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Beizen: Sind Biostimulanzien eine Alternative?

Es sind immer weniger chemische Saatgutbeizen verfügbar. Vor allem in Raps und Mais häufen sich Schäden. Der Markt für Alternativen wächst hingegen langsam.

Lesezeit: 4 Minuten

In der letzten Zeit erkranken immer häufiger Getreidebestände an samenbürtigen Krankheiten wie Flugbrand oder Zwergsteinbrand – Krankheiten, die durch eine protektive Beizung jahrzehntelang keine Rolle mehr im Ackerbau gespielt haben. Zwar zeigen sich die Brandbutten in den Ähren eher auf ökologisch bewirtschafteten Flächen. Doch auch im konventionellen Anbau steigt das Risiko durch immer weniger zugelassene Wirkstoffe. Wie man Saatgut dennoch effektiv schützen kann, diskutierten Experten kürzlich im Corteva Media Club.

Beizung ist gezielter Pflanzenschutz

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Den Vorteil von Beizungen sieht Dr. Heike Knörzer Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) vor allem in dem gezielten Aufbringen am Korn. „Die Mittel sind direkt dort, wo sie wirken sollen“, erklärt die Saatgutexpertin. Dabei entstehe z.B. keine Abdrift, zudem ließen sich Wirkstoffmengen und Überfahrten einsparen.

Ein gutes Beispiel dafür seien die neonikotinoiden Beizen in Raps. Mit der Beize wurden 288 g Wirkstoff/l ausgebracht, der Wirkstoffanteil lag bei 74,1 ml/ha. Um die Ölfrucht seit dem Verbot der Neoniks vor Erdfloh- und Rüsslerarten sowie Wurzelhals- und Stängelfäule zu schützen, sind zwei (bis drei) Flächenbehandlungen mit Insektizid und Fungizid notwendig. Dabei bringt man 290 g Wirkstoff/l aus. Das ergibt 300,9 ml Wirkstoff/ha.

Immer weniger Beizmöglichkeiten im Mais

Dass Schädlinge durch fehlende Beizen mehr Schäden anrichten, zeigt sich spätestens seit dem Wegfall von Mesurol auch im Maisanbau. Vogelfraß, häufig durch Krähen, Fritfliegen- und Drahtwurmschäden treten seitdem verstärkt auf. „Aktuell sind in Deutschland noch vier Maisbeizen zugelassen“, sagt Heike Knörzer. Allerdings sei das Spektrum der Indikation und auch die Wirksamkeit eingeschränkt.

Eine Sonderstellung nehmen die Beizen Force 20 CS und Korit nehmen eine Sonderstellung ein: Als EU-Beizmittel dürfen sie in Deutschland nicht angebeizt werden. Allerdings darf damit in der EU gebeiztes Saatgut in Deutschland gesät werden.

Alternativen zur chemischen Beize?

„Beizungen sind wichtig, um die Bestände zu etablieren“, stellt Heike Knörzer fest. Alternativen zur chemischen Beize sind allerdings rar gesät. Möglich sind physikalische Saatgutbehandlungen, wie z.B. Heißwasser. Diese brächten nur selten den gewünschten Erfolg und seien zudem ressourcenintensiv.

Als Beizen für Ökolandbau (ohne Zulassung im Mais) sind laut Knörzer z.B. Cerall, Cedomon (Pseudomonas) oder Tillecur (Gelbsenfmehl) verfügbar. Somit kommen nun vermehrte Optionen aus dem Bereich der Nährstoffbeizen und Pflanzen-Biostimulanzien.

Maisbeizen mit Biostimulanzien

„Meisten enthalten diese Beizen Mikro- und/oder Makronährstoffe“, erklärt Heike Knörzer. Auch Proteinextrakte aus Trichoderma bzw. Mikroorganismen, Algenpräparate, Pflanzenextrakte, Humin- und Fulvosäuren sind oftmals enthalten. Als Beispiele für Maisbeizen nennt die Expertin Maisguard, PhytoGreen, OptiCoat⁺, Trailer plus und Lumidapt Kelta.

Biostimulanzien-Beize von Corteva

Die Beize Lumidapt Kelta vertreibt Corteva unter der eigenen Beizmarke Lumigen. „Enthalten sind organische Säuren, Huminstoffe sowie 16 Marko- und Mikronährstoffe“, sagt Matthias Kraft, Product Manager Corn Seed bei Corteva Agriscience. In eigenen Versuchen ließen sich positive Effekte feststellen, wie eine schnellere und intensivere Wurzelbildung. Die Biostimulanzienbeize ist bereits marktverfügbar und standardmäßig am Maissaatgut von Pioneer und Brevant Seeds angebeizt.

Welche Beizen für Nischenkulturen?

Wie wichtig Beizen sind, stellt auch Landwirt Markus Werner aus dem bayerischen Heustreu fest. Auf seinen Äckern wachsen neben den klassischen Marktfrüchten auch Heil- und Gewürzpflanzen, wie Anis, Kümmel, Schwarzkümmel, Quinoa, Mohn und Amaranth. Seit 2021 baut Werner auch Kräuter an. „Besonders Anis ist eine schwierige Kultur“, sagt er. Die Samen hätten häufig eine schlechte Keimfähigkeit, liefen langsam auf und zeichneten sich durch ein schwaches Wurzelwachstum sowie eine extrem langsame Jugendentwicklung aus. Daher sucht Werner nach Biostimulanzien, die er als Beize aufbringen kann.

Beizen selbst mischen

Aktuell setzt er auf eine Saatgutbeizung aus destilliertem Wasser mit Milchsäurebakterien, Azotobacter (Stickstoffbakterien), Bakterienstämme, welche das Wurzelwachstum fördern und Schwefel. Biostimulanzien als Beize seien besonders bei schwierigen Witterungsbedingungen und bei Pflanzen mit Startschwierigkeiten notwendig. „Aber man muss sich an die richtige Mischung rantastet“, erklärt Werner und warnt gleichermaßen auch vor falschen Kombinationen. Seiner Meinung nach ist in diesem Bereich noch sehr viel mehr Wissen nötig.

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