Strukturwandel

Allein in Niedersachen gaben 2021 über 500 Schweinebetriebe auf

Geringe Erzeugerpreise, hoher Wettbewerbsdruck, das Wegbrechen von Absatzmärkten: Die Zahl der Betriebe und Tiere gehen in Niedersachsen seit 2010 drastisch zurück. Eine Branche im Umbruch.

Die niedersächsische Nutztierhaltung befinde sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. „Das ist eine nie dagewesene Entwicklung, die einem historischen Bruch gleichkommt“, resümiert Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast. Erstmals stellte sie am Mittwoch einen Bericht zur niedersächsischen Nutztierhaltung vor. In dem Papier seien Wege und Lösungen für eine zukunftsfähige Nutztierhaltung formuliert.

Der Bericht zeige: Die Tierhaltung befinde sich im Umbruch. Dabei spielen geringe Erzeugerpreise, hoher Wettbewerbsdruck und das Wegbrechen von Absatzmärkten eine Rolle. Parallel dazu gebe es die Forderungen nach mehr Klimaschutz, Tierschutz und Tierwohl. „Dabei ist klar, dass mehr Tierwohl mehr Geld kostet. Geld, das nicht über die Ladenkasse bei den Landwirten ankommt", erklärte Ministerin Barbara Otte-Kinast.

Die Anzahl der Schweinebetriebe hat sich in 10 Jahren halbiert

Konkret zeigt der Bericht, dass seit 2010 ein deutlicher Abbau der Tierbestände stattfindet - nicht nur bei den Haltungen an sich, sondern auch bei den Tierzahlen. Vergleiche man die Jahre 2016 zu 2020, nahmen die Tierzahlen und die jeweiligen Betriebszahlen bei Rindern und Schweinen wie folgt ab: Insgesamt 245.609 weniger Rinder. Im Jahr 2016 gab es noch 17.781 Betriebe mit Rinderhaltung, 2020 nur noch 15.664.

Im Schweinesektor wurde alleine im letzten Jahr ein Einbruch bei den Betrieben von etwa 500 (knapp 10 %) und bei den Tieren um etwa 0,78 Mio. (rund 9 %) verzeichnet. In den zehn Jahren davor (2010 im Vergleich zu 2020) gab es bei den Tieren zwar noch einen Anstieg von etwa 150.000, bei den Betrieben selbst zeichnete sich der aktuelle Trend jedoch bereits ab; die Anzahl habe sich nahezu halbiert: von 10.990 Betriebe auf 6.203. Insgesamt hielten die Betriebe im Vergleich 2016 zu 2020 345.393 Schweine weniger; im gleichen Zeitraum gaben 1.273 Betriebe die Schweinehaltung auf.

Das ist eine nie dagewesene Entwicklung, die einem historischen Bruch gleichkommt." - Otte-Kinast

„Das ist eine nie dagewesene Entwicklung, die einem historischen Bruch gleichkommt. Denn auch wenn es schon immer Betriebe gab, die aus der Erzeugung ausgestiegen sind - an den eigentlichen Tierzahlen hat das in den zurückliegenden Jahren kaum etwas geändert“, so Otte-Kinast. Viele Betriebe würden sich inzwischen zunehmend nur aus der Tierhaltung und nicht mehr wie bisher grundsätzlich aus der Landwirtschaft verabschieden. Die Nutztierhaltung befinde sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, der gesteuert werden müsse. Für eine zukünftige Nutzierhaltung müsse Ökonomie, Ökologie, Tierwohl und Soziales vereint werden.

Um dies zu erreichen, habe das Landwirtschaftsministerium bereits diverse Initiativen auf den Weg gebracht - unter anderem die „Niedersächsische Nutztierstrategie", den „Tierschutzplan 4.0", den neuen „Gesellschaftsvertrag" ebenso wie den „Niedersächsischen Weg". Otte Kinast vermisst jedoch die Unterstützung aus Berlin. Die eine Milliarden Euro seien viel zu wenig.

Landvolk: Der Bund muss handeln!

Die Bestandszahlen im Bericht seien nur bis 2020 ausgewiesen. Seitdem habe es aber einen noch weiteren massiven Abbau des gesamten Tierbestandes gegeben. „Das ist eine neue Dimension – zuvor hat zwar die Zahl der Haltungen abgenommen, nicht aber der Gesamtbestand“, rechnet Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers vor. Wenn die Wirtschaftlichkeit dauerhaft fehle, breche die Tierhaltung weg, warnt Ehlers. „Die Vorschläge der Nutztierstrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums aus dem Kompetenzkreis Tierwohl sind nun zügig im Paket umzusetzen, damit die Tierhalter eine Perspektive haben“, fordert der Betriebsleiter. „Anderenfalls werden die Tierhalter nicht in Tierwohlställe investieren.

Den ganzen Bericht zur niedersächsischen Nutztierhaltung 2021, lesen Sie hier.


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