EU-Milchindustrieverband kritisiert Drossel-Programm

eda Michel Nalet (EDA President) und Alexander Anton (EDA Secretary General)
Bild: Werkbild
Der Europäische Milchindustrieverband (EDA) hat seine Kritik am EU-Mengenreduzierungsprogramm bekräftig.

Bereits seit Frühjahr 2016 habe man die Europäische Kommission mit der Einschätzung konfrontiert, dass der Markt gegen Ende 2016 wegen der Angebotsreduzierung nachfragelastig zu werden drohe, erklärte EDA-Generalsekretär Alexander Anton. Politisch habe die Agrarpolitik aber unter „Maßnahmendruck“ gestanden, und aus dieser Perspektive sei das Programm entstanden. Aus ökonomischer Sicht sei das Programm schon bei seiner Einführung unnötig gewesen, monierte Anton.

An dieser Einschätzung halte der EDA auch aus heutiger Sicht fest. Der Generalsekretär erinnerte daran, dass die EU‑Kommission über die letzten zwei Jahre 24 Rechtsakte mit Unterstützungsmaßnahmen für die Milch erlassen habe. Von der Ausweitung der privaten Lagerhaltung und der Intervention bis hin zum Mengenreduzierungsprogramm sei alles dabei gewesen. Das meiste habe man als Verband unterstützt, aber eben nicht alles. Die Milchmarktentwicklung der letzten zwei Jahre habe zumindest dafür gesorgt, dass extreme Preisschwankungen inzwischen als Marktrealität wahrgenommen und akzeptiert würden, so Anton. Bei der Milch gelte, dass nach einem Preishoch das nächste komme, aber eben mit Tälern dazwischen. Gleichwohl räumte der EDA-Generalsekretär ein, dass das Tal, in dem man sich seit Herbst 2014 befunden habe, außergewöhnlich und mit einem „normalen Milchmarktzyklus“ nicht zu vergleichen gewesen sei.
 
Möglichkeiten zur Begrenzung der Volatilität am Milchmarkt an sich seien nicht ersichtlich, führte Anton weiter aus. Allerdings könnten die einzelbetrieblichen Auswirkungen eingegrenzt werden. Auf Molkereiebene würden beispielsweise auch Währungsrisiken im Exportgeschäft abgesichert; ähnlich sei es bei den Energie- und Futtermittelpreisen auf Erzeugerebene. Mittlerweile könne man über Magermilchpulver- und Butterverträge auch den Milchpreis hedgen. An der Frage, ob und wie derartige Absicherungen auch für den Milchpreis noch einfacher gemacht werden könnten, arbeite der Molkereisektor gerade.

Der EDA-Generalsekretär begrüßte den Ansatz der EU-Kommission, künftig auf mehr Markttransparenz zu setzen, beispielsweise über die EU-Milchmarkt-Beobachtungsstelle (Milk Market Observatory - MMO). Die dort gegebenen Signale seien gut, würden aber - wenn überhaupt - auf Erzeugerebene nur mit zeitlicher Verzögerung umgesetzt. Nicht zuletzt sprach sich Anton dafür aus, innerhalb einer kohärenten Milchpolitik auch das Image der Milch- und Milcherzeugnisse besser zu schützen. Es könne nicht sein, dass man nur sehr begrenzt in den Werbeaussagen auf den gesundheitlichen Mehrwert der Molkereiprodukte hinweisen dürfe.

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24 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Erwin Schmidbauer · 1.
    "Aus ökonomischer Sicht sei das Programm schon bei seiner Einführung unnötig gewesen"

    Da ist für mich die Kernaussage: offensichtlich soll der jetzige Milchpreis für die Landwirte schon hoch genug sein. Damit ist endgültig klar, dass der EDA sicher kein Partner oder Vertreter der Landwirte ist. Otto Müller hat wahrscheinlich recht, wenn er mit seinem Kommentar meint, wenn der Milchpreis zu hoch wird, dann wird Milch durch andere Stoffe substituiert, was der Nachfrage schadet und am Ende auch den Erzeugern. Nur davon sind wir noch entfernt. Der Milchpreis muss zumindest so hoch sein, dass nicht nur die Molkereien sondern auch die Milcherzeuger davon leben können.

