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EU-Kommission

EU-Zuckermarkt im Ungleichgewicht

Nach dem Ende der Quotenzuckerregelung sind verschiedene Faktoren zusammengekommen, die heute noch für extrem niedrige Preise sorgen.

Lesezeit: 3 Minuten

Der EU-Zuckermarkt gehört zu den großen Sorgenkindern im Agrarsektor, erklärte die EU-Kommission und lehnt dennoch Eingriffe über Marktordnungsinstrumente ab.

Nach der Reform der EU-Zuckermarktordnung sind verschiedene Faktoren zusammengekommen, die heute noch für extrem niedrige Preise sorgen, erläuterte Michael Scannell von der EU-Kommission laut aiz.info im Agrarausschuss des Europaparlaments. Scannell ist stellvertretender Generaldirektor in der Generaldirektion Landwirtschaft und dort unter anderem für die EU-Agrarmärkte zuständig.

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Mit dem Ende des Quotensystems in der EU sei die Rübenproduktion in den Haupterzeugerländern um 20% nach oben gegangen, zitiert aiz.info weiter. Weil auf dem Weltmarkt die Zuckerproduktion gleichzeitig gestiegen sei, konnten die Überschüsse in der EU kaum exportiert werden. Bei der allgemeinen Preismisere auf dem EU-Zuckermarkt gebe es aber noch große Unterschiede.

In den Haupterzeugerregionen Frankreich, Deutschland, den Beneluxländern und dem Vereinigten Königreich liege der Zuckerpreis noch unter dem EU-Durchschnitt von 320 Euro/t. In den südlichen Mitgliedstaaten Italien, Spanien und Kroatien notiere der Zucker etwa 60 Euro/t höher als der Durchschnitt, führte Scannell aus.

Nationale Maßnahmen verzerren Wettbewerb

Der EU-Kommissionsmitarbeiter gab zu, dass nationale Maßnahmen den Wettbewerb unter den EU-Mitgliedstaaten zudem verzerrten. Einige Länder erlaubten immer noch die Beizung des Saatguts mit Neonicotinoiden. Diese Pflanzenschutzmittel seien aber nur noch in Ausnahmefällen zugelassen, weshalb der Einsatz auf Dauer gegen EU-Recht verstoße.

Die Kopplung der Direktzahlungen an die Rübenerzeugung sei dagegen in einem begrenzten Maß erlaubt, verzerre aber dennoch den Wettbewerb, räumte Scannell ein. Die EU-Mitgliedstaaten seien hier in ihrer Meinung gespalten, weshalb auch die Hochrangige Arbeitsgruppe zum Zucker in der Frage der gekoppelten Zahlungen keine Richtung vorgeben konnte.

Sicher sei sich die EU-Kommission, dass es trotz der Schwierigkeiten auf dem Markt keine Rückkehr zum Quotensystem geben dürfe. Nach der Reform der EU-Zuckermarktordung im Jahr 2006 werde sich erst langfristig wieder ein neues Gleichgewicht auf dem Markt einstellen. Unsinnig sei es deshalb, in einen noch nicht abgeschlossenen Prozess einzugreifen. Wenig Sinn mache auch eine Unterstützung der Privaten Lagerhaltung, zumal große Zuckerbestände ohnehin kaum das Problem in der EU seien.

Immerhin will sich die EU-Kommission gegen das Zuckerdumping von Indien wehren. Australien sei hier führend bei einer Klage vor der Welthandelsorganisation (WTO) gegen Indien, und die EU werde sich mit Australien verbinden. Das Mercosur-Abkommen werde den EU-Zuckermarkt kaum belasten, ist Scannell überzeugt. Die Einfuhrquote, die man den Südamerikanern eingeräumt habe, betrage gerade mal 1% der Erzeugung der EU. Auch die Marktöffnung für Bioethanol belaste den EU-Zuckermarkt nicht so stark. Bioethanol werde in der EU schließlich kaum aus Zuckerrüben hergestellt, verteidigte der Kommissionsmitarbeiter das Mercosur-Abkommen.

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