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Tierortung auf der Weide: Funktioniert das?

Lesezeit: 6 Minuten

Vor allem für Weidetiere auf der Alm ist die Ortung per GPS interessant. Wie zuverlässig ist die neue Technik bereits? Dr. Jan Maxa und Stefan Thurner, LfL Bayern, haben zwei Fabrikate getestet.


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In vielen Ställen sind Monitoring-Systeme zur Brunsterkennung oder zur Gesundheitsüberwachung, zusehends aber auch zur Ortung der Tiere, nicht mehr wegzudenken. Auf der Weide hat das Thema dagegen erst an Fahrt aufgenommen, seitdem das globale Navigationssystem GPS auch für zivile Zwecke zugelassen ist. Entscheidende Nachteile waren bisher der hohe Stromverbrauch sowie die relativ hohen Kosten für die Technik und die Datenübertragung. In beiden Punkten ergaben sich in den letzten Jahren jedoch Einsparungen und neue Entwicklungen bei der Stromspeichertechnologie. Damit sind neue Einsatzgebiete realisierbar.


Mögliche Einsatzgebiete


In Europa eignen sich vor allem die bewirtschafteten, hochgelegenen Sommerweideflächen – beispielsweise im Alpenraum – für den Einsatz von Ortungssystemen. Darüber hinaus stellen alle weitläufigen Weiden, auf denen die Tierkontrolle erschwert ist, mögliche Einsatzgebiete der Technik dar. Das sind z.B. Flächen in den Mittelgebirgen oder Naturparks und Naturschutzgebiete. Weil es sich bei diesen Weidegebieten oft um schwer zugängliche und unübersichtliche Flächen handelt, muss die Technik bestimmten Ansprüchen gerecht werden.


Was muss das System können?


Aus diesem Grund ist auch nicht jedes GPS-Ortungssystem aus dem Online- Shop dafür zu empfehlen. Aus Gesprächen mit Hirten und Landwirten ergeben sich folgende Anforderungen:


  • ausreichende Akkulaufzeit für die ganze Alm- bzw. Weidesaison;8


  • zuverlässige Positionsdaten auch unter schlechteren Bedingungen wie z.B. bei schwachem Signalempfang oder bei einer Abschattung;9


  • sehr einfache, benutzerfreundliche Software für das Smartphone oder den Rechner;10


  • eine sogenannte Geo-fencing-Funktion sollte vorhanden sein, d.h., der Landwirt wird informiert, falls ein Tier eine bestimmte Fläche verlässt;11


  • kleines, stabiles Gehäuse;12


  • günstige Anschaffungs- und Betriebskosten.13


Weltweit gibt es derzeit am Markt mehrere Anbieter von GPS-Ortungssystemen für Weidetiere. Wer sich für die Anschaffung interessiert, sollte allerdings wissen, dass nur wenige Systeme über einen längeren Zeitraum unter praktischen und schwierigeren Bedingungen bezüglich des GPS-GSM-Empfangs getestet wurden. Darüber hinaus fehlen bei vielen Systemen oft die Vertriebspartner in der EU bzw. in Deutschland, sodass man bei Problemen möglicherweise alleine dasteht.


An der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) führen wir bereits seit 2010 Untersuchungen zur GPS-Tierortung durch. Im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte waren Ortungssysteme oder deren Prototypen von sechs Herstellern auf 15 Jungviehalmen und teils auch auf Schafalmen in Bayern und Tirol bis zur Weidesaison 2018 im Einsatz. Darüber hinaus haben wir selbst zusammen mit der Industrie ein Ortungssystem entwickelt.


Drei Fabrikate im Vergleich


Im Folgenden stellen wir die drei GPS-Ortungssysteme der Firmen Blaupunkt Telematics, Telespor und Tecsag Innovation näher vor. Die technischen Details finden Sie in der Übersicht.


Blaupunkt Telematics: Das Ortungssystem der Firma Blaupunkt Telematics wurde zusammen mit dem Institut für Landtechnik und Tierhaltung (ILT) der LfL entwickelt und mehrere Weidesaisons lang getestet. Das Fabrikat zeigt unter anderem die aktuelle Position des Tieres auf einer Karte des mobilen Endgeräts (Smartphone oder Laptop) an und liefert zugleich Informationen über die Bewegungsprofile einzelner Tiere. Dadurch liefert es dem Landwirt anschauliche und schnell erfassbare Informationen über die Beweidung einzelner Areale. Es benötigt keine Antenne.


Bis zum Beginn der Weidesaison 2019 sollen auch die Geo-fencing-Funktion und eine neue Benutzeroberfläche verfügbar sein. Das Ortungssystem liefert zurzeit Positionen in Stundenintervallen. Somit ist eine Batterielaufzeit von knapp fünf Monaten gewährleistet. Das Gehäuse der ersten Serie ist stabil gebaut und eignet sich für Rinder, Schafe und Ziegen.


