Düngung

Nitratmessstellen: Experte liefert fachliche Aufarbeitung

Diskussionen um Nitratmessstellen sorgen für Missverständnisse. Um mehr Klarheit zu schaffen, ist es wichtig, die Zusammenhänge von Nitrat, Sickerwasser und Denitrifikationsprozessen zu kennen.

Unser Autor: Dr. Franz Antony, INGUS GmbH:

Die Bedeutung der Grundwassermessstellen nimmt für die Festlegung nitratbelasteter Gebiete noch weiter zu. Im August wurden mit der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Gebietsausweisung (AVV GeA) bundeseinheitlich höhere Anforderungen an die Auswahl und den Betrieb von Messstellen beschlossen. Neben einer Mindestanzahl an Messstellen, gelten künftig erhöhte Anforderungen an deren Qualität, sowie an die Entnahme von Wasserproben. Der Bundesrat segnete das am 18. September 2020 ab.

Schon ab 2020 soll mit Hilfe der Länder das sogenannte Ausweisungsmessnetz nach einheitlichen Kriterien für ganz Deutschland etabliert und in den Folgejahren weiter optimiert werden. Wichtig: Für diese Messstellen muss belegt sein, dass sie tatsächlich landwirtschaftlich beeinflusst sind.

Um in der oft hitzigen Debatte über Nitratmessstellen besser mitreden zu können, ist es wichtig, den Weg des Nitrats über das Sickerwasser bis ins Grundwasser (GW) genauer zu kennen und Grundwassermessstellen „lesen“ zu lernen.

Durch seine über 25-jährige Erfahrung in der landwirtschaftlichen Grundwasserschutzberatung im Norden und in der Mitte Deutschlands, kann das Ingenieurbüro Ingus auf umfangreiche Praxisdaten zurückgreifen.

Vom Boden ins Grundwasser

Seit Jahren wird heftig über GW-Messstellen zum Nachweis der landwirtschaftlichen Nitrateinträge gestritten. Dabei sind die Zusammenhänge zwischen der Nitratauswaschung aus dem Wurzelraum, der abwärts gerichteten Nitratverlagerung mit dem Sickerwasser und dem Nitrateintrag ins Grundwasser für die meisten Agrarregionen in Deutschland gut untersucht.

Fachliche Basis hierfür ist das Zonenmodell, das von der Bodenoberfläche, über den Wurzelraum und die darunter liegende Sickerwasserdränzone den Weg des Nitrats bis ins obere Grundwasser mit Hilfe verschiedener Messmethoden fast lückenlos beschreibt.

Ü1: ZONENMODELL UND UNTERSUCHUNGSMETHODEN

Verschiedene Messmethoden

Neben der Nmin-Beprobung im Oberboden kommen im Sickerwasserbereich (1,2 bis 5 m) Nitrattiefbohrungen zum Einsatz. Diese erfassen die Nitratgehalte unter Ackerflächen für mehrere zurückliegende Sickerwasserneubildungsjahre, also das Nitrat, was aus dem Wurzelraum nach unten meist über Winter herausgelaufen ist. Die Bohrungen werden je nach Standort 3 bis 5 m tief gesetzt und ab ca. 1,2 m in 30 bis 40 cm-Schichten schrittweise nach unten beprobt.

Mit dieser Methode lässt sich der Tiefenverlauf der Nitratwerte zwischen der Unterkante des Wurzelraumes und im besten Falle bis zur Grundwasseroberfläche bestimmen. Im Grunde handelt es sich dabei um eine tiefenverlängerte Nmin-Probe. Ab der oberen GW-Zone erfassen dann die GW-Messstellen das Nitrat.

Die Nitratausträge aus der Wurzelzone sind in der Regel umso größer,

  • je höher der Herbst-Nmin-Wert (0 bis 90 cm) kurz vor Beginn der winterlichen Sickerwasserneubildung (ca. Mitte Oktober) ist,
  • je wasserdurchlässiger die Böden sind (Wasserhaltevermögen und Häufigkeit der winterlichen Durchwaschung);
  • je höher der Anteil an organischer Düngung ist (schwer steuerbare Nitratfreisetzung),
  • je intensiver die Bodenbearbeitung zwischen Sommer und Herbst ist (jeder Grubberstrich im Sommer erhöht den Herbst-Nmin-Wert um ca. 25 kg N/ha),
  • je höher die Humusgehalte im Boden sind (relevant ab > 4%),
  • je geringer die Herbst-/Winterbegrünung ist, bis hin, dass sie ganz fehlt.

Niedrige Herbst-Nmin-Werte entscheidend

Gemäß der Verwaltungsvorschrift für die Binnendifferenzierung soll neben den Nitratmesswerten auch der Stickstoff(N)-Bilanz-Überschuss einer Region für die Ausweisung der roten Gebiete mit berücksichtigt werden. Dabei handelt es sich um eine rechnerische Größe. Diese stimmt aber vielfach nicht mit der tatsächlichen Nitratauswaschung überein.

