Ertragseinbußen bis zu 50 % erwartet: Ostdeutsche Bauern fordern Dürrehilfe

Für die Ackerbauern in Nord- und Ostdeutschland spitzt sich die Lage auf den Feldern infolge der lang anhaltenden Trockenheit deutlich zu. „In zahlreichen Regionen, insbesondere auf den leichten, sandigen Standorten sind erhebliche Schäden durch die lang anhaltende Trockenheit zu verzeichnen."

Die Ernte dürfte dieses Jahr wegen der Trockenheit sehr schlecht werden... (Bildquelle: top agrar)

Für die Ackerbauern in Nord- und Ostdeutschland spitzt sich die Lage auf den Feldern infolge der lang anhaltenden Trockenheit deutlich zu.

„In zahlreichen Regionen, insbesondere auf den leichten, sandigen Standorten mit Bodenwertzahlen unter 45 Bodenpunkte sind erhebliche Schäden durch die lang anhaltende Trockenheit zu verzeichnen. Die nutzbare Feldkapazität als Maß für die Bodenfeuchte hat in vielen Regionen extrem abgenommen", sagte DBV-Vizepräsident Wolfgang Vogel. Niederschläge hätte es in den letzten Tage regional sehr unterschiedlich gegeben, dann aber zum Teil unwetterartig. "Eine Ertragswirksamkeit daraus ist kaum noch zu erwarten. Hinzu kommen vereinzelt Schäden durch Abschwemmungen aufgrund extremer Starkniederschläge“, so Vogel.

Die diesjährige Witterungslage führt zu einem extrem frühzeitigen Erntebeginn, insbesondere im Norden und Osten der Bundesrepublik. Die Wintergerstenbestände befinden sich auf leichten Standorten bereits in der Notreife. Mindererträge gegenüber dem Vorjahr von 30 - 50 % und vereinzelt bis zum Totalausfall sind besonders bei Wintergerste, Raps, Winterweizen und Sommergetreide die Folge, schreibt der Sächsische Landesbauernverband. Auch die Qualitäten würden durch den hohen Schmachtkornanteil und ein geringes Tausendkorngewicht zu Mindererlösen führen.

Zusätzlich sei mit Verlusten durch eine unzureichende Futterversorgung der Tierbestände in den betroffenen Regionen zu rechnen. Waren die Erträge beim ersten Schnitt noch zufriedenstellend, so fiel der zweite Schnitt auf dem Grünland in den niederschlagsarmen Gebieten komplett aus. Zudem sind die Pflanzen durch die Trockenheit so geschädigt, dass auch für den dritten Schnitt kaum durchschnittliche Erträge zu erwarten sind, erklärt der Verband weiter.

Während sich einige Bundesländer frühzeitig für eine Freigabe der EFA-Bracheflächen zur Futtergewinnung eingesetzt hätten, werde in anderen noch geprüft. Eine mögliche Alternative des Flächentausches und Anbaus mit Zwischenfrüchten ist aus Sicht des SLB jedoch nicht geeignet, um das Problem der Futterknappheit in diesen Regionen zu lösen. Dies werde in einigen Regionen den Abbau von Tierbeständen unumgänglich machen.

Aufgrund der geschilderten Situation forderten die Bauernpräsidenten die Agrarminister auf, sich in der kommenden Agrarministerkonferenz für ein Programm zur nationalen Notstandsbeihilfe der Bundesrepublik Deutschland einzusetzen. Da ein solches Programm der Notifizierung durch Brüssel bedarf, führe jeder weiterer Zeitverzug zu Liquiditätsengpässen in den betroffenen Landwirtschaftsbetrieben. „Bereits mit der Bodenbearbeitung nach der Ernte und der Aussaat des Wintergetreides fallen die Kosten für die Ernte 2019 an. Hier ist schnelle Hilfe die beste Hilfe“, so Vogel.

Dalbert prüft schnelle Hilfe
 

Claudia Dalbert (Bildquelle: Ministerium)

Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert sagte unterdessen zu, Hilfen zu prüfen. Sie denkt hierbei etwa an die Möglichkeit von Steuerstundungen und anderen Steuererleichterungen. Zudem will sie die Landwirtschaftliche Rentenbank bitten, das Programm zur Liquiditätssicherung für betroffene Betriebe zu öffnen.
 
Stundungen von Pachtzahlungen seien eine weitere Möglichkeit der kurzfristigen Liquiditätssicherung. „Ich habe veranlasst, die Landgesellschaft Sachsen-Anhalt mbH und die BVVG auf die mit der Trockenheit im Zusammenhang stehende angespannte Liquiditätslage der Betriebe hinzuweisen. Ich bitte beide Gesellschaften, Pachtstundungen entsprechend der wirtschaftlichen Lage der landwirtschaftlichen Unternehmen zu prüfen“, erklärte Sie.
 
Zum Wunsch nach der Übernahme von Bürgschaften zur Entlastung der Unternehmen erläutert die Ministerin: „Es existiert bei der landeseigenen Investitionsbank bereits eine Bürgschaftsregelung unter dem Namen ‚Land und Forst‘, die genutzt werden kann.“ Bürgschaften würden für Kredite zur Finanzierung von Investitionen, für Umschuldungen und Anschlussfinanzierungen sowie für Betriebsmitteldarlehen übernommen.
 
Einen wichtigen Hinweis gab die Ministerin den Betrieben noch mit auf den Weg: „Sprechen Sie mit Ihren Banken, wenn Liquiditätsschwierigkeiten erkennbar sind. Die Ämter für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten sind im Falle von Problemen, die bei Fördermaßnahmen entstehen könnten, gute Ansprechpartner.
 
