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Was bringen erhöhte Fress-Stände?

Lesezeit: 5 Minuten

Rainer Färber setzt auf erhöhte Fress-Stände. Das Besondere: Er hat sie im laufenden Betrieb nachgerüstet. Seine Kühe danken es ihm. Es berichten Prof. Dr. Barbara Benz und Silke Ehrmann von der Hochschule Nürtingen.


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Als Rainer Färber im Jahr 2008 seinen neuen Kuhstall baute, hatte er eigentlich alles richtig gemacht. Dennoch hat er rund fünf Jahre später noch einmal den kompletten Fressgang umgekrempelt. „Ich war mit der Klauengesundheit der Tiere nicht zufrieden. Jetzt läuft es deutlich besser“, sagt der Milcherzeuger aus Süßen in Baden-Württemberg. Was war los?


Klauen baden im „Güllesee“.

In dem dreireihigen Offenfrontstall laufen die 130 Fleckviehkühe auf planbefestigten Betonböden und liegen in Tiefboxen mit Strohmatratze. Über vier Quergänge kommen sie vom 3,80 m breiten Fressgang auf die andere Stallseite. Der 60 m lange Futtertisch hat ein Fressgitter. Die Fressplatzbreite beträgt 75 cm pro Tier, das Tier-Fressplatz-Verhältnis 1,5 : 1,0. Vor dem Fressgitter ist ein 10 cm hoher und 40 cm breiter Antritt eingebaut.


Die frische Ration legt Färber jeden Morgen vor, mehrmals täglich schiebt er das Futter nach, mittags füttert er zusätzlich noch Heu. Kraftfutter gibt es über den Transponder. Der Mistschieber läuft neunmal pro Tag.


Alles gut, sollte man meinen. Doch Färber merkte schon kurz nach dem Einzug eine Klippe: „Ich wusste nicht, wann ich die Schieber laufen lassen sollte. Wenn die Kühe fraßen, badeten die Klauen in einem Güllesee. Die Schieber aber nur zu den Melkzeiten laufen zu lassen, ist zu wenig.“ Zudem störten ihn die Rangkämpfe und Verdrängungen am Fressgitter, mit denen vor allem die jüngeren Kühe zu kämpfen hatten.


Bittere Konsequenz: Trotz dreimaliger Klauenpflege im Jahr litten etwa die Hälfte aller Kühe an Ballenhornfäule. Zudem erreichten nicht alle Kühe eine optimale Futteraufnahme.


Im Sommer 2013 entschied sich Färber dazu, nachträglich erhöhte Fress-Stände mit Trennbügeln einzubauen. Diese sollten den Kühen mehr Komfort beim Stehen im Fressgitter bieten, vor dem Mistschieber schützen und verhindern, dass einzelne Kühe andere beim Fressen verdrängen. Der Clou: Färber hat die erhöhten Fress-Stände auf der Länge von 60 m im laufenden Betrieb nachgerüstet – und das in nur zwei Tagen!


Dazu ist er schrittweise vorgegangen (vgl. Bilder-Strecke): Zunächst hat der Milcherzeuger den Fressgang sowie die Antrittsfläche vor dem Fressgitter gereinigt. Danach hat die Familie den Mistschieber auf die schmalere Gangbreite angepasst. Dazu haben sie einen Flügel des Breitschiebers demontiert.


Für die Fressstände haben Färbers Betonelemente vorgefertigt. Diese sind 110 cm lang, 120 cm breit und 10 cm hoch. Die Elemente hat die Familie mit dem Schlepper bzw. Radlader in längsrichtung vor die vorhandene Antrittsfläche am Fressgitter verlegt und mit Drahtstiften fixiert. Zum Laufgang hin haben sie ein Gefälle von 2 %. Anschließend haben Färbers eine Gummimatte über Antrittsfläche und Betonelement gelegt und fixiert. Zum Schluss haben sie an jedem zweiten Fressplatz einen Trennbügel montiert.


Kühen fressen länger.

