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topplus Biolandwirt hat Strategie

Biologische Maisbeize: Was tun, wenn die Vögel kommen?

Zweimal fraßen Saatkrähen den Mais von Biolandwirt Stefan Wild komplett weg. Nun hat er eine Strategie entwickelt, um Schäden durch Vogelfraß gering zu halten.

Lesezeit: 4 Minuten

„Wegen der enormen Schäden durch die Saatkrähen habe ich auch schon mal auf den Anbau von Mais verzichtet“, sagt Landwirt Stefan Wild, der in Hurlach in der Nähe von Landsberg in Bayern einen Biobetrieb bewirtschaftet. „Wenn die Schwärme einfliegen, picken sie jeden Keimling entlang der Reihe aus.“ Vogelscheuchen oder der Einsatz von Chili bringen nach seiner Erfahrung keinen nachhaltigen Bekämpfungserfolg.

Dieselben Probleme haben mittlerweile auch konventionelle Maisanbauer. Denn seit dem Wegfall von Mesurol, dass eine Nebenwirkung gegen Vogelfraß besaß, nehmen Schäden auch dort zu. Die Wirkung alternativer Beizen wie z.B. Korit 420 FS konnte in Deutschland nach Angaben der LWK Nordrhein-Westfalen nicht immer überzeugen. Insgesamt bezifferte das Deutsche Maiskomitee die Schäden durch tierischen Fraß in einer 2020 durchgeführten Umfrage auf 16 % der gesamten Maisanbaufläche. Schädling Nr. 1 ist dabei die Krähe.

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So sieht Wilds Strategie aus

Um dem Problem Herr zu werden, geht Stefan Wild wie folgt vor: Zunächst beizt er sein Maissaatgut rund eine Woche vor der Aussaat mit dem neuen Pflanzenstärkungsmittel Promos an. Dieses wurde von Christian Matthesius, Landwirt und ehemaliger Hobbybrauer aus Langerringen in Bayern, entwickelt. Das Mittel enthält einen Bitterstoff, der aus Hopfenextrakt destilliert wird, auf den die Vögel ablehnend reagieren. Zudem soll die Beize das gleichmäßige Auflaufen und Wachstum junger Maispflanzen vor allem bei nass-kaltem Wetter unterstützen, sodass die Bestände schneller für Krähen uninteressant werden. Matthesius hat mittlerweile ein Unternehmen gegründet, um das Mittel zu vertreiben (www.arvalus.eu).

Landwirt Stefan Wild setzt das biologische Präparat seit drei Jahren auf 10 bis 12 ha in seinem Biomais ein und ist mit der Wirkung insgesamt zufrieden. „Größere Ausfälle hatten wir seitdem nicht mehr. Wichtig ist allerdings, dass die Witterung nach der Saat passt“, so der Landwirt. „Es sollte möglichst warm sein, damit der Mais zügig die kritische Phase bis zum 3-Blattstadium durchwächst. Daher säe ich eher spät und warte meist, bis der Wetterbericht eine warme Phase von am besten 14 Tagen ankündigt.“

Zudem – so die Erfahrung von Wild – sollte es nach der Saat nicht zu viel regnen, weil die Beize sonst abwäscht. Der Hersteller hat die Formulierung mittlerweile zwar angepasst, um die Haftung am Saatkorn zu verbessern. Trotzdem verliert die Beize nach Angaben von Geschäftsführer Matthesius bei anhaltender Nässe und auch bei langer Kälte an Wirkung, da es sich um ein Naturprodukt handelt.

Als weitere Maßnahme gegen Vogelfraß setzt Stefan Wild auch auf eine tiefe Saatgutablage. „Ich säe mit einer Kombination aus Kreiselegge und Legegerät bis zu 8 cm tief“, erklärt er. „Absolut wichtig ist es dann aber, dass die Aussaat in eine Warmwetterphase fällt.“ Denn andernfalls könne es passieren, dass dem Maiskeimling auf dem Weg nach oben die Puste ausgeht.

Fazit

Für Landwirt Stefan Wild geht die Strategie aus „Beizung mit Promos, späte Aussaat und tiefe Saatgutablage“ auf. Denn größere Pflanzenausfälle hat er nun nicht mehr zu beklagen. „Auch wenn der Preis der Beize mit über 30 € pro Einheit bei 50.000 Körnern recht hoch ist, bleibt es für mich teurer, nicht zu beizen“, so der Landwirt. Insgesamt nimmt das Problem von Krähenfraß in seiner Region noch zu.

Laut Hersteller wurden im letzten Jahr rund 4.500 ha Mais-, Soja- und Sonnenblumenfläche in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit dem Präparat behandelt. Das Produkt gibt es seit 2017. Neben Mais, Soja und Sonnenblumen soll eine Anwendung auch in Kürbissen und Erbsen möglich sein. Hinweis: In den letzten beiden Jahren wurde die Wirkung in Züchterversuchen und von der BayWa an über acht Standorten in Deutschland geprüft und mit anderen Beizen verglichen. Die Ergebnisse finden Sie hier:

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