Es ist weiterhin vorgesehen, die Nutzung des Aufwuchses von ökologischen Vorrangflächen, die als Brachflächen angemeldet wurden, für Futterzwecke ab dem 1.7.2018 für alle Regionen des Landes Sachsen-Anhalt freizugeben. Damit soll tierhaltenden Unternehmen geholfen werden.
 
„Allerdings“, so Dalbert weiter, „ist das Ausmaß der Ertragseinbußen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzuschätzen und regional sehr unterschiedlich. Eine Schadensabschätzung ist jedoch notwendig, um über weitere Maßnahmen zu entscheiden.“

Zunehmend angespannte Lage auch in Niedersachsen

Albert Schulte to Brinke (Bildquelle: NDR)

„Ertragseinbußen von zum Teil erheblichem Ausmaße müssen leider landesweit einkalkuliert werden“, muss auch Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke feststellen. Zwar könnten die Einbrüche derzeit noch nicht differenziert betrachtet werden, sie würden aber voraussichtlich im zweistelligen Prozentbereich liegen.

Nach dem derzeitigen Stand könnte die anstehende Getreideernte eine der niedrigsten der vergangenen 20 Jahre werden. Grund dafür sind neben der derzeitigen Trockenheit auch erhebliche Anpassungen in der Fruchtfolge, die sich aus den vielen Niederschlägen im Herbst und Frühjahr ergeben haben, erklärt der Präsident weiter.

Da viele Felder bis weit ins Frühjahr hinein nicht zu bearbeiten waren, mussten die Landwirte vom ertragreichen Wintergetreide auf Sommergetreide umschwenken. Es liefert geringere Erträge, das Wachstum ist zudem noch mehr von ausreichenden Sommerniederschlägen abhängig.

Niedersachsen ist laut Schulte to Brinke mit dem ganzen Nordosten Deutschlands besonders stark von Trockenheit und Hitze betroffen. Ähnliche Probleme gebe es auch in anderen Regionen des Ostseeraums wie Dänemark, Schweden und Polen bis hin zum Baltikum, wo üblicherweise hohe Exportüberschüsse an Getreide erzeugt werden.

Die Trockenheit wirkt sich mittlerweile in allen Kulturen aus: Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais leiden ebenfalls unter dem Wassermangel. Die im Norden Niedersachsens gebräuchliche Beregnung wirkt nur noch wie der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein und kann das Defizit bei weitem nicht mehr ausgleichen. Auch auf den Wiesen, wo ein guter erster Schnitt geerntet wurde, fehlt jetzt bereits der zweite Aufwuchs für die Futtersilos.

„Wir brauchen dringend einen ergiebigen Landregen“, wünschen sich Bauern zurzeit überall im Land. Allerdings keine Unwetter mit Starkregen oder gar Hagel, die allenfalls noch mehr Schaden anrichten würden, sondern einen Regen, der langsam von Pflanzen und Boden aufgenommen werden kann.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

Schreiben Sie Alfons Deter eine Nachricht

Die Redaktion empfiehlt

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) stellt in seiner aktuellen Ernteschätzung eine enttäuschende Prognose: Er geht von einer Getreideernte in Höhe von 43,8 Millionen Tonnen aus. Das bereits ...

Der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Wolfgang Vogel, befürchtet auf Grund der Trockenheit regional bis zu 50 Prozent Ertragseinbußen bei Wintergerste. Auf einigen Standorten in ...

Bodenzustandsbericht: Wie humusreich sind deutsche Äcker?

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Erwin Schmidbauer

War da nicht was?

Ist denn Dürre nicht auch ein ganz normales landwirtschaftliches Unternehmerrisiko? Ist denn immer noch nicht bekannt, dass es so was alle paar Jahre mehr oder weniger stark gibt? DBV, der du den Unternehmer so in den Vordergrund stellst, womit willst du also Dürrehilfen begründen? So, ihr dürft mich gerne dafür steinigen, aber ich möchte Argumente haben, warum ich Unrecht habe!

von Thomas Egolf

Das wirkliche Problem liegt doch ganz wo anders!

Früher war einmal die Faustregel: Eine Ernte oder zwei Monate Milchgeld sollten in Reserve sein und das passt heute einfach nicht mehr. Zum Beispiel, war heute in der Werkstatt bei der Tüvabnahme meines 50km Schleppers, das ganze dauerte maximal 15min. Kostenpunkt über 110Euro! Und genau diese Steigerung von unseren Kosten passt halt hinten und vorne nicht!

von Reinhard Matzat

Nicht kleinräumig denken sondern Global!

Willkommen auf dem globalisierten Markt. Wenn Deutschland oder halb Europa eine schlechte Ernte einfährt fällt das genauso auf als wenn 3 Bauern in Deutschland eine schlechte Ernte haben.... Die Getreidepreise werden in anderen Ländern gemacht! (Kasastan, Ukraine, USA usw.) Und wie schon geschrieben ist das zum Teil sehr Regional begrenzt. Im Deutschen Schnitt würde mich das wundern wenn das mehr als 10dt/ha Getreide weniger sind.

von Gerhard Steffek

Marktverhalten?

Da bin ich dann mal gespannt, wie der Markt darauf reagiert. Vor hundert Jahren wäre das eine Katastrophe gewesen. Aber heute bei den meisten wahrscheinlich nicht einmal ein Achelzucken.

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen