Corona

Zur Coronakrise: „In solchen Situationen kann es nur ein ‚Wir‘ geben“

Die Nachfrage nach Lebensmitteln ist derzeit ungwöhnlich hoch. Wir haben uns bei Molkereien, Branchenverbänden und dem BMEL umgehört, welche Maßnahmen sie ergreifen, um die Versorgung sicherzustellen.

Trotz der momentan herrschenden Sondersituation bedingt durch das Corona-Virus, läuft es in den Molkereien bisher gut. Das bestätigten sowohl Oliver Bartelt vom Deutschen Milchkontor (DMK) als auch Karin Artzt-Steinbrink von der Upländer Bauernmolkerei gegenüber top agrar. „Wir und auch andere Hersteller von Lebensmitteln werden alles dafür tun, um zusammen mit dem Handel für volle Regale zu sorgen“, erklärte der DMK-Kommunikationschef. Aktionsgruppen seien gegründet worden, die sich täglich über die Situation beraten. Bisher gebe es keine nennenswerten Ausfallzahlen bei den Mitarbeitern, sodass die Produktion derzeit uneingeschränkt weiter laufen könne.

Ähnliches berichtet Karin Artzt-Steinbrink: „Wir haben Bestellungen vonseiten des Lebensmitteleinzelhandels wie Weihnachten.“ Allerdings handle es sich um eine Momentaufnahme. „Ich traue mich nicht eine Prognose zu stellen, da ich mir anhand der rasanten Entwicklungen nicht sicher bin, wie sich die Lage weiterentwickelt“, so die Geschäftsführerin der Upländer Bauernmolkerei.

Vorbereitungen für den Fall der Fälle

Grundsätzlich haben die Molkereien die Hygieneregeln verschärft und versuchen, den persönlichen Kontakt von Mitarbeitern untereinander weitestgehend zu vermeiden. Die Milchabholung sei weiterhin gewährleistet. „Jeder Kontakt von allen im Betrieb tätigen Personen zum Fahrer eines Milchsammelwagens (MSW) ist zu unterlassen“, appellierte Bartelt. Landwirte sollten zusätzlich Handwaschmöglichkeiten bereithalten sowie regelmäßig für ausreichend Frischluftzufuhr im Milchlagerraum sorgen. „Sollte bei einer Person auf einem Betrieb die Infektion mit dem Virus nachgewiesen sein oder besteht ein konkreter Verdacht, soll diese Person den Milchlagerraum bis auf Weiteres nicht mehr betreten, um hier die Gefahr einer Kontamination zu minimieren“, erklärte der DMK-Sprecher.

Auch der direkte Kontakt mit den Kunden soll möglichst unterbunden werden. Die Freiburger Molkerei Schwarzwaldmilch hat beispielsweise ihren Außendienst eingeschränkt. Die Betreuung des Lebensmitteleinzelhandels und der Gastronomie erfolge von nun an aus dem Homeoffice.

Wir sind die Branche, die am längsten weiterlaufen kann und muss. - Karin Artzt-Steinbrink

Sie forderte die Branche auf, solidarisch zu sein und nicht zu versuchen den anderen auszunutzen. „In solchen Situationen kann es nur ein ‚Wir‘ geben“, betonte auch Bartelt.

Genau diese Solidarität beobachtet Frank Maurer, stellvertretender Geschäftsführer der nordrhein-westfälischen Landesvereinigung der Milchwirtschaft: „Es finden regelmäßig Telefonkonferenzen der Molkereien statt, in denen sich die Teilnehmer gegenseitig Tipps geben und unterstützen.“

Entlastung durch weniger Bürokratie

Eine Sprecherin des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) erklärte, dass auch das Ministerium sich den Sorgen der Landwirte über die Konsequenzen für die eigenen Betriebe bewusst ist: „Derzeit prüfen wir, welche bürokratischen Anforderungen wir gegebenenfalls während der Krise herunterfahren können.“ Das finde in enger Abstimmung mit dem Berufsstand statt. Um welche Anforderungen es sich handle und welcher Zeitraum dafür vorgesehen ist, könne sie aber noch nicht beantworten.


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