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Fahrbericht: Der neue Claas Torion

Durch die Kooperation mit Liebherr übernimmt Claas ausgewählte Maschinen aus dem Radladerprogramm. Wir haben das größere Modell der kleinsten Baureihe Probe gefahren und dabei auch die Abschiebeschaufel Smart Push mit Obergreifer ausprobiert.

Lesezeit: 7 Minuten

Durch die Kooperation mit Liebherr übernimmt Claas ausgewählte Maschinen aus dem Radladerprogramm. Wir haben das größere Modell der kleinsten Baureihe Probe gefahren und dabei auch die Abschiebeschaufel Smart Push mit Obergreifer ausprobiert.


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Auf der Agritechnica konnte man sie schon in Augenschein nehmen: Die saatengrünen Radlader Torion von Claas. Die Harsewinkeler vermarkten ausgewählte Radlader vom Baumaschinenhersteller Liebherr, der bisher nur eine geringe Bedeutung in der Landwirtschaft hatte.


Insgesamt gibt es zurzeit sieben Lader mit Einsatzgewichten von 5 bis 19,5 t. Wir haben das zweitkleinste Modell, den Torion 639, mit 5,6 t Gewicht gefahren. Die Kipplast des geknickten Laders gibt Claas mit 3850 kg an. Angebaut war die Greifschaufel Smart Push, die eine interessante Abschiebefunktion hat (mehr zur Schaufel auf S. 118). Bei Liebherr heißt der Radlader L 508 Compact.


Feinfühliger Antriebsstrang


Der Torion 639 ist mit einem Vierzylinder-Motor von Yanmar ausgestattet. Er hat 3,3 l Hubraum und leistet bis zu 68 PS. Die aktuelle Abgasnorm erreicht er mit Abgasrückführung, Partikelfilter sowie Oxidationskatalysator. Der Tank fasst 50 l Diesel.


Der stufenlose, hydrostatische Fahrantrieb besteht aus einer Schrägscheiben-Verstellpumpe sowie einem Axialkolbenmotor. Der Lader erreicht eine maximale Geschwindigkeit von 20 km/h. Über einen Schalter in der Seitenkonsole lässt sich der Geschwindigkeitsbereich des Pedals auf 6 km/h begrenzen. Das ist gut für gefühlvolles Rangieren. Der Motor hat genug Kraft, um alle vier Räder durchdrehen zu lassen. Bei unserem Modell waren die Reifen der Größe 400/70R20 von Michelin aufgezogen. Insgesamt bietet Claas 16 verschiedene Reifen mit Industrie- oder Ackerprofil an. Der Lader soll mit jeder Bereifung unter 2,50 m Bauhöhe bleiben. Wir haben nachgemessen: Die Höhe passt genau.


Zum Bremsen bzw. um mit hoher Motordrehzahl langsam zu fahren, gibt es ein kombiniertes Brems- und Inchpedal. Eine Langsamfahreinrichtung (691 €) ist für Arbeiten wie z.B. mit einer Kehrmaschine gedacht. Hierfür dreht man einen Knopf in der Seitenkonsole, der sich dabei anhebt. Je weiter dieser herausgedreht ist, desto langsamer fährt der Lader bei Vollgas. Mit einem Schlag auf den Knopf deaktiviert man diese Inch-Funktion wieder.


Die Achsen von Comer haben ein Lamellen-Selbstsperrdifferential mit bis zu 45% Sperrwirkung. Die zulässige Achslast im Straßenverkehr beträgt je 4600 kg. Das kombinierte Pendelknickgelenk kann zu jeder Seite um 10° pendeln. Der Knickwinkel beträgt 40°. Der Wendekreis misst im Durchmesser etwa 9 m außen an der Schaufelkante.


