Einloggen / Registrieren

Startseite

Schlagzeilen
Newsletter
Messen & Termine
Themen
Wir für Euch
Heftarchiv
Sonstiges

Ernte 2024 Vereinfachungen für 2025 Pauschalierung

topplus Kombimaschine

Kombimaschine Cameleon im Fahrbericht

Mit der Cameleon verspricht der Hersteller, dass Säen, Düngen und Hacken mit nur einer Maschine möglich ist. Ob das Gerät wirklich ein Multitalent ist, haben wir uns in der Praxis angesehen.

Lesezeit: 8 Minuten

Die Cameleon von Soil and Seed Equipment AB (ehemals Lyckegård) ist mit ihren verschiedenen Werkzeugen zum Säen und Hacken ein sehr vielseitiges Gerät. Wo sie ackerbaulich ihre Stärken ausspielt, zeigen wir Ihnen in unseren Reportagen. Hier gehen wir genauer auf die Technik ein.

Schnell gelesen

  • Die Cameleon sät und hackt. Dafür tauscht man lediglich die Flügelschare.

  • Bandsaat und Einzelreihen kann die Maschine im Abstand von 25 cm anlegen.  Optional sind 30 cm möglich.

  • Zum Hacken setzt die Cameleon auf ­einen kameragesteuerten Verschiebe­rahmen. Die Andruckrollen laufen hinter dem Hackschar und drücken die Erde an.

  • Ein Nachfolgermodell steckt bereits in der Pipeline. Dann soll das Gerät auf der Straße unter 3 m breit sein und Isobus-Funktionalitäten bieten.

Vorteile der Kombimaschine

Die aus Schweden stammende Maschine Cameleon ist zunehmend auch auf deutschen Betrieben zuhause. Denn im Vergleich zu einer reinen Sämaschine und einer Hacke ist die Cameleon mit ca. 166.000 € in der 8 m breiten Variante inklusive Kamerasteuerung bedeutend günstiger als zwei Einzelgeräte. Zudem kann man beim Hacken gleichzeitig Dünger ausbringen.

Da man für den Wechsel vom Säen auf das Hacken lediglich die Schare, nicht aber die Scharaufhängung anpasst, bleibt der Abstand der Aggregate immer exakt gleich. Fährt man beim Hacken in den selben Spuren wie beim Säen und versetzt nur den Rahmen um einen halben Reihenabstand, gibt es zwangsläufig keine Unterschiede zwischen den Reihenabständen innerhalb der Maschine.

Die Arbeitsbreite von Sämaschine und Hacke ist selbstredend identisch. Spurversätze sind damit auch kein Problem. Der Hersteller gibt den Leistungsbedarf pro Meter Arbeitsbreite mit 20 PS an. In der Ebene reichen für die 8 m breite Sämaschine aber auch 135 PS aus. Doch wie ist das Gerät aufgebaut, das es auch in Arbeitsbreiten von 6 und 9 m gibt?

Einfach angehängt

Leer drückt die insgesamt 5,6 t schwere Maschine mit etwa 1,8 t auf die K80. Oberhalb der Kugel ist ein Potentiometer montiert, welches federvorgespannt mit einer kleinen Schraube gegen den Niederhalter drückt. So erfasst das System den Lenkwinkel.

Die Achse des Cameleon ist elektrohydraulisch gelenkt. Leider aber nur im Feld. Für die Straßenfahrt muss der Fahrer die Achse aus Sicherheitsgründen mechanisch mit einem Bolzen sperren. Um den Lenkwinkel zu kalibrieren, gibt es je einen Anreißer mittig vorne und hinten an der Maschine. Damit kontrolliert man den vorhandenen Versatz. Ist die Lenkung richtig eingestellt, folgt sie spurtreu.

Für die Lenkung und die Hydraulikfunktionen muss man drei Schläuche für den Load-Sensing-Anschluss und eine Leckölleitung kuppeln. Nur das Gebläse braucht ein zusätzliches Steuergerät. Im Feld ist die Maschine einmalig an den jeweiligen Schlepper anzupassen. Besonders die Neigung des Rahmens sollte parallel zum Boden verlaufen. Vorne an der Zugdeichsel lässt sich die Höhe über eine Gewindespindel einstellen. Hinten verschraubt man zwei Anschläge in der passenden Position, damit die Fahrwerkszylinder nicht vollständig einfahren.

