nehme jetzt einfach mal an das er mit „der Gesellschaft“ die Bürger oder Konsumenten Deutschlands gemeint hat und dann muss ich wiedersprechen. __________________________________ _ Landwirte produzieren das was ihnen abgenommen wird und reagieren relativ schnell auf das was der Markt will. Bestes Beispiel war die Photovoltaik, da gab es 5 Prozent Rendite mit 20 Jahre Kapitalbindung und es wurde gebaut und investiert ohne Ende, kein Industrieunternehmen würde so lange Kapital binden und mit dieser Marge planen. _ _ __________________________________ Wenn die Gesellschaft etwas anderes haben möchte, könnte sie es ganz einfach über die Nachfrage ändern, die Landwirte würden sofort aufspringen wenn es sich lohnt, aber auch Ostendorff arbeitet nicht umsonst im Europaparlament und wir Landwirte wollen es eigentlich auch nicht. ________________________________________ _ _ _ Ich produziere so wie es 95 % des Marktes haben möchte, scheinbar bin ich dann doch noch nicht so weit von der „ Gesellschaft“ weg und sobald „die Gesellschaft“ es möchte, dass ich mit der Handhacke über meine Fläche laufe oder meine Schweine eine TV Gerät in den Stall stelle oder …. oder.... und dies über den passend Marktpreis dazu abruft, bin ich schneller dabei als er.

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  7. von Anke Möbius · 7.
    Vorsicht Troll !

    Anhand der namentlich bekannten Vielschreiber sollte jeder Leser schnell erkennen, wer sich hier als Konzern-Troll verbirgt, um Stimmungen und Meinungen gezielt zu manipulieren und dies mit zumeist plumper dogmatischer Propaganda...

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  8. von Gerhard Steffek · 8.
    Umgekehrt wird ein Schuh daraus!

    Herr Ostendorff verkennt anscheinend Ursache und Wirkung.Braucht einen aber nicht wundern, ist er und seine Partei Mitverursacher dessen, was er hier bemängelt. Sind sie doch immer fleißig dabei die moderne Landwirtschaft schlecht zu machen und das Volk auf ihre Linie der Biolandwirtschaft einzuschwören. Wider allem besseren Wissen, also allen wissenschaftlichen und geschichtlichen Erkenntnissen zum Trotz. Das das ganze Getue dieser "Volksverdummer" nur Schein ist, sieht man dann wieder an ihren halbseidenen Bemühen und daran, daß sie ja "nur" 20 % Biolandwirtschaft fordern und nicht 100 %. Warum eigentlich nur 20 %, wenn diese Form der Landbewirtschaftung doch so gut sei, das Non-plus-Ultra? Herr Ostendorff vergißt aber auch noch die Marktmacht des Handels. Wir haben nur noch 5 große Einzelhändler auf dem Markt. Diese sind für die Versorgung der Städte auch notwendig. Oder will Herr Ostendorff wie annodazumal an jedem Block in der Stadt einen kleinen Tante-Emma-Laden? Das schlechteste wäre es ja nicht unbedingt, aber - würde es auch bezahlt werden? Diese ganze Infrastruktur geht ins Geld. Die Aldi-Brüder hatten anfangs auch nur einen dieser Tante-Emma-Läden. Sie haben es aber geschafft, durch eine rigorose Preispolitik entsprechend zu wachsen und Marktführer zu werden. Anfangs von der Politik gerne gesehen, führten doch die billigen Lebensmittel zu einem höherem Wohlstand und kurbelten damit auch die übrige Wirtschaft an, so sieht man heute die Kehrseite der Medaille. Diese besteht zum großen Teil darin, daß im Konkurrenzkampf mit den Kontrahenten an allen möglichen Schrauben gedreht wird um einen Vorteil zu erringen. In erster Linie ist dies der Preis. Hier ist der Rohstofflieferant dann immer der Dumme solange es genug Lieferanten gibt, die den Preisdruck des Abnehmers mitmachen. Die Bauern sind hier ein willfähriges Opfer, da sie nicht in der Lage sind ihre "Produktion" so mir nichts dir nichts einfach aus- und dann wieder einzuschalten. Soll heißen, daß auch der Handel eine entsprechende Mitschuld an der "Industrialisierung" der Landwirtschaft trägt. Denn, was würde es dem Rohstofflieferanten helfen, würde Aldi und Co. die Verkaufspreise anheben, aber nicht weitergeben und dafür nur selber einsacken? Dieser wirtschaftliche Preisdruck wird dann aber zusätzlich verstärkt durch die lautstarke Agitation und Demagogie etlicher Besserwisser in Form von Grünen und NGO's die es mittlerweile geschafft haben dem Kunden eine schizophrene Ansicht der Landwirtschaft aufzudrängen. Schlechte moderne Landwirtschaft hier, gute Biolandwirtschaft da. Entgegen dem Credo von Katrin Göring-Eckhardt, sie wolle die Bürger einen, treiben sie bewußt einen Keil dazwischen, um sich nur selber zu profilieren. Schon die Römer kannten das Motto: "Teile und herrsche". Würden die Grünen dem Verbraucher nicht immer eine "heile Büllerbü-Landwirtschaft" von "annodazumal" als das Maß der Dinge vorgaukeln, würde sich der Verbraucher nicht immer mehr von der Landwirtschaft entfernen. Denn im Gegensatz zu dieser "heile Welt-Erinnerung" bleibt auch die Landwirtschaft in ihrer Entwicklung nicht stehen.

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  9. von Hubertus Berges · 9.
    Scheinheilig

    Herr Ostendorff trägt doch selber massiv dazu bei, dass diese Entfremdung stattfindet..außerdem: Respekt, wer mit 1600 AKh im Jahr auskommt, das wäre in etwa eine 32 Stunden Woche...

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  10. von Armin Brader · 10.

    Richtig die Gesellschaft entfernt sich gesteuerrt von den Mainstreammedien weg von der Realität!

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