Freie Sicht


Die Schwinge mit Z-Kinematik läuft konisch zur Kabine zu. Dadurch ist die Sicht auf das Anbaugerät sowohl beim Koppeln als auch bei der Arbeit gut. Lediglich die Frontscheibe könnte weiter ins Dach gezogen sein. Zudem störte der Claas-Aufkleber oben auf der Frontscheibe unsere Sicht stark. Die maximale Höhe des parallel stehenden Schaufelbodens beträgt knappe 3 m. Die Schütthöhe ist schaufelabhängig und liegt bei ca. 2,65 m. Eine echte Parallelführung gibt es nicht. Lediglich mit waagerecht stehender Palettengabel soll die Kinematik annähernd parallel arbeiten. Dazu gibt es eine mechanische Winkelanzeige auf dem Kippzylinder.


Die Zahnradpumpe für die Arbeitshydraulik fördert bis zu 77 l/min und bringt einen maximalen Druck von 230 bar. Über ein Prioritätsventil versorgt sie auch die Lenkung. Lastunabhängige Ventile fürs Heben und Kippen gibt es nicht. Der dritte Steuerkreis ist Serie, einen vierten Steuerkreis gibt es auf Wunsch. Die hydraulische Geräteverriegelung ist serienmäßig, die Schwingungstilgung optional (1677 €).


Die Außenabmessungen der beiden kleinen Radlader sind fast identisch. Sie unterscheiden sich hauptsächlich in den Leistungsdaten.


Einfach zu bedienen


Wir fanden den Aufstieg in die Kabine angenehm. Die Griffe sind gut angeordnet. Nur die erste, 60 cm hohe Stufe könnte ruhig etwas tiefer liegen. Die Tür lässt sich hinten arretieren. Rechts ist das Fenster aufstellbar. Optional kann man dieses komplett öffnen. Der Fahrkomfort mit dem Luftsitz (1106 €) geht in Ordnung. Das Lenkrad ist einfach über einen Druckknopf in der Neigung verstellbar. Es sitzt etwas außermittig vom Sitz. Das stört aber nicht.


Auf der linken Seite gibt es ein Ablagefach. Alle Bedienelemente liegen in der rechten Seitenkonsole. Hier lassen sich z.B. die Schwingungstilgung, die optionalen Spiegel- und Heckscheibenheizungen sowie die Tasten auf dem Joystick aktivieren. Der Joystick liegt gut in der Hand. Auf der Rückseite befindet sich ein Kippschalter für die Fahrtrichtungswahl. Die dritte Funktion (bzw. wenn vorhanden, die vierte Funktion) lässt sich mit den Tasten auf dem Joystick ansteuern. Zwei Tasten sind für eine einfache schwarz/weiß Bedienung, die dritte Taste aktiviert die Proportionalfunktion mit dem Joystick.


Hat der Lader beide Zusatzsteuerkreise, betätigt ein separater Hebel die dritte Funktion. Ist der Motor aus, ist der Joystick gesperrt. Mit einem Taster lässt er sich kurz entsperren, damit man z.B. auch bei stehendem Motor noch das Hubgerüst sacken lassen kann − top!


Gut geschmiert


Alle wichtigen Wartungspunkte sind unter der einteiligen Motorhaube gut zugänglich. Lediglich der Kühler sitzt teils hinter dem Heckgewicht und lässt sich nur umständlich ganzflächig reinigen. Ebenso lästig sind die vier Rändelschrauben an der Kabinenfront, um an den Kabinenluftfilter zu gelangen. An unserer Testmaschine war eine Zentralschmierung (4561 €) montiert. Standardmäßig gibt es je zwei Halogenstrahler vorne und hinten. Maximal je vier Led-Strahler (1889 €) vorne und hinten sind Option.