Parallel gezogen

Kernstück der Cameleon ist der zweibalkige Rahmen mit Verschiebeeinheit. Der Abstand der beiden Balken beträgt 84 cm. Die von uns besuchten Maschinen haben einen Reihenabstand von je 25 cm, es gibt auch Varianten mit 33 cm Reihenweite. Die sogenannten Carrier mit den Scharen sind am Vierkantrohrrahmen geklemmt. Der Träger führt das Schar über ein Parallelogramm.

Eine 17 cm breite Andruckrolle mit 36 cm Durchmesser tastet die Bodenkontur ab. Für eine Tiefenänderung kann man die Rahmenrohre hydraulisch verdrehen. Ein einstellbarer Anschlag begrenzt dabei die Drehung, um besser zwischen zwei Positionen hin- und herwechseln zu können. Die genaue Position zeigt das Terminal an. Da sich beim Verdrehen des Rahmens auch der Winkel vom Schar zum Boden ändert, kann der Landwirt bei größeren Tiefenänderungen die Parallelogramme werkzeuglos an den 32 Carriern anpassen.

Zwei Federn sorgen für einen Schardruck von bis zu 80 kg. Über eine Exenterwelle kann man den Druck in zwei Stufen einstellen. Zukünftig soll es auch eine hydraulische, stufenlose Variante geben. Die inneren sechs Carrier auf jeder Seite lassen sich werkzeuglos hochstellen. Dazu entriegelt man erst das Federpaket, steckt einen federbelasteten Bolzen um und hebt dann das Parallelogramm händisch an. Das sorgt im eingeklappten Zustand für eine geringere Transportbreite.

Der Rahmen mit den Carriern lässt sich insgesamt 25 cm links/rechts verschieben. Dazu später mehr.

Das eigentliche Schar ist nur ca. 14 mm breit und an der Spitze mit Hartmetall aufgepanzert. Das Bauteil ist zusammen mit der Saatgutleitung verschweißt und an den Carrier geschraubt. Ist das Schar verschlissen, muss man es komplett tauschen (130 €/Stück). Laut Hersteller soll der Meißel bei der 8 m-Maschine über 1.500 ha halten.

Einzelreihe und Bandsaat

Interessant und vielseitig sind die Möglichkeiten der Flügel. Eine Halteplatte mit Spannhülse fixiert das Schar am Meißel. Hammer und Splintentreiber sind damit für den Wechsel nötig. Der Zeitbedarf für den Wechsel beträgt etwa eine Stunde. Die Flügel halten je nach Boden und Einsatz zwischen 200 und 600 ha. Eine Hartmetallaufpanzerung gibt es nicht.

Die Flügel sind zwischen 60 und 270 mm breit. Zudem gibt es asymmetrische Varianten. Damit lassen sich dann auch 50er-Reihenabstände ermöglichen oder z. B. in der Fahrgasse hacken. Von der Halteplatte sind ebenfalls verschiedene Ausführungen vorhanden. Dabei dient ein Teil als Prallblech unterhalb der Saatgutzuleitung. Je nach Version kann man damit eine Einzelreihe oder ein Band säen.

Dosiereinrichtung

Der Saattank aus GFK fasst 3 m³ Saatgut oder Dünger. Für jede Seite gibt es eine eigene Dosierwelle, die mechanisch per Gelenkwellen, einem stufenlosen Getriebe und Kette von der Hinterachse angetrieben sind. Für jede Seite ist eine Schlingfederkupplung montiert, um die halbe Maschinenseite abzuschalten. Leider geht das aber nur mit einer Taste, bei der man sich stufenweise durchklicken muss: nur links aus/ nur rechts aus/ beide Seiten aus/ beide Seiten ein. Ein separater Button für jede Seite hätte uns besser gefallen. Doch die Entwickler arbeiten schon an einer Variante mit hydraulisch angetriebenen Säwellen, welche sich segmentweise per SectionControl schalten lassen.

Die Saatmenge verstellt man zurzeit noch über ein stufenloses Getriebe, welches sich per Linearmotor vom Terminal aus bedienen lässt. Mit einer Kurbel dreht der Fahrer die Dosierung ab. Jede Seite hat eine eigene Abdrehwanne.

Die Wannen haben vorne am Podest eine Parkposition, doch hier können sie in scharfen Kurvenfahrten Kontakt mit den Schlepperhinterrädern bekommen.

