Schwein/Geflügel

Tiermehl-Verbot aufgehoben: Jetzt tierisches Protein verfüttern?

Tierische Nebenprodukte gehen zumeist in die Haustierfutterproduktion. Nun dürfen auch Schweine und Geflügel wieder mit Tiermehl gefüttert werden. Die Futtermischer sind allerdings zurückhaltend.

Die EU-Kommission hat das nach der BSE-Krise 2001 beschlossene Verbot der Verfütterung von verarbeitetem tierischem Protein aufgehoben. Theoretisch dürfen Schweine und Geflügel wieder damit gefüttert werden. Branchenkenner dämpfen allerdings die Euphorie, siehe Infos unten.

Zunächst aber eine Einordnung von Jochen Krieg von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Wir sprachen mit ihm über die neuen Möglichkeiten.

Interview

Verarbeitetes tierisches Protein darf in der EU wieder an Schweine verfüttert werden. Seit wann ist der Einsatz erlaubt?

Krieg: Die gesetzlichen Änderungen sind am 7.09.21 in Kraft getreten. Verarbeitetes Geflügelprotein darf seitdem wieder an Schweine verfüttert werden. Das Verfüttern von Schweineprotein an Schweine bleibt hingegen verboten. Für Betriebe, die neben Schweinen auch Geflügel oder Wiederkäuer halten, gelten besondere Regeln, um z.B. eine Vermischung der Chargen zu verhindern.

Wie hoch ist der Proteingehalt im Geflügelmehl?

Krieg: Der Proteingehalt liegt meist zwischen 50 und 75 %, er ist also relativ hoch. Er kann je nach Knochenanteil zudem von Charge zu Charge stark schwanken. Bei hohen Aschegehalten z.B. sinkt er stark. Auf keinen Fall darf deshalb mit Standardfutterwerten gerechnet werden!

Welche Vorteile hat tierisches Protein gegenüber pflanzlichem Eiweiß?

Krieg: Neben dem hohen Rohproteingehalt ist der hohe Anteil an schwefelhaltigen Aminosäuren und Isoleucin von Vorteil. Die Gehalte liegen deutlich über denen von Sojaextraktionsschrot und Körnerleguminosen. Zudem ist die gegenüber pflanzlichen Futtermitteln hohe Phosphorverdaulichkeit positiv zu bewerten.

In welchen Produktionsstufen bietet sich der Einsatz von tierischem Protein an?

Krieg: Eingesetzt werden können Geflügelmehle...

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