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BayWa in Insolvenzgefahr Ernte 2024 GAP-Vereinfachungen

topplus Hochwasser in Süddeutschland

Baden-Württemberg: Bauernverband zieht verheerende Bilanz der Hochwasserschäden

Das Hochwasser hat die Landwirtschaft in Baden-Württemberg hart getroffen. Geschädigt sind vor allem Sommerkulturen, Sonderkulturen und der Futterbau. Viele Landkreise sind betroffen.

Lesezeit: 4 Minuten

Nach Erhebungen des Landesbauernverband Baden-Württemberg (LBV) traf es besonders heftig die Landwirtschaft im Kreis Biberach. Hier traten wie vielerorts Flüsse über die Ufer, die Feuerwehr war im Dauereinsatz und Nutztiere mussten aus ihren Ställen evakuiert werden.

Äcker standen bis zu 50 cm unter Wasser

Getreide- und Maisäcker standen auch nach dem Regen noch bis zu 50 cm unter Wasser. Hier rechnet man mit großen Ertragseinbußen, wie auch im Kreis Esslingen, wo ganze Gemüsefelder dem Wasser zum Opfer fielen oder in Ulm-Ehingen, wo vor allem Sommerkulturen wie Mais oder Kartoffeln stark betroffenen sind.

Sommerkulturen fallen dem Regen zum Opfer

Im Kreis Göppingen beklagen Landwirte vor allem in den Albhochflächen erhebliche Schäden, besonders in den Maisbeständen. Die Lage in den Tälern, vorrangig im Filstal, ist nach Aussage der Landwirte vor Ort noch schwer abzuschätzen. Es werden große Schäden durch Verschmutzungen und angeschwemmten Müll auf Futterflächen befürchtet.

Erdbeeren verfaulen

Im Kreis Tettnang sind ebenfalls die Kulturen in Ufernähe stark betroffen. In den Dauerkulturen werden eher kleinere Schäden erwartet, weitaus größer fallen die Schäden bei den Erdbeeren aus. Hier droht ein Ernteausfall von bis zu 80 Prozent aufgrund von Fäulnis durch Staunässe oder Überschwemmung.

Einzelbetriebliche Schäden im fünfstelligen Bereich

Im Raum Heilbronn-Ludwigsburg waren besonders die landwirtschaftlichen Betriebe in Bad Friedrichshall, Möckmühl, Jagsthausen, Ilsfeld, Remseck bis Benningen entlang des Neckars betroffen. Hier rechnen einzelne Landwirte mit Schäden im fünfstelligen Bereich, besonders betroffen seien die Bestände von Winterweizen, Zuckerrübe, Mais, Salat, Weißkohl, Rotkraut und das Grünland.

Auch im Kreis Rhein-Neckar richteten Überflutungen entlang des Rheins erhebliche Schäden an. So fielen nach ersten Meldungen im Raum Philippsburg/Huttenheim 50 ha Acker und 60 ha Grünland den Regenfällen zum Opfer, im südlichen Raum von Karlsruhe etwa 20 ha Weizen und Mais, im Raum Weingarten Grötzingen standen rund 50 ha Ackerfläche unter Wasser. Hier geht man von massiven Ernteausfällen in den Kulturen Mais, Soja und Rüben aus.

Landwirte befürchten Futter-Engpass

In einigen Regionen zeigen sich Landwirtinnen und Landwirte besorgt um ihre Futterversorgung. Im Raum Allgäu-Oberschwaben geht man davon aus, dass eine Vielzahl von Flächen in diesem Jahr kein geeignetes (Milchvieh-)Futter liefern werden. Grund der Annahme ist die starke Verschmutzung der Flächen durch die Überschwemmungen. Viele landwirtschaftliche Betriebe fürchten sich daher vor einem Futter-Engpass im weiteren Verlauf des Jahres.

Auf vielen Flächen steht noch der erste Schnitt

Auch im Kreis Reutlingen stehen Äcker und Wiesen unter Wasser. Viele Wiesen sind aufgrund der Nässe seit Tagen nicht befahrbar, obwohl sie dringend geerntet werden sollten. An vielen Stellen steht noch der erste Schnitt. Das ist problematisch, da der erste Schnitt aufgrund der eh schon nassen Wetterbedingungen in den Wochen zuvor zum Teil deutlich überaltert ist und daher von schlechter Qualität ist. Auch zahlreiche Grünlandbestände im Rems-Murr-Kreis sind betroffen.

Ebenso im Hohenlohekreis, hier rechnen mehrere landwirtschaftliche Betriebe mit einem Totalverlust, da der erste Schnitt ihrer Wiesen nicht verwertbar ist. Alle Flächen müssen von Unrat abgelesen und anschließend gemulcht werden. Inwiefern sich das auf den zweiten Aufwuchs auswirkt, ist noch nicht abzuschätzen.

Gesamtes Ausmaß der Schäden bleibt abzuwarten

Die massiven Regenfälle der letzten Tage haben auch langfristig negative Auswirkungen auf Acker- und Grünlandbestände. So konnten auf vielen Ackerbeständen nicht die notwendigen Pflanzenschutzmaßnahmen (chemisch und/oder mechanisch) stattfinden, was dazu führt, dass der Pilz- und Unkrautdruck hoch ist. Es kann an dieser Stelle noch nicht abgeschätzt werden, ob dies Auswirkungen auf die spätere Erntemenge und Qualität hat. Das kommt auch darauf an, wie schnell das Wasser abfließt und die Flächen abtrocknen können.

Forderungen an die Politik

Da mit massiven Ernteausfällen zu rechnen ist, fordert der Landesbauernverband in Baden-Württemberg das Land auf zu handeln. „Die betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe haben mit massiven wirtschaftlichen Verlusten zu kämpfen. In dieser schwierigen Lage brauchen sie dringend finanzielle Unterstützung. Erleichterungen bei der Bewirtschaftung ihrer Betriebe sind darüber hinaus erforderlich. Letzteres kann beispielsweise durch eine möglichst weitgehende Flexibilisierung bei der Umsetzung der GAP-Regelungen oder von Landesprogrammen wie dem FAKT erreicht werden,“ macht Joachim Rukwied, Präsident des LBV, deutlich.

Da solche Naturkatastrophen seit einigen Jahren stetig zugenommen haben, fordert der Landesbauernverband des Weiteren auf Bundesebene die Unterstützung des Aufbaus und der Finanzierung einer Mehrgefahrenversicherung, die bei Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen durch Hochwasser, Hagel, Überschwemmung, Dürre und Frost etc. einen Ausgleich zahlt.

 

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