  2. von Gerd Schuette · 2.
    Übermorgen ist Morgen schon wieder Gestern

    Wer für später viel verspricht, der wird dir jetzt nichts geben... Fallt doch nicht auf die tollen Zukunftsaussichten, das Gunststandortsgerede und und und... herein. Damit werden wir schon viele Jahre hingehalten. Jetzt wird das Geld auf den Höfen gebraucht.

  3. von Matthias Zahn · 3.
    @ Otto Müller

    Bitte erklären Sie was Sie mit ihrem Kommentar meinen...

  4. von Eibo Eiben · 4.
    MIV hat ...

    ... die hätten auch noch bei 15 ct/kg Milcherlös "zugeschaut" und gelacht - (@O. Müller ...) ... ( -> DMK -> mehrere!!! Monate nur 20 ct/kg!!!) ...

  5. von Otto Müller · 5.
    MIV hat Recht

    Lauter Kommentatoren, die nur kurzfristig denken können. Bei denen kommt es wohl nicht so gut an, wenn ein Verband auch mal ein paar Jahre weiter denkt.

  6. von Dieter Müller · 6.
    Vielleicht gehen dem Herrn Rukwied die Argumente aus.

    Interessant wäre auch, wie er zu den unmöglichen Aussagen des Landesbauernverbandsvorsitzenden von NRW, Herrn Röhring, Stellung beziehen würde. Grundsätzlich erwartet man als Mitglied des Bauernverbands, das sich der Bundesvorsitzende nicht versteckt!

  7. von Erwin Schneiderbauer · 7.
    Wo bleibt die Stellungnahme vom BV (Rukwied) zu diesen Aussagen??

    Wäre doch was für die Top-Agrar Redaktion mal nachzufragen , wenn schon von selber nix kommt!! Ist sicher für viele Bauern von Bedeutung, was da für geistige Ergüsse kommen.

  8. von Paul Lieb · 8.
    Auf Augenhöhe!!

    Nur bei einem Verkäufermarkt (Nachfrageüberhang) können wir Milchbauern auf Augenhöhe mit verhandeln! Auch was die künftigen Auflagen (Tierwohl, Futter usw.) betrifft. Und genau davor hat der MIV furchtbar Angst!!!!! Was ich noch nie verstanden habe, warum man das im Bauernverband pardu nicht verstehen will. Wir haben jetzt doch zwei Jahre lang erlebt wie man mit uns "Hugoles" spielt. Bei einem "nachhaltigen Nachfrageüberhang" würde z.B. EDEKA nie auf die Idee kommen uns vorschreiben zu wollen, wie Milchproduktion zu funktonieren hat.

  9. von Eibo Eiben · 9.
    EU-MIV ...

    .. es ist im Grunde "vieles" ( -> @Schneiderbauer, @Josef Doll, @W. Toft, @R. Hoffmann, @ M. Zahn ...) gesagt; die beiden "Witzfiguren" da oben sind "Geisterfahrer" auf der angebotslastigen Autobahn ...