Die Kühe haben die „neuen“ Fressplätze von Anfang an gut angenommen, vermutlich weil sie ähnlich aufgebaut sind wie die Liegebox. „Schon nach zwei Tagen blieben alle Kühe beim Fressen stehen – und das, obwohl der Schieber jetzt jede Stunde läuft“, sagt Färber. Er kann jetzt zu jeder beliebigen Zeit füttern oder Futter nachschieben und muss nicht mehr darauf achten, dass der Schieber frühestens zwei Stunden nach der Futtervorlage läuft.


Wie sich der Umbau auf das Fressverhalten der Kühe ausgewirkt hat, untersuchte die Hochschule Nürtingen in einer Bachelorarbeit. Dazu hat sie zehn Tiere drei Tage lang rund um die Uhr beobachtet (vor und nach dem Umbau).


Das Ergebnis ist erstaunlich: Die Anzahl an Fressperioden hat sich im Schnitt um 16 % auf 6,4 pro Tier und Tag reduziert. Die Länge pro Fressperiode hat sich aber um 25 % auf 13,3 Minuten erhöht, die Gesamtfresszeit hat um 14 % auf 316 Minuten zugelegt (Übersicht 1).


Neben dem Durchschnitt untersuchte die Bachelorarbeit auch Unterschiede im Fressverhalten in Abhängigkeit von Rangordnung und Milchleistung der Kühe vor und nach dem Umbau. Die Einteilung erfolgte in niedrige (ein bis zwei Laktationen) und hohe Lakatationsnummer (mehr als zwei Laktationen) sowie hohe (mehr als 25 kg Tagesgemelk) und niedrige Milchleistung (unter 25 kg Tagesgemelk).


Ergebnis: Die rangniederen Kühe (bis zwei Laktationen) profitieren von den erhöhten Fress-Ständen. Sie steigern die Gesamtfressdauer um 8 % auf 287 Minuten. Allerdings legen die ranghöheren Tiere stärker zu, um 16 % auf 325 Minuten. Die Anzahl an Fressperioden hat sich bei beiden verringert (Übers. 2).


Ein ähnliches Bild ergibt sich bei einer Einteilung nach Milchleistung: Unabhängig von der Leistung ist die Anzahl an Fressperioden gesunken. Die höherleistenden Kühe haben bei der Gesamtfressdauer dennoch um 28 % auf 325 Minuten zugelegt. Die Kühe mit niedriger Milchleistung profitierten nur um 8 % auf 310 Minuten (Übersicht 3).


Der Einbau der erhöhten Fress-Stände hat sich somit im Fressverhalten aller Kühe bemerkbar gemacht: Die Anzahl an Fressperioden geht zurück, dafür steigt die Dauer pro Fressperiode und die gesamte Fresszeit. Allerdings bleiben die Unterschiede: Ranghöhere bzw. Kühe mit hoher Milchleistung fressen spürbar länger.


Auch mehr Milch?

Doch Färber ist überzeugt, dass sich der Einbau auch für die rangniederen bzw. Kühe mit niedriger Milchleistung bezahlt gemacht hat: „Wir haben die Milchleistung seitdem gesteigert. Das gelingt nur, wenn die ganze Herde mitzieht, vor allem die Erstlaktierenden halten die Milch jetzt länger.“ Die Bachelorarbeit hat diesen Aspekt nicht untersucht.


Sicher hat die bessere Klauengesundheit zu der höheren Milchleistung beigetragen: Der Anteil an Kühen mit Ballenhornfäule hat sich nach Schätzungen des Milcherzeugers drastisch reduziert, Mortellaro ist von 15 auf 5 % zurückgegangen und Defekte an der Weißen Linie treten kaum noch auf. Färber führt das auf die deutlich trockenen Klauen zurück.


Die genauen Kosten des Umbaus kann Färber nicht benennen, die Montage erfolgte in Eigenleistung. Er ist sich aber sicher: „Das war gut angelegtes Geld.“

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