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Fungizide 2020: Ausläufer und Newcomer

Der Wirkstoffschwund ist in vollem Gang. Für viele Produkte ist nach der kommenden Saison Schluss. Aber es gibt auch neue Präparate, sogar mit neuen Wirkstoffen.

Lesezeit: 7 Minuten

Der in den Vorjahren viel diskutierte Wirkstoffverlust greift nun. Propiconazol ist das erste Azol, das man mit Ablauf der Aufbrauchfrist zum 20. März 2020 – demnach bereits ab der kommenden Saison – nicht mehr einsetzen darf. Betroffene Produkte sind Achat, Agent, Bolt XL, Cirkon, Desmel, Gladio, Taspa und Tilt 250 EC. Wer noch Restmengen hat, muss diese entsorgen.

Der Hintergrund ist, dass die EU im Rahmen der Neubewertung alter Wirkstoffe verschiedene Ausschlusskriterien, sogenannte Cut-off-Kriterien, festgelegt hat. Die Beurteilung erfolgt heute nach dem Vorsorgeprinzip. Dabei versucht man, die mögliche Gefahr des unverdünnten Wirkstoffs für Mensch, Tier und Umwelt zu ermitteln. Den vorherigen risikobasierten Ansatz hat die EU aufgegeben. Die Folge: Viele Azole lassen sich nach Ablauf der alten Zulassung nicht mehr verwenden. Natürlich gilt dies auch für betroffene Wirkstoffe von Reimporten.

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Welche Produkte laufen aus?

Dazu kommt, dass sich folgende Fungizidpräparate im kommenden Frühjahr letztmalig anwenden lassen:

  • Fenpropimorph-Produkte: Die Zulassung des Wirkstoffs Fenpropimorph endete im Frühjahr 2019, sodass sich Restbestände von Corbel, Capalo, Diamant, Juwel Top und Opus Top noch bis zum 31. Oktober 2019 im Vorverkauf handeln ließen. Besonders von Opus Top und Capalo wurden noch größere Mengen gehandelt, oft zu deutlich reduzierten Preisen. Hiermit können Sie Rost oder in Kombination mit Kontaktmitteln auch Septoria preisgünstig kontrollieren.



    Alle genannten Produkte muss man in der Saison 2020 verbrauchen, da die Aufbrauchfrist zum 30. Oktober 2020 endet. Danach noch vorhandene Ware gilt als Sondermüll.
  • Triadimenol-Produkte: Auch für den Wirkstoff Triadimenol endete die Zulassung im Sommer 2019. Die betroffenen Produkte Matador und Ceralo dürfen noch bis zum 29. Februar 2020 gehandelt und danach noch ein Jahr in der Praxis verwendet werden. Praktisch sind beide Präparate in 2020 noch anwendbar, man muss sie aber aufbrauchen.



  • Chlorthalonil-Produkte: Leider wurde dem Antrag auf Wiederzulassung von Chlorthalonil nicht entsprochen. Somit lässt sich Ramularia in 2020 letztmalig sicher kontrollieren. Amistar Opti und Zakeo Opti, die den Wirkstoff enthalten, können Sie noch bis zum 30. April kaufen. Die Aufbrauchfrist wurde auf den 20. Mai 2020 festgelegt. Verwenden Sie beide Produkte daher vorzugsweise in Wintergerste gegen Ramularia. Brauchen Sie Restbestände unbedingt auf.



    Zusätzlich ist für Alto und Locstar die nationale Zulassung abgelaufen. Die Firmen haben hierfür keine Wiederzulassung beantragt. Daher gilt es, auch diese Mittel in der kommenden Saison zu verbrauchen. Mit Alto können Sie preiswert und gut gegen frühen Gelbrost vorgehen. Gegenüber Mehltau hat es eine Nebenwirkung.

