EUROPA/Tiertransporte/Tierwohl

Werden Tiertransporte auf acht Stunden begrenzt?

Tierschützer, Landwirte und Verbraucher wollen mehr Tierwohl beim Transport auf den Straßen und in den Schlachthöfen erreichen. Das EU-Parlament setzt sich mit der Verabschiedung eines Tierschutzberichtes, für eine Begrenzung der Lebendtiertransport-Zeiten ein und fordert stärkere Kontrollen sowie ein Verbot von Lkw-Fahrten in Drittstaaten.

Die Fahrzeit von Lebendtier-Transporten soll auf acht Stunden begrenzt werden. Dies hat das EU-Parlament mit der Verabschiedung des Berichtes zur „Situation der Tiertransporte in der EU“ am Donnerstag in Straßburg mehrheitlich beschlossen. Die EU-Kommission wird aufgefordert, die aus dem Jahre 2005 stammende Verordnung über den Tierschutz zu überarbeiten. Die Mitgliedstaaten sollen die Kontrollen der Straßentransporte verstärken und Tierquälerei vermeiden helfen.

Der Transport von Lebendtieren quer durch Europa und in Drittländer hat enorm zugenommen. Über 40 Millionen Rinder, Schafe und Schweine wurden 2017 in der EU von den europäischen Bauernhöfen zu Schlachthöfen transportiert. Hinzu kommen rund 1,5 Milliarden Hühner pro Jahr.

Tilly Metz: "Lokale Schlachtbetriebe stützen und Gütesiegel für Fleisch setzen"

Besonders in der öffentlichen Kritik stehen Transporte in Drittländer bis nach Ägypten, Türkei, Kasachstan und Usbekistan mit Fahrzeiten von über 15 Stunden Dauer.

„Es ist unerträglich, dass Millionen Tiere wegen mangelhafter Kontrollen und Umsetzung der Gesetze unermesslich leiden. Die EU-Regierungen müssen Millionen Tieren unerträgliches Leid ersparen und auf lokale Schlachtbetriebe, stressfreie Schlachtung und ein Gütesiegel für Fleisch setzen“, sagte die luxemburgische grüne EU-Abgeordnete Tilly Metz.

„Die Tierquälerei auf Europas Straßen muss ein Ende haben und Tierschutz Priorität bekommen. Ein Untersuchungsausschuss hätte die Lage der Tiere bei Tiertransporten noch genauer untersuchen und einen Gesetzestext vorschlagen können, aber Konservative und Sozialdemokraten lehnten eine parlamentarische Aufarbeitung des Tierleids auf Europas Straßen ab,“ erklärte der Koordinator für Agrarpolitik der Grünen im EU-Parlament, Martin Häusling.“

Die Grünen ziehen mit den Sozialdemokraten im EU-Parlament an einem Strang für mehr Tierwohl und eine Begrenzung der Fahrzeiten von Lebendtier-Transporten.

„Auf Europas Straßen sind jährlich über eine Milliarde Tiere unterwegs. Mindestens sechs Millionen von ihnen werden auf Strecken transportiert, die über acht Stunden in Anspruch nehmen. Dabei werden die gesetzlichen Mindestvorgaben nur selten in einem ausreichenden Maße erfüllt", erklärte die SPD-Europaabgeordnete Maria Noichl nach dem Votum am Donnerstag. Der aktive Tierschutz müsse zurück auf die politische Agenda. Dauerhaft könne das Ruder nur mit einer neuen, nachhaltigen Agrarpolitik und der Überarbeitung der Tiertransportverordnung herumgerissen werden

Als Grund für die gestiegenen Transporte machen Grüne und SPD die fortschreitende Spezialisierung von Mastbetrieben, extreme Konzentrationsprozesse im Schlachtbereich sowie das „immerwährende Schielen auf die niedrigsten Kosten als auch das Verbraucherverhalten“ verantwortlich.

ProVieh: „EU-Parlamentsvotum bleibt zunächst ein zahnloser Tiger“

Die Tierschutz-Organisation „Vier Pfoten“ wertete die Abstimmung der EU-Parlamentarier als „ein unglaublich wichtiges Signal für den Tierschutz“. „Im Wesentlichen sind darin unsere langjährigen Forderungen enthalten, wie eine Begrenzung der Transportzeit, mehr unangekündigte Kontrollen und schärfere Sanktionen bei Verstößen“, erklärte Andreas Manz in Brüssel. Allerdings hätte sich „Vier Pfoten“ eine ganz konkrete Beschränkung auf acht Stunden Transportzeit gewünscht. „Dies wurde leider knapp abgelehnt“, so Manz.

Große Koalition in Berlin blockiert Verbot von Drittland-Transporten

Auch ProVieh e.V. wertet das Votum des EU-Parlaments als einen ersten wichtigen Schritt, um Verbesserungen bei den qualvollen Tiertransporten einzuläuten. “Zwar hat die Zustimmung des EU-Parlaments erst mal keine rechtlichen Auswirkungen und ist damit noch ein zahnloser Tiger.

Aber sie zeugt vom Veränderungswillen auf EU-Ebene, während die große Koalition in Deutschland nicht einmal die extrem strapaziösen und langen Tiertransporte in Drittstaaten beenden will, bei denen Tiere regelmäßig verenden, so die ProVieh-Referentin für Agrarpolitik Jasmin Zöllmer. Jetzt sei dringend eine rechtlich verbindliche Umsetzung des Berichts auf EU-Ebene und ein nationales Verbot der Tiertransporte in Drittländer vonnöten, so Zöllmer, um mit gutem Beispiel voranzugehen.

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Artikel geschrieben von

Thomas A. Friedrich

Korrespondent Brüssel/Straßburg

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Diskussionen zum Artikel

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von Josef Doll

Und weiter geht die Jagd

Geht es hier um Schlacht oder Nutztiertransporte ?? Oder werden hier beide zusammengelegt ?? Somit wären hier der Zuchttiertransporte durch die Hintertür geschlossen !!! Damit hätten viele Betriebe ein Standbein durch die Hintertür verloren .............

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