Die Dosierräder sind klassisch aufgebaut. So hat jedes Schar seine eigene Dosierung. Die Querverteilung dürfte wie bei einer mechanischen Sämaschine gut sein. Einlegeelemente reduzieren die Saatmenge auf bis zu 1,0 kg/ha. Manche Landwirte säen laut Hersteller mit modifizierten Einlegern auch Mais und Soja. Das obere Limit der Maschine liegt bei 1.200 kg/ha.

Die Dosierräder fördern das Saatgut oder den Dünger in Mini-Injektorschleusen. Von dort werden sie mit dem Luftstrom zu den Scharen geblasen. Das Gebläse benötigt eine Ölmenge von etwa 70 l/min. Noch Potenzial bietet die Restmengenentleerung. Zurzeit läuft das lediglich über die Abdrehwannen, indem man hier die Bodenklappen öffnet. Größere Mengen entleeren Praktiker mit einem Eimer von oben aus dem Tank. Optional gibt es einen kleinen Pneumatikstreuer auf der Deichsel.

Kameragesteuert

Beim Säen sind die Verschieberahmen ganz nach rechts positioniert. Möchte man anschließend zwischen den Reihen hacken, fährt die Verschiebeeinrichtung hydraulisch in ihre Mittelstellung und kann um diese zu jeder Seite um 12,5 cm die Schare bewegen. Für eine möglichst hohe Präzision sorgt eine 3D-Kamera von Claas.

Diese ist direkt vor den Scharen am Rahmen montiert. Je nach Einstellung beobachtet sie bis zu fünf Reihen und gibt anhand dieser Werte den Korrekturfaktor an den Hydraulikzylinder des Verschieberahmens weiter. Bei unserem Einsatz war der Weizen schon so hoch gewachsen, dass die Kamera Schwierigkeiten hatte, die Reihen zu erkennen. Eine geänderte Kameraneigung half hier weiter. Optional gibt es zudem auch Halmteiler, welche zwei benachbarte Reihen zur Seite kämmen, damit die Kamera sich auf eine Reihe fokussieren kann.

Noch kein Isobus

Der Bediencomputer mit Schwarz/Weiß-Display ist etwas in die Jahre gekommen. Doch die Funktionen sind im Großteil selbsterklärend. Die Software bietet vier verschiedene Betriebsmodi: Grubbereinsatz, Hackbetrieb, Aussaat und Aussaat während des Hackens. Damit ist dann auch die Aussaat von Untersaaten oder die Ausbringung von Dünger während des Hackens möglich. Je nach Einstellung ist die Kamera und/oder die Dosiereinrichtung deaktiviert oder eingeschaltet.

Apropos Dosiereinrichtung: Es gibt zurzeit keine integrierte Überwachung der einzelnen Saatgutleitungen. Die Praktiker haben sich dazu über jede Dosierwelle eine Kamera positioniert und lassen sich die beiden Bilder auf einen separaten Monitor im Splitscreen anzeigen, um Verstopfungen schnell zu erkennen. Alternativ gibt es auch Überwachungssensoren in den Leitungen in der Nachrüstung von Zulieferern.

Im Herbst möchte Soil an Seed Equipment AB die nächste Generation der Cameleon auf den Markt bringen. Diese Maschine ist dann Isobus-fähig. So soll dann auch SectionControl und VariableRate möglich sein. Für den deutschen Markt wichtigste Änderung ist aber die geringere Transportbreite von 3 m. Denn bisher ist die Maschine auch mit hochgestellten Carriern 3,18 m breit. Das setzt dann eine Sondergenehmigung voraus, die nur in Kombination mit einem Traktor zu bekommen ist.

Die Cameleon machte einen soliden Eindruck. Die Technik ist einfach gehalten, ihre Anwendungsbereiche sind hingegen komplex. Das macht die Maschine für den Biobetrieb, aber auch für den konventionellen Anbau interessant, besonders wenn das neue Modell im nächsten Jahr verfügbar ist.

Mehr zu dem Thema

top + Ernte 2024: Alle aktuellen Infos und Praxistipps

Wetter, Technik, Getreidemärkte - Das müssen Sie jetzt wissen

Wie zufrieden sind Sie mit topagrar.com?

Was können wir noch verbessern?

Weitere Informationen zur Verarbeitung Ihrer Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Vielen Dank für Ihr Feedback!

Wir arbeiten stetig daran, Ihre Erfahrung mit topagrar.com zu verbessern. Dazu ist Ihre Meinung für uns unverzichtbar.