Ein Beispiel: Der N-Flächenbilanzsaldo von Silomais ist wegen der Ganzpflanzenernte meist negativ (0 bis minus 60 kg N/ha), die daraus berechnete Nitratbelastung im Sickerwasser wäre 0 mg/l.

Tatsächlich aber liegen die gemessenen Herbst-Nmin-Werte (Anfang November) wegen des häufigen Einsatzes organischer Dünger und deren herbstlicher Nachmineralisation zwischen 60 und 120 kg N/ha.

Der Herbst-Nmin-Wert ist der beste Indikator, den Nitrataustrag aus der Wurzelzone von Ackerböden realistisch und verlässlich zu beschreiben. Dies gilt besonders für Böden, die über Winter mindestens einmal vom Regen durchwaschen werden, da hier eine enge Beziehung zwischen Höhe des Herbst-Nmin-Wertes und der tatsächlichen Nitratbelastung im Sickerwasser besteht.

Aufgrund dieses engen Zusammenhangs lässt sich daraus der Nitratgehalt im...


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Die Verwaltungsvorschrift zur Ausweisung von mit Nitrat belasteten und eutrophierten Gebieten (AVV) ist durch den Bundesrat. So werten BBV, Kaniber und Wassserverband die Entscheidung.


Diskussionen zum Artikel

von Willy Toft

Wir werden für natürliche und von Menschen gemachte Einträge verantwortlich gemacht!

Egal was wir auf dem Acker machen, ein Rest N- Anfall gibt es immer im Herbst! Proff. Taube könnte uns mal die Werte unter seinem Kleegras( Ökologischer Staatsbetrieb in SH) im Herbst schicken, und nicht nur auf die Konventionellen Betriebe zeigen! Das an verkehrter Stelle gemessen ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Grundsätzliche Frage -

wo ist eigentlich das Problem? Wen stört das Nitrat im Grundwasser? __ __ Im Grunde doch niemand, außer dieses Grundwasser will ein Wasserversorger anzapfen. Darum sind doch die großen Versorger wie der OOWV und Gelsenwasser und deren Dachverbände DVWK und BDEW so hinterher. Spannen ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

China weiß es, Steffek weiß es, Landwirte wissen es, Städter ???

Da ist doch unsere Regierung in der Pflicht, massiv Aufklärung zu betreiben, auch die Schulen und unsere katholischen und protestantischen Kirchen. Sie aber schweigen und beteiligen sich direkt oder indirekt am Rufmord und Verächtlichmachung unserer Landwirtschaft.

von Wilhelm Grimm

Chemisch reines Wasser

ist giftig.

von Wilhelm Grimm

Nitrat ist nicht schädlich,

im Grundwasser zumindest nicht.

von Wilhelm Grimm

Was regen wir uns über Spitzfindigkeiten auf,

wenn die WHO eindeutig sagt, dass es bei uns kein Problem mit Nitrat gibt.

von Andreas Gerner

"Trendumkehr" wäre schlecht !

Denn nachweislich ist der Trend, dass sowohl Grund- als auch Trinkwasser immer weniger Nitrat enthalten.

von Andreas Gerner

Einspruch !

Von wegen "Nicht geeignet sind alle GW-Messstellen mit umfassendem mikrobiellem Nitratabbau (Denitrifikation) infolge eines geringen Sauerstoffgehaltes (unter 2 mg O2/l) im Grundwasser. Diese Messstellen haben keine direkten Zeigereigenschaften für Nitrat." So ist aber die Realität nun ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Was lernen wir daraus?

Das der Bauer so oder so im Arsch ist. __ __ Der Gelackmeierte, böse Bube, der Brunnenvergifter... Und warum? Weil er nämlich Jahrzehnte lang genau das gemacht hat, was die Herrschaften von oben herab gewollt hatten. __ __ Das Fatale dabei ist, daß, wenn er jetzt wieder macht was die ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

Es gibt aber auch einen Zussmmrnhang

Zwischen Niederschlag und Nitrateintrag. Das wurde ja schon 2018/19 bekannt. In dem Winter waren die N Min Werte besonders hoch. Welchen Einfluss hat die Bodentemperatur????

von Matthias Zahn

Solange......

...ehemalige Kontrollschächte neben Mülldeponien kurzerhand zu einer "Grundwasser Messtelle" umdeklariert werden, weil die Messwerte hoch genug sind um ins Belastungsmessnetz zu passen, können wir Bauern oben machen was wir wollen. Die Werte werden nicht besser werden. Und das ist ... mehr anzeigen

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