Neues für die Saison

Erfreulicherweise gibt es aber auch neue Präparate – in diesem Jahr sogar mit neuen Wirkstoffen. Die ersten Produkte mit dem neuen Azol Mefentrifluconazol kommen unter dem Namen Revysol auf den Markt. Das Fungizid Revystar wurde bereits im Herbst 2019 zugelassen, für Revytrex wird die Zulassung im Laufe des Winters erwartet.

Der Wirkstoff Mefentrifluconazol soll längerfristig Epoxiconazol ersetzen. Gegen Septoria wirkt Revysol deutlich besser als Epoxiconazol. Bei leicht besserer Dauerwirkung ist vor allem die Kurativwirkung erheblich länger, die der Hersteller momentan mit ca. neun Tagen angibt. Gegen Braun- und Gelbrost erreicht Revysol dagegen nicht die Wirkpotenz vom Epoxiconazol. Gegenüber Ramularia sind gute Nebenwirkungen möglich. Netzflecken und DTR lassen sich nur mit sehr geringen Wirkungsgraden kontrollieren. Auf Mehltau ist das Produkt sehr schwach. Halmbruch wird als Indikation zwar nicht ausgewiesen, in unseren Versuchen zeigte Revysol aber eine mittlere Wirkung – diese müssen wir im nächsten Jahr erneut überprüfen. Der Hersteller bietet Revysollösungen in Kombinationen und als Pack mit weiteren Wirkstoffen an. Das ermöglicht eine breitere und sichere Kontrolle der Krankheiten.

Das Mittel Revystar enthält 100 g/l Mefentrifluconazol und ist mit 1,5 l je ha in Weizen, Gerste und Triticale langfristig bis 2030 mit maximal zwei Anwendungen von EC 30 bis 61 (Braunrost in Weizen und Triticale bis EC 69) zugelassen. Die Umweltauflagen sind sehr günstig. So muss man beim Einsatz von 75% driftmindernden Düsen lediglich den länderspezifischen Mindestabstand zu Gewässern einhalten. Der Hersteller empfiehlt, Revystar vorzugsweise für die frühe Blattbehandlung zu nutzen und wird es in 2020 im Pack mit Flexity verkaufen. Mit 1,0 l/ha Revystar+0,5 l/ha Flexity wird dann eine breite Wirkung möglich.

Für Revytrex (66,6 g/l Mefentrifluconazol+66,6 g/l Fluxapyroxad) wird eine Zulassung mit 1,5 l/ha in allen Getreidearten zum Frühjahr erwartet. Das Produkt ist in Kombination mit dem enthaltenen Carboxamid breiter wirksam. Als Packlösung werden 1,5 l/ha Revytrex+0,5 l/ha Comet vorzugsweise für spätere Behandlungen angeboten. Das zugemischte Strobilurin verbessert vor allem im Weizen die Rostwirkung. Gegen Netzflecken zeigte Revytrex in unseren Versuchen zwar nur eine geringe Wirksamkeit. Durch das Zumischen von 0,5 l/ha Comet lässt sich aber eine synergistische Wirkverbesserung erreichen. Somit zählt die Kombination derzeit zu den stärksten Netzfleckenlösungen.

Um einer vorschnellen Resistenzentwicklung vorzubeugen, sollte man Revysol nur einmal in Fungizidstrategien verwenden.

Alternative zu Chlorthalonil?

Neu ist auch die Zulassung von Folpan 500 EC als Alternative zu Chlorthalonil. Das Fungizid ist mit 1,5 l/ha und maximal zwei Anwendungen bislang nur im Weizen zugelassen. Der Wirkstoff Folpet gehört zur Gruppe der Kontaktfungizide und ist nicht resistenzgefährdet. Die Leistung beschränkt sich allerdings nur auf eine vorbeugende Wirkung gegen Septoria tritici.

Im Vergleich ist die Wirkung von 1,5 l/ha Folpan aber deutlich schwächer als die von Chlorthalonil und etwas schwächer als von 2,0 kg/ha Dithane NeoTec. Angeraten ist ein Zumischen des Präparates bei hoher Septoriagefahr, um die Wirkung zu verbessern und somit Azole und Carboxamide vor schneller Resistenzentwicklung zu schützen.

