MIV-Pressekonferenz

Ein Ritt durch die Milchbranche

In einer Pressekonferenz nahm der Milchindustrie-Verband Stellung zur aktuellen Marktsituation, zu den Bauernprotesten, zur Herkunftskennzeichnung und zur Branchenkommunikation.

Von der anfänglichen Euphorie, die 2020 in der Milchbranche zu spüren war, ist nichts mehr übrig geblieben. „Wir haben mit festen Preisen gerechnet“, erklärt Peter Stahl, Vorstandsvorsitzender des Milchindustrie-Verbands (MIV) und der Hochland-Molkerei. Doch Corona habe die Märkte komplett durcheinander gebracht.

„Die Herausforderung in 2021 ist, gut aus der Coronakrise raus zu kommen“, ergänzte der stellvertretende MIV-Vorsitzende Hans Holtorf von frischli. Beide Molkereivertreter blickten während der digitalen MIV-Pressekonferenz im Rahmen der Grünen Woche dennoch mit stolz auf das vergangene Jahr.

„Wir haben das Jahr trotz allem gut gemeistert, auch zusammen mit den Landwirten“, so Stahl. „In Anbetracht der Herausforderungen ist es außerdem eine beachtliche Leistung, dass der Milchpreis von 2020 voraussichtlich nur einen Cent unterhalb des Vorjahresniveus liegt“, fügte Holtorf hinzu.

Der LEH allein sorgt nicht für bessere Preise

Zu den derzeitigen Bauernprotesten vor Molkereien und Zentrallagern nahm Eckhard Heuser Stellung: „Wir haben Verständnis für die Proteste. Die Molkereien stehen an der Seite der Milcherzeuger“, so der Geschäftsführer des MIV.

Blockaden hält er allerdings für kein geeignetes Mittel, um andere Preise durchzusetzen. „Wir vertrauen auf vernünftige Verhandlungswege“, so sein Standpunkt. Auch Stahl äußerte Bedenken: „Die Teilnehmer blenden aus, dass wir zu viel Milch auf dem Markt haben.“ Um höhere Milchpreise durchzusetzen, will der MIV Mehrwerte über Tierwohl und Nachhaltigkeit schaffen. „Wir sind in die Richtung unterwegs mit QM-Milch“, erklärte Heuser.

Auch der Handel müsse an den Gesprächen beteiligt sein, um sagen zu können, was er bereit ist, dafür zu bezahlen. Holtorf merkte an, dass allein der Lebensmitteleinzelhandel nicht für höhere Preise sorgen könne. Denn nur ein Teil der Milch werde über diesen Absatzkanal vermarktet.

Politische Preise hielten die MIV-Vertreter für keine gute Lösung. „Die jetzigen Vorschläge des EU-Parlaments für die GAP 2023 halten wir für einen Rückwärtsschritt“, stellte Heuser klar. „Wir wollen keine neuen Milchseen und Butterberge!“ Kritisch äußerte sich der Geschäftsführer auch zu einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung. Ein solches System erhöhe die Komplexität des Milchgeschäfts allein durch die gesonderte Milcherfassung und -lagerung. „Eine Herkunftskennzeichnung ist toll, wenn sie freiwillig ist“, so Heuser.

Branchenkommunikation soll im Februar starten

Ein Update gab es auch zur in der Sektorstrategie 2030 verankerten Branchenkommunikation. Ursprünglich sollte die groß aufgelegte Image-Kampagne für Milch bereits im Januar starten. Zurzeit liefe allerdings noch das Personalauswahlverfahren für die Gesellschaft. „Es geht wahrscheinlich im Februar los“, so Heuser.

Vor allem über soziale Medien sollen Verbraucher auf die Vorteile von Milch aufmerksam gemacht werden. Dass einige Molkereien bereits auch Milchalternativen ins Produktportfolio aufgenommen haben, hielten die MIV-Vertreter in dem Zusammenhang nicht für verwerflich. „Nachfrage schafft Angebot“, brachte es Stahl auf den Punkt. „Wir wollen diese Spart lieber selbst bedienen, als es anderen Marktteilnehmern zu überlassen.“

Für 2021 wagte der MIV noch keine Prognose. "In den USA und in Neuseeland erwarten Experten einen Milchpreis in Richtung 30 Cent", so Stahl. "Da wollen wir natürlich drüber liegen."

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Beim Global Dairy Trade legte der Durchschnittspreis deutlich und zum fünften Mal in Folge zu und zwar um 4,8 % auf 3.593 $/t.


Diskussionen zum Artikel

von Wilfried Maser

Mal sehen

bis wann verstanden wird dass, bei einer Milcherzeugung von 117% des Verbrauchs in der EU mindestens 17% außerhalb der EU abgesetzt werden müssen, sonst geht unweigerlich der Preis nach unten. Normalerweise, wenn der Preis für ein Produkt reduziert wird geht der Verbrauch hoch, ... mehr anzeigen

von Norbert Thüning

Herr Perlberg,

im LEH Bereich gibt es die Änderung der Strukturen, die Sie sich so wünschen. 4 bis 5 große Konzerne beherrschen den LEH und in vielen Dörfern müssen sich die Bürger einen Laden selbst bauen sonst gibt es gar nichts.

