Landwirtschaft im Dialog

Westfleisch: Landwirte beim Thema Tierwohl nicht alleine lassen

„Tierhalter im Tierschutzstress“? Darüber wird im top agrar-Format "Landwirtschaft im Dialog“ am 28.11 in Berlin diskutiert. Wir haben Podiumsteilnehmer Steen Sönnichsen von Westfleisch vorab befragt.

Wie nehmen Sie die Diskussionen um das Thema Tierschutz wahr, was kommt auf die Branche zu?

Sönnichsen: Für Westfleisch steht das Wohlergehen der Tiere an erster Stelle. Unser Tierschutzkonzept setzt entsprechend seit vielen Jahren auf Prävention und Dokumentation. Wichtig ist es, jederzeit genau hinzuschauen und dabei Daten, Fakten und Bilder richtig einzuordnen. All dies erwarten wir auch in den Debatten rund um den Tierschutz.

Hier wäre es manches Mal wünschenswert, wenn faktenbasiert und deutlich sachlicher zum Wohle des Tierschutzes und auch im Interesse des verantwortungsvoll handelnden Landwirts diskutiert würde. - Sönnichsen

Gerade wenn es um ein besseres Tierwohl geht, dürfen die Landwirte nicht alleingelassen werden. Um tierwohlgerechtere Ställe mit Außenklima, mehr Platz, mehr Licht oder mehr Beschäftigungsmöglichkeiten tatsächlich zu realisieren, müssen vom Gesetzgeber bundesweit entsprechend verlässliche finanzielle und strukturelle Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Wie kann Westfleisch die Landwirte beim Tierschutz unterstützen?

Sönnichsen: Mit fast 4.500 Mitgliedern setzen so viele Bauern wie nie zuvor auf unser genossenschaftliches Modell. Sie honorieren, dass Westfleisch eng mit ihnen zusammenarbeitet: Unsere Genossenschaft unterstützt die Landwirte in vielfältiger Hinsicht, auch mit Schulungen und Fachveranstaltungen. Allein in den vergangenen Monaten haben über 600 Landwirte an diversen Veranstaltungen unserer Reihe "W.i.P. – Westfleisch infomiert Profis" zu Themen wie Tierschutz, Beurteilung von Schlacht- und Transportfähigkeit, Nottötung oder ASP teilgenommen.

Zudem ist es für uns von besonderer Bedeutung, dass auf die Bedürfnisse der Landwirte eingegangen wird. Für manche Betriebsleiter hängt von den aktuell kontrovers diskutierten Themen das grundsätzliche Weitermachen ab: Ferkelkastration, Kastenstand, Schwanzkupieren, die neue Düngeverordnung oder die nicht enden wollenden Diskussionen um Pestizide, Umweltschutz oder gar Feinstaubopfer. Hier setzt sich Westfleisch massiv für die Interessen der Landwirte ein. Direkt vor Ort, in den entsprechenden Gremien und an den zuständigen Stellen in Düsseldorf, Berlin und Brüssel. Denn für uns steht fest: Diese strittigen Punkte müssen endlich geklärt werden – schnell und fair!

Sie sind klassischer Fleischverarbeiter: Wie sehen Sie den Hype um Fleischersatzprodukte, wird sich der Trend weiter verstärken?

Sönnichsen: Die verschiedenen Versuche, Alternativen zu Fleischprodukten in den Markt zu bringen, beobachten wir genau. Teilweise stehen sie im Wettbewerb zu unseren Produkten. Klar ist: Alternative Proteine werden das Fleisch-Angebot zunehmend ergänzen, aber das „richtige“ Fleisch von echten Tieren nicht verdrängen. Deutliche Auswirkungen auf unseren Absatz erwarten wir daher auch in den kommenden Jahren nicht.

Entscheidend ist es, sich als Qualitätsanbieter zu positionieren. - Sönnichsen

Dafür sind wir ausgezeichnet aufgestellt: Unsere enge Bindung zur Landwirtschaft verstehen wir als Chance und als Antrieb, uns in unseren Märkten, in der Landwirtschaft und der in der Gesellschaft entsprechend unseres Markenkerns „Direkt von Bauern“ zu positionieren. So können wir unsere Genossenschaft ebenso kontinuierlich wie praxisnah als nachhaltiges Lebensmittelunternehmen weiterentwickeln – und das unter einer ausgewogenen Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Aspekte.

