Statistikfehler

Rindfleischimport: Fett aus Uruguay sorgt für Fehlinterpretation

Im Januar und Februar importierte die EU rund 20.400 t Rinderfett aus Uruguay. Damit wurde das Land zum scheinbar größte Lieferanten von Rindfleisch - ein Trugschluss meint der VDF.

In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres hat es im Außenhandel der Europäischen Union mit Rindfleisch eine scheinbare Überraschung gegeben, berichtete der Presse- und Informationsdienst Agra Europe. So sind laut Daten der Brüsseler Kommission die Rindfleischeinfuhren der EU im Januar und Februar im Vergleich zum Vorjahr um 19,0 % auf 51.530 t gestiegen. Das Besondere: Die Zunahme ging nahezu ausschließlich auf das Konto Uruguays das damit zum wichtigsten Drittlandanbieter von Rindfleisch aufstieg.

Die von dort bezogene Menge hat sich im Vorjahresvergleich auf 27.140 t mehr als vervierfacht. Allerdings stammte ein Großteil der Lieferungen aus 20.400 t Rinderfett. Ein Produkt, das 2020 noch gar nicht von dort in die Gemeinschaft gelangte.

Alle anderen großen Rindfleischanbieter, darunter Brasilien, Argentinien, Australien und die USA, exportierten im Betrachtungszeitraum zwischen einem Viertel und der Hälfte weniger Rindfleisch in die Mitgliedstaaten.

Daten sorgen für Trugschluss

Der Verband der Fleischwirtschaft (VDF) machte deutlich, dass die Daten der EU-Kommission zum Rindfleischhandel fehlinterpretiert werden. Es handle sich um einen Trugschluss, wenn Uruguay aufgrund der Rinderfett-Lieferung als „größter Rindfleischlieferant“ bezeichnet wird.

Denn die tatsächlichen EU-Rindfleischimporte aus Uruguay lagen in den ersten zwei Monaten dieses Jahres mit 6.600 t nur um 400 t über dem Vorjahreszeitraum. Das bedeutendste Lieferland der EU für Rindfleisch bleibt weiterhin Brasilen mit 11.200 t, obwohl die Importe aus Brasilien sogar um 3.700 t im Vorjahresvergleich gesunken sind.

Das aus Uruguay importierte Rindertalg stammt laut VDF zwar auch von Rindern. Seine Verwendung sei allerdings absolut nicht mit Rindfleisch vergleichbar. Rindertalg werde unter anderem in der Lebensmittelindustrie zur Herstellung verschiedenster Endprodukte verwendet. Die Einfuhr solcher Fette erfolgt meist in unregelmäßigen Abständen und in stark schwankenden Mengen. Zufällig gab es Anfang des Jahres Einfuhren dieses Produktes in größerem Umfang und zudem fast ausschließlich aus Uruguay, so der VDF. Im vergangenen Jahr kam dieser Rohstoff vorrangig aus Argentinien.