Glyphosat wird nur behelfsweise für 1 Jahr verlängert

Bei der Zulassung für Glyphosat-haltige Herbizide gibt es weitere Verzögerungen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) verlängert die bestehenden Zulassungen nur um ein Jahr bis zum 15. Dezember 2019. Der Behelf ist nötig, weil sich die Behörden nicht auf Bedingungen für eine längere Zulassung einigen können.

„Die für die Erneuerung der Pflanzenschutzmittel-Zulassungen vorgesehenen Verfahrensschritte können nicht bis zum Stichtag 15. Dezember 2018 abgeschlossen werden“, begründet das BVL heute den Zwischenschritt. Zum 16. Dezember 2018 läuft die Frist für die Verlängerung der Zulassung von Herbiziden mit Glyphosat in Deutschland eigentlich aus. Das sind genau 12 Monate nach dem entscheidenden Ja des damaligen deutschen Landwirtschaftsministers Christian Schmidt zur Wiedergenehmigung von Glyphosat auf EU-Ebene. Damals hatte die EU den Wirkstoff für weitere 5 Jahre bis zum 15. Dezember 2022 genehmigt. Über die Zulassung der Pflanzenschutzmittel, die den Wirkstoff enthalten, müssen die Mitgliedstaaten eigentlich in der Folge innerhalb von 12 Monaten entscheiden.

Ausgleichflächen stehen Einigung im Weg

In Deutschland gibt es aber bisher keine Einigung der vier beteiligten Behörden Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel (BVL), Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Julius-Kühn-Institut (JKI) und Umweltbundesamt (UBA) auf eine Zulassung für die von den Pflanzenschutzmittelherstellern eingereichten Herbizide. In solchen Fällen sieht das europäische Recht vor, dass bestehende Zulassungen, wie nun geschehen, um ein Jahr verlängert werden.

Im Streit zwischen den deutschen Zulassungsbehörden harkt es vor allem zwischen dem BVL und dem UBA. Das UBA hatte Anfang November die Anlage von Ausgleichsflächen von bis zu 10 Prozent der Ackerfläche zur Bedingung für die Anwendung von Glyphosat gemacht. Diesen Passus will das UBA in die Zulassung von Glyphosat-haltigen Herbiziden aufnehmen. Das BVL bestätigt heute, dass es vom UBA bisher nur für einen von zehn Zulassungsanträgen eine Erklärung zur Risikoeinschätzung bekommen habe. Auf den Inhalt der Erklärung, die Forderung nach Ausgleichsflächen, ging das BVL jedoch nicht ein.

Auch andere Mitgliedstaaten in Verzug

Bis zum Stichtag 15. März 2018 waren laut dem BVL in Deutschland 37 Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat zugelassen. Für 28 dieser Mittel wurden Anträge auf eine erneute Zulassung gestellt, für die es nun eine neue Zulassung braucht. Bei den übrigen acht Mitteln wurde die Zulassung noch nach dem alten Pflanzenschutzgesetz erteilt. Die Zulassungsdauer geht hier über Dezember 2018 hinaus. Diese Zulassungen werden laut BVL ohne erneuten Zulassungsantrag überprüft.

In zehn der 28 Zulassungsverfahren ist Deutschland bewertender EU-Mitgliedstaat, auf dessen Zuarbeit die beteiligten Mitgliedstaaten warten. In 18 der 28 Anträge bewertet nicht Deutschland, sondern ein anderer EU-Mitgliedstaat den Antrag auf Erneuerung zuerst. Bisher liegt aber laut dem BVL auch noch in keinem der 18 Fälle eine Entscheidung des erstbewertenden Mitgliedstaats vor. Auch hier kann die Frist zum 15. Dezember 2018 nicht eingehalten werden.

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Hans Keil

Glyphosat u. Bodenerosin

Es geht beim Glyphosateinsatz vor allen um die Verminderung der Bodenerosion. Durch die nichtwendende Bodenbearbeitung, werden die durch die Lebendverbauung entstandenen Tonhumuskomplexe erhalten, die für die stabile Krümelstruktur entscheidend sind. Durch den Pflugeinsatz wird dieses Bodengefüge zerstört. Nur die obersten 10 cm sind die biologisch aktivsten Bodenhorizonte. Der aufgepflügte Boden hat dann eine Einzelkornstruktur, die unweigerlich zur Verschlämmung und damit zu Bodenerosion führt. Das Bodenleben muß sich danach erst noch aufbauen. Dieser Umstand ist besonders gut in Maisbeständen – Mulchsaat zu Pflugsaat, nach schauerartigen Niederschlägen im Frühsommer zu beobachten. Glyphosat ist notwendig, um eine Verungrasung im Bedarfsfall zu beseitigen. Welcher „ökologischer Schaden“ größer ist, Glyphosateinsatz mit Erosionsminderung u. Erhaltung einer biologisch stabilisierten Bodenstruktur o. Pflugeinatz mit Zerstörung des biologisch aktivsten Bodenhorizonts und Begünstigung von Bodenerosin, das gilt es abzuwägen. Hier wäre eine klare Ansage unserer Ministerin überfällig, statt sich im Graben zu verkriechen, um den persönlichen Karriereplan nicht zu beeinträchtigen. Aber so läuft es in der Politik nur noch ab.