Landwirtschaft im Dialog zu „Tierhalter im Tierschutzstress“ am 28. November

Am 28. November steht ab 19 Uhr in der Vertretung des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Berlin das Thema Tierschutz im Mittelpunkt. Wir wollen mit Politikern verschiedener Parteien aus Bund und Ländern, Bauern, Händlern und Vertretern von Umweltorganisationen und des Agribusiness diskutieren, was geschehen muss, damit die deutschen Tierhalter verlässliche und akzeptierte Zukunftsperspektiven bekommen, auf die sie bauen können.

Kostenlos anmelden!

Die Teilnahme an der Veranstaltung, die top agrar im Rahmen des neuen Diskussionsformats „Landwirtschaft im Dialog“ durchführt, ist kostenlos. Weitere Informationen und Anmeldung unter www.seminare.lv.de

Artikel geschrieben von

Christina Lenfers

Redakteurin top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Vincent Kaul

Als Verbraucher blicke ich nicht mehr durch

Wenn die Politik das Thema Tierwohl regeln muss, wird es von den betroffenen Landwirten wahrscheinlich eher halbherzig umgesetzt. Bereits jetzt gibt es genügend Bauern und Bäuerinnen die ihre Tiere unter besten Bedingungen halten. Nur muss ich die suchen wie die Nadel im Heuhaufen. Selbst bei Bio-Wurst im Supermarkt lasse ich mittlerweile die Finger weg. Auf weidefunk.de habe ich schon einige Portraits von Erzeugern gelesen die einem wirklich Mut machen. Tiere die mit Respekt behandelt werden, schmecken einfach besser. Die Bauern verdienen im Idealfall mit solchen Spezialitäten ja sogar mehr. Ich wünschte mir wir hätten eine Essenskultur wie in Frankreich, da gibt man gerne etwas mehr aus für besondere Produkte!

von Rudolf Rößle

Tierwohl

wenn die erzeugten Mengen die gleichen oder noch höher sind, wird die Preisdifferenz nicht so groß sein. Die Mäster sollten jetzt private Schlachter haben , die Containerweise das Fleisch nach China transportieren.

von Matthias Baun

Mit sehendem Auge ...

Danish Crow hat den ersten Vertragsbetrieben die nach staatlichen Tierwohllabel produziert haben, die Verträge gekündigt, weil der Absatz nicht passt. Und wir sollen staatlich gezwungen werden etwas zu produzieren, was hinterher keiner kauft. Alle Kosten bleiben an uns. Einigen wird dabei die Luft ausgehen und sie schließen für immer ihre Stalltüren. Und die, die vor Jahren den Veggie Day einführen wollten und damit kläglich gescheitert sind, kommen so wieder einen Schritt voran. Parallel dazu steigt in der ganzen Welt der Bedarf an Schweinen die so produziert werden, wie wir es seit Jahren hervorragend können. Das die N Problematik ein wichtiges Thema ist, wird kein Landwirt bestreiten, aber einem Staat der ein Interesse an einem starken Berufszweig hat, würde ihn mit Lösungen unterstützen, anstatt dessen werden wir Bürokratie und verboten zur Aufgabe gezwungen. Armes Deutschland wo bist du hingeraten.

von Gregor Grosse-Kock

Tierwohl

Die Westfleisch sollte mal die Wartezeiten der Anlieferungstiere in den Griff bekommen! Landwirte sollten die Blackbox anschauen, wann die Tiere geschlachtet wurden! Das Thema kann genau ausgeführt werden!!! Die Mitarbeiter der Westfleisch. sind Schwetzer immer nur die Bauern nie die Schlachter, ich glaub es geht gerade noch!!

von Willy Toft

Genau@Schmidbauer, die Halbwertzeiten der Wohlfühle- Programme für Tiere, hat ....

meistens nicht mal ein HALBES JAHR durchgehalten! Der Markt wird es nicht hergeben! Kann die Politik das denn so unterstützen, wie es von dort angedacht ist? Die machen einen Hype auf die ganzen Restriktionen, und wir sollen alles auslöffeln, aber der Strukturwandel hat andere Ursachen, oder wie sollen wir das verstehen?!!

von Erwin Schmidbauer

Am Ende entscheidet der Markt

Und damit der Verbraucher. Die Politik könnte den Verbraucher zwingen, aber politisch ist es einfacher, die Landwirte zu zwingen und den Verbraucher zu schonen.

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