  10. von Christian Kraus · 10.
    Wenn solche Leute was zu sagen haben

    dann braucht man sich nicht zu wundern das es den Bach runter geht. Völlig abgehoben von den Fakten einfach das Gegenteil behaupten. Wenn Experten und solche die es gerne wären von "volatilen Preisen" sprechen den geht es immer nur um Ruinöse Preise und nicht darum das sie etwas um die Vollkosten "schwanken". Wenn der Weltmarkt der Heilsbringer wäre wie es so oft behauptet wird warum sind die Milchpreise von Neuseeland (Fonterra) immer die niedrigsten von allen Molkereien. Wenn im Weltmarkt "das Geschäft" sei dann müsste es andersrum sein. Wenn es der Weltmarkt gewesen wäre der dieses Jahr so schlecht war warum ist dann in den USA der durchschnittliche Milchpreis um 6 Cent höher als in der EU gewesen. Wenn es das Russland-Embargo gewesen wäre der uns so geschadet hätte dann wäre der Export nicht höher gewesen als das Jahr zuvor. Wenn es das Russland-Embargo gewesen wäre dann hätte der Preis auch jetzt nicht so zügig steigen können. Es ist einzig und allein die politisch gewollte Überproduktion der Eu die uns so weit in die Katastrophe getrieben hatte. Diese zwei Pfeifen haben es mit zu verantworten das die längst überfällige Mengenreduktion viel zu spät angegangen wurde und diese zwei Pfeifen haben es zu verantworten das der Milchpreis in diesem Tal dadurch um einige Cent tiefer gewesen ist als es ohnehin schon war. Es ist eine Schande das genau diese zwei Pfeifen sich jetzt hinstellen und auch noch kritisieren das überhaupt irgendwann mal was gemacht worden ist.

  11. von Gerd Schuette · 11.

    Die gewählten Vertreter in den genossenschaftlichen Molkereien sollten sofort den Austritt aus dem MIV auf die Tagesordnung bringen. Die Herren werden von unserem Geld bezahlt, das muss sofort aufhören.

  12. von Claus Sylvester · 12.
    Wozu diese Aufregung...

    ... in unserem Ländle haben wir die Meinungsfreiheit, jeder kann seine Meinung äussern so lange niemand Anderes geschädigt wird , wobei es eine Frage der Definitionn ist wann ein Schaden eintritt ..... Wenn aber jemand die Hand die ihn füttert beisst, und das auch noch wiederholt, ist es an der Zeit zu reagieren. Der Gegner in den eigenen Reihen hat sich zu erkennen gegeben. Was kommt jetzt ? große Aufregung ? Zeter und Mordio ? Morgen kommt die nächste Schlagzeile und alles bleibt beim Alten ? wahrscheinlich, wie immer.

  13. von Gerd Uken · 13.
    Was meinen die Herren denn

    wann sich das beruhigt? Wann sie die 400000to Pulver wieder los sind und der Käse wieder auf dem Markt kommt. Jeden Tag eine neue Saundurchs Dorf getrieben, irgendwann bleibt bei der Kommission was hängen-sonst kann man sich den Schwachsinn nicht mehr erklären sowohl vom EDA als auch vom hiesigen Mief! Alles nur noch traurig die zweimsind auf einem anderen Planeten unterwegs.

  14. von Erwin Schneiderbauer · 14.
    Vieleicht merkt es jetzt der letzte, dass wir uns nur selber helfen können!!

    Ich stelle mir grade vor, was ich in meinen jungen Jahren mit den zwei Witzfiguren gemacht hätte, wenn sie mir so schräg gekommen wären................... Wäre vielleicht auch heute noch das beste, vor allem aber das wirksamste......

  15. von Paul Siewecke · 15.
    Vielleicht sollte...

    dem Industrieverband mal gezeigt werden, wie ein nachhaltiger Nachfrage-Überhang ausschaut...

  16. von Josef Doll · 16.
    Bei einer solchen Auffassung

    und des besseren Verständnis , gerade für sich selbst , um es auch am Eigenen Leib zu spüren, sollte das 100% Gehalt bei 34 cent je kg Milch bezahlt werden !! Ansonsten je 1 cent weniger oder mehr 2% Kürzen oder steigen !!

  17. von Dieter Müller · 17.
    Ist es marktwirtschaftlich verboten, dass ein Milchmarkt auch "nachfragelastig" sein darf?