von Klaus Bastian

Herkunftskennzeichnung....es muss sein

Wie uns Landwirten immer wieder gebetsmühlenartig wiederholt wird, dass die Herrkunftskennzeichnung kaum zu schaffen ist. Schauen wir mal in unser Nachbarland nach Österreich, dort wird sie verpflichtend eingeführt. GEHT ALSO DOCH. Wer hier wehemend dagegen ist, zieht einen Nutzen aus ... mehr anzeigen

von H.Günter Perlberg

Zukunft der Milchproduktion

In einer Marktwirtschaft muss es immer Änderungen der Strukturen geben.Das erlebt zur Zeit die Landwirtschaft. Weiterhin gibt es den Zusammenhang von Angebot,Nachfrage und Preis,den man nicht wegdisskutieren kann,so sehr man sich das auch wünscht. Es ist nicht die Aufgabe des Staates, ... mehr anzeigen

von Klaus Bastian

zu Ihrem Verständnis

Es geht doch nicht darum, dass die Landwirte sich nicht dem freien Markt stellen. Es geht darum, dass in D immer neue Vorgaben und Restriktionen der Landwirtschaft aufgebrummt werden, welche die importierten Waren nicht erfüllen. Diese importierten Produkte liegen aber im gleichen Regal ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

Die Genossen müssen erst lernen

Zu verkaufen und sich nicht selber gegenseitig unterbieten. Siehe Aldi Butter da streichen die sich jetzt satte 50 Cent am kg ein auf Kosten der Erzeuger! Das ist die Tatsache...... traurig aber wahr

von Rudolf Rößle

Ich

sage es noch einmal: Wenn die BOM den Verbraucher aufklären will, ist das vergeudete Zeit. Wenn sie dem Kunden !!! ganz klar die Vorteile in jeder Hinsicht auf Regionalität Schmackhaft macht, wird es ein Erfolg.

von Günter Schanné

Regionalität

ist nur eine geografische Bezeichnung. Daraus ergibt sich noch lange kein Mehrwert für die Tiere. Der Bauer mit der tierquälerischen ganzjährigen Anbindehaltung wohnt um die Ecke, oder im nächsten Dorf, also regional. Der Bauer, der seine Mastschweine im monotonen Einbuchtenstall ... mehr anzeigen

von Ottmar Ilchmann

Todesritt

muss es heißen!

von Armin Eugler

In jedem Satz ein Widerspruch zum vorherigen

... Auch Stahl äußerte Bedenken: „Die Teilnehmer blenden aus, dass wir zu viel Milch auf dem Markt haben.“ Um höhere Milchpreise durchzusetzen, will der MIV Mehrwerte über Tierwohl und Nachhaltigkeit schaffen. „Wir sind in die Richtung unterwegs mit QM-Milch“, erklärte ... mehr anzeigen

von Günter Schanné

Eine gesetzliche Kennzeichnung

von Tierwohl etc. sondert jene aus, die nicht mithalten können. Dies senkt die Produktionsmenge.

von Franz-Josef Aussel

Immer auf dem Irrweg

WLV und MIV reden völlig am Thema vorbei. Zusätzliche Standards bringen nur Mehrkosten, die nur zu einem Bruchteil vergütet werden. Dank dem VLOG hat der Landwirt 4 bis 5 Cent weniger ( Futter teuer, Milchpreis niedriger). Als „Belohnung „bekommt er dann Max. 1Cent Zuschlag!

von Christian Kraus

Wie praktisch,

der Handel sitzt bei QM mit drin und berät mit denen über die Vorschriften und dann redet er beim MIV über den Mehrwert/die Kosten. Und dann, so wie immer, verhandeln die Molkereien mit dem Handel über den Preis der bestimmt was wir für die Milch bekommen. Da machen sich alle recht ... mehr anzeigen

von Steffen Hinrichs

MIV will über 30 Cent (Neuseeland) liegen !?!

Unsere Milch mit dem hohen Standart ( QM, GvO frei ,regional,...) sollte sich ja erheblich höher im Preis absetzen ! Außerdem sollten unsere Molkereien keine Milchprodukte in den Verpackungen des LEH anpacken und das noch günstiger anbieten . In der Sektorstrategie und der ... mehr anzeigen

von Willy Toft

Das wäre das Mindeste, aber das schaffen sie nicht, diese Strategen!

Unsere "Vertretung" gibt ein Erbärmliches Bild ab! Die lassen sich immer wieder auf den Überschussmarkt ein, und der LEH geht glattweg noch daunter!

von Willy Toft

Die Bauern verlassen bitte nicht das Hamsterrad! Wo sehen wir den Ausweg?

Und wenn, ist das mit riesigen Kapitalverlusten verbunden....... Die ständigen Kapitalverluste einer sich ständig mehr ethablierten Raubtier- Kapitalgesellschaft, spüren die Milchviehhalter jeden Tag! Das System ist sicher eingefahren, und die Protagonisten übertreiben es gerade, wie ... mehr anzeigen

von Rainer Hoffmann

MIV Interesse ?

Müssen schauen was der Handel BEREIT ist zu bezahlen, gleichzeitig alles niedermachen was zu einer Milchmengenreduktion seitens der EU führen könnte u so eine bessere Verhandlungsposition ermöglichen könnte ,also null Interesse an besseren Erzeuger Preisen sondern Max an neuen ... mehr anzeigen

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