Den kleinen Radlader kann man als selbstfahrende Arbeitsmaschine oder als Zugmaschine zulassen. Dann lässt sich auch an der automatischen Anhängerkupplung (1014 €) ein 8 t-Anhänger mit max. 250 kg Stützlast anhängen. Dafür ist aber Zusatzballast (1391 €) am Vorderwagen notwendig. Ein Hydraulikanschluss hinten ist ebenfalls möglich. Wir haben gerne mit der durchdachten Maschine gearbeitet. Uns schreckt lediglich der Preis ab! Der Torion 639 steht mit einem Grundpreis von 77445 € in der Liste. Die von uns gefahrene Maschine hat den stolzen Listenpreis von 99259 €.



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Hoch geschoben


Die sogenannten SmartPush-Schaufeln sollen eine Alternative zu Hochkippschaufeln sein. Wir hatten ein Modell mit Obergreifer am Radlader montiert und haben diese im Mais und Gras eingesetzt.


Die Firma Hesse ist der Ideengeber der Abschiebeschaufel. Claas hat die Nutzungsrechte übernommen, bietet die Schaufeln unter eigenem Namen an und vergibt zudem Lizenzen zum Bau an andere Hersteller. Für den Claas Torion 639 und 535 gibt es die Silagebeißschaufel in unterschiedlichen Größen. Sie sind 1,4 m bis 2,2 m breit. Die Rückwand fährt beim Öffnen der Zange nach vorne und schiebt das Material heraus.


Die Schaufel benötigt nur einen doppelwirkenden Anschluss, trotz Greifer. Möglich macht dies eine Mechanik mit einer Kurvenbahn: Öffnet man die Zange, folgt eine federvorgespannte Stahlrolle auf jeder Seite der Bahn. Sobald die Rolle vor einen kleinen Anschlag kommt, zieht der Obergreifer die Schubfunktion mit. Ist die Rückseite der Schaufel komplett vorgezogen, steigt die Kraft auf die Laufbahnrolle stark an. Diese überspringt dadurch den kleinen Anschlag. Das vorgeschobene Blech fällt zurück in die Beißzange. Schließt man jetzt den Obergreifer, rastet die Rolle wieder in den ersten Teil der Kurvenbahn ein. Unsere Smart Push hatte ein Innenmaß von 1,8 m. Sie fasst laut Claas ca. 0,92 m3 und wiegt 630 kg.


Das Befüllen der Schaufel klappt so wie mit einer Standard-Greifschaufel. Man fährt in den Futterstock, schließt den Greifer. Das war’s. Wir haben einen Futtermischwagen mit hohen Aufsätzen beladen. Es war nicht mehr möglich, die Schaufel auszukippen. Hier musste sie also zeigen, was sie kann. Mit horizontal stehendem Boden öffneten wir die Zange, der Abschieberücken fuhr nach vorne und schob das Material raus. Erreicht der Abschieber den vorderen Totpunkt, fällt er schlagartig zurück. Das gibt einen lauten Knall.


Da weder beim Gras noch beim Mais nicht alles runtergerutscht ist, blieb etwas Futter in der Schaufel. Laut Claas wurde die Schaufel mittlerweile leicht geändert: Anschlagpuffer sollen den Fall der Rückwand dämpfen. Ein verkürzter Abstand zwischen Schürfkante und Abschiebewand soll Futterreste vermeiden.


Der Abschieber ist zu den Seiten hin nicht abgedichtet. Schüttgüter wie Getreide lassen sich damit also nicht laden. Eine Abdichtung soll aber möglich sein. Hinter den Abschieber gefallenes Futter kann durch zwei große Öffnungen an der Rückseite der Schaufel rausfallen. Um den Bereich richtig zu reinigen, kippt man das Gerät mit geöffnetem Greifer komplett aus. Das Abschiebeblech pendelt dann frei nach vorne und gibt einen Spalt für den Hochdruckreiniger frei.


Uns hat das Prinzip der 4650 € (ohne MwSt.) teuren Smart Push gefallen. Leider ist sie nicht universell einsetzbar. Für Schüttgüter gibt es aber eine Leichtgutschaufel ohne Greifer mit Abdichtung. Dabei bewegen zwei Hydraulikzylinder direkt den Abschieber.

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