Telespor: Für weitläufigere Weiden liefert die einfache Technik der Firma Telespor aus Norwegen zuverlässig GPS-Positionsdaten – vorausgesetzt, ein GSM-Signal ist vorhanden. Von Vorteil sind hier die geringen Anschaffungs- und Betriebskosten sowie die langjährigen positiven Erfahrungen im praktischen Einsatz.


Bei diesem System treten jedoch einige Nachteile auf: Die Positionsdaten, die bei nicht vorhandenem GSM-Signal erfasst werden, gehen verloren, weil keine Datenspeicherkapazität vorhanden ist. Darüber hinaus ist die Webseite nicht in Deutsch, es gibt keinen direkten Vertrieb in Deutschland und die Akkulaufzeit ist gering. Es erlaubt derzeit maximal 2000 Datenübertragungen, das entspricht bei einstündiger Positionsmeldung nur ca. 2,5 Monate.


Weiterhin ist auf der Webseite kein Kartenmaterial wie etwa OpenStreetMap oder Google Maps vorhanden. Die Positionen der Tiere werden auf Karten dargestellt, deren Ausschnitte für Deutschland sehr unpräzise sind.


Zusätzlich muss das in Deutschland übliche Halsband für Rinder (Breite ca. 50 mm) erst an das Gehäuse mit einer max. Breite von 35 mm angepasst werden. Bei der neuen Generation des Fabrikats ist das Gehäuse dagegen sehr klein, stabil und für Rinder, Schafe und Ziegen geeignet.


Tecsag Innovation: Für Gebiete ohne GSM-Empfang gibt es das Ortungssystem Alptracker der Schweizer Firma Tecsag Innovation. Es ist für Rinder, Schafe und Ziegen geeignet. Von Vorteil ist laut Erfahrungen des Schweizer Forschungsinstituts Agroscope die Abdeckung von Gebieten ohne GSM-Empfang. Lediglich eine Funkstation muss im GSM-Bereich liegen.


Um das System zu installieren, muss im Vergleich zu den anderen beiden Geräten aber zunächst eine Antenneninfrastruktur aufgebaut werden. Die Anschaffungskosten pro Funkstation inklusive Installation betragen laut Hersteller je nach Antennenausstattung ca. 2950 bis 3850€. Je nach Gelände sind zusätzliche Antennen nötig. Das ermittelt die Firma vorher über eine Simulation. Hinzu kommen die Kosten für die Ortungssysteme und die Betriebskosten für die Übertragung der Daten von der Funkstation in das Mobilfunknetz. Die Firma bietet momentan Ortungssysteme in drei Varianten an: Alpin, Urban und Universell. Die urbane Variante wird derzeit nur in der Schweiz vertrieben bzw. ist derzeit auch nur dort einsetzbar, da dort bereits eine flächendeckende LoRa-Netzabdeckung gewährleistet ist (siehe Kasten).


Erste Praxisergebnisse


Der Einsatz moderner Techniken zur Ortung der Tiere kann vor allem auf weitläufigen, unübersichtlichen Weideflächen vorteilhaft sein. Vor allem bei der täglichen Tierkontrolle und der Tiersuche besteht das größte Potenzial der Arbeitszeiteinsparung.


Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass die tägliche Tierkontrolle auf bayerischen Jungviehalmen im Durchschnitt ca. 70% der Arbeitszeit in Anspruch nimmt. Im Extremfall dauert die Tiersuche einen ganzen Tag. Dies kann vor allem bei Nebel oder andauerndem Regen der Fall sein.


Positive Erfahrungen mit den Ortungssystemen wurden nicht nur auf behirteten Jungviehalmen, sondern auch auf weitläufigen Wald-Weideflächen ohne Einzäunungsmöglichkeiten oder bei der Almbewirtschaftung in Teilzeit vom Talbetrieb aus erzielt.


Wie geht es weiter?


Die Ortungssysteme entwickeln sich im Hinblick auf die Batterietechnologie und das Datenmanagement weiter. Die Gehäuse werden kleiner und die Laufzeit länger. Künftig lassen sich zudem weitere Informationen der Tiere, wie z.B. Daten zur Brunst, auch auf der Weide erfassen und mit anderen kombinieren. Dazu erarbeitet die LfL gerade mit der Fa. Blaupunkt Telematics passende Algorithmen. Wichtig ist allerdings, dass all diese Entwicklungen mit sinkenden Anschaffungskosten für den Landwirt Hand in Hand gehen.


silvia.lehnert@topagrar.com

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