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Mit Power zum ersten Kalb

Lesezeit: 7 Minuten

Auch Fleischrinder-Färsen sollten nach 24 Monaten das erste Mal kalben. Das setzt eine intensive Aufzucht voraus. Wie es geht, zeigt Dr. Manfred Golze von der Sächsischen Landesanstalt.


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Was für Milchkühe gilt, trifft auch auf Fleischrinder zu: Eine geringe Wachstumsintensität in der Färsenaufzucht verschlechtert fast alle Leistungsparamter der Tiere. Zudem erhöht sich das Erstkalbealter. Somit stehen mehr „unproduktive“ Tiere im Bestand.


In der Mutterkuhhaltung kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: Viele Betriebe setzen auf saisonale Kalbeperioden, meist mit Abkalbeschwerpunkt im Frühjahr. Das heißt, die Färsen müssen mit 24 Monaten das erste Mal kalben, um in den Herdenryhtmus integriert zu werden. Nur Betriebe mit mehreren Kalbeperioden können die Aufzuchtdauer der Färsen flexibel verlängern.


Färsen müssen mit 24 Monaten kalben


Bei nur einem Abkalbeschwerpunkt hat ein höheres Erstkalbealter als zwei Jahre hingegen negative Folgen:


Die ohnehin schon kleineren Kälber der Färsen haben es als letztgeborene schwer sich gegen die größeren Kälber der Altkühe durchzusetzen. Bei Weideabtrieb und Trennung von den Kühen sind sie die jüngsten und somit auch die leichtesten.


Andere Kälber können die Färsen bereits vor der Kalbung ansaugen und somit das Kolostrum „klauen“.


Die Jungkühe haben bis zur nächsten Besamungsperiode kaum Rastzeit. Werden sie trotzdem tragend, kann es aufgrund des Gewichtverlustes zu Problemen bei der zweiten Kalbung kommen.


Ein kontinuierliches und zügiges Wachstum ist aber auch für die Entwicklung des Verdauungstraktes erforderlich, damit die Tiere später trotz extensiver Grünlandwirtschaft viel fressen und ausreichend Milch für ihre Kälber produzieren. Zudem werden in der Wachstumsphase die Maße des Innenbeckens festgelegt, die den Geburtsverlauf entscheidend bestimmen.


Um das Erstkalbealter von 24 Monaten zu erreichen, müssen die Färsen etwa im Alter von 15 Monaten besamt werden. Dabei sollten sie etwa 60 bis 65 % des Gewichts einer ausgewachsenen Kuh ihrer Rasse erreicht haben (Übersicht 1). Zu geringe Gewichte haben Schwergeburten und Kälberverluste zur Folge. Zudem ist der Zuwachs in der ersten Laktation geringer. Daher sind bei mittel- bis großrahmigen Rassen wie Charolais, Fleckvieh und Limousin zur ersten Besamung Lebendgewichte von 360 bis 480 kg und je nach Typ sogar bis zu 550 kg anzustreben.


Intensive Aufzucht erforderlich


Das setzt eine intensive Aufzucht voraus. Die weiblichen Kälber mittel- und großrahmiger Rassen müssen somit tägliche Zunahmen von 850 bis 950 g in der Säugeperiode (Geburt bis Absetzen) erreichen. Die Absetzgewichte der Kälber im Alter von acht bis neun Monaten sollten zwischen 260 und 300 kg liegen. Vom Absetzen bis zur Integration in die Belegungsherde (Aufzuchtperiode) müssen die Jungtiere mittel- und großrahmiger Rassen Tageszunahmen von 750 bis 850 g erzielen (Übersicht 2).


Um das zu erreichen, sollten die im Frühjahr geborenen Kälber bereits wenige Wochen nach der Geburt zugefüttert werden. Bewährt hat sich hierzu ein Kälberschlupf. Das ist ein kleiner Laufhof mit Futterautomat, den ausschließlich die Kälber betreten können. Sie können so ab Sommer den nachlassenden Futterwert des Grases oder die geringere Milchleistung des Muttertieres ausgleichen. Das Zufüttern von Kraftfutter oder einer Getreidemischung steigert die Tageszunahmen erfahrungsgemäß um 50 bis 100 g. Zudem erreichen die Kälber meist auch in der anschließenden Aufzuchtperiode höhere Zunahmen.


Färsen nicht direkt in dieHerde eingliedern


Dazu ist allerdings eine optimale Rationsgestaltung erforderlich. Zwar sollen die Aufzuchttiere keinesfalls gemästet werden, doch aufgrund des noch relativ kleinen Verdauungstraktes können sie nur begrenzte Mengen Rohfaser aufnehmen. Deshalb sollten die Jungrinder vom Absetzen bis zum Belegen idealerweise eine Totale-Misch-Ration mit einer Energiedichte von 6,5 MJ NEL/kg Trockenmasse (TM) erhalten. Außerdem ist das Füttern von etwas Kraftfutter sinnvoll, um die geforderten Zunahmen zu erreichen.