    Für die Herren vom EDA ist also nur ein möglichst dauernder Angebotsüberhang von Milch akzeptabel. Um diese unmögliche Einstellung zu unterbinden, sollte das Milk Market Observatory (MMO), in Brüssel, dauerhaft nicht nur den Markt beobachten, sondern auch mit Befugnissen ausgestattet werden, den Markt zu regulieren. Zielsetzung muss sein, dass existenzbedrohende Krisen für die Milcherzeuger nicht mehr entstehen dürfen. Es geht daher nicht ohne die Politik. Positiv ist festzuhalten, dass die wenigen Industriebosse als Wähler nicht ausreichen und auch die Gesellschaft nicht nur industrielle Strukturen will.

  18. von Hans-Hermann Nohring · 18.
    Der Markt

    droht nachfragelastig zu werden! Das sagt alles über den MIV und seinen Vasallen DBV!

  19. von Willy Toft · 19.
    Die Herrschaften haben nicht realisiert, dass die Erzeugerseite schwer angeschlagen ist, und.....

    sich noch lange nicht davon erholen wird. Ob sie das staatliche Programm akzeptieren oder nicht, der Erzeuger weiß jetzt was von diesen Herrschaften zu halten ist!

  20. von Renke Renken · 20.
    Die Rieseninvestitionen

    in Anlagen und Verarbeitungskapazitäten müssen ausgelastet werden, sonst muß muß man den Genossenund Mitgliedern irgendwann eingestehen, daß man sich sich verkalkuliert hat.- Menge, billig, Weltmarkt - sonst interessiert die nichts.

  21. von Rainer Hoffmann · 21.
    Eiskalte Kalkulation !

    Op so skrupellose Typen sich noch alleine raustrauen oder einfach mal mit richtig betroffen ein Gespräch führen können,wohl eher nicht u. da sie auf der Verarbeiter/Verkäufer Seite den wichtigen Menschen spielen können,dieses jedoch ohne viel Stress u. Arbeit, aber mit entsprechender Entlohnung . Da man mit billig immer gut an kommt,setzt man auch alles dran das es so bleibt u. die Zeche bezahlen dann halt die Bauern u. der Steuerzahler wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist u. zur Krönung werden solche Typen vom DBV. unterstützt da der Deutsche MIV Mitglied im DBV. ist samt dicken Jahresbeitrag im Gegensatz zu den Landwirten die ja nur Mitglied in den Landesverbänden sind.

  22. von Wilhelm Schulte · 22.

    Für uns Milchviehhalter ist der Nachfragemarkt ein wichtiges Instrument für Erlössicherheit um nachhaltig und Gewinnbringend auf unseren Betrieben zu wirtschaften und nicht zum Nulltarif für die Milchindustrie

  23. von Matthias Zahn · 23.
    Realitätsfremd

    An diesen Aussagen erkennt man, wie weit diese Herren vom landwirtschaftlichen Betrieb entfernt sind. Es braucht ihrer Meinung nach kein Reduzierungsprogramm, da der derzeitige Auszahlungspreis von 30 ct (im Frühjahr evtl 34 ct) vollkommen ausreichend ist.

  24. von Karl-Heinz Mohrmann · 24.

    Der Milchindustrieverband hat ein gutes recht das europaweite Milchmengenreduzierungsprogramm . Eine Reduzierung der Milchmenge um nur 1,4% hat in Deutschland den Auszahlungspreis um 15cent steigen lassen. Gerne hätten die Molkereien weiter Milch unter Interventionsniveau und unter Weltmarktpreis eingkauft. So machen Sie einfache risikolose gute Geschäfte auf alleinige Kosten der Milchbauernfamilien. Sollten wir zur nächsten Krise kein Instrument zur Mengenreduzierung im Krisenfall so wie die Kreisbauernverbände Friesland und Wesermarsch sowie der Landesbauernverband MeckPom mit großer Mehrheit befürwortet haben werden die Milchindustrieverbände wie im Text oben das Niveau knallhart durchziehen und das ende der bäuerlichen Landwirtschaft einläuten..

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