Weitere Neuheiten

Das Produkt Input Triple wurde bereits 2019 zugelassen, im kommenden Frühjahr ist es nun erstmals erhältlich. Neben Prothioconazol und Spiroxamine enthält es 40 g/l Proquinazid, sodass mit der zugelassenen Aufwandmenge von 1,25 l/ha vergleichbar 0,25 l/ha Talius zum Einsatz kommen. Dadurch verlängert sich die Dauerwirkung gegen Mehltau auf mindestens 28 Tage. Vorteilhaft ist auch, dass man bei 90% abdriftreduzierten Düsen nur den länderspezifischen Gewässerabstand einhalten muss.

Von Nachteil ist aber die eingeschränkte Zulassung. Input Triple hat im Weizen nur die Indikationen Halmbruch, Mehltau, Septoria tritici und DTR, im Roggen nur Braunrost und Rhynchosporium und in Triticale lediglich Mehltau und Septoria-Arten. In Gerste hat sich wenig geändert, nur gegen Zwergrost ist das Fungizid nicht mehr zugelassen. Somit eignet sich Input Triple vor allem für den frühen Einsatz, vorzugsweise wenn Mehltau auftritt. Mit dieser Strategie ließe sich auch ein sinnvolles Resistenzmanagement einhalten und Talius langfristig schützen. Zur Kontrolle von Fusarium oder Rostkrankheiten in Weizen und Triticale ist es dagegen besser, auf Input Classic zurückzugreifen.

Wer Talius als Einzelprodukt für frühe Behandlungen benötigt, kann es künftig leider nur noch im Pack mit Ampera oder Viverda kaufen. Solo wird zwar das Produkt Property angeboten, allerdings erreicht es keine vergleichbare Dauerwirkung gegen Mehltau wie Talius. Vorhandener Mehltau lässt sich von beiden Präparaten nicht kontrollieren, sodass die Zumischung (auch zur Resistenzvermeidung) von Ceralo, Kantik oder Pronto Plus notwendig ist.

Ab 2020 wird Elatus Era als Einzelprodukt im 5 l- und 10 l-Gebinde verkauft. Als Alternative für Amistar Opti wird es einen Pack aus 5 l Elatus Era+ 7,5 l Folpan 500 EC geben. Vorzugsweise für Norddeutschland gibt es Elatus Plus (enthält nur das Carboxamid) im Pack mit Mirage. Hiervon kann man auch gegen Septoria eine vergleichbare Wirkung wie von Elatus Era erwarten. Vorteilhaft ist der geringere Gewässerabstand.

Leider wird Unix als sehr gutes Fungizid gegen Halmbruch und DTR nur noch im Pack mit Plexeo angeboten – sozusagen als Alternative für die alte Kombi aus Gladio+Unix. Eher ungünstig ist die Abpackung aus 5 kg Unix+2 mal 5 l Plexeo. Der Hersteller empfiehlt 0,5 kg/ha Unix+1,0 l/ha Plexeo vorzugsweise für die frühe Behandlung im Weizen. Plexeo bringt gegen Gelb- und Braunrost noch gute Wirkungen, gegen alle anderen Krankheiten aber nur geringe Leistungen.

Pronto Plus steht ab 2020 nur im Pack mit Mirage im Verhältnis 1,5 l Pronto Plus+0,75 l Mirage zur Verfügung. Praktisch wird man den Pack eher im Splitting einsetzen oder als breit wirksame Kombination z.B. von 1,0 l/ha Pronto Plus+1,0 l/ha Mirage+ 1,5 l/ha Dithane NeoTec bzw. 1,5 l/ha Folpan. Mirage müsste man dann als Soloprodukt zukaufen.

Neu ist auch die Zulassung von Sinstar, ein weiteres Produkt mit dem Wirkstoff Azoxystrobin. In Weizen und Gerste ist es mit 1,0 l/ha zugelassen.

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