von Alfons Lauer

Es hat alles einen Zusammenhang

Sicherlich kann man den Boden tot bearbeiten und auf Glyphosat verzichten, mit den entprechenden Nachteilen! Ich wirtschafte noch nach Urgroßväter Sitte und setze nur den Pflug ein und grubbere überhaupt nicht. Das hat mehrere Gründe, der Pflug hinterlässt einen "sauberen Tisch" ohne Resistenz- und Durchwuchsprobleme. Glyphosaat brauche ich nur alle 4 bis 5 Jahre, um Queckennester zu bekämfen. Das Grubbern bringt nicht die ständig beworbenen Vorteile, ist meiner Meinung nach schädlich. Meine Kritik: Nach der Ernte wird das Stroh abgeräumt und verkauft, da es bei der Minimalbodenbearbeitung eher hinderlich ist. Dann wird die ganze Feldmark aufgerissen und der Boden mit dem gesamten Bodenleben vom Einzeller bis zum Regenwurm wird der UV-Strahlung und der Sommerhitze ausgesetzt, was es weitgehend nicht überlebt. Was soll auch ein aktives Bodenleben, wenn man kaum organisches Maerial zur Humusbildung hinterlässt. Die Böden verarmen an Humus und Nährstoffen. Dazu kommt, dass die oberflächlichen Individuen im Lebensraum "Feld" einen s. g. Ernteschock erleben, sie wissen nicht mehr wohin, sie haben ihre Deckung völlig verloren und werden vom Boden und aus der Luft dezimiert. Bei der Ernte mache ich bewusst hohe Stoppel und pflüge nur zur entsprechenden Saat. So behalten die Felödbewohnenr wie Feldhase, Feldfasan, Rebhuhn, Feldlerche (Vogel des Jahres 2019), auch andere Bodenbrüter weitgehend ihren Lebensraum und können z. B. in die alte Rapsstoppel ausweichen, bevor sich der neue Raps etabliert hat und Deckung gibt. So haben wir hier in buntem Landschaftsbild noch alle die genannten Feldbewohner in normalem Vorkommen. Ich beauftrage keinen Lohnunternehmer und komme im Durchschnitt der Jahre mit 50 bis 65 l Diesel/ha aus. Wenn mehrfach gegrubbert werden muss, würde das nicht ausreichen.

von Hans-Gottfr. Gresshöner

2.Stoppelsturz

Herr Dittrich,mit dem Stoppelsturz mit Breitscharen kriegen sie die QUECKE nicht weg!!

von Michael Behrens

Ablasshandel im 21 Jahrhundert!

Wer das "böse" Glyphosat einsetzen will, muss etwas gutes zum Ausgleich machen! Dann muss ich mich durch Ausgleichsmaßnahmen von meiner Sünde befreien? Wir brauchen einen Luther 2.0! Der die Verfehlungen anprangert! Es wird nur noch aus Ideologischen Gründen gehandelt! Mit Sachverstand hat das alles nichts mehr zu tun! Aber was soll's? So lange die Regale voll sind wird sich nichts ändern in Utopia!

von Franz Hofmann

Dann holen wir halt den Pflug wieder raus

von Wilhelm Grimm

Habe ich in diesem Jahr auch so gemacht, Herr Ditrich.

Aber diese Entscheidung können wir uns nicht von Frau Schulze und den Umweltverbänden vorschreiben lassen. Das kann nur der Landwirt vor Ort. Bei einer staatlichen Bevormundung der Landwirtschaft hört die Berufsfreiheit auf.

von Frithjof Dittrich

2. Stoppelsturz

Mit dem 2. Stoppelsturz kann man Glyphosat ersetzen. Top Agrar hat den Breitscharhopel getestet. Wir werden unseren Horsch Tiger mit Hartmetallflügeln ausrüsten. Dieses Jahr hat uns die Trockenheit geholfen, Ausfallgetreide und -raps mechanisch zu bekämpfen. Wir pflügen nicht mehr und kommen trotzdem fast ohne Glyphosat aus. www.agponitz.de

von Wilhelm Grimm

Was sollen wir denn machen?

Diese Ideologen treiben uns in die Arme der Radikalen.

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