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Die fünf Erfolgsfaktoren des Öko-Ackerbaues

Was in Süddeutschland funktioniert, muss im Norden kein Selbstläufer sein. Gustav Alvermann und Conrad Thimm fassen die wesentlichen Erkenntnisse langjähriger Beratungsarbeit zusammen.

Lesezeit: 4 Minuten

Unsere Autoren: Gustav Alvermann aus Westerau und Conrad Thimm aus Berlin

Ein Demeter-Betrieb, der nichts anderes anbaut als 200 ha Hafer? Das geht. Aber nur, weil der Hafer in der Fruchtfolge eines großen Bioland-Gemüsebetriebes mit rotiert und er zusätzlich Nährstoffkreisläufe mit einem Bio-Milchviehbetrieb und einer Öko-Biogasanlage pflegt. Dieses – zweifellos extreme – Beispiel zeigt: Undenkbar ist nichts außer zu wenig Phantasie. Unser Beratungskonzept für Norddeutschland stellt fünf "Essentials" in den Mittelpunkt.

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1 Die Niederschläge sind entscheidend

Dass die unterschiedlichen Bodenarten für den Ökolandbau eine große Rolle spielen, ist selbstverständlich. Dass die Höhe der Pachten in einer Region für den flächengebundenen Ökolandbau entscheidend ist, wissen die Praktiker auch. Dass die Stickstoffversorgung des Öko-Getreides stark von der Menge der Niederschläge im Herbst (möglichst wenig) abhängt, wissen norddeutsche Praktiker auch und steuern mit verschiedenen Maßnahmen gegen eine N-Verlagerung. Aber wie viel von Niederschlägen im Mai (möglichst viel) abhängt, haben wir erst in den letzten Jahren entdeckt.

Der Grund ist einfach: Zu wenige Niederschläge im Mai hemmen die natürliche Mineralisierung, wenn das Getreide am meisten Stickstoff braucht. Auch das erklärt die im Norden besonders großen Ertragsabstände.

2 Überbetriebliche Kreislaufwirtschaft

Je trockener der Mai, desto mehr muss der Öko-Ackerbauer für einen schnell verfügbaren organischen Dünger zum Getreide in dieser Zeit sorgen, der auch zugelassen ist. Dazu bieten sich flüssige organische Dünger wie Gülle und Gärreste an.

Fallen sie im eigenen Betrieb nicht an, so ist eine Verbundwirtschaft mit einem benachbarten Betrieb anzustreben. Am besten mit einem Bio-Milchviehbetrieb, der knapp an Grundfutter ist, weil hier für beide Seiten zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Der spezialisierte Milchviehbetrieb kann über das Kleegras des Ackerbauern wachsen. Der spezialisierte Öko-Ackerbauer hat einen Absatz für das Kleegras, auf das er in der in der Fruchtfolge nicht verzichten kann. Er bekommt eine Nährstoff-äquivalente Menge an Gülle zurückgeliefert, die er im Mai zu Getreide optimal einsetzt.

Ähnlich ist der Nährstoffkreislauf mit einer Nawaro-Biogasanlage, die auch konventionell betrieben sein kann. Beiden gemeinsam ist, dass diese überbetriebliche Kreislaufwirtschaft von Öko-Betrieben nur bis zu einer Entfernung von 10 bis 15 km wirtschaftlich ist, weil dabei einfach zu viel Wasser umhergefahren wird.

3 Futter-Mist-Kooperationen

Ganz anders ist es bei der sehr verbreiteten Rückführung von Hühner-Trocken-Kot (HTK) aus Futter-Mist-Kooperationen. Im Gegensatz zu Gülle ist HTK (nicht nur) im Ökolandbau auch über mehr als 100 km transportwürdig, weil seine Nährstoffdichte hoch ist und kein Wasser durch die Gegend gefahren wird.

In Weser-Ems werden immer mehr Bio-Legehennen aufgestallt, weil nicht nur die Eier gutes Geld bringen, sondern auch Bio-HTK bei Öko-Ackerbauern in anderen Regionen gefragt ist. Eine flächengebundene Bio-Produktion lässt sich bei Pachtpreisen von über 1.000 €/ha auf Sand nicht darstellen. So werden in Weser-Ems die Hälfte der deutschen Bio-Eier produziert.

Die Öko-Ackerbauern weiter östlich profitieren von HTK, den sie vor allem auf milden Böden zu Blatt- und Hackfrüchten einsetzen, die ihren N-Bedarf später haben als das Getreide. Auf schwerem Boden bietet sich eher eine "Verflüssigung" des HTK über eine Biogasanlage an.

4 Die zentrale Rolle des Kleegrases bleibt

Kleegras und Luzerne spielen im Ökolandbau eine zentrale Rolle, weil sie Stickstoff binden, Disteln beseitigen, Humus aufbauen, Unterboden lockern, die Fruchtfolge erweitern und den Samenunkrautbesatz senken. Zwar lässt sich jede einzelne dieser Funktionen durch andere Maßnahmen ersetzen. Je schwerer aber der Boden, desto weniger kann auf Kleegras verzichtet werden.

Wie ausgeführt, bietet sich hier für den viehlosen Öko-Ackerbauern der Verbund mit einem Milchviehbetrieb oder einer Biogasanlage an, der aber nur bis zu einer Entfernung von 10 bis 15 km machbar ist.

5 Komplexe Zusammenhänge verstehen

Bodenart, Niederschlagsverteilung und Pachtpreise sind in der Regel gegebene Standortvoraussetzungen. Mit Veredelungs- und/oder Futterbau-Kreislaufwirtschaften kann der Öko-Marktfruchtbauer in vielen Fällen sein Ökosystem stabilisieren. Je nach Standort kann er auch mit der Marktfruchtpalette die Fruchtfolge erweitern.

Blattfrüchte wie Mais, Eiweiß-, Ölpflanzen und vor allem auch Hackfrüchte tun der Fruchtfolge gut, wo sie hinpassen. Die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten zeigt die Erfolgsmatrix für Bio-Ackerbaubetriebe.

Eine negative Ausgangslage muss das Nutzungskonzept positiv ausgleichen. Die Vielfalt der Standortvoraussetzungen allein in Norddeutschland von Schleswig-Holstein bis Thüringen und von Westfalen bis Vorpommern führt zu einer großen Vielfalt an unterschiedlichen Lösungen. Was an einem Standort gut und richtig ist, kann am anderen unpassend und falsch sein.

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