Interview

„Ein großes Defizit in der Kommunikation“ Premium

Durch das Volksbegehren Artenvielfalt sehen sich viele Bauern an den Rand gedrängt. Wie kommen sie wieder zurück in die Mitte der Gesellschaft? Ein Gespräch mit Alois Glück.

Alois Glück (79) moderierte im Frühsommer den Runden Tisch zum Volksbegehren Artenvielfalt in Bayern, an dem auch Vertreter der Landwirtschaft und des Naturschutzes teilnahmen.

Der gelernte Landwirt aus Traunwalchen im Landkreis Traunstein saß 38 Jahre im Bayerischen Landtag.

Er war Umweltstaatssekretär, CSU-Fraktionsvorsitzender und zuletzt Landtagspräsident.

Herr Glück, Sie haben Landwirtschaft gelernt und schon 1957 den elterlichen Betrieb übernommen. Haben Sie seitdem jemals eine so schlechte Stimmung in der Landwirtschaft erlebt wie augenblicklich?

Glück: Ich habe vor allem im Rahmen des Projektes Runder Tisch so richtig aufgenommen, wie viel Verdrossenheit, wie viele Verletzungen innerhalb der bäuerlichen Familien da sind. Die Bäuerinnen und Bauern haben den Eindruck, ihre Arbeit erfährt keine Wertschätzung mehr. Ich erlebe, dass in wirtschaftlich zukunftsfähigen Betrieben die Senioren den Junioren empfehlen, aufzuhören und etwas anderes zu suchen. Das hat mich sehr getroffen und beschäftigt mich nach wie vor sehr, sehr stark.

Es sind vor allem die immer heftiger werdenden Vorwürfe der Gesellschaft, die die Bauern bedrücken. Objektiv gesehen haben die Landwirte in den letzten Jahrzehnten den Tier- und Umweltschutz immer weiter verbessert. Warum nimmt die Kritik trotzdem zu?

Glück: Ein Grund ist sicher die zunehmende Entfremdung zwischen der Landwirtschaft und der übrigen Bevölkerung.

Mir fällt dabei auf, dass die Landwirte eine unterschiedliche Wertschätzung erfahren: Große gesellschaftliche Anerkennung bekommen die Ökobetriebe, Akzeptanzprobleme haben vor allem die intensiv wirtschaftenden Betriebe. Das ist eine massive Verschiebung innerhalb der Landwirtschaft. Denn früher waren die Biobauern „die Spinner“ und jetzt sind sie die, die in der Öffentlichkeit Anerkennung genießen. Das schafft auch Spannungen innerhalb der Landwirtschaft.

Warum entfremdet sich die Gesellschaft immer mehr von den Bauern?

Glück: Wir haben einen heftigen Strukturwandel, die Zahl der Landwirte ist stark zurückgegangen. Die Landwirte sind auch im öffentlichen Leben nicht mehr so präsent, weil sie sehr durch die Bewirtschaftung ihrer Betriebe gebunden sind.

Zudem sind viele Höfe nicht mehr im Dorf. Die Betriebe, die sich entwickeln, haben ausgesiedelt. Das Nachbarschaftserlebnis, das ich in meiner Jugendzeit noch erlebt habe, gibt es in der Form kaum noch.

Was sicher eine Rolle spielt, ist die Berichterstattung in den Medien über zu hohe Nitratbelastung mit Auswirkungen auf das Grundwasser und letztlich auch auf das Lebensmittel Trinkwasser. Das ist für die Menschen etwas, wo sie sofort sehr sensibel sind.

Bauschen die Medien nicht auch Probleme...

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Artikel geschrieben von

Klaus Dorsch

Redaktionsleiter SÜDPLUS

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Diskussionen zum Artikel

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von Wilhelm Grimm

Er hat sein Glück versucht,es ist ihm nicht gelungen, konnte wohl auch nicht.

Wenn es die Gesellschaft und die gewählten Politiker in einer parlamentarischen Demokratie zulassen, dass komplizierte Sachverhalte mit weitreichenden Folgen von Laien und den Massen der Strasse diskutiert und entschieden werden, gibt es keine demokratische Kontrolle mehr. Die Massen der Strasse entscheiden nicht mehr mit Vernunft sondern mit Bauchgefühl,also emotional. Diese Emotionen sind in diesem Fall jahrelang gezielt gesteuert wordern, es handelt sich um eine Massenpropaganda. Herr Glück hat das erkannt, aber er hat nicht reagiert .Er unterliegt auch bezüglich der Rolle der klassischen Presseorgane einer Fehleinschätzung, die spielen alzu gerne mit. Ebenso die Wasserversorger, die sich nach meinen Informationen zu Unrecht über den Zustand des Grund-und Trinkwassers in Bayern beschweren und fahrlässig gegen die Landwirtschaft Stimmmungsmache betreiben und sich leider der grünen Politik zu Füssen gelegt haben. Und am Klimawandel sind wir auch nicht die Hauptschuldigen, im Gegenteil. Gut gedüngte und mit Pestiziden behandelte Felder sichern nicht nur unsere Ernährung , sie verbrauchen auch mehr Kohlendioxid und liefern mehr Sauerstoff als die Biofelder. Das hätte gesagt werden müssen, als das 30%-Ziel gefordert wurde. So aber werden falsche Erwartungen geweckt. Auch die Bienen mussten sich dieser Massenmanipulation unterwerfen. Hier ist eine riesige Chance zu sauberen Aufklärung der durch Massenpropaganda gesteuerten Stimmung gegen die modernen und umweltfreundlichen Produktionsmethoden der Landwirte jämmerlich vertan worden. Dafür können wir Herrn Glück nicht verantwortlich machen, denn gegen Massenhysterie und kollktiven Wahn kämpt man gegen Windmühlenflügel. Aber der Berufsverband muss sich bereits im Vorwege besser gegen gesteuerte Massenpropagande wehren.

von Martin Forster

Tolle Demokratie

Über 18% haben das Volksbegehren unterstützt, die über 81% die das nicht taten hatten aber auch keine Möglichkeit sich dagegen auszusprechen.

von Martin Forster

Der Splitter im Auge des anderen

Der verständnisvolle und gute Christ Herr Glück hat leider in mehreren Interviews, wie auch diesem vergessen zu erwähnen das auch Er das Bauernbashing-Volksbegehren mit seiner Unterschrift unterstützt hat (im Münchner Merkur hat er es noch erwähnt). Mein Vorschlag "unser tägliches Brot gib uns heute" ändern in "erhalte uns die süße des Honigs".

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