Schwere Zeiten

Deutsche Fleischwirtschaft vor großen Herausforderungen

Laut den deutschen Fleisch- und Wurstherstellern gefährden die Energiekrise sowie die mangelnde politische Unterstützung beim Umbau der Tierhaltung die Versorgungssicherheit.

Die deutschen Fleisch- und Wursthersteller haben aktuell gleich mehrere große Herausforderungen zu meistern und machen sich angesichts der vor allem stark rückläufigen Schweineproduktion Sorgen um die Versorgungssicherheit. „Die deutsche Fleischwirtschaft hat in den Jahren der Corona-Pandemie die Bevölkerung verlässlich mit hochwertigem Fleisch und Fleischerzeugnissen beliefert.

Die Versorgungssicherheit wird jetzt jedoch durch die Energiekrise und die mangelnde Unterstützung der Regierung beim Umbau der Tierhaltung gefährdet“, erklärte am vergangenen Donnerstag die Geschäftsführerin des Verbandes der Fleischwirtschaft (VDF), Dr. Heike Harstick, anlässlich der gemeinsamen Jahrestagung mit dem Bundesverband Deutscher Wurst- & Schinkenproduzenten (BVWS) in Berlin.

Gasversorgung unsicher

Harstick gab zu bedenken, dass die Schlachtung und Verarbeitung von Fleisch energieintensiv und zur Versorgung der Bevölkerung notwendig sei. Nach wie vor werde die Branche jedoch darüber im Unklaren gelassen, ob und wie eine Zuteilung von Gas bei einer möglichen Mangellage erfolge, kritisierte die Geschäftsführerin.

Durch das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen und punktuell in Hausschweinbeständen hätten Drittländer Importverbote verhängt, deren Märkte für die wirtschaftliche Vermarktung und nachhaltige Verwendung des gesamten Tierkörpers eine bedeutende Rolle spielten. „Dies hat bei den Schlachtbetrieben für spürbare Ertragseinbußen gesorgt“, berichtete Harstick.

Auch für die deutschen Hersteller von Wurst und Schinken ist die Situation schwierig. Die Produktion von Wurstwaren nahm 2021 im Vorjahresvergleich laut Statistischem Bundesamt (Destatis) um 8,9 % auf 1,37 Mio. t bei Roh-, Koch- und Brühwurst ab. „Pandemiebedingte Einschränkungen in der Gastronomie, Engpässe durch die Unterbrechung der Lieferketten beispielsweise bei Ersatzteilen für Produktionsanlagen und ein allgemein sinkender Verzehr sind die Hauptgründe für den Produktionsrückgang bei Wurstwaren“, berichtete BVWS-Geschäftsführer Thomas Vogelsang.

Rückgang der Schweinebestände verschärft Problematik

Der sich fortsetzende deutliche Rückgang der Schweinemast in Deutschland wird nach Einschätzung beider Fleischverbände die wirtschaftlichen Probleme des Sektors weiter verschärfen. Zahlreiche Landwirte würden die mangelnde Bereitschaft der Politik beklagen, für den Umbau der landwirtschaftlichen Erzeugung verlässliche Perspektiven zu bieten. Steigende Energiepreise, eine zunehmend schwierige Vermarktung und Wettbewerbsnachteile durch nationale Auflagen führten bei vielen Bauern zur Betriebsaufgaben.

„Es ist vor diesem Hintergrund fraglich, ob die Versorgung mit heimischem Schweinefleisch weiter sichergestellt werden kann“, warnte Harstick. Bereits heute betrügen die Einfuhren mehr als ein Viertel der heimischen Verbrauchsmenge. Gegenwind gebe es auch wegen des abnehmenden Fleischverzehrs, der im vergangenen Jahr gegenüber 2020 um weitere 2,1 kg auf 55 kg pro Kopf abgenommen habe. In den ersten sieben Monaten 2022 ist nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) das Verkaufsvolumen von Fleisch im Einzelhandel gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11,5 % eingebrochen, was vor allem an der Kaufzurückhaltung in Inflationszeiten liegt.

Hoffnung durch Regionalisierungsabkommen

Auch im Export lief es für die deutsche Fleischwirtschaft zuletzt nicht gut. Die Ausfuhrmenge an Fleisch und Fleischwaren ging 2021 gegenüber dem Vorjahr um 4,7 % auf 3,6 Mio. t zurück; die Exporterlöse fielen mit 10,6 % noch stärker. Der Export von Schweinefleisch in Drittländer war aufgrund des ASP-Geschehens nur sehr begrenzt möglich. Im ersten Halbjahr 2022 setzte sich der Negativtrend bei den Fleischexporten fort.

Erfreulich sei, so der VDF, dass mit der kürzlich abgeschlossenen Regionalisierungsvereinbarung zwischen der EU und Südkorea erstmalig ein großes asiatisches Importland solch ein Abkommen grundsätzlich akzeptiert habe. Zur Wiederaufnahme tatsächlicher Lieferungen sei jetzt aber noch erforderlich, dass das bilaterale Gesundheitszeugnis verabschiedet und Lieferbetriebe durch Korea gelistet würden. Dies wäre ein wichtiger Schritt für die Wirtschaftlichkeit der Schweinefleischproduktionskette in Deutschland, betonte der Verband.

Er rief die Bundesregierung dringend dazu auf, die politische Initiative zu ergreifen, um mit weiteren Drittländern Regionalisierungsabkommen zu erreichen. Das sei wichtig für alle Erzeuger in Deutschland. „Auch die Pfoten und Schwänze von Bioschweinen können nur in Drittländern wie China als Lebensmittel mit hoher Wertschöpfung für die deutschen Erzeuger vermarktet werden“, erläuterte Harstick.

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