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topplus PV-Anlage

Erneuerbare Energie bremst die Teuerung

Familie Wimmer züchtet Ferkel. Mit PV-Anlage und Hackgutheizung trotzt sie Preissteigerungen.

Lesezeit: 5 Minuten

Mauerbaurn zu Giering heißt der Hof von Petra und Friedrich Wimmer in Sattledt in Oberösterreich. Seit mehreren Generationen betreibt die Familie hier Landwirtschaft. Die beiden arbeiten im Vollerwerb und halten 230 Zuchtsauen. Zusätzlich stehen 200 Mastplätze zur Verfügung. „1979 haben meine Eltern auf die strohlose Schweinehaltung umgestellt“, sagt Petra Wimmer beim Rundgang über den Hof.

Mit vielen Investitionen hat sich der Betrieb gut entwickelt. Die 45-Jährige ist Landwirtschaftsmeisterin und führt den Betrieb gemeinsam mit ihrem Mann Friedrich, er ist gelernter Elektriker und ebenfalls Vollzeitlandwirt. 21 ha Eigengrund und 20 ha Pachtgrund bewirtschaften die beiden. Auch die drei Söhne sehen ihre Zukunft in der Landwirtschaft und helfen tatkräftig im Stall und auf den Feldern mit.

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Ferkelzucht und Mastplätze

Rund 25 Ferkel pro Sau und Jahr produziert die Familie Wimmer. Die Ferkel gehen an private Kunden, als Puffer können die Wimmers auch 200 Ferkel selbst mästen. Das Futter kommt zum Teil von den eigenen Feldern, wird aber auch zugekauft. Die Buchten werden mit einer Kettenfütterung beschickt. Auf den 41 ha Ackerfläche bauen die Wimmers Gerste, Weizen, Mais und Hafer an. Die Flächen liegen arrondiert um den Vierkanter. Die Familie hat eine Gülleverschlauchung angeschafft, mit der direkt von der Güllegrube aus die Felder gedüngt werden.

Ein weiterer Betriebszweig ist die Lohntrocknung. Dafür haben hat das Ehepaar einen 400 kW-Ofen, der in­direkt trocknet und einen mit 550 kW ­für die direkte Trocknung. Rund 200.000 kWh Energie brauchen sie für den Betrieb, die Kosten für das Heizöl belaufen sich auf rund 28.000 € im Jahr. Auch sonst wissen die beiden über ihren Verbrauch genau Bescheid.

Durch die steigenden Energiekosten haben die Wimmers schon in den vergangenen Jahren in Energielösungen investiert. „Wir betreiben seit 2020 eine neue 100 kW-Hackschnitzelheizung“, sagt Friedrich Wimmer. Damit werden Privathaus und Stallungen beheizt, rund 200 srm Hackschnitzel benötigen sie im Jahr. Das meiste Holz wird zugekauft, da die Familie nur 0,67 ha Wald besitzt. Die Kosten belaufen sich auf rund 5 000 € für die Hackschnitzel im Jahr.

Preise steigen extrem

Die Trocknung läuft mit Heizöl, hier würde sich eine noch größere Hackschnitzelheizung nicht rentieren. „Unser gesamter Energieverbrauch beläuft sich auf 565.000 kWh pro Jahr, bisher waren das Kosten von rund 78.000 €“, rechnet Wimmer vor. Doch die Preise sind im Steigen.

Der Stromverbrauch für den Betrieb und das Privathaus beläuft sich auf 125.000 kWh im Jahr, bisher mussten 13.000 € dafür bezahlt werden, ab 2023 wird sich der Preis mehr als verdreifachen. „Wir erzeugen jetzt zwar schon 44.000 kWh Strom pro Jahr mit unserer 60 kWp-PV-Anlage selbst, den Rest müssen wir aber zukaufen“, sagt Wimmer.

So geht es im Moment vielen Tierhaltern, bei unsicheren Preisen können die Energiekosten an die Substanz gehen. In der Landwirtschaftskammer Oberösterreich laufen die Telefone heiß bezüglich erneuerbarer Energie. Die Berater arbeiten derzeit an Online-Angeboten und Veranstaltungen, da sie mit der Beratung für Einzelbetriebe nicht mehr nachkommen. „Die Nachfrage explodiert, die Bauern sind daran interessiert, wie sie die Energieversorgung nachhaltig umbauen können“, sagt LK-OÖ-Präsident Franz Waldenberger.

Laut Bundesregierung wird die Photovoltaikförderung für 2023 auf 600 Mio. € aufgestockt, das sind rund 200 Mio. € mehr als 2022. Künftig könne auch noch eine Förderung beantragt werden, wenn bereits mit dem Bau der Anlage begonnen wurde. Für Photovoltaikanlagen auf versiegelten Flächen braucht es keine Genehmigungen mehr, nur aufgrund des Orts- und Landschaftsbilds können Anträge nicht mehr abgelehnt werden. Auch die Biogasproduktion soll in den kommenden sieben Jahren mehr als verzehnfacht werden, geht es nach der Regierung. „Wenn wir mit der erneuerbaren Energie weiterkommen wollen, sind die Energieversorger gefordert, sie müssen die nötige Netzinfrastruktur zur Verfügung stellen“, fordert LK-Österreich Präsident Josef Moosbrugger.

Auch die Familie Wimmer will noch mehr investieren. „Wir planen, eine zusätzliche 400 kWp-Anlage auf unseren Dächern und 100 kWp-Speicher anzuschaffen“, sagt Wimmer. Die Speichermodule stehen schon in der Halle bereit. Derzeit hakt es, wie bei vielen Projekten, am Netzzugang. „Wir bräuchten einen eigenen Trafo vom 30 kV-Netz und warten noch auf die Zusage vom Energieversorger“, erklärt Wimmer. Das nächste Umspannwerk ist nur rund 1,6 km vom Betrieb entfernt.

Mit der Anlage in Kombination mit dem Speicher könnte der Betrieb seinen Strombedarf zur Gänze decken. Rund 700 000 € würde der Ausbau kosten. Grundsätzlich sei man bereit für den Schritt, sobald die Genehmigung kommt. „Wir würden durch die Stromproduktion auch unseren Betrieb absichern und ein neues Standbein schaffen“, ist sich die Familie sicher.

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Der BestpreisAgrar Strompool besteht seit 2010 und hilft Landwirten, den ­besten Energiepreis zu bekommen. Rund 5.000 Kunden aus der Branche beziehen ihren Strom über die Gemeinschaft. „Als Einkaufsgemeinschaft ist die BestpreisAgrar kein Energielieferant, sondern agiert im Sinne der ­Endverbraucher und bemüht sich jährlich um einen guten Strompreis“, sagt Hannes Valenta von BestpreisAgrar.

Gerade in turbulenten Zeiten empfehle es sich, sich an einen Experten zu wenden, da die Stromlieferverträge immer komplizierter werden. „Wir sehen uns als ganzheitliche Berater in allen Strom­themen“, meint Helga Neumayr, hauptverantwortlich für den Landwirtschaftspool. Der Strompool setzt auf ­heimische Energiehändler, die CO2-freien Strom erzeugen oder handeln.  www.bestpreisagrar.info 

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