EU-Kommission

EU-Zuckermarkt im Ungleichgewicht

Nach dem Ende der Quotenzuckerregelung sind verschiedene Faktoren zusammengekommen, die heute noch für extrem niedrige Preise sorgen.

Der EU-Zuckermarkt gehört zu den großen Sorgenkindern im Agrarsektor, erklärte die EU-Kommission und lehnt dennoch Eingriffe über Marktordnungsinstrumente ab.

Nach der Reform der EU-Zuckermarktordnung sind verschiedene Faktoren zusammengekommen, die heute noch für extrem niedrige Preise sorgen, erläuterte Michael Scannell von der EU-Kommission laut aiz.info im Agrarausschuss des Europaparlaments. Scannell ist stellvertretender Generaldirektor in der Generaldirektion Landwirtschaft und dort unter anderem für die EU-Agrarmärkte zuständig.

Mit dem Ende des Quotensystems in der EU sei die Rübenproduktion in den Haupterzeugerländern um 20% nach oben gegangen, zitiert aiz.info weiter. Weil auf dem Weltmarkt die Zuckerproduktion gleichzeitig gestiegen sei, konnten die Überschüsse in der EU kaum exportiert werden. Bei der allgemeinen Preismisere auf dem EU-Zuckermarkt gebe es aber noch große Unterschiede.

In den Haupterzeugerregionen Frankreich, Deutschland, den Beneluxländern und dem Vereinigten Königreich liege der Zuckerpreis noch unter dem EU-Durchschnitt von 320 Euro/t. In den südlichen Mitgliedstaaten Italien, Spanien und Kroatien notiere der Zucker etwa 60 Euro/t höher als der Durchschnitt, führte Scannell aus.

Nationale Maßnahmen verzerren Wettbewerb

Der EU-Kommissionsmitarbeiter gab zu, dass nationale Maßnahmen den Wettbewerb unter den EU-Mitgliedstaaten zudem verzerrten. Einige Länder erlaubten immer noch die Beizung des Saatguts mit Neonicotinoiden. Diese Pflanzenschutzmittel seien aber nur noch in Ausnahmefällen zugelassen, weshalb der Einsatz auf Dauer gegen EU-Recht verstoße.

Die Kopplung der Direktzahlungen an die Rübenerzeugung sei dagegen in einem begrenzten Maß erlaubt, verzerre aber dennoch den Wettbewerb, räumte Scannell ein. Die EU-Mitgliedstaaten seien hier in ihrer Meinung gespalten, weshalb auch die Hochrangige Arbeitsgruppe zum Zucker in der Frage der gekoppelten Zahlungen keine Richtung vorgeben konnte.

Sicher sei sich die EU-Kommission, dass es trotz der Schwierigkeiten auf dem Markt keine Rückkehr zum Quotensystem geben dürfe. Nach der Reform der EU-Zuckermarktordung im Jahr 2006 werde sich erst langfristig wieder ein neues Gleichgewicht auf dem Markt einstellen. Unsinnig sei es deshalb, in einen noch nicht abgeschlossenen Prozess einzugreifen. Wenig Sinn mache auch eine Unterstützung der Privaten Lagerhaltung, zumal große Zuckerbestände ohnehin kaum das Problem in der EU seien.

Immerhin will sich die EU-Kommission gegen das Zuckerdumping von Indien wehren. Australien sei hier führend bei einer Klage vor der Welthandelsorganisation (WTO) gegen Indien, und die EU werde sich mit Australien verbinden. Das Mercosur-Abkommen werde den EU-Zuckermarkt kaum belasten, ist Scannell überzeugt. Die Einfuhrquote, die man den Südamerikanern eingeräumt habe, betrage gerade mal 1% der Erzeugung der EU. Auch die Marktöffnung für Bioethanol belaste den EU-Zuckermarkt nicht so stark. Bioethanol werde in der EU schließlich kaum aus Zuckerrüben hergestellt, verteidigte der Kommissionsmitarbeiter das Mercosur-Abkommen.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerd Uken

Markt funktioniert nur so lange

Wie Nachfrage u. Angebot im Einklang sind.....,die Euphorie die die Industrie verbreitet hat ist den Zuckerrübenbauern genau so auf die Füße gefallen. Zu Weltmarkt Preisen produzieren das können nur ganz wenige

von Klaus Fiederling

Versiegt das weiße Gold auf unseren Höfen zusehends?

Wer hat im eigentlichen in der Vergangenheit bei unserer Königin vom Acker die Wertschöpfung vorgenommen!? - Bei einem durchschnittlichen Zuckerertrag von um die 10 t/ha bildet das aktuell auf dem Weltmarkt einen Gegenwert von etwa 3.200 € ab. Uns Bauern gönnt man hier den „großzügig“ bemessenen „Löwenanteil“ von einem Drittel, der Rest steht der nachgelagerten Zuckerindustrie bis hin zum Endverbraucher zur freien Verfügung. Jeder Bauer, der mit diesem Drittel nicht mehr zurecht kommt, wird wohl oder übel mit den Füßen abstimmen. Es gibt sehr viele, die sofort in diese Lücken stoßen werden, das steht zweifelsohne schon jetzt fest; die freigesetzten Marktkräfte werden das regeln. Gesichert folgende Auswirkungen auf den Bodenmarkt werden erst zu einem späteren Zeitpunkt sichtbar. Eingespielte Wertschöpfungsketten werden sich jedenfalls sukzessive maßgeblich verändern. // Wann endlich erkennt man die äußerst schmerzhaften Konsequenzen dieser nachhaltig agrarpolitisch forcierten Strategien einer massiven Billigmacherei bei einem stetig von uns Bauern eingeforderten IMMER MEHR!? - Man hat im Vorfeld von dem anderen Paradebeispiel des einstigen „weißen flüssigen Goldes“ wirklich rein gar nichts gelernt! // Aufgrund der heutigen Form des ZR-Anbaus auf den einzelnen Höfen, die mittlerweile großteils überbetrieblich organisiert und outgesourct ist, stellt es für den einzelnen Betrieb wirklich kein Problem dar, ein monetär kongruentes Produkt anzubauen. Hierfür stehen mehr als genug Alternativen zur Verfügung.

von Wolfgang Rühmkorf

Falsche Politik schädigt die Umwelt

Das unsinnige Verbot der wirksamen und die Insektenbiodiversität schonenden Beizung führt zu einem Rückgang des Rüben- und Rapsanbaues. Es dünnt die Möglichkeiten einer abwechslungsreichen Fruchtfolge aus, mit entsprechenden Auswirkungen auf die CO2- (THG-)-Bilanz sowie die von der Öffentlichkeit erwünschte Wirtschaftsweise der Landwirtschaft. In Summa wird die Biodiversität geschädigt anstatt gefördert!!!! Ich habe Verständnis für EU-Mitgliedsstaaten, die ein Mindestmaß an Zuckererzeugung im eigenen Land sichern wollen. Dies ist auch ein Ausdruck für Misstrauen gegenüber der EU-Administration! Warum will Deutschland das nicht?????? Offenbar aus den gleichen Gründen, aus denen das nicht repräsentative Grundwassermessnetz nach Brüssel gemeldet wurde. Man will ein Ökosozialistisches System (Agrarwende) mit Mitteln der Marktwirtschaft einführen!

von Renke Renken

Alles mit Plan

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