Im zweiten Lebensjahr sollten die Färsen zur Besamung in einer eigenen Herde, idealerweise getrennt von den Masttieren, geführt werden. Die tragenden Tiere sollten anschließend nicht direkt in die Mutterkuhherde integriert werden. Vielmehr sollten sie weiter in der Färsenherde auf der Weide bleiben. Denn so müssen sich die jungen, leichteren Tiere im darauffolgendem Winter bei der Fütterung nicht gegen die älteren, ranghöheren Kühe durchsetzen. Das Bilden von eigenen Färsenherden ist aber meist nur in größeren Beständen möglich.


Zur Kalbung im Frühjahr sollten die Färsen zur Geburtsüberwachung in der Nähe des Stalles oder einem gut einsehbaren Ort gehalten werden. Betriebe mit kleineren Bestandsgrößen integrieren die Jungkühe anschließend meist in die Mutterkuhherde. Größere Bestände, die teilweise ohnehin mehrere Teilherden führen, sollten die Zutreter idealerweise erst nach der Säugeperiode und zweiter Trächtigkeit, also im Herbst, in die Herde integrieren. Das hat den Vorteil, dass die kräftigen Kälber der Altkühe die (noch verunsicherten) Jungkühe nicht zusätzlich besaugen können.


Energieschub für Jungkühe


Bei guter Weideführung ist für Mutterkühe keine Zufütterung erforderlich. Bei Jungkühen gibt es aber eine Ausnahme: Nach der Kalbung lasssen sich mit der Flushing-Fütterung in kurzer Zeit 5 bis 6 % höhere Trächtigkeitsraten erzielen. Dabei erhalten die Tiere etwa vier bis sechs Wochen vor der Besamung 1,5 bis 2 kg Kraftfutter pro Tag. Durch den Energieschub nehmen die Jungkühe besser auf.


Hat der Betrieb keine Möglichkeit, die Mutterkuhherde getrennt von der Färsenherde zu halten, sollten die Färsen idealerweise zwei bis vier Wochen vor den Kühen abkalben. Die Färsenkälber sind bei der Geburt etwas leichter, die Milchleistung der Färsen ist etwas geringer. Somit erhalten die Kälber einen kleinen Vorsprung und die Jungkuh hat etwas mehr Zeit bis zur neuen Belegung.


Der Zeitvorsprung ist nötig, da die Jungkühe nach der Kalbung noch etwa 60 bis 70 kg Lebendmasse verlieren. Bei noch größeren Gewichtsverlusten verschlechtern sich die Trächtigkeitsraten drastisch. Das belegt eine Auswertung der Universität Leipzig. Darin erreichten Jungkühe (Fleischrind x Milchrind) mit weniger als 51 kg Gewichtsverlust in der sechswöchigen Besamungsperiode eine Trächtigkeitsrate von 74 %. Bei Jungkühen mit einem Gewichtsverlust von über 100 kg lag die Trächtigkeitsrate hingegen nur bei 31 %.


Auch die Milchleistung der Jungkühe wird von dem Gewichtsverlust beeinflusst. Das verschlechtert insbesondere die Zunahmen und Absetzgewichte der Kälber. Untersuchungen zeigen, dass durch den Gewichtsverlust die Milchleistung um bis zu 600 bis 800 kg in der ersten Laktation zurückgeht. Das hat geringere Absetzgewichte von 60 bis 80 kg zur Folge.


Schaffen die Jungkühe es nicht, innerhalb des Besamungszeitraums tragend zu werden, scheiden sie meist aus der Produktion aus, da sie nicht mehr in den Kalberythmus passen. Durch die geringe Nutzungsdauer werden viele Färsen zur Bestandsergänzung benötigt. Damit können weniger Tiere verkauft werden. Zudem verschlechtert sich die Wirtschaftlichkeit, da pro tragende Färse Aufzuchtkosten von etwa 1 200 € angesetzt werden müssen.


Hinzu kommt, dass die abgehenden Jungkühe nur geringe Schlachtgewichte und -körperqualitäten erreichen. Somit erzielen sie niedrigere Schlachterlöse.


Wir halten fest


In den meisten Mutterkuhherden müssen die Färsen im Alter von zwei Jahren abkalben. Das setzt eine intensive Aufzucht voraus.


Während der Säugeperiode sind für mittel- und großrahmige Rassen Tageszunahmen von 850 bis 950 g anzustreben. Um das zu erreichen, ist das Zufüttern von Kraftfutter über einen Kälberschlupf zu empfehlen. In der Aufzuchtperiode sollten die täglichen Zunahmen zwischen 750 und 850 g liegen. Hierzu ist eine Ration mit einem Energiegehalt von etwa 6,5 MJ NEL/kg TM nötig.


Zur Besamung sollten die Färsen etwa 60 bis 65 % ihres späteren Gewichts erreicht haben. Zu geringe Gewichte bei der Kalbung oder ein zu hohes Erstkalbealter führen zu Problemen bei der Eingliederung der Jungkühe in die Mutterkuhherde.

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