UFZ Leipzig

ASP-Ausbruch im Kreis Meißen war keine Verschleppung sondern eigenständiges Seuchengeschehen

Dank der genauen Fundortmeldungen von Jägern bei verendeten Wildschweinen konnten Leipziger Forscher ein Computermodell erstellen. Überraschende Erkenntnis: Die ASP in Meißen war ein neuer Ausbruch.

Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest im Landkreis Meißen wurde höchstwahrscheinlich nicht durch eine Verschleppung des Virus über Wildschweine aus Ostsachsen verursacht, sondern muss als eigenes Seuchengeschehen angesehen werden. Zu dieser Erkenntnis kommt eine modellbasierte Untersuchung einer möglichen Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest bis in den Landkreis Meißen.

Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig haben anhand der Echtzeitdaten des tatsächlichen Ausbruchsgeschehens mit mathematischen Mitteln verschiedene Ansteckungsszenarien modelliert. Füttert man die Computermodelle mit realistischen wildbiologischen Daten, ist die simulierte Seuche im Oktober 2021 stets weiter als 60 km von der ersten Fundstelle im LK Meißen entfernt.

Das ist die Erkenntnis der UFZ-Wissenschaftler um Dr. Hans-Hermann Thulke. Selbst wenn hypothetisch eine viermal schnellere Verbreitung der Infektion simuliert wird als in Sachsen beobachtet, wird dank der im Modell nachgestellten Untersuchungsdichte erlegter Wildschweine die Krankheit zu 100 % entdeckt, bevor der LK Meißen erreicht ist.

Das am 8. Oktober 2021 in der Nähe von Radeburg unweit der Autobahn A13 erlegte Tier muss sich also auf einem anderen Weg mit dem ASP-Virus infiziert haben. Dafür kommt die Übertragung mithilfe des Menschen infrage, zum Beispiel durch nicht ordnungsgemäß entsorgte Speiseabfälle.

Sebastian Vogel, Staatssekretär im Sozialministerium und Leiter des ASP-Krisenstabs erklärt: "Dieses Modellierungsergebnis bestätigt uns, wie wichtig es nach wie vor ist, dass die Öffentlichkeit mithilft, diese Tierseuche zu bekämpfen. Nahrungsreste sollten nicht achtlos weggeworfen, sondern in den dafür vorgesehenen Behältern entsorgt werden. Andererseits heißt es aber auch, dass unsere Maßnahmen die Ausbrüche im Wildschweinebestand des Landkreises Meißen als eigenständiges Geschehen behandeln müssen. Damit sind die Errichtung der Zäune bei gleichzeitiger Reduzierung des Schwarzwildbestandes und der Bergung verendeter Tiere im Zusammenspiel die einzig möglichen und die richtigen Maßnahmen. Sie wirken und haben bisher eine Übertragung auf Hausschweinbestände verhindert."

Die Computeranalyse war nur möglich, weil die Seuche im Wildbestand genau überwacht wurde. Dank gilt daher allen Jagdberechtigten für ihre detaillierten Meldungen zu Fundort und Zeit.


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